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Bergsteiger, Schauspieler, Charmeur

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Sie waren gute Freunde: Luis Trenker (rechts) und Eiger-Nordwand-Erstbezwinger Anderl Heckmair. (Foto: Archiv Heckmair-Auffermann)

Er war das personifizierte »blühende Leben«. Charismatisch und sprühend vor Vitalität. In seinem Gesicht spiegelte sich alles, was die Berge ausmacht: Sonne, Schnee und grandiose Landschaft. Millionen kannten seine Filme, seine Bücher, seine Auftritte als Volkserzähler. Die Rede ist vom Südtiroler Luis Trenker, dessen Todestag sich am 12. April zum 25. Mal jährt.


Viele können sich erinnern: NDR-Talkshow 1982. In der Runde sitzen unter anderem der damalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, der Regisseur Hans W. Geißendörfer, der Tiroler Bergsteiger Peter Habeler und der damals 88-jährige Luis Trenker. Franca Magnani, die charmante Moderatorin, will dem alten Herrn nicht zu viel Wartezeit abverlangen, befragt ihn direkt als ersten. Trenker allerdings ist gut in Form, sofort witzig, wirkt überaus dynamisch.

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Auf die anfänglich gestellte Frage, wie er zum Film kam, beginnt etwas, was zu den Klassikern jener Talkshow gehört. Luis Trenker nämlich zündet ein Feuerwerk aus Worten, schlägt Bögen, holt weit aus, verknüpft, gebraucht auch mal Kraftausdrücke, wendet sich gestenreich an die Runde, an sein Publikum, bleibt entspannt und fröhlich. Amüsiert hängen die Zuschauer an seinen Lippen, während der Südtiroler mit der Moderatorin spielt, ihr den Arm tätschelt. Beide haben sichtlich Spaß an diesem für manche unerwarteten Redefluss, der anscheinend nicht zu stoppen ist. Für die anderen Gäste bleibt wenig Raum. Original Luis Trenker eben, wie er leibt und lebt.

Trenker war sicherlich ein Phänomen, ein Markenname, eine Institution. Sein Temperament, seine Frische und Energie wirkten nie gespielt. Seine Begeisterung für die Berge und das Bergsteigen war echt, sprang stets auf den Zuhörer und Zuschauer über. So steht auch im Mittelpunkt seiner Filme, Bücher und Vorträge immer der Mensch in Beziehung zur Bergnatur. Ob durch die Bergwelt charakterlich gefestigt, ob die Gipfel Kulisse für Liebe und Leid waren oder zur Sehnsucht alpinistischer Träume wurden. Immer spielte, inszenierte er sich selbst. Bodenständig, bescheiden und gottesfürchtig. Genauso aber auch entschlossen, wach und durchsetzungsstark!

Ja, der Mann hatte Charisma, war gut gelaunt und voller Leidenschaft für das, was er tat. So wirkten seine Rollen und Filmsujets auch immer ungeheuer kraftvoll. Sicher waren die Themen bisweilen dem Zeitgeist geschuldet und melodramatisch angelegt, dennoch kamen sie nie nur heimatschnulzig oder krachledern daher. Letzteres ging schon deshalb gar nicht, weil sich Trenker in seiner salopp-chicen Breitcordmode in hellen Farben, dem weißen Hemd und dem breitkrempigen Hut von jedwedem Trachtenimage distanzierte. Der Südtiroler sah sich als Bergsteiger unter seinesgleichen, wenn er auch erkannt hatte, dass er alpinistisch seine Grenzen akzeptieren musste.

Dafür konnte er das Lebensgefühl des Kletterers und Bergführers in ganz besonderer Weise zum Ausdruck bringen. Einerlei ob als Schauspieler oder als Regisseur. In »Der Berg ruft«, seinem womöglich stärksten Bergfilm, setzte er eine der großen wahren Geschichten des Alpinismus in brillanter Weise um: die dramatische Erstbesteigung des Matterhorns im Jahr 1865, bei der es zu einem schrecklichen Unfall mit vier Toten kam. Er selbst führte Regie und spielte die Hauptrolle. Millionen Menschen eröffnete er damit Einblicke in eine Welt, die den meisten verschlossen ist, zeigte eindrücklich, wie sich Bergsteigen anfühlt. Genauso aber auch, dass sich dort oben in Fels, Eis und Schnee alle menschlichen Eigenschaften und Emotionen wiederfinden wie im normalen Alltag auch. Neid, Ehrgeiz, Liebe oder Leid. So sind viele seiner anderen Filme ebenso in der gewaltigen Szenerie des Hochgebirges angesiedelt, doch stehen im Vordergrund der Handlung stets die großen Lebensthemen der Menschheit.

Er machte sein Heimatland weltberühmt

Als Person war Trenker beweglich denkend, vielseitig interessiert, im Grunde weltbürgerlich offen. Und doch gelang es ihm, all sein Wirken, seine Erfahrungen und Erlebnisse, mit einem Fundament zu versehen: seiner Heimat Südtirol. Wenn er von seinem Grödnertal berichtete, wenn er vom Herrgott und der Heimat aus Gotteshand sprach, erschien das nie religiös verbrämt oder provinziell. Nein, darin zeigte sich nur, wie tief er mit diesem herrlichen Flecken Erde verwurzelt war. Niemand würde ihm absprechen wollen, dass seine Liebe zu Südtirol und seinen Bergen nicht absolut echt war. Sein Heimatland machte er dadurch weltberühmt.

Wer Luis Trenker je gesehen hat, weiß, wie breit er aufgestellt war. Stets verstand er es, sich selbst zu inszenieren, rebellisch, kosmopolitisch, intellektuell, als Charmeur. Die Frauen liebten ihn und er die Frauen. Im persönlichen Kontakt zeigte Trenker aber noch eine ganz andere Seite. Eine nachdenkliche, reflektierende Wesensart. Jemand, der Fragen aufnahm und sich bemühte, wahrhaftig zu antworten. Dabei nichts kleiner, aber ebenso nichts größer machend, als es war. Und auch wenn er gerne auf den »Mr. Bergfilm« reduziert wird, war er viel mehr. Luis Trenker hat die Gebirgsnatur im Sommer und Winter für Abertausende nicht nur zum Urlauben attraktiv gemacht. Er hat sie im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Herzen getragen. Uli Auffermann