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Das Reichenhaller Haus bleibt das Sorgenkind der DAV-Sektion

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Das Reichenhaller Haus unterhalb des Hochstaufengipfels ist bei Bergwanderern sehr beliebt. Das Haus hat ab 1. Mai wieder geöffnet. Übernachtungen sind aber vorerst nicht möglich. (Foto: Bauregger)

Das Reichenhaller Haus unterhalb des Hochstaufengipfels gehört zu eine der schönsten und offenbar auch zu einer der beliebtesten Alpenvereinshütten des DAV. Die Steigerung der Übernachtungszahlen von 582 im Jahr 2009 auf 1165 im letzten Jahr bestätigen dies eindrucksvoll. Zusammen mit der rasanten Zunahme an Tagesgäste liegt die Auslastung, besonders an schönen Tagen, an der Kapazitätsgrenze. Sorgen bereitet den Verantwortlichen der Bad Reichenhaller DAV-Sektion indes der bauliche Zustand.


Zum einen muss eine Lösung für die Abwasserentsorgung gefunden werden. Zum anderen wurden bei einer Begehung im Oktober 2018 zusammen mit einem Statiker und einem Architekten erhebliche bauliche Mängel und Mängel beim Brandschutz festgestellt, welche die Sektion zum umgehenden Handeln zwingen. Das Staufenhaus wird laut dem Vorsitzenden Robert Kern zwar voraussichtlich am 1. Mai seinen Tagesbetrieb aufnehmen können. Übernachtungen werden aber erst im Sommer wieder möglich sein, da die dringendsten Arbeiten etwa zwei Monate dauern.

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Wie der Hüttenreferent Georg Baumgartner berichtete, war das Reichenhaller Haus im vergangenen Jahr vom 1. Mai bis 15. Oktober geöffnet. Besonders die schönen Wochenenden bescherten den Pächtern Christine und Andreas Frommelt zwar mehr Gäste, führte aber auch zu einer großen Mehrbelastung, die nur mit zusätzlichen Helfern zu bewältigen war.

Überschattet war das zurückliegende Hüttenjahr durch den Tod eines 41-jährigen Einheimischen am 5. Juni in der Staufen-Nordwand gewesen. Tief betroffen trauerten die Sektionsverantwortlichen zudem mit dem Hüttenwirtspaar Frommelt, deren Tochter Steffi am 18. Juli am Matterhorn tödlich verunglückte.

Bei der Begehung im Oktober wurden schließlich erhebliche Schäden am Unterbau der Terrasse und an der Beton- und der Holzdecke über dem Keller sowie Abweichungen zur Baugenehmigung festgestellt. In Sachen Brandschutz wurde festgestellt, dass die Feuerwiderstandsdauer des 1975 angebauten Gebäudeteils zu gering ist, ungeschützte Öffnungen im Treppenhaus und verschiedenen anderen Räumen vorhanden sind und der Notausgang im Dachgeschoss wie auch andere Rettungswege verbesserungswürdig sind. Neben diesen Mängeln ist es für die Pächter und ihr Personal eine große Herausforderung, wenn sie bei Hochbetrieb, die Fußbodenabdeckung zum Keller benutzen oder Vorräte aus einem Lagerraum im Obergeschoss holen müssen. Auch die sanitären Einrichtungen und die Waschräume entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard.

Als katastrophal bezeichnete Baumgartner auch die Parkplatzsituation an der Padinger Alm, die sowohl für die Bergwanderer als auch für die Rettungsdienste unzumutbar geworden sind. Auch hier muss eine Lösung gesucht werden. Sobald es möglich ist, sollen nun im Frühjahr die dringendsten Maßnahmen zügig durchgeführt werden.

Neben der bereits erwähnten Reduzierung auf einen reinen Tagesbetrieb bis zum Sommer, muss vermutlich aus Brandschutzgründen die Anzahl der Gästebetten von 26 auf 20 reduziert werden. Im Laufe dieses Jahres soll nun noch eine tiefergehende Bestandsuntersuchung des Reichenhaller Hauses durch Fachleute erfolgen, damit sowohl die technischen Möglichkeiten einer grundlegenden Sanierung wie die dafür erforderlichen Kosten ermittelt werden können. Für den Fall, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich durchgeführt werden kann, wird für die Errichtung eines Ersatzbaus bereits an einer Bauvoranfrage gearbeitet.

Das Thema Abwasserentsorgung wurde ja bereits im letzten Jahr in Angriff genommen. Vor einigen Tagen ging nun eine von der Stadt Bad Reichenhall in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie bei der Sektion ein, in der die Ableitung über einen Kanal geprüft wurde. Die Ergebnisse müssen nun noch bewertet werden. Fest steht allerdings bereits, dass ein Kanal nur über die Südseite nach Nonn oder Richtung Listsee realistisch umgesetzt werden könnte. Die Kosten für eine Wasserzuführung zum Reichenhaller Haus mit Stromanschluss werden derzeit auf 1,3 Millionen Euro, für den eigentlichen Kanal auf weitere 910 000 € geschätzt. Die Sektion müsste davon 25 Prozent der Kosten selber finanzieren.

Auch dem Vorsitzenden der Sektion, Robert Kern, bereiten die anstehenden Herausforderungen große Sorgen. Gleichzeitig ist er erleichtert, dass in Bezug auf den Brandschutz bisher nicht ein ähnliches Unglück passiert ist wie vor Jahren beim Pfarrerbauern in Schneizlreuth. Angesichts der schon jetzt festgestellten Mängel sei gerade die für dieses Jahr geplante, komplette Untersuchung und Bewertung der derzeitigen Bausubstanz sehr wichtig, um die richtigen Entscheidungen treffen und entscheiden zu können, was sich die Sektion überhaupt leisten könne. Vorrangig sei es aber, die dringendsten Arbeiten sofort zu erledigen, um der Familie Frommelt ein vernünftiges und auskömmliches Wirtschaften zu sichern. wb