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Kultur, Trekking und ein Traumberg in Peru

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Die Ruinen von Machu Picchu waren für die Berchtesgadener Alpenvereinsmitglieder der Höhepunkt des Kulturprogramms.
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Fast 4 000 Meter hoch liegt der Titicacasee.
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Herrliche Zeltlagerplätze unterhalb der Bergriesen.
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Diese beiden Kinder verstehen sich prächtig.

Kein anderes Land in Südamerika besitzt diese Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften wie Peru. Zwölf Mitglieder der Alpenvereinssektion Berchtesgaden besuchten dort Inkastätten und wanderten rund um den Alpamayo in der Cordillera Blanca. Alle waren sehr angetan von den geografischen Gegensätzen – von der wüstenhaften Pazifikküste bis zu den fast 6800 Meter hohen schneebedeckten Andengipfeln.


Um eine gute Akklimatisierung für das Trekking zu erreichen, absolvierte die Gruppe zuerst das Kulturprogramm. Arequipa, die drittgrößte Stadt Perus – 1000 Kilometer südöstlich von Lima und eingerahmt von mächtigen Vulkankegeln – war erste Station. Die prächtige Kathedrale mit weißer Tuffsteinfassade, das Kloster Santa Catalina und das bunte Treiben auf dem Mercado San Camillo bestaunten die Berchtesgadener beim Stadtrundgang. In Puno am Titicacasee auf fast 4000 Metern spürten die Teilnehmer ganz ordentlich die Höhe, Schwindel und Kopfweh machten der Gruppe zu schaffen.

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In der Ferne die Cordillera Real

Bei der Fahrt über den riesigen See herrschte eine angenehme Stimmung, der blaue Himmel, das dunkelgrüne Wasser und am Horizont erblickte man die Eisriesen der Cordillera Real im Nachbarland Bolivien. Die Teilnehmer besuchten die Urus auf den Schilfinseln und die fleißig strickenden Männer auf dem Eiland Taquile. Die fast 400 Kilometer lange Fahrt über das Hochland des Altiplano genossen alle im komfortablen Reisebus. Die Gruppe überquerte den 4300 Meter hohen Pass Raya, der die Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik ist, besuchte die goldüberladene Kirche von Checacupe und die imposanten Tempel von Raqchi.

Cusco, die schöne ehemalige Hauptstadt des Inkareiches, hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten: das Quellenheiligtum Tampumachay, die Altäre von Kenkku oder die Festung Puka Pukara. Rätselhaft waren auch die Anlagen von Sacsayhuaman mit den riesigen Steinquadern.

Sehr aussichtsreich fuhren die Teilnehmer von Cusco mit dem Panoramazug nach Aqua Caliente und mit dem Bus viele Serpentinen hinauf zu den Ruinen von Machu Picchu. Beim Anblick dieses historischen Bauwerks verschlug es allen erst einmal die Sprache. Erst 1911 wurde diese »Verlorene Stadt« der Inkas entdeckt und gehört nun zu den »neuen sieben Weltwundern«. Die Inkas besaßen eine hoch entwickelte Stadtbaukunst und eine ausgeklügelte Ackerbaukultur mit Terrassen und Bewässerungsgräben. Man kann nur erahnen, welch menschliche Leistung diese Architektur in höchster Vollendung erforderte.

Von Cusco flog die Gruppe zurück nach Lima und gleich mit dem Bus ins 400 Kilometer entfernte Bergsteigerstädtchen Huaraz in der Cordillera Blanca. Die Teilnehmer waren nun gut auf die Höhe vorbereitet und bestiegen von der traumhaft gelegenen Lagune Antacocha aus den ersten Viertausender. Keine große anstrengende Unternehmung, aber eine fantastische Aussicht auf die ganze Palette der schneebedeckten Gipfel der Anden.

Das Trekking beginnt

Am zehnten Tag nach der Ankunft war es dann so weit, das Trekking begann, zunächst ganz moderat. Die Alpenvereinler brachen in Huaraz auf, fuhren über Yungay hinauf zum türkisfarbenen Llaganuca See auf 3850 Metern. Das erste Zeltschlafen klappte ganz gut, bewacht wurde die Gruppe von neugierigen Alpakas, die sich direkt vor dem Lager niederließen. In der Früh war's frisch, der steile Aufstieg zur Lagune 69 war anstrengend, aber landschaftlich wunderschön. Den gleichen Weg ging's zurück zur Llaganuca-Passstraße. Die Teilnehmer hätten es nicht für möglich gehalten, dass über diese steile Bergflanke eine einigermaßen gute Straße führt. Der Bus schraubte sich die endlosen Serpentinen hinauf auf 4767 Meter. Die Berchtesgadener konnten sich an dem Panorama nicht sattsehen, besonders der Doppelgipfel des Huascaran (6768 Meter) hob sich ab.

Es war ein langer Tag und schon stockfinster, als alle in die Zelte krochen – voller Spannung, wie es wohl am nächsten Tag weitergehen wird. Die Begleitmannschaft stand zeitig parat, die Zelte wurden abgebaut und alles auf die Esel und Mulis verladen, die Gruppe ging mit leichtem Gepäck voraus. Es dauerte nicht lange, bis die ganze Schar mit ihren Treibern die Wanderer überholte. Im jeweiligen nächsten Camp war immer schon alles aufgebaut, es gab warmes Wasser zum Waschen, aus dem Küchenzelt duftete es bereits gut, es wurde gebruzzelt und gekocht. Die netten »Küchenbuben« servierten schmackhafte Speisen, im Küchenzelt genossen die Teilnehmer so manches von daheim mitgebrachte Schnapserl, das dann einen besonders tiefen Schlaf bescherte.

Sich einem Berg zu nähern, das hat schon etwas Besonderes, so ging es der Gruppe mit dem Alpamayo. Der sehr nette Führer wurde durch Fragerei, wann denn endlich der Traumberg zu sehen sei, ein wenig genervt. Aber dann stand er vor den Teilnehmern – eine perfekte Pyramide mit zwei ebenmäßigen Graten, ein absoluter Hingucker.

Die Gruppe wanderte durch unterschiedliche Landschaften, mal über Hochalmen mit grasenden Alpakas und Lamas, mal über anstrengende Pässe in Mont-Blanc-Höhe und immer gab es Zeltlager zum Verlieben. Wunderschöne Plätze, eingerahmt von Fünf- und Sechstausendern, in der Nähe der großen Eismassen der Andengletscher.

Auf dem Plan stand eine Fünftausender-Besteigung, aber leider regnete es gerade an diesem Tag heftig, ansonsten herrschte bestes Wetter mit angenehmen Temperaturen. Am letzten Tag stiegen die Teilnehmer vom Lager auf 4600 Meter hinunter über saftige Wiesen und saubere Kulturlandschaft, der Weg zog sich in das kleine Dorf, aber alle haben es geschafft.

Rotwangige Schulkinder schauten dem Treiben beim Einsteigen in den Bus zu und winkten den Berchtesgadenern lange nach. Eine Dusche und ein Bett in einem Hotel in Huaraz – eine Wonne nach zehn Tagen Trekking. Der öffentliche, aber sehr komfortable Bus brachte die Gruppe zurück in die quirlige Zwölfmillionenstadt Lima.

Der DAV-Summitclub hatte den Berchtesgadenern eine eindrucksvolle Reise vermittelt – mit einer guten Mischung aus Kultur und Trekking. Alle hatten viel Spaß mit den einheimischen, sehr gut Deutsch sprechenden Führern, die sich um alles sehr bemühten. Die Teilnehmer sammelten in diesen drei Wochen unendlich viele Eindrücke. Glück und Zufriedenheit spiegelten sich in den Gesichtern wider. Christl Zembsch