Ein Stützpunkt hoch oben am Berg

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Bernhard Kantschuster (vorne, sitzend) hat rund um den Kaindl-Kaser einiges an Arbeit. Doch der Hüttenwart kann sich auf sein Bergwacht-Team verlassen, Jung und Alt arbeiten Hand in Hand zusammen. (Fotos: Bergwacht Traunstein)

Mindestens alle zwei Wochen geht Bernhard Kantschuster auf den Unternberg in Ruhpolding. Dort oben befindet sich die Diensthütte der Bergwacht Traunstein. Der Kaindl-Kaser ist der ganze Stolz der Bereitschaft und Kantschuster ist für ihn seit 1990 verantwortlich. »Die Hütte steht an einem wunderbaren Fleck« schwärmt der Hüttenwart, der selbst natürlich auch aktives Mitglied der Bereitschaft ist. Er ist quasi in doppelter Funktion für die Bergwacht im Einsatz.


Seit 1972 ist Bernhard Kantschuster, der ursprünglich aus Stein an der Traun kommt, jetzt schon bei der Bergwacht Traunstein dabei. »Mir hat's einfach gleich gut bei den Traunsteinern gefallen«, erzählt er. Und er sei deswegen zur Rettungsorganisation gegangen, weil es einem ein gutes Gefühl gebe, jederzeit und überall helfen zu können, sagt er.

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Bernhard Kantschuster erlebte auch noch die Zeiten mit, als oben am Unternberg Skibetrieb gewesen ist. Die Traunsteiner griffen den Ruhpoldingern damals mit den Winterdiensten unter die Arme. »Wir hatten damals im Winter im Skigebiet regelmäßig Bereitschaftsdienst«, erzählt er. Wochenende um Wochenende ging oben am Berg für die ehrenamtliche Arbeit drauf. Doch das sei für ihn nie ein Problem gewesen. »Wir konnten ja trotzdem auch mal selber Skifahren gehen«, erzählt er. »Es war nur wichtig, dass immer zwei Einsatzkräfte auf der Hütte für den Notfall anwesend waren.«

Ein paar Jahre lang war die Diensthütte der Traunsteiner übrigens an einem anderen Fleck am Unternberg – nämlich etwas unterhalb des jetzigen Standorts auf den Gschwendböden. Als es Ende der 1970er-Jahre dann aber hieß, dass die Hütte weggerissen werden muss, mussten die Bergwachtler eine neue Bleibe suchen. Zunächst strebten sie einen Neubau an, die Pläne lagen bereits in der Schublade. Nach einem erneuten Gespräch mit dem Forstamt bekamen die Traunsteiner dann aber eben den Kaindl-Kaser in ihre Obhut. 1979 erfolgte der Umzug auf die neue Diensthütte.

»Danach waren erst einmal mehrere größere Umbaumaßnahmen fällig, die maßgeblich vom damaligen Bereitschaftsleiter Franz Maier vorangetrieben wurden«, erinnert sich Kantschuster, der damals tatkräftig beim Umbau mitgeholfen hat. Viel erledigten die Bergwachtmänner in Eigenregie. »Und das war alles andere als einfach«, erzählt er. »Es gab damals noch keine Forststraße und so haben wir das ganze Material mit dem Lift nach oben gebracht und sind dann mit dem Schubkarren vom Lift zur Hütte runter gefahren.« Ein gutes Jahr habe man für die Arbeiten gebraucht, 1980 wurde die Hütte dann letztlich eingeweiht und war fortan die Anlaufstelle für die Traunsteiner Bergwachtler.

1999 bekamen sie auch den zweiten Teil der Hütte, der zuvor privat vermietet gewesen ist, dazu. »Auch da haben wir viel gemacht und viel Zeit investiert«, erinnert sich der jetzige Hüttenwart.

Die letzte größere Errungenschaft war die Installation einer Photovoltaikanlage vor fünf Jahren. »Vorher hatten wir Gas. Das war schön, aber halt auch gefährlich.« Deshalb entschied man sich zur Neuanschaffung. »Und das klappt hervorragend.« Die Hütte hat allerdings nach wie vor keinen Wasseranschluss – und deshalb befördert Bernhard Kantschuster regelmäßig einige 100 Liter Wasser auf die Hütte. Auch das gehört zu seinen Aufgaben.

Und auch sonst erfordert die Hütte immer wieder einiges an Arbeit und Pflege, erzählt Kantschuster. Im Frühjahr etwa trommelt er Jahr für Jahr die Bergwacht-Rentner zusammen. Dann muss der Schutzzaun rund um die Hütte wieder aufgebaut werden. »Nicht, dass mal eine Kuh bei uns auf der Terrasse steht«, lacht er.

Zudem treffe man sich auch am Berg, um gemeinsam Holz zu machen und ab und an stehen freilich auch Reparaturen rund um die Hütte an. »Wir pflegen die Gemeinschaft, das ist ein ganz wichtiger Aspekt« findet er. Schließlich müssen sich die Bergwachtler im Einsatzfall auch zu 100 Prozent aufeinander verlassen können.

Und eigentlich wäre er auch dafür verantwortlich, dass das Erste-Hilfe-Material auf der Hütte immer vollständig und auf dem neuesten Stand ist. »Aber diese Arbeit haben jetzt unsere Anwärter übernommen«, freut er sich. »Sie schauen, dass immer alles oben ist, was für den Ernstfall benötigt wird.«

Auch das schätzt Kantschuster so an der Bergwacht: den Zusammenhalt und das gute Miteinander zwischen Jung und Alt. Dabei ist er den jungen Bergwachtlern nicht neidig. »Was die in der Ausbildung leisten müssen, das ist schon enorm«, sagt er. Früher sei das noch nicht so aufwändig gewesen.

Er selbst ist übrigens auch noch im aktiven Dienst tätig, will sich aber schön langsam mehr und mehr zurückziehen. »Aber ich warte jetzt noch, bis unser Nachwuchs so weit ist«, sagt der Traunsteiner, der seine Erfahrung gerne an die junge Generation weitergibt. »Und auch wenn ich schon 70 Jahre alt bin, den Tank-Anhänger kann ich immer noch fahren«, lacht er. Und auch so ist Kantschuster noch fit. Dafür sorge allein schon seine Frau – und die ist ebenfalls kräftig engagiert in der Bereitschaft Traunstein. Claudia Bork ist sogar seit 2017 die Bereitschaftsleiterin. »Ich gehe mit ihr ja auch noch in die Berge und zum Kraxeln.«

Neben seiner Leidenschaft fürs Berggehen ist Bernhard Kantschuster übrigens auch noch Koch aus Leidenschaft. 2008 ging er mit seiner Frau deshalb auch für ein Jahr als Hüttenwirt auf die Glungezerhütte in den Tuxer Alpen. Seitdem ist er für seinen Kaiserschmarrn berühmt – und davon können auch die Bergwachtler ein Lied singen. Denn ab und an kocht er bei Ausbildungstagen – und davon müssen die Bergretter im Jahr jede Menge und auch regelmäßig machen – für sie.

Die Ausbildungstage der Bergwacht finden teilweise auch auf dem Kaindl-Kaser statt. Die Lawinenausbildung und Verschüttetensuche etwa wird dort oben abgehalten. In diesem Winter war die Diensthütte zudem auch wieder regelmäßig an den Wochenenden besetzt. »Wegen Corona waren sehr viele Skitourengeher unterwegs. Wir wollten im Fall des Falles schnell vor Ort sein«, sagt Kantschuster. Und eben auch die Ruhpoldinger Kollegen entlasten, die ja von unten hätten aufsteigen müssen. Die Zusammenarbeit mit den Bereitschaften in der Bergwacht-Region Chiemgau lobt er in den höchsten Tönen. Eine hebt er dabei besonders hervor: »Es ist schön, dass zwischen Ruhpolding und Traunstein eine so gute Verbindung da ist«, freut sich Kantschuster. »Sie haben für unsere Hütte auch einen Schlüssel und können im Notfall auch das benötige Material aus der Hütte holen.«

Der Kaindl-Kaser ist für die Bergwacht Traunstein, die ja in der Stadt kein eigenes Gebäude hat, in vielerlei Hinsicht eine wichtige Anlaufstelle. Dort oben trifft man sich, sitzt zusammen und tauscht sich aus. »Wir haben auch schon Gesangsabende organisiert.« Und es gibt dort oben auch alle zwei Jahre eine Bergmesse. Im vergangenen Jahr musste sie coronabedingt ausfallen. Die Bergwachtler hoffen, dass sie sie in diesem Jahr am letzten Sonntag im September nachholen und dabei auch den Kaindl-Kaser präsentieren können: also die Heimat der Bergwacht Traunstein.

SB 

Die Bergwacht Bayern bewältigt pro Jahr rund 8500 Rettungseinsätze. Insgesamt sind 113 Bergwacht Bereitschaften in den bayerischen Alpen aktiv. Wir stellen die ehrenamtliche Arbeit der Bergwachtmänner und -frauen in den nächsten Wochen in einer Serie vor. Stellvertretend für die Bereitschaften in der Bergwacht-Region Chiemgau (Altötting, Berchtesgaden, Bergen, Bad Reichenhall Freilassing, Grassau, Inzell, Marktschellenberg, Marquartstein, Ramsau, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Teisendorf/Anger und Traunstein) haben wir mit einigen Aktiven der Bergwacht Traunstein über ihre vielseitige Arbeit gesprochen.