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Das perfekte Gespür für den Schnee

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Ganz in seinem Element: Für Tom Leitner stand früh fest, dass er das Skifahren zum Beruf machen will. (Foto: Pally Learmond)
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Waghalsige Abfahrten: Tom Leitner weiß, was er macht. Er hat das perfekte Gespür für den Schnee. (Foto: Pally Learmond)
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Einer der bekanntesten deutschen Freerider, Tom Leitner, ist mittlerweile auch ein Familienmensch. Er geht aus Rücksicht auf seine Freundin Sabine und seine Tochter Philomena kein unnötiges Risiko mehr ein. (Foto: Manuel Übler)

Tom Leitner sitzt ganz entspannt an seinem Esstisch in seiner Wohnung in Grabenstätt. Von hier aus kann er auf den Hochfelln sehen, für ihn ist das ein ganz besonderer Berg, denn hier begann einst alles – aber der Reihe nach.


Vor Tom Leitner steht sein Laptop. Er arbeitet gerade an seinem neuen Imagefilm. Im Mittelpunkt steht der 32-Jährige und natürlich der Schnee. Tom Leitner ist nämlich einer der bekanntesten deutschen Freerider. Atemberaubende Sprünge, steile Abfahrten und fantastische Naturaufnahmen sind im Film zu sehen. »Das ist mein Leben«, sagt Tom Leitner.

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Der Schnee faszinierte ihn schon seit Kindesbeinen an. Am Hochfelln machte er seine ersten Versuche, trainierte hier regelmäßig. »Für mich war früh klar, dass ich Skifahrer werden wollte«, erzählt er. Und doch kam alles ein wenig anders als ursprünglich geplant. Tom Leitner fing zwar früh mit dem Skifahren an und fuhr auch für den TSV Tengling Rennen. »Aber nach der Schülerzeit habe ich es nicht in den Kader geschafft«, erzählt der gebürtige Burghauser, der in Tengling aufgewachsen ist.

»Damit war das Rennkapitel mehr oder weniger vorbei. Ich habe zwar noch einige FIS-Rennen gefahren, aber das war's dann«, erinnert er sich. »Ich war einfach zu klein und zu schmächtig.« Und vor allem, fügt er hinzu: »Ich war nie so der Wettkampftyp.«

Tom Leitner ließ das Skifahren aber nicht los. Das Freeriden an sich war damals in Deutschland aber noch wenig bekannt. Im Rahmen seines Studiums ging er dann ein Jahr nach Whistler in Kanada – und das aus einem guten Grund. »Das ist das Epizentrum dieses Sports«, erzählt er. »Damals wollte ich dort eigentlich meine aktive Skizeit beenden.« Doch es kam alles ganz anders. Leitner wurde in diesem Jahr »immer besser«. Er fügt hinzu: »Die Zeit dort hat mich skitechnisch unheimlich weitergebracht«. Nachts arbeitete er, am Tag stand er auf den Skiern.

Als er nach Deutschland zurückkehrte, fügte sich das nächste Puzzleteil ineinander. Tom Leitner bekam in der Saison 2008/2009 überraschenderweise einen Startplatz bei der Freeride World Tour in Fieberbrunn – und er gewann den Wettbewerb. »Das war quasi mein Sprungbrett«, betont er. Danach kamen plötzlich Sponsoren auf ihn zu. Er startete danach vier Jahre lang in der World Tour. »Plötzlich war ich also wieder im Wettbewerbsleben drin.«

Erfolge waren ihm aber weniger vergönnt. »Doch darum ging es mir auch gar nicht so. Ich wollte einfach irgendwann mal Filme machen.« Sein Studium schloss er in dieser Zeit auch ab. Er ist Gymnasiallehrer für Englisch und Sport. Es sei ein gutes Gefühl ein zweites Standbein zu haben, sagt Leitner. Für später, denn momentan denkt er nicht daran, die Skier an den Nagel zu hängen.

2012 erfüllt sich sein Traum: Filmteam klopft bei ihm an

2012 bekam er dann auch wirklich ein Angebot von der Produktionsfirma »Legs of Steel«, mit der Leitner heute noch erfolgreich zusammenarbeitet (zuletzt wurde der Film »Passenger« gedreht). Für Leitner erfüllte sich sein Traum, den er nun noch immer lebt. Schon in wenigen Wochen wird er wieder für ein Filmprojekt unterwegs sein – diesmal in Osteuropa. Er freut sich darauf – einziger Wermutstropfen: »Ich kann dann einige Wochen nicht bei meiner Familie sein«, betont er.

Seine Freundin Sabine und sein zweieinhalbjähriges Töchterchen Philomena haben seinen Fahrstil übrigens verändert. »Man denkt dann plötzlich anders, versucht die Risiken zu minimieren.« Und die gibt es beim Freeriden allemal. »Stürze gehören dazu«, sagt Leitner. Viel sei ihm bisher aber nicht passiert. Ein Kreuzbandriss, ein Oberarmbruch, ein paar Prellungen zählt er auf.

Momentan fühlt sich Tom Leitner fitter denn je und ist bereit für neue Abenteuer. »Mein Ziel ist es, einmal in den heimischen Bergen etwas zu machen«, sagt Leitner, der im Sommer aus ökologischen Gründen auf weite Reisen zum Skifahren verzichtet. »Ich will zeigen, dass man nicht unbedingt um die ganze Welt fahren muss.« Doch er weiß auch, dass sich Alaska besonders gut für Filmaufnahmen eignet. »Und das wollen die Leute halt auch sehen.« Aber, fügt er hinzu, und schaut Richtung Hochfelln. »Auch hier hat man super Möglichkeiten, man muss nur kreativ sein.« Und das ist Tom Leitner allemal – wie sein Imagefilm mehr als eindrucksvoll beweist. SB