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Orkan und Eisschlag am Cerro Torre

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Tommy Aguilo, Thomas Huber und Andi Schnarf (v.l.) sind glücklich, wieder gesund im Camp zu sein. Drei der vier Türme im Hintergrund hatte das Trio zuvor bestiegen. (Fotos: Huber)

Thomas Hubers Langzeit-Projekt, die Überschreitung aller vier Türme im Cerro-Torre-Massiv, scheiterte erneut am orkanartigen Wind und dem damit verbundenen Eisschlag. Mit seinen Seilpartnern Andi Schnarf (Schweiz) und Tommy Aguilo (Argentinien) schaffte es der Berchtesgadener bis in die letzte Scharte vor dem finalen Anstieg zum Cerro-Torre-Gipfel. Dann gab das Trio auf. Doch den Traum von der Traverse, die mittlerweile von Kletterern aus den USA und Argentinien in beide Richtungen realisiert worden ist, gibt der 49-Jährige nicht auf: »Ich muss das einfach abschließen«.


»Diese verrückte Linie brennt einfach in mir«

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Seit zehn Jahren ist Thomas Huber in den Wänden der patagonischen Granitriesen unterwegs, die zu den schwierigsten und gefährlichsten der Welt zählen. Er stand – teils mehrfach – auf den verschiedenen Türmen des Cerro-Torre-Massivs und auch – sogar im Winter – auf dem Hauptgipfel. Doch seinen Traum, die Überschreitung von Cerro Standhard, Punta Heron, Torre Egger und Cerro Torre in einem Zug, konnte sich Thomas Huber trotz mehrerer Versuche bis heute nicht erfüllen. »Mir ist es mittlerweile auch gleich, ob ich es als Erster, Zweiter oder Dritter schaffe. Diese verrückte Linie brennt einfach in mir und deshalb will ich das noch schaffen«, so der Berchtesgadener.

Dabei war das Trio so zuversichtlich in das Projekt gestartet. »Wir hatten beim nächtlichen Aufbruch beste Bedingungen«, erinnert sich Huber. Schnell erreichten die Kletterer den Beginn der Felskletterei hinauf zum Torre Standhard. Selbst abzusichernde Kletterei im unteren achten Schwierigkeitsgrad stellten das Trio vor keine großen Probleme und so stand man schon sieben Stunden später auf dem ersten Turm. »Dort blies uns der Wind mit 70 bis 80 km/h um die Ohren. Und mittlerweile waren sogar Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h vorausgesagt«, erzählt Huber. Schnell seilte man sich in die erste Scharte ab und von dort aus noch einige Meter auf die windgeschützte Ostseite, wo man sich erst einmal verschanzte und auf einem kleinen, ungemütlichen Eisband biwakierte. »Über uns an den Gipfel der Torres pfiff ein Orkan, von den Eispilzen hagelte es faustgroße Eisbrocken auf unser Biwak und später kam dann noch der Regen«, beschreibt Thomas Huber die brenzlige Situation.

Nach einer zwischenzeitlichen Windpause am nächsten Tag erreichte das Trio sehr schnell den Gipfel des Punta Heron, doch dann geriet die Luft wieder in Bewegung. »Wir wurden von den Orkanböen regelrecht durchgeschüttelt und mussten uns beim Klettern gut festhalten«, erzählt der Berchtesgadener. Der Wind peitschte die Seile waagerecht durch die Luft. Das Abseilen erforderte deshalb eine besondere Technik, weil sich die Seile sonst irgendwo am Fels verheddert hätten. Als das Trio endlich auf dem Gipfel des Torre Egger stand, hatte man wenig Zeit, die Aussicht zu genießen. Stattdessen ging es zügig hinab ins Col de Conquista, wo der Sturm und die ungeschützte Lage keine Biwakmöglichkeit boten. »Sehr bald waren wir uns einig, dass unser Abenteuer hier enden würde«, denkt Thomas Huber wehmütig zurück. Nach einer nächtlichen Abseilfahrt erreichte das Trio um 6 Uhr morgens das Camp.

»Das Ganze hat riesig Spaß gemacht«, sagt Thomas Huber trotz des kurz vor dem Ziel abgebrochenen Projekts. Vor allem freut es den Berchtesgadener, dass er nach seiner Ellenbogen-Luxation, die er sich bei einem Gleitschirmunfall zugezogen hatte, im alpinen Gelände wieder gut unterwegs sein kann. Genau deshalb kann er seinen nächsten Aufbruch kaum erwarten. Und der wird schon bald sein.

Gemeinsam mit Mario Walder, Dani Arnold, seinem Bruder Alexander und Kameramann Seppi Dabringer fährt er zum Latok I (7145 Meter) in Pakistan. Das Projekt hatten die Huberbuam im letzten Jahr wegen der unsicheren politischen Lage kurz vor der Abreise abgesagt. Jetzt wollen sie die erste Durchsteigung der 2000 Meter hohen Nordwand in Angriff nehmen. Am 18. Juni geht es los, am 17. August will man zurück sein. Am liebsten freilich mit einem Erfolg in der Tasche. Ulli Kastner