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Eine Trostbergerin auf dem Dach der Welt

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Sechs Alpinistin erkundeten auf einer Expedition fünf Wochen lang das Pamir-Gebirge in Tadschikistan.
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Am Gipfel angekommen, gibt es immer die gleiche Zeremonie: ein Gipfel-Selfie, Abklatschen und ab zum bereits erforschten Abstieg.
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Vroni Krieger hielt in Trostberg einen Vortag bei der DAV-Sektion über die Pamir-Expedition.

Vroni Krieger aus Trostberg gehört der Eliteschmiede des Deutschen Alpenvereins an. Die Alpinistin war eine von sechs jungen Frauen, die auf einer Expedition fünf Wochen lang  das   Pamir-Gebirge  in Tadschikistan erkundet haben. Die 26-Jährige hat ein abgeschlossenes Maschinenbaustudium und steht jetzt kurz vor dem Abschluss eines zweiten Studiengangs der Atmosphärenwissenschaften in Innsbruck.


Allein die Vorbereitung sei für sie eine große Erfahrung gewesen, sagt Vroni Krieger. Denn in Frankreich, Italien, Österreich und auf der Kampenwand im Chiemgau wurde die Gruppe auf die Asien-Tour vorbereitet. Zweieinhalb Jahre dauerte die Vorbereitung. Zwölf Kandidatinnen hatten Interesse bekundet – nach dem ersten Treff blieben sechs übrig.

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»Wir hätten es nicht besser treffen können«

»Es war ein ausgewähltes Team, aber wir hätten es nicht besser treffen können«, berichtet die Trostbergerin, die wegen ihres Durchhaltevermögens innerhalb des Teams auch »The Machine« genannt wurde. Aber auch eine Maschine läuft nicht immer rund. Die 26-Jährige hatte während der aufregenden Tage im Pamir-Gebirge gleich zwei Mal gesundheitliche Probleme, konnte nicht das volle Programm mitmachen.

Vroni Krieger hatte schon mit zehn Jahren ihre Liebe zum Klettern entdeckt. In der Trostberger Halle übte sie regelmäßig, fehlte bei keinem Klettertraining. Schnell rückte sie in den Landes-Jugendkader auf und wurde mit 16 deutsche Vizemeisterin im Bouldern. »Das ist keine besondere Erwähnung wert, das ging damals erst so richtig mit Meisterschaften los, wir waren nur zu dritt«, schmunzelt die Oberbayerin und erklärt: »Beim Bouldern geht es ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe hinauf. Das heißt: bis zu einer Höhe, aus der ohne Verletzungsgefahr von der Wand abgesprungen werden kann. Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns.«

Vroni Krieger, immer schon eine begeisterte Kletterin, hat in ihrem bewegten Bergsteiger-Leben schon einiges erlebt. Sie hat viele anspruchsvolle Touren gemeistert, und dennoch sagt sie jetzt: »Pamir war schon nochmal etwas ganz anderes, vor allem vom Kopf her. In den Alpen weißt du immer, dass du im Notfall ausgeflogen werden kannst. Das war jetzt nicht der Fall. Wir waren doch 20 Stunden weg von der Zivilisation. Gar nicht daran zu denken, wenn sich eine von uns verletzt hätte.«

Vom Basislager auf 4000 Metern Höhe startete die Gruppe zu insgesamt vier Gipfeln. Und weil einer von zwei Seiten bestiegen wurde, waren es insgesamt fünf Touren. »Wir bewegen uns im Schneckentempo. Der Blick geht hinauf, blankes Gletschereis zieht sich bis zu den Gipfeln. Geröllmoränen bestimmen weiter unten die Landschaft. Mit dem Fernglas können wir dennoch einige potenzielle Ziele auskundschaften. Wir errichten zwei Hochlager und schaffen mühsam unser Material nach oben«, steht im Abschlussbericht einer Mitstreiterin nachzulesen.

Und weiter heißt er: »Nach einer Schneesturmnacht auf 4800 Metern klettern wir über den Normalweg in zwei Seillängen 4 bis hart 4+ auf den Gipfel. Größere Leistungen sind leider wegen Atemlosigkeit nicht herauszuholen.«

Nach einem Pausentag im Basislager war die Gruppe aber wieder voll motiviert und nahm die gesichtete »Kingline«, ein durchgehendes Riss-System auf dem gleichen Gipfel (5000 Meter), in Angriff. Im Abschlussbericht steht dazu: »Bei niedrigen Temperaturen widmen wir uns dem Kampf gegen eine fiese Flechte in der ersten Seillänge. Schlüsselstelle ist die Schlacht mit dem Flechtenrest bei Cam Größe 5, danach folgt der Offwidth. Hier hilft nur ein Haken. Endlich am Stand angekommen, ist die Sonne in der Wand, eingefrorene Hände und Füße können auftauen. Gerade als es warm wird, geht’s schon wieder in den nächsten Kamin-Kühlschrank.« Und so wird jeder Aufstieg exakt beschrieben.

Am Gipfel angekommen, gibt es immer die gleiche Zeremonie: ein schiefes Gipfel-Selfie, Abklatschen und ab zum bereits erforschten Abstieg. Zurück im Basislager wird dann auf die Gipfelerfolge angestoßen. Das Essen ist allerdings nicht üppig: Buchweizen, Gemüsesuppe, Chinanudeln, Milchreis und Grießbrei – immer das Gleiche.

Heute, mit etwas Abstand, sagt Vroni Krieger, sie hätte sich alles noch härter vorgestellt. Trotzdem will sie in den nächsten Jahren an keiner weiteren Expedition teilnehmen. In den nächsten Monaten wird beim DAV der nächste Damenkader gegründet. »Also auf geht’s Mädels, wir sind schon gespannt auf die ,Neuen’!«, meldet die »tapfere Kriegerin«, die von sich behaupten kann, am Dach der Welt gewesen zu sein. kk