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Skitouren rund um das Krimmler Tauernhaus: Herrliche Tage für 15 Skibergsteiger der DAV-Sektion Traunstein
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Die Abfahrt von der Rosskarscharte in Richtung Wildgerlostal war herrlich.

15 Skibergsteiger der Tourengruppe der DAV-Sektion Traunstein durften sich glücklich schätzen, noch vor den Corona-Einschränkungen einige herrliche Tage im Krimmler Achental verbracht zu haben. »Gerne schauen wir auf die gemeinsamen Touren zurück, die uns im Oberen Pinzgau im Bereich der Venediger Gruppe gelungen sind«, sagte Richard Mühlbacher von der Traunsteiner Sektion.


Ausgangspunkt war das Krimmler Tauernhaus, welches auf 1622 m liegt. Seit über 600 Jahren schreibt das Haus Geschichte. Liegt es doch am bekannten Saumpfad über den Krimmler Tauern, der Nord und Süd verbindet. Von Krimml im Pinzgau erreichten die Säumer über die Tauernscharte oder die Birnlucke den Ort Kasern im Südtiroler Ahrntal. Auch wenn der Handel mit Salz, Wein und Gewürzen über das Krimmler Achental an Bedeutung verloren hat, so werden die genannten Übergänge gern von Bergsteigern und Mountainbikern genützt, um bei Alpenüberquerungen über den Alpenhauptkamm zu kommen.

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Und noch eine Besonderheit weist das Tauernhaus auf: Es ist der einzige Bauernhof, der direkt im Nationalpark Hohe Tauern bewirtschaftet wird. Wer hier einkehrt und nächtigt, kann sich glücklich schätzen und wird auf das Beste von den Besitzern der Familie Geisler bewirtet. Vier Generationen leben und arbeiten hier und verwöhnen die Gäste mit ihren eigenen Produkten aus der heimischen Landwirtschaft. »So konnten auch wir jeden Tag gestärkt unsere Touren antreten«, betonte Richard Mühlbacher.

Direkt von der Unterkunft gehen die Touren los

Was gibt es Schöneres, als direkt von der Unterkunft mit den Skiern zu starten und über die zahlreichen Abfahrten wieder zum Haus zurückzukehren – und das ohne Autolärm oder sonstigen Belastungen der Zivilisation. Man ist abgeschieden, aber doch nicht einsam. Im Winter ist das Tauernhaus nur in Kombination Hüttentaxi, deren Fahrt oberhalb der bekannten Krimmler Wasserfälle endet, und einer zum Personentransport umgebauten Pistenraupe möglich. Oder man nimmt sich die Zeit und steigt mit den Fellen auf. Aufgrund der Höhenlage des Krimmler Achentals sowie des Nordstaus im Schatten des Alpenhauptkamms mangelte es auch dieses Jahr nicht an Schnee. Und noch einen Vorteil gibt es: Es braucht nur eine knappe Stunde Marsch und die endlos scheinenden weiten Hänge über der Waldgrenze mit markanten Gipfeln sind sichtbar. »Auch wir konnten es kaum erwarten, nachdem wir Quartier bezogen hatten, zur ersten Tour aufzubrechen«, so Mühlbacher.

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Das Krimmler Tauernhaus war der perfekte Ausgangspunkt für die Touren.

Noch dazu gab's über Nacht Pulverschnee. »So spurten wir aufgeteilt in zwei Gruppen los.« Das erste Tagesziel war das Rainbachtal, welches der Gruppe auch die kommenden Tage immer wieder zu verschieden Touren als Ausgangspunkt dienen sollte. Der Rainbach mündet unmittelbar am Tauernhaus in die Krimmler Ache. Dort führt auch der Drei-Länder-Weg vorbei, dessen Beschilderung folgte die Gruppe und wählte erst taleinwärts am Bach entlang den Aufstieg. Der Weg zieht dann weiter aus dem Tal heraus und verlässt den Bachlauf und man erreichte die Rainbachleiten, wo sich die Wege der Gruppen nochmals trennten.

Ein Teil wählte den Aufstieg in Richtung Rainbachegg (2530 m), während die zweite Gruppe den Drei-Länder-Weg weiter folgte und über den Rainbach See in Richtung Rainbachscharte (2724 m) aufstieg. Leider verschlechterte sich die Sicht und starker Wind verhinderte den geplanten Gipfelaufstieg. »Dafür gab es unverspurte Hänge bei der Abfahrt und über das Rainbachkar kehrten wir zurück zum Ausgangspunkt Krimmler Tauernhaus«, erzählte Mühlbacher. »Und so schmiedeten wir in der 600 Jahre alten und erhaltenen Gaststube unsere Pläne für den nächsten Tag.«

So sollte die Gruppe der Rainbach wieder begleiten. Die Aufstiegsspur führte diesmal in Richtung Richterhütte (2367 m), welche als Ausgangspunkt dient für die umliegenden Gipfel wie die Rainbachspitze (3129 m) oder die Richterspitze (3052 m). Doch die Ziele der Skibergsteiger waren nicht so hochgesteckt. Eine Gruppe stieg nordseitig in Richtung Graukarkopf (2663 m) auf, während die zweite Gruppe taleinwärts weiter der Spur folgte und über das Mannlkar zur Mannlkarscharte (2814 m) spurte.

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Einen herrlichen Blick von der Rosskarscharte hinunter ins Rainbachtal weiter zum Krimmler Achental hatte die Tourengruppe der DAV-Sektion Traunstein. Dahinter ist die Venediger Gruppe zu sehen. (Fotos: Mühlbacher)

Deren Abfahrt führte entlang der Aufstiegsspur über das breite Kar zurück zum Rainbach und über offene Waldschneisen zurück ins Achental. Die zweite Gruppe wählte vom Graukarkopf die Südost-Abfahrt hinunter zur Windbach Alm und dann über das Windbachtal hinaus zur Krimmler Ache und dieser folgend talauswärts wieder zum Tauernhaus zu gelangen.

»Es war für alle Teilnehmer wieder ein Genuss, in unverspurten Hängen ihre Schwünge zu hinterlassen«, freute sich Mühlbacher. Nur sollte eines auch nicht verschwiegen werden: Trotz Hochgenuss der weiten Hänge, sowohl entlang des Rainbaches, als auch der Ache hieß es kräftig anschieben. Das leichte Gefälle reichte nämlich nicht immer aus, damit die Skier von alleine laufen. Und noch eines sei erwähnt: Die Wetterlage war insgesamt nicht ganz so stabil. »Hatten wir beim Aufstieg noch vom Sonnenschein geträumt, zog es zur Abfahrt schnell zu und diffuses Licht machte uns das unbekümmerte Schwingen im Pulver schwer.« So war manche Bodenwelle schnell übersehen und einige Stürze unvermeidbar.

Der dritte Tag zeigte der Gruppe, wie schnell im Hochgebirge alle Pläne über den Haufen geworfen werden können. War die Nacht noch sternenklar, gab es in der Früh ein dichtes Schneetreiben und schnell wuchs die Neuschneedecke an. Also war Warten angesagt, bis es besser wurde – und das kam auch so. »Wir nutzten das Aufreißen der Wolkendecke gleich aus und konnten wieder aufsteigen.« Eine Gruppe brach Richtung Unlaßkar auf, die andere erneut zum Rainbachkar. Ein halber Meter Neuschnee sorgte für ungehindertes Fahrvergnügen. Aber kaum am Tauernhaus angekommen gab es wieder dichtes Schneetreiben, welches erst mit Einsetzen der Nacht aufhörte. Danach gab's einen sehenswerten Sternenhimmel. So genoss die Gruppe noch die Stunden im Wellnessbereich.

Perfekte Bedingungen am letzten Tag

Der Traum, über die Roßkarscharte aufzusteigen und dann ins Wildgerlostal abzufahren, sollte am letzten Tag wahr werden. Bei strahlendem Sonnenschein und Neuschnee führte die Aufstiegsspur wieder hinein ins Rainbachtal und weiter hinauf über die Roßkarlacke zum weiten Roßkar. In zahlreichen Spitzkehren erreichte die Gruppe die Roßkarscharte (2689 m). »Wir konnten ein herrliches Panorama genießen: der Blick zurück ins Krimmler Achental und die Venediger Gruppe, hinaus ins Land in Richtung Gerlos mit den dahinter liegenden Kitzbühlern und der Blick nach Westen zu den Zillertalern.« Zum Greifen nah war auch der Gipfel vom Gabler und dessen Abfahrt. Und der Blick hinunter in das Wildgerlostal zur Finkau, wo die schier endlos erscheinende Abfahrt der Traunsteiner dann enden sollte.

»Und so zauberten wir unsere Schwünge in fast unverspurtes Gelände – vorbei am Wildgerlos See mit der Zittauer Hütte, weiter hinunter zum Salzboden und der Trissl Alm, wo die freien Hänge ein Ende haben und in einen Forstweg münden, den wir bis zur Einkehrstation Finkau folgten«, berichtete Richard Mühlbacher. Dort gab's noch einen Einkehrschwung. »Wir warfen dort einen zufriedenen Blick auf die gelungene Schlussabfahrt und die vergangenen Tage im Krimmler Tauernhaus zurück.«

In eigener Sache

Uns ist bewusst, dass in der aktuellen Situation auf Wanderungen, Berg- oder Skitouren unbedingt verzichtet werden soll, um das Risiko für die Einsatzkräfte zu reduzieren und unser Gesundheitssystem zu schonen. Deshalb unterstützen wir ausdrücklich den Appell der Bergwacht Bayern: »Bleibt's dahoam – der Berg rennt nicht weg!«

Dennoch wollen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch weiterhin unsere Bergsteigerseite, die seit Jahrzehnten gern gelesen wird, anbieten. Die auf dieser Seite vorgestellten Touren sollen als Anregungen und als Tipps verstanden werden, für die Zeit nach der Coronavirus-Krise.

Die Bergsteigerredaktion


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