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Mit Hund Acco über Berg und Tal nach Meran

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Acco machte es sich schon mal im Zelt bequem. An einigen Tagen mussten Andreas Mayer und sein Hund auch im Freien Übernachten.
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Von seinem Hund Acco begleitet marschierte Andreas Mayer von Traunwalchen aus über Berg und Tal die 330 Kilometer nach Meran.

Andreas Mayer, 50 Jahre alt, von Beruf Lagerist in den Chiemgau Lebenshilfe-Werkstätten, hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt: Er ist zusammen mit seinem Hund Acco, einem deutschen Pinscher, zu Fuß über Asphaltstraßen und Höhenwege, über Berge, Täler und hohe Pässe nach Meran in Südtirol gewandert – 14 Tage waren die beiden letztlich unterwegs und haben dabei eine Strecke von genau 330 Kilometern zurückgelegt.


Noch voller frischer Eindrücke erzählt Andreas Mayer von seiner Tour, die nach detaillierter Planung wunderbar geklappt hat. Die Blasen an den Füßen haben dank eines offenbar sehr wirksamen Pflasters keine Probleme gemacht, Beine, Muskeln und Kondition waren in Ordnung, beim Herrchen ebenso wie beim Hund, das Wetter hätte schlechter sein können, auch die unabsichtlichen Umwege hielten sich in Grenzen, auch wenn die Ausschilderung der Wege teilweise besser hätte sein können. So kam Mayer gut an seinem Ziel an, dem Ebner-Hof, einem Bergbauernhof zwischen Meran und Bozen, auf dem die Familie Mayer schon seit 15 Jahren häufig ihren Urlaub verbracht hat.

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Der Rucksack ist zu schwer, Hilfe naht von daheim

Die wenigen negativen Ereignisse spielten sich gleich an den ersten beiden Tagen ab, nachdem Mayer am Vatertag gestartet war. »Am Vatertag darf man schließlich als Vater alles machen«, witzelte er. Da stellte sich dann in der Gegend vom Weitsee endgültig heraus, dass der 30 Kilogramm schwere Rucksack definitiv nicht die ideale Voraussetzung für einen vierzehntägigen Marsch ist. Gleichzeitig ging das Handy kaputt, der Schnapper am Bauchgurt vom Rucksack gab seinen Geist auf, mangels ausreichenden Eincremens gab es den ersten Sonnenbrand und auch die erste Blase entwickelte sich am Fuß.

Hilfe kam von zu Hause: Frau, Sohn und Tochter fuhren mit dem Auto zum Weitsee Richtung Reit im Winkl, nahmen überflüssiges Gepäck mit heim. Am darauffolgenden Morgen brachte Sohn Christian ein funktionierendes Handy zum Treffpunkt Parkplatz Seegatterl. Für Sonnenbrand und Blase fand Mayer selbst Abhilfe – und von da an lief der »Spaziergang« reibungslos ab.

Auch wenn das Gewicht des Gepäcks nach zwei Tagen reduziert wurde, der Rucksack war immer noch gut vollgepackt. Neben Zelt, Matte und Luftmatratze, ausreichend Wasser und dem Reiseproviant, der aus wenig mehr als verschiedenen Salamis und etwas Traubenzucker bestand, war vor allem das Hundefutter ein beträchtlicher Gewichtsfaktor: Rund sieben Kilo wog das Futter, eineinhalb davon musste Acco selber schleppen und bekam dafür einen Hunde-Rucksack umgeschnallt. Er trug dies mit Fassung und Würde und erregte entsprechend viel Aufsehen bei gelegentlichen Begegnungen.

Denn wirklich viel los war nicht auf der Strecke, erzählt Mayer. Es war noch vor den Pfingstferien, also noch keine Ferienzeit, was schmerzlich bei der Quartierssuche bewusst wurde. Viele Pensionen – geben tut es davon ja reichlich in den passierten Gegenden – hatten noch geschlossen. Und manche Inhaber waren nicht gerade begeistert von einem Mann mit Hund, der noch dazu nur eine Nacht bleiben wollte. Letztlich aber war’s dann doch so, dass von den 13 Übernachtungen neun in einer Pension klappten. Nur drei Mal wurde im Zelt genächtigt, ein Mal in einem Unterstand. Die Menschen aber, die ihn letztlich dann doch aufnahmen, seien alle sehr nett und hilfsbereit gewesen, wie Mayer dankbar erwähnt, und hätten mit dem angebotenen Frühstück oder einer Brotzeit seinen eintönigen Speiseplan deutlich aufgepeppt.

Und so nahm die Reise ihren Lauf. Von seiner Haustür an der Fliederstraße in Traunwalchen aus wanderte Mayer mit seinem braven Hund – der immer an der Leine ging – in Richtung Traunstein und weiter in die Berge hinein. Es war eigentlich »nur ein Spaziergang«, sagt Wandersmann Mayer, »aber es steckt trotzdem eine wahnsinnige Leistung des Körpers dahinter.« Geplant waren Tagesrouten von rund zwölf Kilometer, letztlich aber waren es in der Regel fast 20 im Durchschnitt – über den Hochfelln nach Kitzbühl und Pässe wie Pass Thurn, Pfitscher Joch, Jaufenpass. Die zurückgelegten Höhenmeter hat Mayer nicht gezählt, obwohl er ansonsten den Verlauf seiner Wanderung akribisch auf Papier festgehalten hat. Der Plan war, wenigstens jeden Tag eine Seite zu schreiben, um die Eindrücke zu speichern, letztlich aber kamen oftmals acht Seiten an einem Tag zusammen. »Ich hätte eher Wasserblasen an den Fingern bekommen als an den Füßen«, scherzt er. Diese schriftlichen Erlebnisse will Mayer, wenn mal ausreichend Zeit ist, zusammenfassen und mit den vielen Fotos dokumentieren, und so könnte vielleicht eines Tages ein Büchlein entstehen – eventuell auch, um anderen Idee und Anregung zu liefern, Ähnliches zu wagen.

Denn auch bei ihm kam die Idee nicht aus dem Nichts. Ein Freund hatte mal von einem Vorhaben gesprochen, in einem Jahr 70 Berggipfel zu schaffen. Das habe dann zwar nicht geklappt, aber die Idee war ein Mosaiksteinchen dazu, dass bei ihm der Gedanke reifte, auch einmal eine körperlich fordernde Unternehmung zu starten. Aber er wollte dies weder auf dem Jakobsweg tun und auch nicht auf einem der bekannten Fernwege, sondern am liebsten quer durch die Alpen und nicht zuletzt ohne Anreise: also von Haustür zu Haustür. Und das Ziel lieferte letztlich der von vielen Urlauben vertraute Ebner-Hof mit der netten Bauersfamilie.

Er sei eigentlich nicht der Sportlertyp, schätzt sich Mayer selbst ein, obwohl er nach seiner Tour, mit gefühlt zehn Kilo weniger als beim Aufbruch, einen sehr sportlichen Eindruck vermittelt. Allerdings kommt das auch nicht von ungefähr: Schließlich trainiert er regelmäßig als Karate-Trainer im Seeoner Sportverein – und das mehrere Male die Woche. Und auch der Hund war nicht gerade übertrainiert: Er darf halt normalerweise täglich zwei Mal Gassi gehen, immer etwa eine Stunde lang. Diese Art von Training – überhaupt nicht auf die Wanderung hin konzentriert – reichte den beiden aber, die zwei Wochen und über 300 Kilometer gut durchzuhalten. Gefährliche Wegstrecken wie etwa Klettersteige blieben außen vor, das war schon bei der Planung berücksichtigt worden, die Mayer mit dem Traunsteiner Bergfex Willi Schwenkmeier ausgearbeitet hatte.

Tolle Wege seien sie gegangen, schwärmt Mayer, in Wäldern, entlang von Flüssen, in wunderbarer Landschaft, die meisten davon schön hergerichtet, natürlich schon mal auch an Autostraßen entlang, weil die Wiesen daneben oftmals – grad am Morgen – noch sehr nass gewesen seien. Und mit nassen Füßen wandern – das wurde tunlichst vermieden. Rundherum seien fast immer Berge zu sehen gewesen, so ein weiterer Eindruck, »und alle paar Meter schaute der selbe Berg wieder ganz anders aus.«

Wie gesagt, Begegnungen waren eher selten, aber doch ergaben sich von Mal zu Mal Gespräche mit anderen Wanderern, Rad- oder Motorradfahrern. Das Wandern selbst sei für ihn kein Rückzug gewesen, sinniert Mayer, kein Philosophieren, keine Stressbewältigung. Entspannt und ohne viel Denken sei er seine Wege gewandert, der Hund immer an einer am Gürtel befestigten Leine klaglos hinterher. Das Zeitgefühl sei nach und nach verloren gegangen, und der Hörsinn sei schärfer geworden. Er habe die vielfältigen Geräusche, die schrillen oder singenden Vogelstimmen, das Knacken in den Wäldern, das Rauschen der Wasser sehr deutlich in sich aufgenommen. Bewusst habe er keine Musik mitgenommen, habe keine Ohrstöpsel aufgesetzt, sondern die Einflüsse um ihn herum bewusst erlebt.

Dennoch war das Smartphone wichtig für ihn: Zum einen um jeden Tag daheim anzurufen, was ein dringender Wunsch seiner Frau Micha gewesen war, um zu wissen, dass es ihrem Mann auch gut geht, zum anderen um zu fotografieren, Wegstationen festzuhalten und im Ausnahmefall auch mal im Internet nach einer Pension zu suchen. Es gibt auch eine Reihe von Filmchen, die Mayer entweder von einem festen Standpunkt aus oder mit Hilfe freundlicher Mitmenschen aufgenommen hat.

Mittags nimmt die Energie rasch ab

Auf einem ist zu sehen, dass auch für den Hund die Wanderung nicht ganz ohne war: Er vermittelt schon den Eindruck, als ob er sich auf die nächste Ankunft freuen würde – die übrigens meist schon um zwei oder drei Uhr nachmittags war. Am Morgen wurde früh aufgebrochen, und da wurden auch ansehnliche Strecken geschafft. Aber Schlag Mittag nahm die Energie rasch ab, und die Suche nach einer Unterkunft begann.

Auch wenn es nicht immer ganz einfach war, eine Pension für sich finden – gegeben hätte es gerade im Südtiroler Bereich reichlich und das mit wachsender Tendenz. Es habe ihn mitunter schon entsetzt, sagt Mayer kopfschüttelnd über die Rücksichtslosigkeit mancher Menschen und Berufsgruppen, wie mitten in unberührte Wälder oder Bergregionen breite Straßen und riesige Ferienhaus- oder Hotelanlagen aus dem Boden gestampft werden. Von diesen negativen Eindrücken abgesehen, hat Mayer die Wanderung aus vollen Zügen genossen: Wenn er dann abends vor seiner Pension saß, dann freute er sich über das Geleistete und darüber, dass alles gut geklappt hat, und war froh, »dass der Tag gepasst hat«.

Und so ging die Reise dann aber auch einmal zu Ende – mit der Ankunft am Tag 14 gegen 16 Uhr am Ebner-Hof bei Zita und Peter in Sirmian Nähe Nals. Ein paar Regenerationstage gönnten sich danach der Wandersmann und sein Hund, ehe ein paar Tage später auch die Familie eintraf. Gemeinsam trat man dann die Rückreise nach Traunwalchen an, natürlich noch mit einer wohlverdienten Pause auf dem Jaufenpass bei Cappuccino und einem guten Stück Kuchen – es muss ja nicht immer nur Salami sein. he


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