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»Der Preis ist ein Ritterschlag für mich«

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Bernd Arnold (Zweiter von links) bekam von Alexander Huber (rechts) den Paul-Preuss-Preis verliehen. Durch den Abend führte Malte Roeper. (Foto: Brenninger)

Bernd Arnold ist der siebte Preisträger des renommierten Paul-Preuss-Preises. Der 72-jährige Hohnsteiner bekam den Preis im Rahmen des 26. Salzburger Bergfilmfestivals in »Das Kino« aus den Händen des Berchtesgadener Extrem-Bergsteigers Alexander Huber und Lutz Mauerer, den Obmann der Paul-Preuss-Gesellschaft, verliehen.


Er war sichtlich überwältigt. »Ich bin fast sprachlos«, sagte der Sachse, der durch eine Vielzahl schwieriger Erstbegehungen von Kletterwegen im Elbsandsteingebirge – auch Sächsische Schweiz genannt – bekannt wurde. »Das ist eine große Ehre für mich.«

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Dem Laudator dankte er ebenfalls herzlich. »Ich wusste bisher gar nicht, wie interessant mein Leben ist«, freute sich Arnold sichtlich. »Für mich ist das alles unwirklich. Der Preis ist ein Ritterschlag für mich.«

Preis wird seit 2013 vergeben

Der Preis – eine Nachbildung der Paul-Preuss-Skulptur, die am Ufer des Altausseer Sees steht und vom Siegsdorfer Künstler Walter Angerer d. J. erschaffen wurde – wird seit 2013 von der Internationalen Paul-Preuss-Gesellschaft an herausragende Kletterer und Bergsteiger verliehen. Der erste Preisträger war Reinhold Messner, der nach Jahren des Vergessens Paul Preuss wiederentdeckt hatte.

Wichtigstes Kriterium dabei: Die Geehrten spiegeln in ihren Einstellungen und Leistungen die Grundsätze des Pauls Preuss (1886 bis 1913) wider, dessen Maxime »Das Können ist des Dürfens Maß« lautete. Preuss leistete mit seinem konsequenten Einsatz für ein freies Klettern und einem bewussten Abwägen des Risikos einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Kletterns ohne Verwendung von Hilfsmitteln, aber auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Bergen. Damit wurde er zum geistigen Vater des Freikletterns und ist damit heute noch ein Vorbild für die Top-Athleten der heutigen Free-climbing-Szene.

Alexander Huber, der den Preis selbst im Jahr 2017 erhalten hatte, würdigte Bernd Arnold in seiner launigen Laudatio als einen Kletterer, »der in der Sächsischen Schweiz zuhause ist, aber in der Welt unterwegs war und seine Spuren hinterlassen hat.« Arnold sei aber nicht nur ein begnadeter Kletterer, sondern eben auch ein Denker – und damit führe er den Geist von Paul Preuss weiter. Denn Arnold, dem vor allem ein friedliches Miteinander immer ganz wichtig ist, wählte etwa die Namen seiner Routen bewusst. Sie heißen etwa »Wand im Morgenlicht« oder »Weiße Taube«.

Da Bernd Arnold das Reisen zu den Bergen der Welt als DDR-Bürger lange Zeit verwehrt gewesen sei, seien viele bekannte Kletterer wie Wolfgang Güllich, Chris Barber, Lynn Hill und Kurt Albert zu ihm gekommen und hätten mit ihm eine »Kletterfamilie« gebildet. Arnolds Leistungen, losgelöst von der internationalen Kletterszene, könne man sich im Westen nicht vorstellen, betonte Huber.

Durch den Abend führte Malte Roeper. Der Bergfilmer und Buchautor, der mittlerweile in Traunstein lebt, sitzt auch in der Jury der Paul-Preuss-Gesellschaft. Er freute sich sehr darüber, dass die Jury diesmal für Bernd Arnold gestimmt hatte. »Bernd hat den Preis so sehr verdient«, betonte Roeper. »Bernd ist eine Legende wie Max Schmeling oder Uwe Seeler«, fügte er hinzu. »Danke, Bernd, für dein Lebenswerk, das inspirierend ist.«

Arnold hatte es gerade zu DDR-Zeiten nicht leicht. Aufgrund der Reisebeschränkungen in der ehemaligen DDR lag sein Kletterschwerpunkt neben dem sächsischen Elbsandsteingebirge zunächst in den Bergen des ehemaligen Ostblocks – etwa in der Hohen Tatra oder im Kaukasus. Dabei kletterte er Schwierigkeiten bis XI+ und war dabei meist barfuß unterwegs. Aus den Schwierigkeitsgraden machte sich Bernd Arnold übrigens nie etwas. »Für mich war die Kletterei wichtig, das Problem, das ich lösen wollte«, sagte er. »Was danach für eine Nummer rausgekommen ist, dafür konnte ich ja nichts«, sagte er bei der Preisverteilung und hatte dabei die Lacher auf seiner Seite.

Jede freie Minute zum Klettern genutzt

1988 nutzte Arnold, der damals als Buchdrucker in seiner eigenen Firma arbeitete, aber jede freie Minute beim Klettern verbrachte, eine erfundene Familienfeier im Westen zu einer ausgiebigen Expeditionsreise nach Pakistan in das Karakorum mit mehreren bundesdeutschen Bergsteigern, darunter etwa auch Kurt Albert. Genehmigt hatten ihn die DDR-Behörden nur wenige Tage. Nach einigen erfolgreichen Gipfelbesteigungen passierte das Unglück: Arnold stürzte in eine Gletscherspalte und zog sich dabei lebensgefährliche Verletzungen zu.

Er konnte aber nach München ausgeflogen werden, dort musste er mehrere Wochen in einer Klinik verbringen. Erst als er wieder halbwegs genesen war, kehrte er in die DDR zu seiner Ehefrau Christine, mit der er heute übrigens zwei Bergsportgeschäfte betreibt, und seiner Tochter Heike zurück.

Nach der Wende ergaben sich für Bernd Arnold dann weitere, abenteuerliche Ziele. Er war in den Alpen, an den Trango-Türmen im Karakorum, in Patagonien, Venezuela, in Afrika, im Mittleren Osten sowie in Tasmanien unterwegs. Eine Expedition am K2 scheiterte, für Arnold war das nicht so schlimm. Denn er erkannte dabei, dass das Höhenbergsteigen ihm nicht so liegt. »Ich bin Kletterer mit Leib und Seele«, hob er hervor. Seine ganz große Liebe sei übrigens der Fritz Roy in Patagonien. »Für mich ist das der schönste Berg der Welt.«

Auch jetzt noch ist Bernd Arnold in den Bergen unterwegs und klettert weiterhin für sein Leben gern. »Ich hoffe, dass das noch lange geht«, betonte er. Denn er wolle seinen Enkeln noch einiges zeigen. Zuvor wurde im ersten Stock von »Das Kino« am Salzburger Giselakai bereits eine kleine Fotoausstellung eröffnet. Auch diese ist Bernd Arnold gewidmet, der über 40 Jahre lang von Fotograf Frank Richter begleitet wurde. Entstanden sind dabei unzählige, äußerst beeindruckende Werke. Besonders freute sich Bernd Arnold bei der Eröffnung darüber, dass auf den Fotos auch einige seiner Felspartner verewigt sind. »Und mit einigen bin ich bis heute noch mit dem Seil verbunden.« SB