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»Nackter« oder doch lieber »Wilder Hund«?

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Der Klettersteig »Nackter Hund« gehört zu den mittelschweren Klassikern unter den Eisenwegen der nördlichen Kalkalpen. (Fotos: Mayer)
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Der Klettersteig »Wilder Hund« ist neu. Der »Wilde« ist übrigens, auch wenn man es aus der Schwierigkeitsbewertung nicht gleich herauslesen kann, doch spürbar schwieriger als der »Nackte«.

Der alte heißt »Nackter Hund«, der neue »Wilder Hund«. Einem Kletterer aus der Waginger Alpenvereinsgruppe, der sich deren Besteigung zum Ziel gesetzt hatte, war die Unterscheidung zu umständlich. Er fasste die beiden Klettersteige kurz und bündig unter dem Sammelbegriff »Vareggde Hund« zusammen. Die Gruppe erkundete am Vortag die luftige Seilbrücke und die bis zu 80 Meter hohen Übungsklettersteige nahe der Schmidt-Zabierow-Hütte in den Loferer Steinbergen. Die Hütte hat sich in den vergangenen Jahren von einem Mauerblümchen zum viel besuchten Stützpunkt für Kletterer gemausert – und jetzt hat man auch das Angebot für Klettersteigfreunde erheblich ausgebaut.


Einstieg über das Wehrgrubenjoch

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Der Klettersteig »Nackter Hund« gehört zu den mittelschweren Klassikern unter den Eisenwegen der nördlichen Kalkalpen. Dabei wird der namensgebende Felsturm nicht betreten, sondern an seiner Ostseite teilweise etwas absteigend auf luftigen Bändern gequert. Von der dahinterliegenden Scharte mit dem Doppelfelsgebilde »Heinrich und der Löwe« führt die Steiganlage dann über mehrere senkrechte Gratstufen zum Gipfel des Großen Hinterhorns.

Der Einstieg wurde früher und wird auch heute noch überwiegend über das Wehrgrubenjoch erreicht. Seit 2014 gibt es jedoch auch einen direkten Zustieg aus der Großen Wehrgrube – und der wurde »Wilder Hund« getauft. Der »Wilde« ist, auch wenn man es aus der Schwierigkeitsbewertung nicht unmittelbar herauslesen kann, doch spürbar schwieriger als der »Nackte«. Die senkrechten Wandstufen sind länger, und vor allem fehlen hier bis auf wenige Ausnahmen künstliche Tritthilfen. Wer über eine etwas ausgefeiltere Technik und ein Auge für natürliche Trittmöglichkeiten verfügt, wird die neue Steiganlage mit Genuss begehen.

Nachdem die Waginger Klettersteigler den rassigen »Wilden Hund« hinter sich gebracht hatten, warteten beim Weitersteigen zum Gipfel keine großen Hindernisse mehr auf sie. Nach einer Gipfelstunde stieg die Gruppe auf dem Normalweg über die Waidringer Nieder wieder hinab.

Abschließend eine Bemerkung zu den Schwierigkeiten: In der Literatur sind beide Teile mit C-D (schwierig bis sehr schwierig) bewertet. Das kann vor allem bei Klettersteiggehern, die den klassischen »Nackten Hund« kennen, zu der irrigen Ansicht führen, beide Steige seien gleich schwer. Wenn man die Bewertungen so stehen lassen will, muss man sie zumindest so interpretieren, dass der Grad D beim »Wilden Hund« an zahlreichen Stellen voll erreicht wird, während er beim »Nackten Hund« gerade mal so »angekratzt« wird.

Der Zustieg von der Hütte dauert übrigens etwa 45 Minuten. Für den »Wilden Hund« braucht man etwa eine Stunde, und auf dem »Nackten Hund« ist man noch etwa eineinhalb Stunden bis zum Gipfel unterwegs. Lorenz Mayer