Oberammergau: Mehr als eine Passion

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Auf dem Schartenkopf hat man eine wunderbare Aussicht. (Fotos: Till)
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Die Ammer mit ihrer berühmten Scheibum ist ein Eldorado für Wildwasserfahrer.
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Das Schloss Linderhof ist eines der kunstvollsten Ensembles des 19. Jahrhunderts.

Wer Oberammergau hört, denkt zunächst an die Passionsspiele. Dabei gibt es dort und in der näheren Umgebung viele landschaftliche und kulturelle Höhepunkte wie die Scheibum an der Ammer, das Kloster Ettal oder das Schloss Linderhof, die es zu erwandern oder zu erradeln gilt.


Die Hauptattraktion von Oberammergau ist natürlich das Passionstheater, indem seit dem Ende der Pest im Jahr 1632 das Gelübde besteht, alle zehn Jahre das »Leben und Sterben Christi« aufzuführen. In der wunderschönen Barockkirche St. Peter und Paul ist das Kruzifix aufbewahrt, vor dem das Gelübde abgelegt wurde.

Bei einer Wanderung durch den liebenswerten Ort kann man am Forstamt und am Pilatushaus wunderschöne Lüftlmalereien bewundern. Am Rotkäppchen- sowie dem Hänsel- und Gretelhaus erfreuen Malereien und Szenen aus Grimms Märchen nicht nur die Kinder. Wem der Stadtbummel zu wenig ist, der kann knapp 100 Höhenmeter zur Kreuzigungsgruppe hinaufwandern und die großartige Marmorskulptur bewundern, die König Ludwig II. den Oberammergauern anlässlich einer Sonderaufführung schenkte.

Leichte Talwanderung zum Kloster Ettal

Noch am Anreisetag lohnt sich eine leichte Talwanderung zum Kloster Ettal. Zunächst geht es entlang der Ammer, um dann auf beschilderten und festen Wegen das Naturschutzgebiet Weidmoos mit seinen Mooren, Quelltöpfen und seiner einzigartigen Fauna und Flora zu durchqueren. Anschließend lädt der Biergarten der ehemaligen Ettaler Wassermühle zum Verweilen ein. Nun ist es nicht mehr weit zum Benediktinerkloster, das vom Kaiser »Ludwig dem Bayern« 1330 gegründet wurde. Die beeindruckende Basilika beinhaltet die schönste Rokoko-Sakristei Süddeutschlands. Hinter dem Kloster lohnt sich ein Besuch der Schaukäserei, in der die Milch der einheimischen Bauern zu Käse verarbeitet wird. Zurück geht es auf der anderen Talseite und über den Vogelherdweg zur Bärenhöhle. In dieser befindet sich die Auferstehungsfigur, zu der ein kleiner Steig hinaufführt. Der Felsen der Bärenhöhle ist gleichzeitig ein beliebtes Klettergebiet, das leicht erreichbar ist und mit dem »Dach von Rainmann« zu den beeindruckendsten Klettereien Oberammergaus gehört. Wegen der Vogelbrut sind die Routen, die vom sechsten bis neunten Grad reichen, bis Ende Juni gesperrt. Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Ausgangspunkt Oberammergau.

Der Hausberg von Oberammergau ist der Laber, auf den sich Drachen- und Gleitschirmflieger mit der nostalgischen Seilbahn hinaufgondeln lassen. Die Bergsteiger lädt er zu einer größeren Rundtour ein, die man direkt im Ort beginnen kann. Zuerst geht es zur Talstation, um dann der Beschilderung zu den Schartenköpfen zu folgen. Steil schlängelt sich der Steig den Bergwald bis zu einer Freifläche hinauf. Ab dort quert der schmale Weg die steilen Flanken des Laber bis zum Gipfelaufbau der Schartenköpfe. Der wunderschöne und teilweise drahtseilgesicherte Steig führt jetzt durch felsiges Gelände im Zickzack steil hinauf und erfordert Trittsicherheit. Oben steht man wie auf einer Klippe und hat einen herrlichen Tiefblick ins Graswangtal und nach Ettal.

Kurz steil obi, etwas umi und wieder aufi geht es über Grat und Bergrücken zum 1686 Meter hohen Laber. Die Terrasse des bewirtschafteten Laberhauses lädt zum Verweilen ein, da der Laber zu den schönsten Aussichtsbergen des deutschen Alpenraums gehört. Er bietet ein fantastisches Panorama mit Zugspitze, dem Wetterstein-, Estergebirge und Karwendel einerseits und Ammer-, Staffel- und Riegsee andererseits. Anschließend geht es ostwärts weiter, zunächst über einen freien Rücken und dann steiler bergab bis zu einem Abzweig. Trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger können dort weiter zum Ettaler Manndl gehen, um dieses über einen leichten Klettersteig zu besteigen. Alle anderen steigen am Abzweig hinunter zum verlandeten Soilasee und treffen in der Nähe der gleichnamigen Alm auf den Abstiegsweg des Ettaler Manndl. Über Forststraßen und Waldsteige geht es zurück zur Talstation und nach Oberammergau, um in einer der vielen Gaststätten einen ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen.

Die Ammer mit ihrer berühmten Scheibum ist ein Eldorado für Wildwasserfahrer. Zwischen Altenau und Peißenberg schuf der Fluss eine großartige Schlucht und durchbrach als Scheibum die Sandsteinfelsen aus der Jungmoränenzeit. Dieses sehenswerte Naturschauspiel einer Stromschnelle, die sich wegen eines querliegenden Sandsteinriegel als Kreisel in ein Kehrwasser dreht, lockt neben den Wildwasserfahrern auch Wanderer, Badegäste und Radfahrer an.

Die Radler rollen auf dem Ammerradweg flussabwärts über Unterammergau nach Altenau. Im späten Frühjahr erleben sie dabei blühender Wiesen mit einer unglaublichen Blütenpracht von Trollblumen, Schwertlilien, Knabenkraut usw. In Altenau zweigen sie auf die sogenannte Königsstraße ab und fahren bis Unternogg, um dort die Halbammer zu überqueren. Auf der anderen Flussseite geht es zurück zum Kraftwerk Kammerl an der Ammer.

Über einen Waldweg erreichen Radler wie Wanderer die Scheibum. Die letzten Meter zwängt man sich zu Fuß zwischen Fluss und Sandsteinfelsen hindurch, um die Stromschnelle mit den darauffolgenden türkisfarbenen Badegumpen zu erreichen und sich an dem Farbenrausch von Weißwasser, grünblauen Wasser, braungrauen Sandstein und weißblauen Himmel zu erfreuen. Nach diesem Augenschmaus strampeln die Radler auf einer Zubringerstraße steil hinauf nach Saulgrub, um dann nach Wurmsau und weiter zum Anfahrtsweg an der Ammer zu rollen, dann geht's zurück nach Oberammergau.

Mit dem Rad hinauf zum Schlosspark Linderhof

Die Königsradrunde beginnt in Unterammergau und zweigt bei Oberammergau ins Graswangtal ab. Dort liegt der Ettaler Klettergarten Frauenwasserl, an dem man Anfänger wie Könner beobachten kann. Weiter geht es wieder an blühenden Wiesen vorbei und entlang des glasklaren Baches in Richtung der Ammerquellen. Nach der sehenswerten Gertrudiskapelle und dem Ort Graswang erreichen die Pedalritter das Kohlbachtal. Jetzt heißt es, kräftig in die Pedale zu treten, denn der Forstweg führt hinauf zum Schlosspark Linderhof. Zu Fuß besichtigt man den Park und das herrliche Schloss des Märchenkönigs Ludwigs II.

Auf der anderen Talseite geht es zurück und über das Naturschutzgebiet Weidmoos und die Ettaler Mühle zum weltbekannten Kloster Ettal. Nach eingehender Besichtigung und nochmaliger Verkostung in der Schaukäserei rollen die Stahlrösser wie von selbst entlang der Ammer zurück. Kurz vor Unterammergau empfängt das Pulvermoos mit ebenfalls sehr schöner Flora und Fauna die Radfahrer. Auf die Besucher warten noch viele lohnenswerte Ziele, wie der 1342 Meter hohen Kofel, ein markanter Felsgipfel, der wie ein Horn aussieht und quasi als Wahrzeichen direkt über Oberammergau thront.

Rudolf Till