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Von der Selbstversorger- zur Alpenvereinshütte

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Trotz der für die Umweltmaßnahmen notwendigen Umbauten fügt sich die Wasseralm in die Landschaft der Röth ein: Sie wird von der Berchtesgadener DAV-Sektion mit einer eingeschränkten Konzession bewirtschaftet. (Fotos: Röhrig-Kropp)
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Gute Zusammenarbeit, selbst beim gemeinsamen Bepflanzen des Pflanzenklärbetts: Beppo Maltan (links) schulterte das Projekt »Alpenvereinshütte Wasseralm« gemeinsam mit Dr. Michael Vogel, dem Nationalparkleiter.

Der Berchtesgadener Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist es gelungen, die einfache Hütte auf der ehemaligen Wasseralm umwelt- und brandschutztechnisch so umzurüsten, dass sie Wanderern einen angemessenen, wenn auch bewusst einfach gehaltenen Rahmen bietet, aber gleichzeitig den strengen Umweltvorschriften in der Kernzone des Nationalparks gerecht wird. Gemeinsam mit dem Nationalpark hielt die Sektion nun eine Feier ab, bei der die Räume der umgebauten Wasseralm Gottes Segen und wohlwollende Worte des Nationalparkleiters erhielten.


Bereits seit der Gründung der DAV-Sektion Berchtesgaden vor über 130 Jahren bemühen sich die Alpenvereinsvertreter um einen Stützpunkt für Bergwanderer in der Röth. Denn für viele Wanderer ist der Übergang von der Gotzenalm oder vom Stahlhaus zum Kärlinger Haus als Tagesmarsch zu anstrengend. Nachdem Wanderer jahrzehntelang die im Kessel der Röth stehende Jagdhütte – zum Teil mit, zum Teil ohne Erlaubnis – genutzt hatten, wurde 1951 ein Almkaser als Selbstversorger-Hütte errichtet.

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Hüttendienst war jedes Wochenende im Einsatz

Peps Beierl, der Inhaber der Enzianbrennerei Grassl, betreute die Hütte seit Ende der sechziger Jahre 25 Jahre lang als Hüttenreferent und organisierte für jedes Wochenende einen Hüttendienst. Dieses Amt übernahm 1996 Beppo Maltan, der heutige Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden.

Das System, die Hütte als Selbstversorgerhütte zu betreiben und nur an den Wochenenden durch Hüttendienste zu beaufsichtigen, brachte aber zunehmend Probleme mit sich: Vor allem die unbeobachteten Besucher unter der Woche hinterließen nicht zumutbare hygienische Verhältnisse und verschwendeten so viel Brennholz, dass der Hüttendienst am Wochenende kaum noch nachkam mit Holzhacken. Hinzu kamen vermehrte Aufbrüche der Hüttenkasse. »Als ich dann bei einem meiner Besuche auf der Hütte feststellte, dass sich die Zahl der Decken drastisch verringert hatte und ich diese später im Wald wieder fand, war für mich klar, dass wir so nicht weitermachen können«, schildert Beppo Maltan.

Er begab sich auf die Suche nach einem Hüttenwart, der den ganzen Sommer in der Röth verbringen konnte, und war heilfroh, dass sich 1999 Horst Schellmoser, der ehemalige Revierjäger in der Röth, bereit erklärte, diese Aufgabe zu übernehmen. Seitdem ist die Wasseralm eine bewartete Alpenvereinshütte; diese Form war aber eher geduldet als erlaubt. Die Sektion bemühte sich eine Konzession zu bekommen, und kam Schritt für Schritt voran: Manfred Bauer, der damalige stellvertretende Leiter des Alpennationalparks, erreichte, dass der Brandschutz verbessert wurde und eine Ausgabe von Speisen und Getränken stattfinden konnte. Sein Nachfolger Roland Baier bestand darauf, dass der Betrieb der Wasseralm auf solide rechtliche Füße gestellt wurde. Er handelte einen Vertrag mit dem Alpenverein aus, den nach seinem Weggang Kathrin Rinneberg zu einem guten Ende brachte.

Um eine Konzession als Alpenvereinshütte erhalten zu können, mussten eine ganze Reihe von umwelttechnischen Maßnahmen vorgenommen, der Brandschutz optimiert und eine Küche gemäß der Gaststättenverordnung eingebaut werden. Daher hat der Alpenverein die Wasserquelle neu gefasst, eine UV-Anlage installiert, um die Wasserqualität zu garantieren, und eine Abwasseranlage mit Spülklosetts und Waschräumen errichtet. Die festen Bestandteile der Abwässer werden auch künftig ins Tal geflogen, die flüssigen in einem Pflanzenklärbeet gereinigt. Eine kaum sichtbare Solaranlage auf der Rückseite des Daches und ein Rapsöl-Aggregat sichern die Energieversorgung. Die neue Küche und Personalräumlichkeiten erleichtern den Betrieb der Hütte.

Nachdem diese Maßnahmen im letzten Herbst abgeschlossen waren, konnte die DAV-Sektion eine beschränkte Konzession für die Wasseralm erreichen. Somit konnten der Nationalpark und die Sektion gemeinsam zur feierlichen Einweihung der Wasseralm als offizielle Alpenvereinshütte einladen. Einträchtig segneten der Franziskaner-Pater Kajetan und der evangelische Pfarrer Walter Stoffel die Hütte. Einträchtig zeigten sich auch Nationalpark und Alpenverein: »Es fiel uns nicht leicht, solch ein Projekt in der Kernzone des Nationalparks zu genehmigen. Da sich jedoch die Umbaumaßnahmen auf das Nötigste beschränkten, was den Komfort der Wanderer betrifft, die Umweltbedingungen aber allesamt erfüllt wurden, stehen wir jetzt voll hinter der Alpenvereinshütte Wasseralm«, bekundete Dr. Michael Vogel, der Nationalparkleiter.

Auch Umweltministerium vom Projekt überzeugt

»Wir haben Jahrzehnte gebraucht, um die Wasseralm zu dem zu machen, was jetzt hier steht«, räumte Beppo Maltan ein. Ihm sei bewusst, dass nur die gute Basis der Zusammenarbeit mit dem Nationalpark, aber auch mit den zuständigen Ministerien die Konzession ermöglichte. Umso mehr freute er sich, dass Robert Winkler, der zuständige Leitende Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, an der Eröffnungsfeier teilnahm.

Winkler gestand ein, dass er dem Projekt anfangs skeptisch gegenüberstand: »Wir befürchteten, dass dort ein moderner Beherbergungsbetrieb entstehen soll. Doch die Einfachheit dessen, was hier oben geschaffen wurde, hat auch uns im Umweltministerium überzeugt«, so Robert Winkler. Ein geselliger Abend und ein Berggottesdienst gaben den Feierlichkeiten einen ansprechenden Rahmen. erk