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Die Bergwacht geht mit der Zeit

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Die Bergwacht hat auch seit längerem Drohnen im Einsatz – etwa bei der Vermisstensuche. Foto: Bergwacht

Schon in ganz jungen Jahren war Alexander Beaury in den Bergen unterwegs. Meist allein. Irgendwann habe er sich die Frage gestellt: »Was mache ich eigentlich, wenn ich zu einem Unfall dazukomme?« Die Frage beschäftigte ihn. Doch die Lösung fand er schnell. »Ein Spezl von mir war schon bei der Bergwacht, also bin ich auch dazu gegangen.«


Das war vor über 26 Jahren. Seitdem ist Alexander Beaury jetzt aktiver Bergwachtler – und ihm kommt bei der Bergwacht Traunstein dabei eine ganz wichtige Aufgabe zu. Er ist verantwortlich für den Tank-Anhänger und den Technikbus. Sein Team arbeitet bei den vielen Einsätzen also im Hintergrund, aber hilft dennoch aktiv mit, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Und Beaury macht deutlich: »Wir werden nicht bei einem gebrochenen Bein alarmiert. Wir werden nur bei größeren Einsätzen angefordert.«

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Gerade der Tank-Anhänger wird sehr oft gebraucht. »Da pressiert es dann«, sagt Beaury, der mittlerweile in Ruhpolding wohnt. Der Anhänger kommt zum Einsatz, wenn ein Hubschrauber über längere Zeit an einem Ort gebraucht wird und die Betankung im nächsten Hangar zu viel Zeit kosten würde. Zeit, die ein Patient mit einem Herzinfarkt am Berg unter Umständen oft nicht mehr hat. Die Bergwachtler begeben sich also umgehend in die Nähe des Einsatzortes und suchen dort einen geeigneten Platz, wo der Hubschrauber landen und betankt werden kann. Dieser Vorgang wiederholt sich bei einem Einsatz oft mehrere Male.

Mit ihrem Tank-Anhänger sind die Traunsteiner für den ganzen Chiemgau zuständig und teilweise auch für den Landkreis Berchtesgadener Land. »Die Kollegen dort haben aber auch einen eigenen Tank-Anhänger«, erzählt Beaury. Und dort werde dieser sogar noch öfter gebraucht als im Chiemgau. »Wir tauschen deshalb oft die Anhänger bei Einsätzen einfach auch aus«, sagt er und ergänzt: »Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist hervorragend.« Das Kerosin – in den Anhänger passen rund 950 Liter – bekommt die Bereitschaft übrigens direkt von der Bundespolizei geliefert.

Aber nicht nur bei Notfällen in den Bergen wird der Tank-Anhänger gebraucht, informiert Alex Beaury. Die Traunsteiner wurden beispielsweise auch beim verheerenden Hochwasser in Simbach am Inn im Jahr 2016 alarmiert. Dort waren auch zahlreiche Hubschrauber im Einsatz und wurden von der Bergwacht Traunstein bei Burghausen immer wieder betankt.

Den Tank-Anhänger kann auch jeder Bergwachtler im Bereitschaftsdienst bedienen, erzählt der Verantwortliche. Die Einsätze, bei denen der Tank-Anhänger benötigt wird, werden in der Regel zu zweit gefahren. Notfalls geht es auch mal allein. Wird auch der Technikbus benötigt, sind immer drei Bergwachtler dabei.

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Seit 2013 hat die Bergwacht-Region Chiemgau einen Technikbus im Einsatz. Alexander Beaury von der Bereitschaft Traunstein ist für diesen und den Tank-Anhänger zuständig. Der Anhänger kommt dann zum Einsatz, wenn ein Hubschrauber über längere Zeit an einem Ort gebraucht wird und die Betankung im nächsten Hangar zu viel Zeit kosten würde – ein solcher Vorgang ist auf unserem Bild zu sehen. (Foto: Bergwacht)

Alex Beaury hat aber noch eine zweite Aufgabe innerhalb der Bergwacht Traunstein inne. Er hat eben auch den Technikbus unter seinen Fittichen. Seit 2013 hat die Bergwacht-Region Chiemgau diesen im Einsatz – und war damit eine der ersten der acht Teams in Bayern, die einen solchen bekommen hat. »Wir waren damals beim Versuchsprojekt dabei«, erzählt Beaury stolz. Er ist mit seinem Team für ein großes Gebiet verantwortlich – und das erstreckt sich praktisch vom Chiemsee bis zum Königssee und darüber hinaus. Denn neben den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land gehört auch noch der Landkreis Altötting zum Einsatzgebiet dazu.

Neue Technologien sollte die Bergwacht damals ausprobieren. Beaury war von Anfang an dafür verantwortlich und hat nach wie vor viel Spaß daran, »neue Sachen zu entwickeln«, erzählt der gelernte Molkereifachmann, der mittlerweile als Konstrukteur in einem Ingenieurbüro arbeitet.

Die Arbeit der Bergwacht ist durch den Einsatz neuer Technologien über die Jahre hinweg immer leichter geworden. »Die Technik hilft uns gewaltig«, sagt der ehrenamtliche Helfer. Im Technikbus befinden sich etwa neben vielen Laptops und Funkgeräten auch eine Drohne und eine Wärmebildkamera. Dazu kommt noch ein Teleskop. »Mit diesem können wir Vermisste am Berg auf vier Kilometer lokalisieren.«

Beaury grübelt auch oft über weitere neue Möglichkeiten nach, die die Arbeit der Bergwacht weiter erleichtern können – und dabei steht er im engen Austausch mit den anderen Teams. »Da helfen wir alle zusammen«, sagt er. Einmal im Jahr gebe es auch ein persönliches Treffen, um Ideen weiterzuentwickeln.

Und die Traunsteiner mussten mit ihrem Technikbus gleich eine wahre Feuertaufe bestehen. Denn wenige Monate, nachdem der Bus im Einsatz war, waren sie bei der Rettungsaktion des Höhlenforschers Johann Westhauser in der Riesending-Höhle am Untersberg gefordert. »Da wurden wir praktisch ins kalte Wasser geworfen«, betont Beaury. »Wir waren damals für den ganzen Funkverkehr verantwortlich und haben diesen auch für den zwölftägigen Einsatz größtenteils übernommen.« Die Anspannung war groß, der Druck enorm, doch am Ende ging alles gut – der Forscher konnte gerettet werden. »Wenn ein Einsatz positiv endet, ist das für uns das Schönste und Beste, was passieren kann.«

Aber nicht alle Einsätze enden so: Bei Vermisstensuchen in den Bergen werden die Verunglückten oft nie gefunden – trotz der Technik. »Das beschäftigt einen freilich schon sehr«, sagt der erfahrene Bergwachtler. Dennoch überwiegen die positiven Momente. Da sein Team ja eher im Hintergrund arbeite, werde es von den Geretteten oft gar nicht so wahrgenommen, aber das störe ihn nicht. »Das macht nichts. Die Hauptsache ist, dass wir helfen können.«

Aktuell können sieben Bergwachtler – darunter auch eine Frau – den Technikbus bedienen. Diese kommen dabei auch nicht nur aus der Bergwacht Traunstein, sondern es sind auch Bergwachtler aus Marquartstein, Bergen und Grassau im Team von Beaury dabei. »Wir sind grad eher etwas knapp aufgestellt«, sagt der Verantwortliche. »In Traunstein haben wir aber bereits interessierten Nachwuchs.« Und er hofft, dass sich der eine oder andere eben auch für die Arbeit am Computer interessiere und deshalb sein Team verstärke.

Als Bergwachtler darf man übrigens auch nicht davor zurückschrecken, dass die Einsätze oft über ein paar Tage gehen. »Und wir sind auch meistens bis Tief in die Nacht unterwegs«, erzählt er. Und das macht Alex Beaury schon seit über 26 Jahren – freiwillig und ehrenamtlich. Er muss aber nicht lange überlegen, warum er das macht: »Mir macht die Arbeit Spaß und es kommt auch viel dabei rum.« SB

 

Die Bergwacht Bayern bewältigt pro Jahr rund 8500 Rettungseinsätze. Insgesamt sind 113 Bergwacht Bereitschaften in den bayerischen Alpen aktiv. Wir stellen die ehrenamtliche Arbeit der Bergwachtmänner und -frauen in den nächsten Wochen in einer Serie vor. Stellvertretend für die Bereitschaften in der Bergwacht-Region Chiemgau (Altötting, Berchtesgaden, Bergen, Bad Reichenhall Freilassing, Grassau, Inzell, Marktschellenberg, Marquartstein, Ramsau, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Teisendorf/Anger und Traunstein) haben wir mit einigen Aktiven der Bergwacht Traunstein über ihre vielseitige Arbeit gesprochen.


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