»Ich liebe abgelegene Orte und hohe Wände«

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Neuland gibt es auch im norwegischen Eis.
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Gerne frönt Ines Papert dem Gleitschirmfliegen.
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Am 13. November 2013 stand Ines Papert als erster Mensch auf dem Gipfel des Likhu Chuli 1 in Nepal. (Fotos: Papert und Senf)

Rund um den Globus ist die Extremkletterin Ines Papert aus Bayerisch Gmain auf der Suche nach Bergen und Wänden, an denen sie ihrer Leidenschaft nachgehen kann. Und so gab die 40-Jährige auch ihrem neuesten Vortrag den Titel »Neuland«. Den präsentiert sie am Freitag, 30. Januar, um 20 Uhr im DAV-Kletterzentrum Berchtesgaden im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Familie ihres beim Klettern auf Sizilien schwer verunglückten Freundes Stefan Rass aus Großgmain. Wir sprachen mit Ines über das Risiko am Berg, die Inhalte ihres Vortrags, ihr neues Buch »Unverfroren« und ihre geplanten Projekte.


Ines, Du sammelst derzeit wie auch andere Kletterer für die Familie Deines in Sizilien beim Klettern schwer verunglückten Freundes Stefan Rass aus Großgmain. Weißt Du, wie es ihm derzeit geht?

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Ines Papert: Stefan hat eine schwere Kopfverletzung, die Folgen seines von ihm unverschuldeten Absturzes mit dem gesamten Abseilblock sind wirklich gravierend. Er wird lange brauchen, bis er wieder da hinkommt, wo wir hoffen. Er ist jetzt zumindest so stabil, dass er aus der Dopplerklinik entlassen werden kann und in die Reha geht, wo er gezielter gefördert werden kann.

Du hast ja selbst auch schon viele prekäre Situationen am Berg mit Unfällen und Beinahe-Unfällen erlebt. Ist es das wert?

Papert: Mit zunehmender Erfahrung schaut man da schon genauer drauf, zumal ich die Folgen zu großen Risikos schon selbst erfahren habe. Es ist es nicht wert, dass man sein Leben aufs Spiel setzt. Aber es ist trotz allem ein Sport, der das Leben von uns Kletterern über den Sport hinaus erfüllt. Da geht es ums Reisen, ums Unterwegssein, ums Draußensein. Jetzt alles aufzugeben, um dem Risiko, das ja auch im Alltag vorhanden ist, keinen Platz mehr zu geben, das möchte ich nicht. Man muss eben aufmerksam sein, manchmal den Schritt zurück tun und das Scheitern akzeptieren. Manchmal bist du am Berg halt auch in einer Situation, wo du weiter musst, um aus dem Dilemma wieder herauszukommen.

Mit Deinem Vortrag »Neuland« im Kletterzentrum Berchtesgaden wirst Du die Familie von Stefan Rass unterstützen, indem Du ihr alle Einnahmen zukommen lässt. Um welche Art von Neuland handelt es sich denn?

Papert: Das ist zum einen alpines Neuland, das ich rund um den Globus entdeckt habe: Auf Baffin Island, in Norwegen oder in Marokko, aber auch in den heimischen Bergen. Da geht es beispielsweise auch um die Erstbegehung der »Schwarzen Madonna« am Untersberg, die ich mit Stefan Rass gemeinsam realisiert habe.

Wie schaffst Du es überhaupt, immer wieder Neuland zu entdecken? Gibt es das echte Abenteuer in den Bergen überhaupt noch?

Papert: Neuland bedeutet für mich ja auch, mich persönlich weiterzuentwickeln; Dinge auszuprobieren, die für mich Neuland sind wie Gleitschirmfliegen. Die Kombination von Fliegen und Klettern finde ich total spannend und logisch. So wollen wir in Kürze versuchen, die Wände von Eiger, Mönch und Jungfrau mit dem Gleitschirm zu durchsteigen und anschließend zur nächsten Wand zu fliegen. Das Fliegen wird also auch ein Thema in meinem Vortrag sein.

Du hast es ja als eine der ganz wenigen Kletterinnen weltweit zum Profi geschafft. Das zeugt von sehr starkem Willen.

Papert: Ich habe damit zu einer Zeit begonnen, als es noch einfacher war. Heute wäre es sehr viel schwieriger, einen Einstieg in den Profisport zu finden, weil die Messlatte schon unheimlich hoch liegt. Da werden Leistungen erbracht, die ich von der Schwierigkeit her nie mehr schaffen werde. Was meine Geschichten in der Öffentlichkeit wohl so interessant macht, ist meine Kreativität bei der Suche nach Projekten, die sich zumeist an sehr abgelegenen Orten befinden. Da ist natürlich eine Erstbegehung schon immer sehr spannend. Viele Frauen trauen sich das nicht zu, weil es keine Informationen zu den Orten gibt und das alles auch zum Scheitern verurteilt sein kann.

Dein alpines Betätigungsfeld ist sehr breit gefächert. Du bist in einer Himalaya-Nordwand genauso unterwegs wie in einer Südwand in Marokko, im Klettergarten Karlstein, mit dem Gleitschirm auf dem Predigtstuhl oder mit Freunden in der Berchtesgadener Kletterhalle. In welcher Art von Wand fühlst Du Dich denn am wohlsten – oder vielleicht sogar bei Deiner Familie im Bayerisch Gmainer Heim?

Papert: Es ist total schräg: Wenn ich zu lange weg bin, dann zieht es mich wieder richtig in die Ferne. Aber wenn ich zu lange weg bin, dann habe ich genauso Sehnsucht nach zu Hause. Ich denke mir manchmal: Ist das nicht schizophren? Ich habe halt immer noch große Freude am Aufbrechen, wenngleich ich in der Heimat auch gerne meine Kletterfreunde treffe. Nicht mein Ding sind allerdings Wände, die die Massen anziehen, weil sie leicht zugänglich sind. Je abgelegener die Gegend und je höher und ausgesetzter die Wand, desto höher schlägt mein Herz.

Dein neues Buch »Unverfroren« ist ganz aktuell auf dem Markt. Was erwartet den Leser?

Papert: Meine Mutter hat nach dem Lesen des ersten Kapitels gesagt: Schrecklich, was Euch da passiert ist. Sie hat das Buch erst einmal zur Seite gelegt und ein paar Tage ignoriert. Dann hat sie es doch wieder in die Hand genommen und in einem Zug durchgelesen. Sie fand es dann doch toll, weil sich die Eingangsgeschichte dann aufklärt und zum Guten wendet.

Wovon handelt denn die so schreckliche Geschichte?

Papert: Wir wollten in Nepal den Tengkangpoche über die Nordwand besteigen, aber unsere Eislinie war nicht geformt. So haben wir uns mit dem 6 713 Meter hohen, bis dahin noch unbestiegenen Likhu Chuli 1 im Solo-Khumbu-Gebiet ein neues Ziel gesucht. Es war saukalt und das Buch beschreibt eben die Härte, die man bei so einer Erstbesteigung mitbringen muss.

Bleibt nur noch die Frage nach Deinen nächsten Projekten.

Papert: Ich habe noch so viele Pläne und weiß gar nicht, wie ich die alle umsetzen soll. Neben der erwähnten Aktion Eiger-Mönch-Jungfrau wollen wir im April nach Alaska und in der Kichatna-Range in den dortigen hohen Wänden Erstbegehungen machen. Und dann hoffe ich noch, dass mein großes Ziel, eine Reise in die Antarktis, heuer noch aufgeht. Das hängt noch von der Finanzierung ab. Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf den Vortrag am nächsten Freitag. Ich finde es toll, dass der DAV Berchtesgaden für diese Zeit den Kletterbetrieb einstellt und das Ganze unterstützt. Ulli Kastner

Karten für den Vortrag von Ines Papert am Freitag, 30. Januar, um 20 Uhr im DAV-Kletterzentrum Berchtesgaden gibt es direkt im Kletterzentrum (Telefon 08652/9764620; E-Mail info@kletterzentrum-berchtesgaden.de).


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