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Eurobike - die Trendmesse

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Das Freygeist ist ein E-Bike, man glaubt es kaum. (Fotos: Kewitsch)
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Der neue Style. Cool, cooler, am coolsten.
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Bike-Packing, der neue Trend. Ortlieb macht vor, wie es geht.

Als Karl Friedrich Drais von Sonnenbronn seine »Laufmaschine« entwickelte, war das Prinzip vergleichsweise simpel: zwei Räder, ein Rahmen, eine Lenkstange, die Füße als Antriebseinheit. 199 Jahre später feierte die Eurobike in diesen Tagen ihr 25-jähriges Jubiläum und präsentierte stolz die Entwicklung einer unverändert boomenden Branche. Wir haben einen Rundgang gemacht.


Vorweg: Zwei Räder, ein Rahmen und ein Lenker sind geblieben. Der Rest ist neu und wird – kaum vorstellbar – alljährlich neu erfunden, verbessert, optimiert. Manches Mal auch aber auf dem Altar des »Es muss was Neues her« kläglich verbrannt. Branchen-Insider sprechen von der berühmten Sau, die da über die Fahrradwege getrieben wird.

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Beispiel Fatbike. Nimmt man die Eurobike als Indikator für Marktpräsenz und als Pendel für Erfolgskonzepte, darf man behaupten: Das Fatbike ist tot, es lebe die Laufradgröße 650Plus. Wie bitte? Ja auch hier kam ein kleines Schweinchen zur Welt, nachdem 26 Zoll als Laufradgröße nunmehr tatsächlich das Zeitliche segnen wird, 29 Zoll seine Berechtigung hat und 27,5 Zoll als bester Kompromiss den wohl größten Anteil haben wird, haben die Ingenieure ein 27,5Plus entworfen. Überbreite Reifen, 2,8-3,2 in der Breite, üblicherweise sind 2,4 schon »dick«. Wir werden sehen.

Die E-Bikes sind auf dem Vormarsch

Der Leser ahnt es schon: Natürlich sind die E-Bikes auf dem Vormarsch, kaum ein Hersteller, der das nicht im Programm hätte. Folglich ist das Angebot riesig. Mountainbikes, Trekkingräder, Sportmaschinen, Touren- und Reisevelos. Für jeden Po gibt es einen passenden Untersatz mit 500 Watt oder gerne auch mehr.

Die Firma Freygeist aus Wien/Berlin beispielsweise setzt auf Understatement. Man sieht dem Bike nicht an, dass es ein E-Bike ist, klassischer Rahmen, schlanke Form, der Akku versteckt sich unauffällig dünn im Unterrohr. Schön ist es, schick allemal, doch die Dame vom Vertrieb weist darauf hin: »Extreme Bergtouren sollte man damit nicht machen, sonst geht der Akku in die Knie.«

Centurion, der Pionier aus Magstadt, hat sein damals (1997) revolutionäres »NoPogo« nun erstmals auch mit einem starken Akku ausgestattet. Bergtouren ausdrücklich erwünscht, so die Botschaft. Sportlich dynamisch kommt er daher, der Rahmen, im edlen bronze-orange und mit ebenso viel Muskeln, wie Federweg (140 mm). Stark. Die Jungs von Centurion verstehen ihr Handwerk, so konnte auch der überaus schicke Querfeldeinrenner (ein Rennrad, mit dem man sehr gut abseits der Wege Gas geben kann) »Crossfire4000« in schickem Grau mit neongrünem Schriftzug, genau die andere Fraktion der Rad-Begeisterten ansprechen.

Wer durch die Hallen streift und konzentriert sucht, stellt schnell fest: Ein Tag reicht nicht aus. Das Angebot ist riesig, die Auswahl reicht vom edlen Tacho- bzw. Helmkamera-Adapter bis hin zum handgefertigten Holzrahmen oder Spezialmaschinen für Transportlösungen der Heavy-Duty-Klasse. Natürlich ist auch die Bekleidungsbranche vertreten und auch die Spezialisten der einschlägigen Bikespots (von Austria bis Südtirol / Trentino) bis hin zu Reiseveranstaltern weltweit, teilen ihr Wissen bereitwillig mit. Auch hier sei ein Tipp erlaubt. Den Namen darf man sich merken: Pra della Casa in Madonna di Campiglio ist zurzeit wohl noch ein Geheimtipp, aber wer die perfekte Unterkunft für seinen Wander-, Bike- oder auch Skiurlaub sucht, ist hier sehr gut beraten.

Bike-Packing: Das riecht nach Abenteuer

Der Bike-Schuh-Spezialist GIRO zeigte seinen High-End-Rennradschuh mit einem sensationellen Gewicht von 150 g in der Serienreife voraussichtlich 145 g. Unfassbar. Nur treten muss man noch selbst.

Die »Wasserdicht-Experten« von Ortlieb präsentierten ihre neue Bike-Packing-Serie. Riecht nach Abenteuer und schaut richtig nach Expedition aus. Lenkerrolle, Rahmentasche, große Heck-Satteltasche, fertig ist der Stoff, aus dem die Träume sind, die nach Schweiß und frischer Luft duften, die den Blick auf den Horizont freimachen und den Sternenhimmel näherbringen. Den Dreck der Tour kann man abwaschen, das Grinsen bleibt. Tolles Konzept, die Szene ist begeistert, erste Verzögerungen bei der Auslieferung sind bereits jetzt die Folge.

Kurzum: Dieser Streifzug ist bestenfalls ein kleines Schlaglicht, aber eines ist sicher: Das Rad ist noch lange nicht am Ende seiner Evolution angekommen, da geht noch was. Technisch faszinierend, optisch in sehr vielen Fällen einfach atemberaubend und für wachsende Zahl der Aktiven in diesem Land eine stete Quell der Freude und Ertüchtigung. So wird sich Karl Drais das damals auch gedacht haben. kew