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Eiskaltes Neuland im Himalaya

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Drei Jahre nach Herausgabe ihres Bildbands »Vertikal« gewährt Ines Papert jetzt mit ihrem neuen Buch »Unverfroren« (Delius Klasing, 176 Seiten, 22,90 Euro) wieder spannende Einblicke in ihre Kletterleidenschaft. Fast gruselig ist ihre Schilderung von der Erstbesteigung des Sechstausenders Likhu Chuli 1 im nepalesischen Khumbu Valley. Am Ende kommen Ines und ihr Begleiter Thomas Senf nur knapp ohne bleibende Erfrierungsschäden an Fingern und Zehen davon.


Während einer Klettertour in Marokko hatte sich Ines Papert schwer an der Schulter verletzt, es drohte das Karriereende. Was folgte, war ein langer Prozess der Genesung und Rehabilitation. Darüber hinweggeholfen hat ihr, dass sie stets ein Ziel vor Augen hatte: die Besteigung der Tengkampoche-Nordwand in Nepal zusammen mit ihrem Kletterpartner, dem Bergsport-Fotografen Thomas Senf.

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Als die beiden im Khumbu Valley ankommen, ist ihre Enttäuschung zunächst groß. Denn die ins Visier genommene Nordwand ist kaum zu machen: zu wenig Eis, zu große Gefahr. Die Suche nach einer Alternative beginnt. Der nahe gelegene Likhu Chuli 1 gilt in der Region als noch unbestiegen – ein reizvolles Ziel.

So kommt es, dass die beiden am 11. November 2013 bei nächtlicher Dunkelheit in die Nordwand dieses Berges einsteigen, in der Hoffnung, nur wenige Tage später als erste Menschen diesen Himalaya-Gipfel zu erreichen. Doch der Weg nach oben ist steil und bitterkalt. Haarsträubend sind die Schilderungen von einer Biwaknacht im Sitzen bei rund 30 Grad minus, von Beinahe-Abstürzen, von gefühllosen Zehen und Fingern, von grenzenloser Erschöpfung.

Es ist der unbedingte Wille, der schließlich doch zum Gipfelerfolg führt. Nur Thomas Senf muss seiner Erschöpfung und seinen beginnenden Erfrierungen Tribut zollen und Ines alleine gen Gipfel ziehen lassen.

Wochenlang haben beide nach der Expedition mit ihren ramponierten Fingern und Zehen zu kämpfen. Nur knapp können alle Gliedmaßen gerettet werden, doch es war ein knallharter Grenzgang. Warum Ines Papert immer wieder solche Herausforderungen braucht, schildert sie in dem Buch. Und sie macht klar, dass sie weiterhin aufbrechen wird zu neuen Ufern und zu neuen Entdeckungen.

»Unverfroren« ist spannend, emotional und interessant. Schade nur, dass die zahlreichen Fehler in Grammatik und Rechtschreibung den Lesegenuss nachhaltig stören. UK