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Aufi, obi und umi

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Der Aufstieg zum Gipfel des Stubwieswipfels ist gleich noch am Anreisetag machbar. (Fotos: Till)
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Die Abfahrt führt durchs untere Loigistal.
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Beim Aufstieg geht's durch die Zwischenwändscharte.

Bei Spital am Pyhrn liegt an der Grenze zwischen dem Toten Gebirge und dem Nationalpark Kalkalpen das kleine Skigebiet Wurzeralm. Eine Standseilbahn bringt Bergsteiger und Skifahrer hinauf zum Linzer Haus auf 1400 m. Noch am Anreisetag kann man Schnupperskitouren auf die Rote Wand oder den Stubwieswipfel unternehmen. Dieser Gipfel heißt wirklich »Wipfel« und nicht Gipfel.


Von der Bergstation fährt man kurz hinunter zum Linzerhaus und folgt der nach rechts flach verlaufenden Loipe über den Teichlboden zur Filzmoosalm, wobei man die mächtige Felswand dieses Wipfels immer im Blick hat und schnell klar ist, dass man den Berg regelrecht umrunden muss, um auf den Gipfel des Wipfels zu kommen.

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Traumhafte Aussicht als Lohn

Der Tourengeher steigt weiter zu einem Sattel in der Nähe der Stubwiesalm auf, um von hier mit einem Rechtsbogen in einem lichten Lärchenwald ein Hochplateau zu erreichen. Über eine Steilstufe geht es weiter auf den 1787 m hohen Berg. Die traumhafte Aussicht reicht von den Kalkalpen bis zum »Toten Mann« und dem 2400 m hohen »Warscheneck«.

Nach der Gipfelrast schwebt man mehr, als man hinabfährt, da sich im nordseitigen Lärchenwald der Pulverschnee besonders lange hält. Wieder am Sattel angekommen kann man entweder weiter abfahren oder wieder anfellen und circa 300 Höhenmeter zur Roten Wand hinaufsteigen.

Diese erreicht man in westlicher Richtung über eine Steilstufe und der Gipfelkuppe des Mitterbergs. Vom Gipfel der Roten Wand wartet dann die 1200 m lange Abfahrt zur Talstation auf den Skifahrer, die nur durch den kurzen Gegenanstieg vom Teichelboden zur Bergstation unterbrochen wird.

Der 2116 m hohe Angerkogel wird entweder vom Pyhrnpass oder eben wieder vom Skigebiet Wurzeralm aus bestiegen. Vom Linzerhaus geht es zuerst entlang der Piste des Frauenkarsessellifts und anschließend »aufi, obi und umi« über ein einsames Hochplateau mit herrlichen Kiefernwäldern unter dem »Eisernen Bergerl« vorbei zur verfallenen Angeralm.

Von hier erreicht der Tourengeher über eine mäßig steile Nordflanke den Gipfel. Dort eröffnet sich ein Panorama vom Salzburgerland bis weit in die Steiermark. Während die nordseitige Gipfelabfahrt meist schönen Pulverschneegenuss bietet, ist der Rest eine mehr oder weniger schnelle Schussfahrt durch eine wunderschöne Landschaft.

Ein besonderes Highlight – mit wenig Aufstieg und langer Abfahrt – ist die Tour zum »unteren Loigistal«. Dabei handelt es sich um ein fünf km langes Kar in einer tollen Felsszenerie. Von der Bergstation der Standseilbahn fährt man zum Frauenkarlift ab, um hier entweder anzufellen und loszumarschieren oder man lässt sich bequem zur Bergstation auf 1863 m Höhe hochschaukeln. Hier fährt der Genussgeher, wie etwa auch der 80-jährige Ernst, den ich mit seinen fünf Kameraden auf dieser Tour begleitete, zur ersten Pistenkehre ab und zweigt dort nach rechts in die flachen Böden des Weitkars ab.

Spätestens hier muss jeder die Felle aufziehen und der Skitourenmarkierung folgen. Der Skibergsteiger wandert diesmal an der Nordseite des »Eisernen Bergerls« vorbei und staunt ob der alten und riesigen Zirbenbestände, die hier zu bewundern sind. In das weitläufige Gelände sollte man sich nur bei guter Sicht wagen, da die Route wieder durch ein Hochplateau »aufi obi und umi« bis zur Südseite des Bergs mit dem eigentümlichen Namen »Roßarsch« geht. Diesen umrundet man fast vollständig und genießt eine schier grenzenlose Aussicht. Die Spur führt weiter zwischen »Torstein« und »Warscheneck« hindurch und zur »Zwischenwändscharte« hinauf.

Hier in 2005 m Höhe ist der höchste Punkt der Tour erreicht und es folgt allerhöchster Abfahrtsgenuss durch eine mäßig steile felsbegrenzte Rinne. Im unteren Teil geht es leicht wellig durch einen lichten Lärchenwald. Kurz vor dem sogenannten Schafferteich wird das Ganze zur engen und damit buckelpistenähnlichen Abfahrt. Wohl dem, der am Parkplatz Schafferteich ein zweites Auto abgestellt hat. Alle übrigen müssen noch 20 Minuten hinunter nach Vorderstoder gehen, um von dort mit dem stündlich fahrenden Skibus zurück zur Wurzeralm gebracht zu werden. Dank der etwas teuren Liftkarte ist der Rücktransport umsonst.

Der Parkplatz Schafferteich ist der Ausgangspunkt für die lange meist einsame Traumtour, über das etwas steilere obere Loigistal auf den »Pyhrner Kampl«. Dazu steigt man, entgegen der zuvor beschriebenen Abfahrt, zuerst über eine Forststraße und dann über die Buckelpistensteilstufe bis zu einer Tafel in circa 1450 m Höhe auf. Hier zweigt das obere Loigistal vom unteren nach rechts ab.

Durch den lichten Lärchenwald geht es über die schöne, nicht zu steile Rinne auf eine knapp 2000 m hohe Scharte. Eine kurze Querung bringt den Tourengeher zur sogenannten »Wetterlucken«. Die weitere Route verläuft in einem Rechtsbogen auf die Südseite der Schneekuppe. Die letzten Meter zum Ost- und Westgipfel legt man ohne Ski zurück und genießt die Ruhe in der einsamen Landschaft. Die nordseitige Abfahrt erfolgt entgegen dem Anstieg und entschädigt für die Mühen des 1500 Höhenmeter langen Aufstiegs – und zwar meist mit gutem Pulver. Rudolf Till