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»Im Leben läuft es wie am Berg: Es geht bergauf und bergab«

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Nächste Woche geht es für Alexander Huber nach Grönland. Dort will er mit drei anderen Kletterern den Tupilak bezwingen. Unser Bild entstand im »Stillen Ozean« am Kleinen Barmstein, nicht weit von seinem Haus in Berchtesgaden entfernt. (Foto: Vincent Kleine)

Der Extrembergsteiger Alexander Huber hat zusammen mit der Bergwanderführerin Birgit Eder ein neues Wanderbuch geschrieben: »Die Berchtesgadener Bergwelt erleben« mit 27 verschiedenen Touren von leicht bis schwer. Wir haben mit dem 47-Jährigen über seine Lieblingstour, neue Projekte und den höchsten Berg der Welt gesprochen. »Als sportliches Ziel hat der Mount Everest seine ursprüngliche Faszination eingebüßt. Aber es gibt ja nicht nur den Mount Everest – die Welt der Berge ist groß«, betont der Berchtesgadener. Nächste Woche geht es für ihn nach Grönland.


Welche der 27 Touren des neuen Wanderbuchs »Die Berchtesgadener Bergwelt erleben« gefällt Dir am besten? Wieso?

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Ich wehre mich immer gegen ein Ranking, weil es den Besten, die Beste oder das Beste doch eigentlich gar nicht gibt. Aber mit der Kneifelspitze ist man sicher nicht verkehrt dran – da sieht man alles, weil man mittendrin ist!

Und welche Tour eignet sich besonders gut für Familien?

Für Familien sind kurze Wege relevant – und da bieten sich natürlich vor allem der Zauberwald am Hintersee, die Wimbachklamm mit dem Wimbachschloss und die Wanderung zur Eiskapelle in St. Bartholomä an.

Du bist mittlerweile Papa von drei Kindern. Machst Du da bewusst auch mehr Projekte zuhause?

Gott sei Dank haben wir mit den Alpen die besten Felsen auf Erden direkt in unserer Heimat – und es ist natürlich perfekt, ein Projekt direkt von zuhause aus angehen zu können. Aber so ganz habe ich auch heute noch nicht den Blick auf die große Welt der Berge verloren. In der nächsten Woche geht´s nach Grönland und auch wenn´s manchen wundert: auch dort gibt es Berge!

Fallen Dir lange Reisen schwerer als früher oder brauchst Du die Abwechslung, um glücklich zu sein?

Sicher verabschiede ich mich nicht gerne, aber umso mehr freue ich mich auf den Moment, wieder nach Hause zurückzukehren. Wegen der Abwechslung verreise ich aber sicher nicht – die ist auch zuhause gegeben. Langweilig ist mir schon lange nicht mehr geworden, dafür ist das Leben daheim viel zu turbulent.

Mit dem Speedrekord am »El Capitain« und dem Film darüber (»Am Limit«) haben Dein Bruder Thomas und Du weltweit für Aufsehen gesorgt. Ist es überhaupt möglich, so etwas zu wiederholen?

Nein, weil jedes Erlebnis einzigartig ist und ich auch nicht versuchen würde, durch eine Wiederholung eine Kopie davon zu erzeugen. Eine Kopie kann nie die Strahlkraft des Originals wiedergeben.

Wie wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben?

Ich lebe vom Auftritt auf der Bühne. Wie bei einem Kabarettisten ist jeder einzelne Besucher meiner Vorträge die Grundlage meines Lebens. Die Notwendigkeit, im Gespräch zu bleiben, klingt für mich aber zu scharf. Ich würde es viel lieber so ausdrücken, dass ich mich über jeden freue, der zu einem meiner Vorträge kommt und den Besuch am Ende des Abends nicht bereut.

Setzt Dich das unter Druck, schließlich verdienst Du mit den Vorträgen Dein Geld?

Ja, durchaus. Ich kenne sehr wohl die Phasen, bei denen die Vortragsbuchungen ausbleiben wie auch die Zeiten, bei denen das Publikum einfach nicht so kommt, wie man es erhofft und erwartet. Aber im Leben läuft´s eben genauso wie am Berg: da geht´s bergauf, aber wo es bergauf gegangen ist, muss es auch mal wieder bergab gehen. Nur untergehen sollte man dabei nicht. Aber neben Bergsteigen habe ich von den Eltern ja auch das Schwimmen gelernt (lacht).

Wird es nicht immer schwieriger, Projekte zu finden, die noch keiner gemacht hat?

Nein, dazu muss man einfach nur wach genug sein, und es findet sich auch wieder was Neues. Aber das Neue ist eigentlich auch gar nicht unbedingt das Entscheidende. Gut muss es sein und man muss davon begeistert sein. Nur dann kann man andere beim Vortrag »mit auf die Reise« nehmen.

Für viele Bergsteiger ist der Mount Everest das große Ziel. Würde Dich der höchste Berg der Welt reizen? Was hältst Du vom »Massentourismus« im Himalaja?

Der Mount Everest wurde von den Touristen erobert und es ist völlig legitim, dass die Sherpa versuchen, von ihrem besonderen Berg zu leben – auch wir bei uns zuhause leben über den Tourismus von der Attraktivität unserer Berge! Als sportliches Ziel hat der Berg aber klar seine ursprüngliche Faszination eingebüßt. Aber es gibt ja nicht nur den Mount Everest – die Welt der Berge ist groß. Viel zu groß, dass einem im Leben in dieser Welt langweilig werden könnte!

Nächste Woche geht es für Dich nach Grönland. Was hast Du vor?

Im ausgehenden Winter des letzten Jahres war ich zusammen mit Hubert von Goisern in Ostgrönland unterwegs. Ein Konzert, eine Skitour, ein kleiner Berg und der Blick auf wunderschöne Berge sind nicht nur schöne Erinnerungen an diese Reise, sondern auch der Anlass, dass ich zusammen mit drei Osttiroler Kollegen dorthin zurückkehre, um am Tupilak eine richtig große Wand zu klettern. Sechs Wochen sind Mario Walder, Bruno Schneider, Christian Zenz und ich im Eis und Fels der Arktis unterwegs. Eins ist sicher: es wird beizeiten a bisserl kalt und manchmal wohl auch steil (lacht).

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Klara Reiter.