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Gipfelglück hoch über den Fjorden Norwegens

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Wilde Berge und rassige Abfahrten: Viel Neues zu entdecken gab es für 13 Skibergsteiger, elf davon aus dem Berchtesgadener Talkessel, im Norden Norwegens. (Fotos: Fegg)
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Einen Traumpulverhang gab es am Middagstuva.
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Die Abfahrt vom Reindalstinden war traumhaft.

Wilde Berge und rassige Abfahrten hoch über den Fjorden Norwegens erlebten Anfang April 13 Skibergsteiger, davon elf aus dem südlichen Berchtesgadener Land, auf einer Reise ans nördliche Ende Europas. Mit dabei war der Berchtesgadener Bergführer Jörg Fegg, der die außergewöhnlichen Erlebnisse in folgendem Beitrag zusammenfasst.


Organisiert wurde das Ganze privat, lediglich vor Ort buchten die Skibergsteiger eine Agentur für die Organisation der Unterkunft, für Fahrten, Begleitung und Beratung bei der Tourenauswahl. Die beiden Guides Oyrving und Vergard vom Meloy Adventure Team hatten alles perfekt vorbereitet und zeigten den Skibergsteigern aus Berchtesgaden die schönsten Touren in ihrer nordländischen Heimat.

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Die Gruppe wohnte in Glomfjord in der Kommune Meloy. Der Ort liegt oberhalb des Polarkreises in Nordland im Bereich des Saltfjellet-Svartisen-Nationalparks, der den zweitgrößten Gletscher Norwegens mit 370 Quadratkilometer Fläche beherbergt.

Die Gipfel, die die Gruppe in Angriff nahm, waren zwischen 1000 und knapp 1300 Meter hoch, wobei man fast immer vom Meer aus startete. So stand man auf dem Ronsfjellet, dem Middagstuva, dem Reindalstinden, Botntinden und dem Istinden. Dazu kamen noch diverse andere Gipfelausflüge. Die Bedingungen bei den Abfahrten wechselten je nach Hangrichtung. Entweder gab es unverspurte Pulverschneeabfahrten, steile Couloirs oder traumhafte Firnhänge. Auf jeden Fall dabei war immer eine atemberaubende Aussicht auf Gipfel, Gletscher und Fjorde.

Ein Höhepunkt der Reise war die Tour zum Reindalstinden, die mit einer abenteuerlichen Bootsfahrt durch den Fjord begann. Auch die anschließende Gebirgsüberschreitung gehörte zu den erlebnisreichsten Momenten des Aufenthalts in Norwegen. In Erinnerung bleiben wird den Skibergsteigern auch der fast meditative Ausflug über den Svartisengletscher zum Middagstuva. Alle marschierten fast ohne Zeitgefühl und gaben sich der Natur und der Weite der Landschaft hin.

Als nach vielen schönen Tagen das Wetter ein Einsehen hatte und ein Tief die Skitourengeher zur Pause zwang, fuhren sie mit dem bekannten Hurtigruten-Postschiff von Oernes nach Bodo. Für viele war es eine neue Erfahrung, mit so einem Kreuzfahrtschiff drei Stunden unterwegs zu sein. Am Abend besuchten die Berchtesgadener und ihre Freunde noch Karin, eine Norwegerin, die Berchtesgaden und seine Kletterhalle gut kennt. Freilich stattete man auch der von Karin mitbetreuten kleinen, aber feinen Kletterhalle von Oernes einen Besuch ab. Einige zogen sich dort noch die Finger lang.

Am siebten Tag ging es nach einer kurzen Skitour bei mäßigem Wetter für alle weiter zur Insel Stott. Nach einem Inselrundgang und der Besichtigung des Fischereimuseums lernten die Berchtesgadener die norwegische Küche kennen. Neben Heilbutt gab es Bacalao, einen Eintopf mit Stockfisch. Beides war so gut, dass sogar die eigentlichen Nichtfischesser mangels Alternativen ins Schwärmen gerieten.

Am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, stand eine Art Polartaufe an. Sechs Hartgesottene stiegen bei einer Wassertemperatur von vier bis fünf Grad ins Meer. Die anderen übernahmen das Anfeuern oder sie fotografierten. Nach einer heißen Dusche und einem Frühstück ging es mit dem örtlichen Fischer hinaus aufs Meer, wo man sich ums Abendessen kümmern sollte. In entsprechender Vorahnung hatte der Wirt aber bereits vorgesorgt, denn mehr als drei Fische holte man nicht aus dem Meer. Dafür war fast allen schlecht von der Schaukelei.

Als Abendessen gab es Walfleisch, geschmacklich interessant, irgendwo zwischen Hirschleber und Rindfleisch. Entweder man mag es oder man mag es nicht. Nach einer gemütlichen Abschiedsrunde mit den aufgekauften Resten des Weihnachtsbieres gingen alle spät, aber sehr zufrieden ins Bett. In der Nacht folgte dann gegen 1.30 Uhr der Weckruf: Polarlichter! Auf der Insel war es klar und dunkel genug, um sie gut zu sehen. Es war ein beeindruckendes Schauspiel zum Abschluss dieser spannenden Reise.

Nach dieser letzten Nacht ging es am Sonntagmorgen mit dem Boot wieder in Richtung Festland. Der zuverlässige Busfahrer Jarle chauffierte die Gruppe in Richtung Bodo. Unterwegs hielt man noch einmal kurz an, um am Saltstraumen, einem Mahlstrom, zu erleben, was Energie ist. An dieser Stelle zwängen sich viermal am Tag im Fluss der Gezeiten bis zu 400 Millionen Kubikmeter Wasser durch ein Nadelöhr von 150 Meter Breite und drei Kilometer Länge. Dabei entstehen gewaltige Strudel mit Durchmessern von bis zu zehn Metern. Das Wasser saust mit 20 Knoten in die jeweilige Richtung. »Beeindruckend«, lautete das Urteil der Berchtesgadener, bevor sie den Flieger zurück nach München nahmen.