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Königsseer Bergführer führt seit 50 Jahren

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Den Alpamayo in der peruanischen Cordillera Blanca bezeichnet Albert Steinbacher als seinen schönsten Gipfel. (Fotos: Archiv Steinbacher)

Die Bergtour im Juli 1969 sollte für Albert Steinbacher der Auftakt für eine Jahrzehnte lange fruchtbare Zusammenarbeit werden. Damals führte er als Bergführeranwärter für den DAV-Bergfahrtendienst, Vorgänger des heutigen Summit Clubs, zwölf Personen über den Blaueisgletscher auf den Hochkalter. Hunderte weitere Führungstouren rund um den Globus sind in den vergangenen 50 Jahren dazugekommen – und auch heute mit 75 Jahren ist der Königsseer Bergführer noch für den Summit Club unterwegs, wenn auch in nicht mehr ganz so anspruchsvollem Gelände.


Die Achttausendermänner Günter Sturm und Fritz Zintl gaben Albert Steinbacher als Bergführer-Ausbilder das nötige Know-how mit auf seinen alpinen Lebensweg. Im März 1971 wurde der Königsseer nach der Abschlussprüfung in München als Berg- und Skiführer im Landratsamt Berchtesgaden registriert und bekam ein Bergführer-Buch ausgehändigt.

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Günter Sturm baute zu dieser Zeit beim Deutschen Alpenverein den Bergfahrtendienst, der später zum DAV Summit Club umgewandelt wurde, neu auf und dazu brauchte er Bergführer. So führte Steinbacher viele Touren in den Ost- und Westalpen im Winter und Sommer, zum Beispiel in den Dolomiten, in der Silvretta und Durchquerungen im Ötztal und in der Bernina, die Haute Route von Chamonix nach Saas Fee und auch im Berner Oberland.

Auch Kletterkurse und Kletterführungen im Blaueis-Gebiet, Wilden Kaiser und den Dolomiten führte Albert Steinbacher, ab 1974 als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, durch. Immer wieder zog es ihn bei seinen Führungen in die Watzmann-Ostwand, die er rund 150-Mal durchstieg. Gerne leitete er Eiskurse im Großglockner-Gebiet, in den Ötztalern, im Bergell und im Ortler-Gebiet. Der Königsseer führte auch öfters die Klassiker Bianco-Grat, Piz Palü- und Mont Blanc-Überschreitung. Jugend-Ausbildungskurse im Sommer und Winter machten ihm immer viel Freude.

Die erste Expedition ging nach Peru

Später, in den 80er Jahren wurde aus dem Fahrtendienst die DAV Berg- und Skischule mit Trekking-Reisen und Expeditionen, für die Albert Steinbacher auch weiterhin tätig war. 1980 durfte er seine erste Expedition als Bergführer leiten. Es ging nach Peru in die Cordillera Blanca. Der Toclaraju (6030 Meter) und der Nevado Huascaran (6768 Meter) wurden bestiegen. Dann ging es Schlag auf Schlag, Steinbacher leitete in den 80er Jahren Expeditionen rund um den Globus: Ladakh in West-Tibet, Solo Khumbu und Annapurnagebiet in Nepal, Ecuador, Peru und Bolivien in den südamerikanischen Anden, Karakorum und Sahara. Auch den fast 7000 Meter hohen Aconcagua in Argentinien, den 5895 hohen Kilimandscharo in Afrika und den 7134 Meter hohen Pik Lenin im Pamir-Gebirge konnte Steinbacher mit Expeditionsteilnehmern besteigen.

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Albert Steinbacher (Mitte) stand auf 27 Sechstausendern. Der Mera Peak war sein letzter.

1995 zog es Albert Steinbacher zum Achttausender Shisha Pangma im Himalaya-Gebirge. Ein 600-Meter-Absturz eines Teilnehmers in fast 8000 Metern Höhe und die kräftezehrende Bergung verhinderten einen Gipfelgang. Natürlich erlebte Albert Steinbacher bei seinen zahlreichen Unternehmungen als Bergführer auch andere heikle Situationen. Unter anderem bei der Tour rund um den Dhaulagiri. Im Hidden Valley waren vier Teilnehmer erkrankt, es gab 20 Zentimeter Neuschnee und die Temperatur auf 5000 Metern Höhe sank auf minus 20 Grad. Eine Frau hatte ein Hirn-Ödem und musste die ganze Nacht in den Überdruck-Sack. Albert Steinbacher schickte alle Teilnehmer mit Sherpas und Küchen-Crew samt Arzt ins Tal. Er selbst blieb mit drei Sherpas bei dem Kranken, bis der Helikopter kam und alle ausflog.

Der Mera Peak war der letzte Sechstausender

Über zwei Dutzend Sechstausender konnte Albert Steinbacher in seiner langen Bergführertätigkeit besteigen, der letzte war im Jahr 2007 der 6 461 Meter hohe Mera Peak in Nepal. »Ab da ging's eine Etage tiefer«, sagt der Bergführer. Gemeint sind damit unter anderem Klettersteigführungen in den Dolomiten, Bergbesteigungen im marokkanischen Atlasgebirge und zahlreiche Alpenüberschreitungen. Zu seinen Lieblingsunternehmungen, mit denen er seine zahlreichen Kunden immer wieder begeistern kann, gehört die Alpenüberschreitung vom Königssee bis zu den Drei Zinnen. 18-Mal führte der Königsseer diese Tour bereits und hat immer noch genauso viel Freude daran wie am Anfang. »Diese Unternehmung gehört zu meinen Lieblingstouren, denn sie ist sehr abwechslungsreich. Man beginnt in den Kalkalpen, durchquert die vergletscherten Hohen Tauern und gelangt schließlich in die Dolomiten.«

Auf seinen Touren hat Albert Steinbacher auch stets die Kamera dabei, denn das Fotografieren gehört zu seinen Hobbys. Die Fotos sind Grundlage für Diavorträge, mit denen Steinbacher zahlreiche Bergfreunde seit Jahrzehnten begeistert – ob beim Trekker-Treffen, auf der BERGinale oder auf Sektionsabenden des Alpenvereins.

Albert Steinbacher spürt tagtäglich, welche Freude er den Kunden mit seinen Führungen machen kann. Und deshalb denkt er auch mit 75 Jahren noch nicht ans Aufhören. Steinbacher: »Meine Gäste spüren, dass mir das Führen Spaß macht. So lange ich gesund bin, will ich deshalb auch weitermachen.« Ulli Kastner

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