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Ein Paradies für Wanderer und Bergradler

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Auf dem Gipfel des Monte Capanne – er ist mit 1019 Meter der höchste Berg der Insel Elba – haben die Wanderer einen herrlichen Blick auf die Bucht von Marciana Marina. (Fotos: Till)

Elba sieht aus wie ein Wal – mit einem mächtigen Körper und typisch geteilter Schwanzflosse. Tatsächlich ist die drittgrößte italienische Insel ein einziges Gebirge mit Steilküsten und traumhaften Buchten, die zum Nationalpark des toskanischen Archipels gehört. Kein Wunder also, dass sich Wassersportler und Naturfreunde hier gleichermaßen wohlfühlen.


Der Westteil der Insel stellt den Kopf des Wals dar und wird beherrscht vom höchsten Berg, dem 1019 Meter hohen Monte Capanne. Zahlreiche Wanderwege, Mountainbiketrails und einige Klettersteige führen auf den Gipfel oder um den Berg herum. Eine sehr schöne Tour führt von Marciana über den Gipfel nach Poggio und wieder zurück. Man folgt dem Weg mit der Nummer eins und steigt durch schattige Kastanienwälder hinauf zur Kapelle Cerbone. Hier wird nicht nur gebetet, sondern auch gefeiert, da die Italiener für das »Dolce Vita« hier einen Picknickplatz mit Grillstellen eingerichtet haben. Diesen kann man auf einem anderen Weg auch mit dem Bergradl erreichen.

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Es gibt auch eine abenteuerliche Seilbahn

Später kreuzt man den Weitwanderweg GTE und trifft oberhalb der Baumgrenze auf einen Plattenweg, der direkt zum Gipfel führt. Hier liegt einem Elba gleichsam zu Füßen und man kann bei klarem Wetter bis Korsika sehen. Beim Abstieg folgt man dem Plattenweg, der mit der Nummer zwei bestens markiert ist, auf einem Höhenrücken immer geradeaus bergab und erreicht das wunderbare Bergdorf Poggio.

Auf dem Rückweg nach Marciana kommt man an der Mineralquelle Fonte Napoleone vorbei und kann neben zahlreichen Einheimischen seine Wasserflaschen füllen. Angeblich ließ sich Napoleon während seiner Verbannung auf Elba täglich von dieser Quelle sein Trinkwasser bringen.

Touristen können von »Marciana Alta« auch mit einer sogenannten Seilbahn auf den Gipfel fahren. Sie gleicht aber eher einem Volksfest-Fahrgeschäft, da je zwei Fahrgäste in Drahtkäfigen stehen müssen, um hochgeschaukelt zu werden.

Der oben erwähnte Weitwanderweg durchquert die Insel der Länge nach – von Patresi im Westen bis nach Cavo am nordöstlichen Ende. Er ist auch mit dem Bergradl befahrbar, wobei sich sanfte Maultierwege, flowige und technische Trails sowie Schiebe- und Tragepassagen abwechseln. Für diese Durchquerung braucht man – je nach gewählter Variante – sowohl zu Fuß als auch mit dem Bike – vier bis sechs Tage.

In Poggio beginnt auch eine tolle Mountainbiketour. Sie führt zum Monte Perone, über Sandpisten hinab nach Sant‘Ilario und weiter über San Giovanni zu den San-Piero-Trails. Die Wegeoberflächen bestehen aus verwitterten Granit, der wie ein Sandstein mit seiner rauhen Oberfläche den Reifen, selbst bei Nässe, einen hervorragenden Reifengrip bietet. Die berühmten Trails von Moab in den USA können nicht besser sein. Die Tour kann man auch an den langen Sandstränden des an der Südseite der Insel gelegenen Fremdenverkehrsortes Marina di Campo beginnen und auf einer kleinen Bergstraße nach Pieve San Giovanni hinauftreten.

Etwas weiter östlich liegt der Golf von Lacona zwischen dem Capo (Kap) Fonza und dem Capo Stella. Von dessen flachen und kinderfreundlichen Sandstränden führen mehrere bestens beschilderte Wanderungen sowohl zu beiden Kaps als auch ins nördliche Hinterland. Den Mountainbiker zieht es aber zum Napoleonetrail. Dazu strampelt er auf einer Asphaltstraße 200 Höhenmeter hoch zum Pass am Monte Moncione, um hier nach links auf eine steinige Piste einzubiegen.

Auf dem schattigen Höhenrücken geht es über die Anhöhe von Molino a Vento (Windmühle) zum Monte San Martino, um kurz danach auf den technisch anspruchsvollen Napoleonetrail einzubiegen. In einem Steineichenwald surft man durch zahlreiche Kehren gleichsam hinunter zur Villa Napoleonica. Hier residierte der ehemalige Kaiser während seiner kurzen Verbannungszeit im Sommer. Er initiierte zahlreiche Maßnahmen wie Straßenbauten und wird dafür noch heute von vielen Elbanern verehrt. Nach einer kurzen Besichtigung seines Verbannungsortes radelt man auf der Nordseite der Insel über holprige Forststraßen weiter, um zum Capo d‘Enfola zu gelangen. Über Portoferraio (Eisenhafen) und dem Passo Moncione geht es auf Asphaltstraßen zurück zum Ausgangspunkt Lacona.

Eine Bucht weiter befindet sich der Lido di Capoliveri am Anfang der südöstlichen Flosse. Diese wird beherrscht vom Monte Calamita. Hier hat sich eine richtige Bikeszene entwickelt. Im Ort Capoliveri beginnen fünf bestens beschilderte Mountainbiketouren unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade. Von der einfachen »Ronda Calamita« mit 19 km Länge und 315 Höhenmeter, über die mit Trails gespickten »Cross Country World Cup Strecke« bis zur extremen Marathonrunde »Legende Cup« mit über 1900 Höhenmeter und 41 km Länge findet jeder etwas für sein Können. Die Panoramatour Ronda Calamita führt auf gut fahrbaren Asphalt- und Schotterstraßen rund um den Calamita und ist auch für sportliche Familien und E-Biker geeignet. Diese Küstentour bietet tolle Tiefblicke zu traumhaften Buchten mit türkisgrünem bis tiefblauem Wasser.

Wenn man die Tour unten am Lido (italienisch für Badestrand) beginnt, so kommen zwar 200 Höhenmeter und einige Kilometer dazu, dafür kann man aber hinterher im glasklaren Meerwasser baden. Natürlich kann man auch hoch zum Gipfel strampeln und diesen knapp unterhalb umrunden. Die Fernsicht reicht hier bis zu den Inseln Montecristo, bekannt durch den Roman der Graf von Monte Christo, und Giglio. Letztere erlangte wegen des Unglücks eines Kreuzfahrtschiffes erst vor kurzem eine traurige Berühmtheit.

Der Mountainbiker freut sich aber auf den »Serrone-Delle-Rose-Trail«. Flowig mit technisch anspruchsvollen Passagen geht es zuerst durch den Wald und dann durch aufgegebene und von der Macchia überwucherte Weinberge hinunter zu einer alten Festung. Die Locals des Capoliveri-Bike-Parks haben diesen Weg neben vielen anderen Endurotrails erst kürzlich freigeschnitten.

Porto Azzurro liegt im Zwickel der Flosse und ist Ausgangspunkt einer Wanderung zum Cima del Monte, dem mit 516 Meter höchsten Berg des nordöstlichen Inselteils. Über ein Asphaltsträßchen erreicht man zunächst die Wallfahrtskirche »Madonna di Monserrato«, welche in einer von Kakteen übersäten Schlucht liegt. Kurz zuvor zweigt man auf den nur anfangs gut markierten Weg Nr. 105 ab, um in der Nähe des Monte Castello auf den bekannten Weitwanderweg GTE zu treffen. Aber Vorsicht, denn weder Weg noch Markierung sind immer leicht zu finden und so kann eine Wanderung in einer Kletterei in unwegsamen Gelände enden.

Dem GTE folgt man nach rechts, um über einen Höhenrücken den Gipfel zu erreichen. Dort genießt man die tolle Rundumsicht auf die Buchten von Portoferraio und Porto Azzurro sowie zum Bergdorf Rio nell‘Elba. Beim Abstieg empfiehlt es sich, nicht auf den Weg Nr. 105 abzuzweigen, sondern dem Weitwanderweg geradeaus zu folgen und später über einen Karrenweg zurück nach Porto Azzurro zu gelangen.

Ganz im Nordosten der Insel liegt der ruhige Badeort Cavo. Hier haben am Monte Calendozio schon im 7. Jahrhundert vor Christus die Etrusker Eisenerz abgebaut. Der Erzabbau wurde 1981 eingestellt, obwohl die Vorkommen noch auf 16 Millionen geschätzt werden. Daher ist die aufgelassene Mine »Minera di Rio Albano« ein lohnendes Ziel für Trailfahrer.

Auch Rennradfahrer kommen auf ihre Kosten

Vom Ausgangspunkt Cavo strampelt er zunächst gemütlich auf der asphaltierten Provinzstraße SP 33 hinauf nach »La Parata«. Hier zweigt ein Karrenweg ab, der steil hinunter zum kleinen See »Laghetto delle Conche« führt. Die Abfahrt ist schon ein kleines Abenteuer, da starke Regenfälle hier nicht Wasserrinnen sondern wahre Wasserschluchten hinterlassen haben. In der Nähe des Sees wird es flacher und der Schluchtenweg geht in einen flüssig zu fahrenden Trail über, der am See vorbei führt. Hier staunt der Biker nicht schlecht. Das Wasser ist blutrot! Dies ist eine Folge des hohen Eisengehalts im Gestein.

Über eine Piste geht es wieder hinauf zur Tagebaumine am Monte Calendozio, durch die mehrere Trailtrassen führen und Mountainbikern als Spielwiese dienen. Hat man sich ausgetobt, so wartet noch eine holprige Geröllabfahrt über Pellegrini zurück nach Cavo. Die Insel bietet nicht nur Bergradlern und Wanderern viel, sondern auch für Rennradler gibt es tolle Touren auf einsamen Küstenstraßen und auch über Pässe. Rudi Till