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Unterwegs auf dem Jakobsweg

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Eine Gruppe von 18 Pilgern aus Traunreut und anderen Gemeinden im Landkreis Traunstein waren erneut auf dem Jakobsweg unterwegs. Diesmal war das Ziel Santiago de Compostela. (Foto: Weitz)

Eine Gruppe von 18 Pilgern aus Traunreut und anderen Gemeinden im Landkreis Traunstein kam kürzlich glücklich in Santiago de Compostela an, dem Ziel der Jakobswege in Europa. Die gesamte Via de la Plata (Silberstraße) ist ein rund 1000 Kilometer langer Jakobsweg, der von Sevilla im Süden Spaniens bis nach Santiago führt. Die Pilger aus der Region haben diesen Weg in drei Etappen bewältigt: Die erste Reise führte sie 2013 von Sevilla bis Caceres, die zweite Etappe ging 2015 von Caceres bis Puebla de Sanabria und nun stand der letzte Abschnitt von Puebla de Sanabria bis Santiago de Compostela auf dem Programm.


Die Via de la Plata ist im Gegensatz zum viel begangenen und berühmten Camino Frances nicht so bekannt. Beeindruckend ist daher auch die Ruhe und Einsamkeit. Nur einige wenige weitere Pilger waren unterwegs anzutreffen.

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Die gelbe Jakobsmuschel als Wegweiser

Wie schon bei den vorherigen Streckenabschnitten war auch auf den letzten 250 Kilometern bis zum Ziel die Landschaft traumhaft. Es ging über liebliche Hügellandschaften, die von Heidekraut dominiert waren, durch Wälder mit knorrigen Steineichen, ältere und frisch angepflanzte Eukalyptuswälder, vorbei an herrlich blühendem Ginster und riesigen Hortensienbüschen. Der Jakobsweg ist auf diesem Streckenabschnitt stets gut durch Wegweiser mit der gelben Jakobsmuschel gekennzeichnet.

Der Start der diesjährigen Etappe war in der Stadt Puebla de Sanabria in der Provinz Zamora in der autonomen Region Kastilien-León nahe der portugiesischen Grenze. Hoch über dem Ort wacht die Burg der Grafen von Benavente, ein Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert. Wenig später verließ die Gruppe Kastilien-León und kam nach Galicien. Eine weitere Stadt auf dem Weg ist Ourense.

Bei einem Stadtrundgang stand die San-Martin-Kathedrale auf dem Programm und die Chiemgauer statteten den heißen Quellen am Mino-Fluss einen Besuch ab. Die letzte Tagesetappe führte vorbei am heiligen Berg der Galicier, dem Pico Sacro, und am nächsten Tag ging es zu Fuß nach Santiago hinein. Groß war die Freude, als die mächtige Kathedrale zum ersten Mal ins Blickfeld kam. Derzeit sind allerdings die beiden Haupttürme wegen Renovierungsarbeiten verhüllt. Pünktlich zur Pilgermesse mittags um 12 Uhr kamen die Wanderer an und erlebten das beeindruckende Schauspiel des schwingenden Weihrauchfasses (Botafumeiro).

Der Botafumeiro ist ein etwa 1,60 Meter großes und 54 Kilogramm schweres Weihrauchfass und gehört zu den Hauptattraktionen der Kathedrale von Santiago de Compostela. Er hängt an einem 66 Meter langen Seil und wird zu besonderen Anlässen von acht Männern in Bewegung gesetzt und bis hoch unter die Decke geschwungen. Die Pilger aus dem Landkreis Traunstein, von denen einige zum ersten Mal in Santiago waren, freuten sich, dass sie dieses Schauspiel miterleben konnten. Der Besuch des Grabes des Heiligen Jakobus und die obligatorische Umarmung der Jakobsstatue, die am Hochaltar der Kathedrale steht, waren ein weiteres besonderes Erlebnis dieser Reise. Vergessen waren dann auch die Hitze und Strapazen während der Wandertage sowie die Blasen, mit denen der eine oder andere zu kämpfen hatte.

Nachdem sie mindestens die letzten 100 Kilometer des Jakobsweges Via de la Plata zu Fuß gegangen sind, holten sich die Pilger noch ihre »Compostelana« ab, also eine Urkunde. Mit Stempeln, die während der Pilgerreise an möglichst vielen Orten gesammelt wurden, muss man belegen, dass man diese Strecke auch tatsächlich zurückgelegt hat.

Die Beweggründe, warum sie sich auf den Weg gemacht haben, sind bei allen unterschiedlich. Elke Reif aus Stein, die schon mehrmals auf dem Jakobsweg unterwegs war, erklärt: »Ich gehe den Jakobsweg, um in einer zunächst fremden, eher einsamen und immer wieder interessanten Umgebung Abstand von aller Verantwortung und Verpflichtung des Alltags zu bekommen. Ich will durchschnaufen, ohne dass ich mich um irgendetwas kümmern muss. Für mich war das   Gehen das Ziel und nicht Santiago.« Natürlich sei das Ankommen ergreifend gewesen, sie habe aber auch Melancholie und Leere gespürt, weil der Weg damit zu Ende war.

Christine Hellmund aus Traunreut war vom Gruppenerlebnis beeindruckt: »Die Begleitung auf einem besonderen Stück meines Lebensweges von Leuten, die ich vorher nicht kannte, aber mit denen ich Tag für Tag immer ein Stück mehr zusammenwuchs, war beeindruckend. Der Weg hat meine Seele gestreichelt und es war so schön, dass ich am liebsten immer weiter gelaufen wäre.«

»In diesem Moment war ich angekommen«

Die frühere Leiterin der Stadtbücherei Traunreut, Veronika Mühlbacher aus Teisendorf, erreichte ihr Sehnsuchtsziel Santiago: »Der Höhepunkt für mich war die Pilgermesse in der Kathedrale und dann die Umarmung der Jakobusfigur auf dem Hauptaltar, wie es schon Abertausende von Pilgern vor mir getan haben. Da war ich angekommen.«

Auch sie genoss das Unterwegssein mit Gleichgesinnten, mit denen man sich je nach Stimmung unterhalten oder schweigend seinen Gedanken nachhängen konnte. »Dadurch, dass man zu Fuß unterwegs ist, kommt man zur Ruhe und kann sich neuen Eindrücken öffnen. Durch die Hitze war der Weg eine echte Herausforderung, umso größer war dann die Freude, es geschafft zu haben.« Viele der Teilnehmer sind nach der beeindruckenden Reise der gleichen Meinung wie Marianne Gruber aus St. Georgen. Sie sagt: »Für mich war das sicher nicht der letzte Jakobsweg.« mix