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Einsame Gipfelkreuze aus Schwemmholz

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Das Kreuz am Südgipfel des Rabensteinhorns entstand aus einer abgestorbenen Steinlärche und aus Schwemmholz aus der Saalach. (Fotos: Mergenthal)
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Alois Wimmer hat ein Faible für Schwemmholz und für einsame Gipfelpunkte.

So mancher aufmerksamer Bergwanderer, der gern abseits der viel begangenen Pfade unterwegs ist, wird schon auf sie gestoßen sein: auf die Schwemmholz-Kreuze von Alois Wimmer aus Freilassing. Ein besonderes Schmuckstück ist sein Kreuz auf dem Rabensteinhorn, mit 1373 die höchste Erhebung des Müllnerhorn-Massivs. Bis 20. August sind übrigens auch Schwemmholz-Skulpturen von Wimmer im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier in Schliersee ausgestellt.


Weil er in Laufen an der Salzach aufgewachsen ist, hat Alois Wimmer, der am liebsten »Lois« genannt wird, naturgemäß eine Beziehung zu Schwemmholz. In seiner ursprünglichen Heimatstadt steht an der Salzach eine Schwemmholz-Bank von ihm. Seinen Lebensunterhalt verdient der 59-Jährige als Spengler. Früher wollte er einmal Kunstschreiner werden. In der Arbeit mit dem Treibholz, das in den Gewässern an Land gespült wird, kann er seine künstlerische Ader ausleben.

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Wenn er ein zufällig gefundenes Stück Schwemmholz anschaut, sieht er oft ein bestimmtes Tier darin und hat durch ein paar geschickte Eingriffe gleich eine perfekte Tierfigur geschaffen. Seit 2009 macht er das mit professionellem Anspruch und stellt seit 2012 aus. Reich wird er damit nicht und will er auch nicht: »Mi gfreit’s, wenn sie de andern g’frein«, sagt er. Das gilt auch für seine Gipfelkreuze. Allein die Unterhaltung mit den Menschen macht ihm große Freude, und für ihn ist die meditative Schnitz-Arbeit ein guter Ausgleich, wenn er im Brotberuf Stress hat.

Durch seine Frau Inge, die aus Unterjettenberg stammt, und die Naturverbundenheit der ganzen Familie ist er oft in den Bergen unterwegs. »Die Natur gibt uns so viel. Da kann man wieder die Kraft für den Alltag holen.« So entstand durch seine Begeisterung fürs Schwemmholz und fürs Bergwandern die Idee zu diesen ganz besonderen Gipfelkreuzen. Selbstverständlich stellt sie Alois Wimmer nur dort auf, wo ein marodes Kreuz erneuert werden muss oder wo noch nie eines stand.

Erstmals erhielt durch Alois Wimmer 2007 das Gruber Hörndl (1493 Meter) bei der Kohleralm aus einem abgestorbenen Baum ein Kreuz. Das Holzstück für den Herrgott fand er in Freilassing bei einem Sturm und ließ die Figur von Pfarrer Anton Parzinger weihen. 2009 bestückte er die »Vogelspitz« hinter der Anthauptenalm im Lattengebirge auf 1285 Metern Höhe, ein schöner Aussichtspunkt mit Blick auf den Saalachsee. 2015 entstanden mehrere Kreuze: auf dem »Alphorn« auf der Reiter Alpe (1708 Meter), auf Wunsch des Schneizlreuther Bürgermeister Wolfgang Simon, auf dem »Seekopf« (1173 Meter) bei Ruhpolding und eben auf dem Rabensteinhorn.

Um zum Rabensteinhorn zu gelangen, wendet man sich in der Mulde direkt vor dem Zugang zum bekannteren Pflasterbachhörndl-Gipfel (1270 Meter) mit seinem geschmiedeten Kreuz mit goldenem Herrgott links. Auf einem unbeschilderten, Erfahrung erforderlichen Pfad gelangt man in etwa 20 Minuten zum südlichsten Ende des Grates, wo die Latschen enden und der Blick frei über die Gipfelwiesen auf Schneizlreuth, das Saalachtal, den Watzmann, den Hochkalter und die Loferer Steinbergen schweift.

Das Kreuz schuf Wimmer aus einer abgestorbenen Steinlärche, die ganz klein und langsam gewachsen ist. »So was ist optimal für ein Gipfelkreuz. Es soll ja lang halten.« Für den Korpus und den Raben, der auf dem Querbalken rechts sitzt, diente ihm Schwemmholz aus der Saalach. In reizvollem Kontrast stehen die verwitterte, im Fundzustand belassene Oberfläche des Raben und die geschliffene des Korpus.

Die Wege auf das Pflasterbachhörndl sind trotz der geringen Höhe aufgrund ihrer Weitläufigkeit nicht zu unterschätzen. Der einfachste und kürzeste Weg (mittlere Schwierigkeit) führt von der Kiblinger Alm am Saalachsee in etwa zweieinhalb Stunden hinauf. Etwas längere Wege gehen vom Ulrichsholz bei Schneizlreuth, über die Kugelbachalm und über den Steig unterhalb der Reibwände südlich des Antonibergtunnels hinauf. Für alle Wege, besonders für den Steig, sind trockenes Wetter, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Pflicht.

Der Müllnerberg eignet sich auch gut für eine Rundwanderung. Sein Vorteil: Auf allen Wegen ist man so gut wie allein. Besonders schön sind viele Passagen im spätherbstlichen Licht, wenn die Lärchen gelb unter dem blauen Himmel leuchten: Dann gilt es aber, früh aufzubrechen. vm


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