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Postkartenblick auf den Watzmann

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Oben am Gipfel des Großen Rauhen Kopfs hat man unter anderem einen tollen Blick auf den Watzmann. (Foto: Zeis)

Der Große Rauhe Kopf – ein Ausläufer des Untersbergmassivs wird sehr häufig besucht. Er ist durch den südseitigen Anstieg schon im Frühjahr, wenn in den höheren Bergen noch Schnee liegt und auch weit in den Spätherbst hinein, machbar. Seine Höhe ist mit 1604 Meter ja eher bescheiden. Aber: Es ist kein Spaziergang, man muss trittsicher und schwindelfrei sein.


An einem frostkalten Dezembermorgen startete ich mit zwei Bergkameraden vom Naturbad Aschauer Weiher aus zu dieser Wanderung. Für einen kurzen Bergtag gerüstet, der uns aber keine über den ersten Grad hinausgehenden Schwierigkeiten erwarten ließ, strebten wir über den bequemen Maximiliansweg Richtung Aschau. Das schneebedeckte Watzmannmassiv und der Hochkalter mit ihrer malerischen Schönheit und überaus wilden Gipfelformen begleiteten uns am Anfang unseres Weges. An den Spitzen des Watzmannmassivs spielten bereits die ersten Sonnenstrahlen mit zauberhaften Lichteffekten.

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Bei einer Gabelung folgten wir dem Weg in nördlicher Richtung und die ersten Höhenmeter über einen steilen und wurzeligen Pfad brachten uns bald auf Betriebstemperatur. Bei einer Abzweigung wanderten wir einen Forstweg steil nach oben bis zu einer Rastbank mit Bründl und dem sogenannten »Blauen Kastl« – einem markanten Bildstock. Hier bogen wir rechts ab und stiegen auf einen gut begehbaren Steig durch den Hochwald weiter.

Wir fanden den Aufstieg nicht sonderlich beschwerlich – bis wir in die Felsregionen kamen. Je höher wir kamen, desto mehr wuchsen die Schwierigkeiten. Der Pfad führte über kleinere Felsriegel und zu einer scharfen abschüssigen Felskante. Ein kurzes Drahtseil erleichterte die Bewältigung der Schlüsselstelle mit Blick in die schauerliche Tiefe des Abhangs. Nach einem kurzen Abstieg war bereits der Vorgipfel mit dem Sendehäuschen erreicht. Den Gipfel vor Augen stellten die letzten Höhenmeter über latschenbewachsene Schrofen kein Problem mehr dar. Nach 2,5 Stunden standen wir auf dem Großer Rauher Kopf und wurden mit einer grandiosen Aussicht belohnt.

Westwärts zog der lange gipfel- und türmereiche Grat des Lattengebirges zum Pass Hallthurm hinunter, der den Übergang zum Untersberg trennt. Im Süden standen dunkel vor uns der Watzmann mit seiner Frau und seinen fünf Kindern und das gesamte Steinerne Meer. Im Norden tat sich der breite Klotz des Untersbergs hervor. Im Osten erhoben sich die turmförmigen Gipfelzinnen des Dachsteins und der mächtige Hohe Göll mit den anschließenden zahmen runden Rücken des Hohen Bretts. Es war eine Gipfelstunde voll innerer Zufriedenheit, die nur zu schnell verflog.

Die Zeit drängte und wir machten uns wieder auf den Weg. Für den Abstieg wählten wir einen unkundigen Jagdsteig, um nicht den selben Weg abzusteigen, den wir heraufgekommen waren. Erleichtert atmeten wir auf, als wir über Umwege endlich unseren Ausgangspunkt bei einbrechender Dunkelheit erreichten. Mit recht strapazierten Füßen und der Erfahrung reicher, an Wintertagen Experimente zu unterlassen, eilten unsere Gedanken nochmals nach oben – also zum Gipfel eines wunderschönen Aussichtsbergs. Manfred Zeis