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Diese Bilder lassen ihn nicht mehr los

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Eduard »Ed« Birnbacher ist seit Kindertagen ein begeisterterer Bergsteiger und Kletterer. Seine 16. Expedition führte ihn nun nach Nepal. Eine Woche vor dem verheerenden Erdbeben verließ er das Land. Nun möchte der Ruhpoldinger den Menschen dort gerne helfen. (Fotos: Birnbacher/Boldinger)
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Langtang ist dem Erdboden gleich gemacht. Das Erdbeben löste eine Lawine aus, die ins Tal donnerte und den Ort mit voller Wucht traf. Das Militär machte sich ein Bild vor Ort und startete mit den Helfern die Aufräumarbeiten. Für viele Menschen kam jedoch jede Hilfe zu spät. (Foto: dpa)
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Große Gastfreundschaft: Nach der Expedition kehrte die Gruppe um Eduard Birnbacher in Langtang bei einem der Träger in seiner Hütte ein. Am offenen Feuer kochte dieser ihnen Tee. Ob der Träger und seine Familie noch lebt, weiß der Ruhpoldinger bis jetzt nicht.
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Das Haus mit den grünen Fenstern ist das einzige in Langtang, das von der verheerenden Schlammlawine nicht zerstört wurde.

Es war bereits seine 16. Expedition. Und als Eduard »Ed« Birnbacher davon erzählt, gerät er ins Schwärmen. Aber nur ganz kurz, denn zu sehr bewegt ihn das, was kurz nach seiner Expedition in Nepal passiert ist. Der Ruhpoldinger war im April in diesem Land, schaffte dort wieder einmal eine Erstbesteigung und verließ Nepal voller Emotionen, bewegenden Eindrücken, neuen Freunden und vielen Glücksgefühlen genau eine Woche vor dem verheerenden Erdbeben. Als er dann daheim in den Radionachrichten von der Katastrophe erfuhr, stockte ihm regelrecht der Atem. Und auch mit einigen Tagen Abstand lassen ihn die Bilder nicht mehr los. »Das geht mir immer noch sehr nahe«, erzählt der Kletterer und Bergsteiger, »das ist einfach so brutal.«


Denn genau in jenem Gebiet, in dem er sich aufgehalten hatte, traf die Katastrophe die Menschen mit voller Wucht. Die Ortschaft Langtang etwa gibt es nicht mehr. Exakt in jenem Dorf hielt sich Birnbacher und seine Expeditionskollegin Anna Boldinger aus Riedering, mit der er 2009 bereits in Grönland unterwegs war, ebenfalls auf. Und genau von dort kamen auch die Träger, die die Ausrüstung von Birnbacher und Boldinger zum Basislager brachten, und auch Mittelsmann Shangbu Sonam stammt von dort. »Ich weiß bis jetzt noch nicht, ob sie noch leben«, erzählt Birnbacher. Überhaupt wisse man bis jetzt nicht, wie viele Opfer es im Langtang-Tal, das rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kathmandu liegt und Startpunkt für viele Trekking-Touren ist, gebe. »Die Leute da oben sind ja nicht mal registriert«, erzählt er.

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Bei einem der Träger, erinnert sich der Kletterer, habe man nach der Rückkehr von der Expedition noch Tee in seiner kleinen und bescheidenen Hütte getrunken und dabei auch seine Familie kennengelernt. Am offenen Feuer hatte der Träger der Gruppe Tee zubereitet. »Nun gibt es die Hütte nicht mehr«, sagt Birnbacher. Und die Familie sei wohl auch ums Leben gekommen. Wie so viele andere auch aus der Ortschaft Langtang, die dem Erdboden gleich gemacht wurde.

»Das Hauptproblem in diesem Dorf war nicht das Erdbeben, sondern die Lawine«, erzählt Birnbacher, der schon als Zehnjähriger gern in den Bergen unterwegs gewesen ist. »Die hat ihnen das Genick gebrochen.« Mit voller Wucht kam diese vom Berg herunter und begrub alles unter sich. Diese Bilder des zerstörten Dorfes, in dem er kurz zuvor noch selber war, wird Birnbacher nie vergessen können.

Dabei war die Reise an sich für Birnbacher und Anna Boldinger vom Erfolg gekrönt – auch wenn sie nicht gerade gut begann. Denn die beiden konnten ihr eigentliches Vorhaben – die Erstbesteigung eines 5822 Meter hohen Gipfels im Gebiet Langtang Himal/Chimisedang Lekh nicht in die Tat umsetzen. »Ich habe schon im Vorfeld im Internet gelesen, dass in diesem Jahr noch sehr viel Schnee liegt«, erinnert sich Birnbacher. Und auch Shangbu Sonam bestätigte den beiden bei ihrer Ankunft, dass in diesem Jahr noch »unnormal viel Schnee« sei. Trotzdem machte sich die Gruppe von Langtang aus auf den Weg und errichtete auf 4800 Meter ihr Basislager. »Die Nächte waren brutal, wir hatten bis zu minus zehn Grad – und das im April«, sagt Birnbacher. Er erkundete dann mit Boldinger die Gegend – und beide mussten schnell feststellen, dass ihr anvisierter Berg »noch komplett zugeschneit war«. Und beide wussten: »Dieses Projekt können wir vergessen.«

Doch aufgeben wollten die beiden deshalb noch lange nicht und so entschieden sie sich, einen der vorgelagerten Felsgipfel zu besteigen. Bei bestem Wetter brachen sie in der Früh vom Basislager auf und sie bezwangen den »Langtang Stupa«. Es sei eine Kombination aus Felskletterei und kombinierter Kletterei gewesen, erzählt Birnbacher, dessen alleinige Idee die Expedition war und die er auch rein privat finanziert hat. 300 Meter mussten die beiden klettern – für Birnbacher ein wichtiger Punkt, denn »nur raufstapfen interessiert mich nicht«.

Und obwohl die beiden auch hier nicht ganz den Gipfel auf 5480 Meter erreicht haben, weil das Wetter am Nachmittag immer schlechter wurde und ein heftiges Schneetreiben einsetzte, waren sie alles in allem mit dem Erreichten sehr zufrieden. Sie machten auf einem Pfeilergipfel auf 5350 Meter Halt. »Bei den Verhältnissen waren wir zufrieden, dass wir alles so hinbekommen haben«, sagt der Kletterer. »Es muss bei einer Expedition vieles zusammenpassen«, fügt er hinzu. »Und es war wirklich perfekt.«

Doch für Birnbacher steht sein persönlicher Erfolg mittlerweile ganz weit hinten an. Das Leid der Menschen in Nepal macht ihm zu schaffen und er möchte ihnen gerne helfen. »In den Nachrichten kommt zwar mittlerweile nichts mehr von Nepal, aber das Drama dort ist längst noch nicht erledigt«, betont er. »Da ist überhaupt noch nichts besser.« Zudem befürchtet er, dass »die kulturell geprägte Ortschaft nie mehr so aufgebaut werden wird« oder nun gar »eine Straße raufgepflastert« werde.

»Von der Regierung gibt es im Moment keine Gelder«

Birnbacher möchte den Menschen dort am liebsten aktiv helfen. Doch wegen der Entfernung ist dies natürlich schwierig. Der Ruhpoldinger hat sich deshalb entschieden, zu spenden. Und dafür nutzt Birnbacher nun seine guten Kontakte nach Nepal – und zwar zu Stephan Kocher. Der Schweizer, der mittlerweile in Kathmandu lebt, ist Chef der Agentur, die Birnbacher für seine Expedition in Nepal in Anspruch genommen hat. Da Kocher viele Mitarbeiter aus der Region Langtang hat, versucht dieser nun Lebensmittel oder Bekleidung in die Region Langtang zu bringen. »Hierzu ist vorab finanzielle Hilfe nötig, von der Regierung gibt es im Moment keine Gelder«, sagt Birnbacher und deshalb unterstützt er die Hilfsaktion Kochers finanziell.

Wer ebenfalls helfen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Das Geld wird für die Opfer der Region Langtang verwendet, später dann auch für den eventuellen Wiederaufbau von Häusern in der Region. Das Spendenkonto lautet: Stephan Kocher, Swiss Bank, IBAN CH50 0483 5110 6335 8000 0 und BIC CRESCHZZ80A, Kennwort: Spenden Langtang Himal. SB