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Skitourengenuss vom feinsten

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Die großartigen baumlosen Hänge des Rojener Tourengebietes sind ein wahrer Hingucker. (Fotos: Till)
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Bei einer der Skitouren kommt man am Reschensee, aus dem der Kirchturm des versunkenen Dorfes Alt-Graun ragt, vorbei. Im Hintergrund ist der Piz Lad zu sehen.

Schneegarantie gibt es nirgends. Am Reschenpass dafür aber eine hohe Schneesicherheit. Denn er profitiert nicht nur von seinen 1500 Meter Seehöhe, sondern auch von seiner Lage direkt am Alpenhauptkamm. Egal, ob es wegen eines mitteleuropäischen Tiefdruckgebietes oder eines Mittelmeertiefs schneit, hier schüttelt Frau Holle ihre Betten immer aus.


In gut drei Stunden erreicht man dieses Ziel über die Inntalautobahn. Also noch genug Zeit, um eine kleine Tour am Anreisetag zu unternehmen. Dafür bietet sich die 2860 Meter hohe Seebodenspitze an, die man vom Skigebiet Haideralm aus erreicht. Von St. Valentin fährt man mit der Umlaufbahn zur Mittelstation um dann anzufellen und zuerst entlang der Skipiste und dann über freie Hänge zu diesem Berg mit seinem wunderschönen Gipfelkreuz zu gehen. Oben gibt es dann auch noch ein atemberaubendes Panorama, das von den Ötztalern über den Reschensee, dem Ortler und der Königsspitze bis in die Schweiz reicht.

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Leichte Tour führt auf den Äußeren Nockenkopf

Direkt in Reschen beginnt mit rund 1400 Höhenmeter die anspruchsvolle Skitour auf den Piz Lad. Anfangs geht es gemütlich über die breiten Wiesen und einem Karrenweg zur Reschenalm. Vorbei an dem auf einem auffallenden Hügel stehenden Wetterkreuz steigt man über die steile Südflanke auf und schließlich oberhalb eines Felsbandes vorsichtig hoch zum Gipfel. Nur bei sicheren Verhältnissen ist der 400 Höhenmeter umfassende und bis zu 40 Grad steile Gipfelhang für gute Skifahrer ein Genuss.

Eine Etage höher liegt auf 2000 Meter Seehöhe mit Rojen einer der höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Weiler der Alpen – also ein idealer Ausgangspunkt für Genussskitouren im baumfreien hochalpinen Gelände. Eine leichte Tour führt auf den Äußeren Nockenkopf. Direkt vom Parkplatz geht es durch den Weiler und nach einer Steilstufe und Überqueren eines Grabens über sanfte Hänge und Mulden nordwärts zum Südhang des 2770 Meter hohen Nockenkopfes. Sowohl Pulverschnee als auch Firn bieten puren Abfahrtsgenuss.

Dort, wo es einen Äußeren Nockenkopf gibt, muss es auch einen Inneren Nockenkopf geben. Vom Parkplatz führt die flache Spur entlang eines Baches taleinwärts. In die Nähe von idyllischen Almhütten zweigt man rechts ab und steigt über Rücken, sanfte Almwiesen und wieder an einem Wetterkreuz vorbei über den Südgrat auf den Gipfel. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick auf das riesige baumlose Tourengebiet mit seinen zahllosen Hängen. Bei guten Schneeverhältnissen kann man dann die Ski durch das kupierte Gelände regelrecht ins Tal fliegen lassen.

Ein faszinierender Skiberg ist der Grionkopf, der mit seinen 2900 Meter an der 3000er- und der Schweizer Grenze kratzt. Wie beim Inneren Nockenkopf spurt man entlang des Baches bis zur Engstelle des Griontales. Durch großartiges Skigelände steigt man über steilere Rampen und weite Mulden bis unter die Vallungscharte. Hier geht es rechts über steileres Gelände hoch zum prachtvollen Aussichtsgipfel. Inmitten der zahllosen Gipfel fällt der Blick hinunter nach Scuol im Engadin und zur berühmten Uinaschlucht. Durch sie führt eine der spektakulärsten Mountainbikerouten der Alpen, von Sur En im Engadin hoch zur Sesvennahütte. Um Kalkstein zu gewinnen, wurde bereits 1908 der Weg direkt in den Fels gesprengt. Fahren darf oder kann man auf diesem versicherten und mit niedrigen Tunnels gespickten Weg nicht. Aber wer »sein Radl liebt, der schiebt« und genießt die grandiose Schluchtszenerie. Der Skifahrer hat die Qual der Wahl, auf welchem der zahlreichen Hänge er seine Spur ins Tal zieht.

Kloster Marienberg ist ein Besuch wert

Wem nach so viel sportlicher Aktivität der Sinn nach etwas Kultur steht, der sollte das Kloster Marienberg mit seinen romanischen Fresken besuchen. Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man auch dem mittelalterlichen Städtchen Glurns mit seiner vollkommen erhaltenen Stadtmauer und der nahe gelegenen Churburg mit der weltweit größten privaten Rüstungssammlung.

Vom Reschenpass führt das Langtaufertal hin zu den Ötztaler Bergen. Bereits vor 50 Jahren fuhr mein Vater zu dem kleinen Berggasthof Melag am Talschluss, um von hier auf den Bärenbartkogel zu steigen. Diese äußerst lohnende Frühjahrsskitour hat er zig-Mal gemacht und den Wandel des einfachen Berggasthofs zum vornehmen Hotel miterlebt. Der Anstieg auf diesen Gletscherberg führt über die Melager Alm und über eine Moräne zu den sanften Hängen des Bärenbartferners. Am Ende des faszinierenden Gletscherbeckens zieht sich die Spur hoch zum Nordgrat und weiter zum Verbindungsgrat zwischen dem Inneren und Äußeren Bärenbartkogel. Über diesen erreicht man rechts den Gipfel. Der Anblick der Ötztaler Eisriesen, allen voran die mächtige Weißkugel, ist großartig. »Wost hischaugst, nix wia Gegend«, meinte ein Skitourengeher trefflich.

Selbstverständlich sollte man diese anspruchsvolle Tour nur bei bester Sicht und sicheren Verhältnissen gemacht werden, vor allem wenn man nicht entlang des Aufstiegs, sondern direkt über den Freibrunner Ferner Richtung Norden ins Melager Tal abfährt. Eine Traumabfahrt über lange steile Hänge, die wirklich nur bei sicheren Verhältnissen gemacht werden kann. Rudi Till