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Das »Hüttenbaby« ist der Liebling der Bergwanderer

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Die Hüttenwirte Mareike Hollacher und Christian Aiglstorfer mit Paulina vor der Toni-Lenz-Hütte neben dem von Christian gezimmerten Kreuz. (Foto: Mergenthal)

»Die Paulina hat viele Fans«, verraten ihre Eltern Mareike Hollacher und Christian Aiglstorfer stolz. Die jungen Leute sind ihren fünften Sommer Hüttenwirte auf der Toni-Lenz-Hütte am Untersberg, unweit der Schellenberger Eishöhle. Im Januar hat sich Nachwuchs eingestellt. Beide sind glücklich, dass ihr Kind auf der Hütte mitten in unberührter Bergnatur aufwachsen darf – Eindrücke, von denen es ihrer Meinung nach ein Leben lang zehrt. Und die Bergwanderer und Hüttengäste freuen sich mit ihnen über das »Hüttenbaby«.


Seit 6. Mai sind sie nach der Winterpause wieder hier heroben auf 1450 Meter Höhe. Christian, ein gelernter Zimmerer, hat mit seinen Fachkenntnissen in den vergangenen Jahren die vom Verein für Höhlenkunde Marktschellenberg angepachtete Hütte in ein Schmuckstück verwandelt. Dabei hat er auch selbst hergestellte Fichten-Schindeln vom Zehnkaser am Untersberg verwendet. Innen hat er in der oberen Etage alles ausgebaut und für die Mitarbeiter »g’scheite Betten« gezimmert. Auch ein Kreuz und einen Brunnen hat er aufgestellt.

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Im Winter wohnen beide unten in Bischofswiesen. Der 34-jährige Christian arbeitete die letzten drei Jahre an der Bob- und Rodelbahn mit und genoss es, die besondere Atmosphäre der Großveranstaltungen wie Weltcups oder historische Rennen mitzubekommen. »Das ist ein guter Ausgleich. Hier oben bin ich der Chef und unten angestellt und im Team.« Die 32-jährige Mareike, gelernte Erzieherin, unterrichtete währenddessen die Kleinsten an einer Skischule und arbeitete auch öfter als Bedienung. Nun ist kommenden Winter erst mal Babypause angesagt.

Damit Mareike auch auf der Hütte genug Zeit für die Kleine hat, hat das Paar in diesem Jahr mehr Personal angestellt. »Wenn einmal ganz viel los ist, helf’ ich auch mit«, erzählt sie. Nach der Geburt von Paulina, als feststand, dass der Nachwuchs ein Mädchen ist, hängte eine Freundin von ihr rosa Luftballons an das Schild, das unten im Tal auf die Toni-Lenz-Hütte hinweist.

Wie unterscheidet sich so ein Babyleben auf der Hütte von dem im Tal? Christian: »Ein Hubschrauber ist für sie wie ein Auto.« Einmal sei sie – mit Kopfhörern zum Schutz der empfindlichen Ohren – schon in einem mitgeflogen. Als Transportmittel bei Spaziergängen diene halt nicht ein Kinderwagerl, sondern ein Bauchtragetuch.

In ihrem Laufstall in der Küche ist Paulina mitten im Geschehen. Den ganzen Tag beobachtet sie mit hellwachen Augen die Sportler mit ihrer bunten Funktionskleidung, die Wanderer und andere Kinder sowie die Natur. Solange Paulina so klein ist und vielleicht nachts einmal schreit, werden vorübergehend keine Übernachtungsplätze angeboten.

»Jetzt wiss’ ma scho, wia’s laaft do herobn, jetzt kemma uns a Kind a zuatraun«, erklärt Mareike schmunzelnd. Und was ist es, das sie über die Jahre immer wieder zum Arbeiten auf diese Hütte lockt? »Des is a zwoat’s Dahoam«, bringt es die Wirtin auf den Punkt. »Der Weitblick ist wunderschön hier.« Christian ergänzt: »Das gute Verhältnis zu den Eishöhlenführern taugt uns. Und wir haben viele Stammgäste, die uns tatkräftig unterstützen.«

Einige Helfer tragen Lebensmittel nach oben

Damit der Chef und die Chefin ihre bayerischen Schmankerl wie Kaiserschmarrn, Linseneintopf, Kaspressknödel oder Spinatknödel zubereiten können, packen etliche Hüttenfans schwere Lasten in ihren Rucksack. Einer trug kürzlich 37 Kilo Lebensmittel auf die Hütte, vor allem Linsen und Öl. »So viele Euro lassen wir ihm nach beim Essen und Trinken«, verrät der Wirt lachend. Ein anderer Träger, Gernot, ist auf das Tragen von Eiern spezialisiert. Er rüstet seinen Rucksack so um, dass er 360 Eier auf einmal transportieren kann und davon höchstens fünf kaputt gehen.

Eine Besonderheit der Hütte ist die Liste der »Oftgeher«. Jeder, der mindestens viermal in der Saison herauf kommt, darf sich mit Kreide auf der Tafel an der Hüttenwand verewigen und für jeden Besuch ein Stricherl machen. Am Donnerstag treffen sich alle »Oft-Geher«, die Lust haben, zum Stammtisch. Es sind Junge und Ältere, Früh- und Abendgeher, Wochenend- und Werktagswanderer, Bergläufer und Genussbergsteiger darunter.

Gern machen die Eltern als Hüttenwirte weiter. »Bis Paulina in die Schule kommt, können wir leicht heroben bleiben«, meint Mareike und lächelt. Veronika Mergenthal