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Die Eisriesen immer im Blick

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Bei der Abfahrt zum Fenetre de Durand ging es auch an einem Stausee vobei. (Fotos: Knuhr)
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Auch eine ausgesetzte Passage am Colle Loson mussten die Mountainbiker überwinden.

Sieben Mountainbiker der Alpenvereinssektion Tittmoning sind an sechs Tagen bei optimalen Wetterverhältnissen von Chamonix nach Zermatt geradelt. Sie überwanden dabei zahlreiche hohe Übergänge. Darunter waren auch die beiden höchsten Alpenpässe, die laut Achim Zahn mit dem Mountainbike bewältigt werden können, das Colle Loson und den Theodulpass. In Anlehnung an die berühmteste Skitour der Alpen nannte der bekannte Mountainbike-Autor diese Tour »Haute-Route« und er übertreibt damit nicht!


Die Bergradler der DAV-Sektion Tittmoning, auch Bergbeisser genannt, erlebten eine wunderbare Landschaft – geprägt von wilder Schönheit und umrandet von den höchsten Alpengipfeln. Auf geschichtsträchtigen Wegen führt die Haute-Route vorbei an Mont Blanc, Grand Combin, Gran Paradiso, Matterhorn und Monte Rosa sowie über Fels und Eis und durch ein Meer von Alpenblumen.

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Kurvenreiche Trailabfahrt der Extraklasse

Im Angesicht des gewaltigen Mont-Blanc-Gletschers stellte sich auf der ersten Etappe das Col de Balme mit seinen steilen Schotterrampen in den Weg der Tittmoninger. Bei der Abfahrt vom 2191 m hohen Grenzpass zwischen Frankreich und der Schweiz waren die Mühen der Auffahrt jedoch schnell vergessen, die kurvenreiche Trailabfahrt der Extraklasse über 1000 Höhenmeter in den Gletschergraben von Trient entschädigte vollauf. Den absoluten Höhepunkt der Tour erlebten die Mountainbiker dann bei der Auffahrt zum Lac de Mauvioisin. Der gewaltige blaugrüne Stausee wird gespeist über Zulaufstollen der umliegenden Bergflanken. Die abenteuerliche Werkstraße führte die Gruppe durch Tunnels bergwärts und gab immer wieder atemberaubende Blicke auf den Stausee und seine Zuläufe frei. Erst ganz am Talende begann der Hochgebirgstrail zum Fenetre de Durand, der die Tittmoninger vorbei am Grand Combin in einer Höhe von 2797 m hinüber ins italienische Aostatal führte.

Die wohl größte Herausforderung der Tourenwoche stand am dritten Tag auf dem Programm. Vom 580 m hoch gelegenen Städtchen Villeneuve im Aostatal führte anfangs eine komfortable Passstraße und später ein Karrenweg hinauf zum 3299 m hohen Col de Losen im Nationalpark Gran Paradiso gelegen. Die 2700 Hm-Auffahrt mit einer abschließenden Schiebepassage über ein verblocktes Geröllfeld verlangte den Mountainbikern alles ab.

Atemberaubend führte dann die Route auf dem königlichen Reitweg von Vittorio Emanuele II., dem Mitbegründer des Nationalparks Gran Paradiso, hinüber ins Valnontey, wo bereits nach kurzer Zeit ein perfekter Trail hinunter führte zum Rifugio Sella Vittorio. Dort gab es eine willkommene Einkehrpause für die durstigen Radler. Der anspruchsvolle Trail hinunter nach Cogne, dem Zielpunkt des dritten Tourentages, erforderte nochmals höchste Konzentration nach einem anstrengenden Tag.

In die sehr entlegene, aber landschaftlich sehr reizvolle Gegend um das Col di Pontonnet führte die Haute-Route die Mountainbiker am vierten Tourentag. Der 2897 m hohe Übergang eröffnete nochmals tiefe Einblicke in die wilde und einsame Landschaft des Nationalparks. Nach einigen Schiebepassagen durch ein wegloses Schrofenfeld begann der rasante Sinkflug hinunter ins Aostatal mit dem Zielort Saint Vincent, dem mit 575 m am tiefsten gelegenen Übernachtungsort der Tourenwoche.

Folglich stand am fünften Tourentag erneut eine lange Auffahrt bevor, die sportliche Gruppe radelte jedoch voller Elan auf der angenehm ansteigenden Asphaltstraße zum 1645 m hohen Col St. Pantaleone hinauf. Dort war zur Überraschung aller bereits die imposante Felsgestalt des Matterhorns zu sehen.

Über die malerische Landschaft der Alpe Cignana radelten die Tittmoninger stetig bergwärts vorbei an den schwarzgrauen Wandfluchten der Punta di Tzan und langsam öffnete sich der Blick auf die weiteren Viertausender Breithorn, Castor und Pollux in der Monte-Rosa-Gruppe. Gestärkt durch eine Einkehrpause im außerordentlich reizvoll gelegenen Rifugio Jean Barmasse konnte auch die 2445 m hohe Finestra Cignana überwunden werden, wo ein schwieriger Trail mit einigen Schiebepassagen talwärts hinunter zum nächsten Etappenziel Breuil Cervinia führte.

Durch die 2450-m-Auffahrt am Vortag hatten sich die Tittmoninger im 2000 m hoch gelegenen Gletscherskiort eine gute Ausgangsposition für den sechsten und letzten Tourentag erarbeitet. An diesem Tag galt es, den 3317 m hohen Theodulpass mit einer längeren Gletscherpassage zu überwinden und so den Alpenhauptkamm wieder nach Norden zu überschreiten.

Ein früher Aufbruch war erforderlich, zumal der Wetterbericht erstmals etwas wechselhaftes Wetter gemeldet hatte. Nur gelegentlich ließ sich auf den steilen Jeeppisten hinauf ins Skigebiet noch die alte Walserroute erahnen, die bereits im 13. Jahrhundert als Weg über den Alpenhauptkamm genutzt wurde. Nicht nur die steile Auffahrt, sondern auch die imposant aufragende Felsgestalt des Matterhorns raubten den Bergradlern immer wieder den Atem.

Ungewohntes Gletscherterrain

Nachdem das Wetter noch bis Mittag hielt, erwartete die Bergbeisser am Theodulgletscher noch ganz passables Wetter mit guter Sicht. Auf der harschigen Oberfläche des Gletschers fanden die Stollenreifen guten Halt, sodass durch die Abfahrt auf ungewohntem Gletscherterrain zügig die Seilbahnstation »Trockener Steg« erreicht wurde.

Auch den folgenden 1400- Hm-Trail der Extraklasse nach Zermatt hinunter konnte die Gruppe noch bei trockenen Verhältnissen genießen. Dass man dann auf dem letzten Asphaltabschnitt bis Visp erstmals nass wurde, schmälerte die wunderschönen Erinnerungen an eine perfekte Tourenwoche mit 399 km und 12 100 Hm aber keineswegs. Franz Röckenwagner