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14°

Gelungene Mischung aus Nah-, Fern- und Tiefblicke

5.0
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Oben am Grat gibt es wunderschöne Ausblicke – wie hier hinunter zum Kochelsee. (Fotos: Zeis)
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Am Aussichtspavillon am Herzogstand hat man einen guten Blick auf den Grat zum Heimgarten.

Schon lange stand diese Gratüberschreitung auf meiner Bergsteigerwunschliste. Als die Meteorologen im verregneten Juni ein Zwischenhoch ankündigten, nahm ich die doch recht weite Anreise in Angriff. Über Miesbach, Bad Tölz und Kochel am See war nach einer zweistündigen Fahrt der Ausgangspunkt dieser Tour, die Talstation der Herzogstandbahn, erreicht. Dort hatte ich mich mit einem Bergkameraden aus Peißenberg verabredet, der die Tour genau kennt.


Da es dort auch eine Seilbahn gibt, war um 8.30 Uhr am Parkplatz schon ziemlich viel los. Aber am Steig zum Berggasthaus Herzogstand wurde es gleich wieder ruhiger. Die meisten Gipfelaspiranten hatten doch die Seilbahn als Aufstiegshilfe bevorzugt.

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Auf einem schmalen Pfad am Wasserfall vorbei

Nach einer eher langweiligen Waldpassage weitete sich der Blick und im Tal glitzerte zwischen den Bäumen das Wasser des türkisfarbenen Walchensees hervor. Ein weiterer Höhepunkt war ein Wasserfall, an dem sich der schmale Pfad vorbeischlängelte. Zwanzig Meter saust da der Gebirgsbach, der vom Fahrenbergkopf kommt, über eine überhängende Felswand herab. Oben am Berggasthaus Herzogstand, wo sich auch die Bergstation der Herzogstandbahn befindet, beginnt wieder ein breiter und grober Schotterpfad, auf dem wir mit den zahlreichen Seilbahn-Touristen jeder Altersklasse dann hinauf wanderten zum Gipfel.

Zwischen dem Gipfel und dem Berggasthaus kann man noch den kleinen Martinskopf besteigen, von der eigentlichen Route sind es nur fünf Minuten, wir aber blieben auf dem anschließenden Serpentinenweg zum Herzogstand auf 1731 Meter. Am Gipfel steht sogar ein kleiner Aussichtspavillon, der für Genießer etwas Komfort bietet.

Am Grat geht es ständig Auf und Ab

Am breiten Gipfelgrat genossen wir die beeindruckenden Tiefblicke über große Teile des Alpenvorlandes mit einem halben Dutzend Seen, der Walchensee und der Kochelsee lagen uns dabei zu Füßen, auch der Blick in die Jachenau war wunderschön. Bei einer kurzen Rast ließen wir die grandiose Aussicht auf uns wirken und hatten einen informativen Blick auf den schmalen Grat, der uns später noch zum Heimgarten führte.

Vom Herzogstand ging's ein paar Meter runter zur westlichen Seite des Gipfels, dann begann der aussichtsreiche Grat über latschenbewachsene Schrofenköpfe mit ausreichenden und guten Sicherungen an allen nötigen Stellen. Im lückigen Kalkfels und zwischen den Kriechästen der Latschen, blühte noch zahlreich der stängellose Enzian und Gamsbleamerl, mit hoher Leuchtkraft. Der Grat verläuft in einem ständigen Auf und Ab Richtung Westen – eine prächtige Panoramaroute, auf der wir die fantastischen Tief- und Ausblicke in vollen Zügen genossen.

Etwa auf der Hälfte des Weges erreichten wir das Schlehdorfer Kreuz, einen kleinen Nebengipfel auf dem Grat, wo wir am nördlichen Ufer des Kochelsees das Kloster Schlehdorf erkannten. Der letzte steile Aufstieg durch das Latschengebüsch zum Heimgarten, mit 1790 Meter der höchste Punkt unserer Tour, war richtig schweißtreibend – kein Wunder bei der hohen Luftfeuchtigkeit an diesem Tag. Am Gipfel wurde ausgiebig gerastet und die umliegenden Berge bestimmt.

Der Heimgarten eröffnete uns die Aussicht auf das Karwendel und die Zugspitze im Wettersteingebirge übertrumpft das Estergebirge und die Ammergauer Alpen, schaute man nach Osten erkannte man schön die Benediktenwand und den Jochberg, im Süden hob sich der Schaufreuter von der Vielzahl der Gipfel ab. Tief in das flache Voralpenland reichte der Blick zum Staffelsee, Riegsee, Ammersee und Starnberger See. Kurz unterhalb des Gipfels liegt übrigens die Heimgartenhütte, wo man seine verbrauchten Kalorien in fester und flüssiger Form wieder auffüllen kann.

Sieben Stunden insgesamt unterwegs

Nach einem ausgiebigen Rumdumblick mit einer gelungenen Mischung von Nah-, Fern- und Tiefblicken ging es dann hinunter Richtung Süden zur malerisch gelegenen kleinen Ohlstädter Alm. In einer breiten Senke gabelte sich der Weg. Mit einem kurzen Gegenanstieg unterhalb des Rotwandkopfs gelangten wir dann in einem großen Bogen zu einem langen und bewaldeten Rücken, den wir noch überschreiten mussten. Auf gutem Weg durch Mischwald, wo wir immer wieder den Walchensee vor Augen hatten, erreichten wir geschafft aber trotzdem glücklich, nach gut sieben Stunden Gehzeit, den Parkplatz der Seilbahn.

Fazit: Eine lang aufgeschobene Bergtour hatte sich erfüllt. Was bleibt, sind die schönen Augenblicke und die wird man sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Manfred Zeis