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Ein literarischer Schatz für die Bergsteiger

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Der Vorsitzende der DAV-Sektion Traunstein, Alfhart Amberger (von links), Fritz Petermüller, der bei der Sektion für die Öffentlichkeitsarbeit und die Kultur zuständig ist, und Autor Willi Schwenkmeier stöberten bei der Eröffnung der Bibliothek schon einmal in den historischen Büchern. (Fotos: Brenninger)
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»Der Klettermaxl«: Aus den von der damaligen Jungmannschaft von 1977 bis 1982 unter der Federführung von Willi Schwenkmeier herausgegebenen Werken entwickelten sich später die Jahresmitteilungen der Sektion an die Mitglieder.
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Das historische Buch mit dem Titel »Wanderungen im Bayerischen Gebirge und Salzkammergut« stammt aus der Feder von Karl Stieler und Hermann von Schmid und ist König Ludwig II. gewidmet. Ausgestellt ist es auf einem Pult, das lange Zeit auf der Traunsteiner Hütte gestanden hat.

Diese Räume lassen Bergsteigerherzen höher schlagen: Die Alpenvereinssektion Traunstein hat seine Geschäftsstelle unter den Arkaden jetzt erweitert und eine sehenswerte und umfassende Bibliothek mit über 1200 Büchern eingerichtet. »Es ist eine überaus interessante Bibliothek geworden«, sagte der Vorsitzende der DAV-Sektion, Alfhart Amberger, bei der Eröffnung der neuen Räume. »Man sieht darin, wie sich die alpinen Themen im Laufe der Jahre geändert haben. Es wurden immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt.«


Ein besonderes Lob sprach Amberger bei der Eröffnungsfeier Fritz Petermüller aus, der bei der Sektion für die Öffentlichkeitsarbeit und die Kultur zuständig ist. »Er hat die Initiative ergriffen und aus unserer Sammlung diese Bibliothek erstellt.« Möglich wurde die Einrichtung der Bibliothek dadurch, dass der Verein von der Stadt Traunstein die ehemaligen Räume des Haus- und Grundbesitzer-Vereins zur Verfügung gestellt bekommen hat, die direkt an die Geschäftsstelle der Sektion anschließen.

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»Der Alpenverein ist eine einzige Erfolgsgeschichte«

Der Umbau habe sich sehr gelohnt, betonte die Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. Sie lobte das Engagement des Alpenvereins in den höchsten Tönen. »Der Alpenverein ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Sie haben jetzt auch noch eine tolle Bibliothek errichtet und damit Großartiges geleistet«, betonte sie. »Schließlich sind Bücher wie gute Freunde.«

Fritz Petermüller blickte dann kurz auf die Geschichte der Sektion zurück. Sie wurde im Dezember 1869 gegründet und damit entstand sie bereits im Gründungsjahr des Deutschen Alpenvereins. Sie hatte damals 22 Gründungsmitglieder. »Bergsteigen hat ja gerade in unserem alpennahen Landkreis eine außergewöhnlich große Bedeutung im Leben der Menschen hier. Es ist Teil unserer Kultur geworden«, betonte Petermüller.

Er ging auch umfassend auf die Entstehungsgeschichte der Bibliothek ein. Man habe etwa im Lauf der Jahre verschiedene Schenkungen bekommen, berichtete er. Amberger erwähnte in diesem Zusammenhang vor allem die Prachtbände, die der Verein von Professor Kiefhaber erhalten habe. Darunter befindet sich etwa ein Buch von Karl Stieler und Hermann von Schmid mit dem Titel »Wanderungen im Bayerischen Gebirge und Salzkammergut«, das König Ludwig II gewidmet ist.

Im Laufe der Jahre ist dann in der Sektion der Wunsch gereift, die Bücher und auch die umfangreiche, teilweise historische Kartensammlung öffentlich zugänglich zu machen – und dieses Vorhaben ist nun nach einer Renovierung der Räume in die Tat umgesetzt worden. Den Grundstock der alpinen Bibliothek bilden dabei die Jahrbücher des Deutschen Alpenvereins, die vollständig vorhanden sind. »Es gab allerdings einige kriegsbedingte Ausfälle«, betonte Amberger.

In der Zwischenkriegszeit dominierten übrigens Berichte über das sogenannte »heroische« Bergsteigen, vor allem im Himalaja und über Erstbesteigungen, die alpine Literatur. Eine politische Instrumentalisierung des Bergsteigens im deutschen Sprachraum wurde dabei zudem offensichtlich. Die Nachkriegszeit ab den fünfziger Jahren brachte dann einen enormen Aufschwung, was das Erscheinen an Bergbüchern anbelangt.

Um ein wenig den Überblick zu behalten, machte sich die Traunsteiner Sektion die Arbeit, einen alpinen Literatur-Kanon zu erstellen. Darin finden sich die wichtigsten Bücher über Berge und Bergsteiger in den letzten hundert Jahren wieder. »Einige Experten der Literatur«, wie Petermüller sie nannte, nahm die kritische Auswahl vor. Zu dieser fachkundigen Jury gehörten Willi Schwenkmeier, Hans Helmberger, Otto Huber, Lutz Maurer, Malte Roeper und die Kulturabteilung des DAV sowie natürlich Petermüller selber.

Den Sprung in den Kanon schafften etwa Titel von Malte Roeper (»Sportklettern in den Alpen«, »Auf Abwegen«, »Westwand«), Fritz Bechtold (»Deutsche am Nanga Parbat«), Willi Schwenkmeier (»Steile Welt«) oder Walter Pause (»Im schwierigen Fels«, »Der Tod als Seilgefährte«). Diese Bücher sind auch alle in der neuen Bibliothek, die auch sehr übersichtlich nach Themengebieten (etwa Wanderbücher, Landschaftsbücher Ski, Höhlenforschung, Jahrbücher oder Bildbände) geordnet ist, vorhanden.

Zudem gibt es genaue Listen, welche weiteren Bücher in der Bibliothek ausgestellt sind. Dabei wurde durchaus auch selektiert, verriet Petermüller. »Unser Leitbild ist: Wir wollen nicht jeden Schmarrn drin haben.« Dafür sind etliche Raritäten darin zu finden, »die man so heutzutage nur noch sehr schwer bekommt«. Besonders stolz ist man bei der Sektion etwa auf die Titel »Empor« von Georg Winkler oder »Jungborn« von Eugen Lammer.

Zudem baute die Sektion bereits die vergangenen Jahre über eine umfassende Bergführer-Sammlung auf, die auch eine große Auswahl an Sportkletterbüchern beinhaltet. »Diese haben wir jetzt ebenfalls erheblich erweitert und auch erneuert«, betonte Petermüller. Diese Führer seien auch gerade für die junge Generation gedacht, die sich die teuren Bücher vielleicht oft noch nicht leisten wollen, betonte Petermüller. Daher wird dieser Literatur wie übrigens ein großer Teil der anderen Bücher auch an die mehr als 6500 Mitglieder der Sektion ausgeliehen. Die Bibliothek sei aber auch Nichtmitgliedern zugänglich, hob Petermüller hervor.

»Eine solche Arbeit macht sich heute keiner mehr«

Besondere Erwähnung fand auch »Der Klettermaxl« – der natürlich ebenfalls seinen Platz in der Bibliothek gefunden hat. Aus den von der damaligen Traunsteiner Jungmannschaft von 1977 bis 1982 unter der Federführung von Willi Schwenkmeier herausgegebenen Werken haben sich in der Weiterführung die Jahresmitteilungen der Sektion an die Mitglieder entwickelt. Um diese mittlerweile historischen Schriften zu erhalten, habe man die neun Ausgaben im Jahr 2010 in einem Exemplar in Buchform binden lassen, betonte Amberger. »Es ist eine ganz besondere Literatur, die es so in dieser Form nicht mehr gibt«, fügte er hinzu. »Eine solche Arbeit macht sich heute leider keiner mehr.« Die Ausgaben hätten zudem ein sehr hohes Niveau gehabt.

In der Bibliothek befindet sich übrigens auch noch ein historisches Pult, auf dem in der Traunsteiner Hütte lange Zeit das Gästebuch aufgelegen war, zudem sind auch noch zwei historische Stühle aus der Hütte dort zu finden – frisch restauriert versteht sich. »Das Ganze ist eine gemütliche Leseecke geworden«, freute sich Petermüller. Nun hoffen die Traunsteiner, dass ihre Bibliothek auch gut angenommen wird. »Man findet darin die ganze Bandbreite des Alpinismus vor. Die Bibliothek ist es sicherlich wert, dass man sich einmal reinsitzt und ausführlich im Alpinismus unterwegs ist.« Für literaturinteressierte Bergsteiger ist die Traunsteiner Bibliothek wahrlich ein ganz besonderer Schatz.

Aktuelle Informationen über die Bücher der Bibliothek sind demnächst auch über das Internet unter www.alpenverein-traunstein.de abrufbar. Die Geschäftsstelle der DAV-Sektion in der Bahnhofstraße 18 b hat am Montag und Mittwoch von 10 bis 12 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr geöffnet. In dieser Zeit kann auch die Bibliothek genutzt werden. SB