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Ein Paradies für Wanderer und Mountainbiker

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Von der Gipfelkapelle Sankt Anna hat man einen herrlichen Blick auf die Karawanken.
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In der Steilwandkurve des Flowtrails geht's rasant hinunter. (Fotos: Till)

»Petze« bedeutet auf bairisch so viel wie »Verkloghaferl«. Für einen Berg ist das ein eher ungewöhnlicher Name. Doch hier gibt es eine besondere Attraktion: den mit 11 km längsten Flow-Country-Trail Europas. Er wurde 2014 von der »International Mountain Bicycling Association« sogar als der weltbeste Flowtrail ausgezeichnet. Unzählige Anleger, Steilkurven und Wellen warten auf dieser, aus einem Schotter- und Splittgemisch gefertigten Strecke, die sich mit einem Gefälle von rund 10 Prozent von diesem Karawankenberg als Hochgeschwindigkeitsdownhill zu Tal schlängelt. Grund genug für Gabi und mich, die »Petze« kennenzulernen.


Während sich die sogenannten Downhiller von einer modernen Umlaufbahn bequem auf 1700 Meter Seehöhe schaukeln lassen, trete ich als Bergradler in die Pedale, um die 1100 Höhenmeter auf einer Forststraße zu bewältigen. Diese hat eine angenehme Steigung und quert mehrmals den Trail. Schattige Waldpassagen wechseln sich mit farbenprächtigen Blumenwiesen ab und immer wieder bieten sich tolle Ausblicke auf die Berge, Hügel und Seen Südkärntens.

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Auch bestens beschilderte Wanderwege führen hinauf

Gabi lief derweil lieber zu Fuß und benützte einen der zahllosen und bestens beschilderten Wanderwege. Als ich verschwitzt oben ankam, wartete sie bereits mit einem Lächeln, da sie bergauf dank der steilen Abkürzer wieder einmal schneller war.

Wir besuchten die Gipfelkapelle Sankt Anna und genossen die Blicke auf die umlegenden Grate und Gipfel – wie etwa dem 2113 m hohen Feistritzer Spitz. Dabei entdeckten wir einen Adler, der majestätisch seine Kreise zog und offensichtlich bei dem bunten Treiben unter ihm auf Beute hoffte. Auch viele Bergsteiger nutzen die Bahn als Aufstiegshilfe, um hier zu den umliegenden Gipfeln oder dem Walter-Mory-Klettersteig zu gelangen.

Während die Downhiller ihre Protektoren anlegten, wechselte ich nur mein verschwitztes Trikot, um mich respektvoll an die Abfahrt zu wagen. Aber schon bald merkte ich, dass dieser Trail das Adjektiv »flow« zu Recht hat, da er gepflegt wie eine Bobbahn ist und ich regelrecht hinunterdüste. Die Fliehkräfte pressten mich in die Steilwandkurven und beim Durchfahren der Tables (künstliche Bodenwellen) stellte sich unweigerlich das Gefühl einer Achterbahnfahrt ein.

Viel zu schnell war der Rausch zu Ende und so fuhr ich an der Talstation noch einige Male durch einen Pumptrack (Mountainbikeübungsgelände) mit Sprüngen und Wippen, um dann mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf Gabi zu warten, die jetzt – zu Fuß bergab – natürlich viel langsamer war als ich.

Fetzenflieger (Paragleiter) schätzen dieses Freizeit-Eldorado ebenso und betrachten das Ganze aus der Vogelperspektive. Dabei entdecken sie noch zwei Cross-Countrystrecken mit vier bzw. fünf km Länge, auf dem sich die Hardtrailfahrer austoben können. Außerdem wird derzeit noch der »Petzen-Thriller«, ein Endurotrail mit Wurzel- und Felspassagen, gebaut. Er soll bis Herbst fertig sein. Grund genug, dann wieder zu kommen, da er im Moment nur zur Hälfte fahrbar ist. Dies lohnt sich für Trailspezialisten aber jetzt schon, da man auf dem Flowtrail weiterfahren kann.

Die Südkärtner Seen gehören zu den wärmsten Bergseen der Alpen und so hatte der Klopeinersee Mitte Juni bereits 24 Grad Wassertemperatur. Eine Wohltat für radelnde Wasserratten die, so wie wir, nach einer anstrengenden Tour, ins erfrischende Nass hüpfen. Auch hier gibt es zahllose, bestens beschilderte Rad- und Mountainbikerouten, bei denen man an bis zu sechs Seen vorbeikommt.

Besonders schön ist die Drei- Seen-Mountainbikerunde. Sie führt vom Klopeinersee zunächst zum Kleinsee, einem Biotop mit wunderbaren Seerosen. Kurz danach führt eine Forststraße auf den Kitzelberg, auf dessen Gipfel sich eine eingezäunte Flugsicherungsanlage befindet. Von hier surften wir den Weg Nummer sieben, einem tollen fels- und wurzeldurchsetzten Waldweg, hinunter nach St. Veit im Jauntal.

Jede Menge Fahrfreude und Naturgenuss

Weiter geht’s über Rad- und landwirtschaftliche Wiesenwege zum Turnersee mit seinen großen Schilfbeständen und zwischengelagerten Badestellen. Auf der Weiterfahrt zum Sablatingermoor begleitet uns Pedalritter das tolle Karawanken-Panorama. Durch das europäische Naturschutzgebiet »Salbatingermoor« führt ein Weg, der sich als toller Dschungeltrail entpuppte und uns viel Fahrfreude und Naturgenuss bereitete.

Diese südlich des Alpenhauptkamms gelegene Urlaubsregion bietet aufgrund seiner Vielfalt bergsteigenden und radelnden Experten ebenso viel wie Einsteigern und Familien, die auch mit Kindern den »Flow« im Trail und Wasser gleichermaßen erleben können. Rudolf Till