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Auf dem Dach Tirols – Skitour hinauf auf die Wildspitze

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Die Wildspitze ist das Dach Tirols. Dort hinauf führt unter anderem auch eine wunderschöne Skitour. (Fotos: Till/Wendlinger)
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Markus Horner und Rudi Till genossen den Ausblick auf der Wildspitze.

Der schneereiche Winter hat die Gletscherspalten gut gefüllt und ideale Verhältnisse für Skihochtouren geschaffen. Also machten sich Hubert Wendlinger, Markus Horner und Rudi Till auf zur Wildspitze. Der nach dem Großglockner mit knapp 3800 Metern Höhe zweithöchste Berg Österreichs war früher eine stramme Zweitagestour und ist jetzt dank des Pitztaler-Gletscher-Skigebiets in einem Tag gut zu bewältigen. Dieses erreichte die Gruppe mit der Untergrundbahn »Pitztalexpress«. Auf der Piste schwang man hinunter zur Mittelbergbahn, um mit dieser zur Bergstation auf 3280 Meter hinaufzufahren.


Jetzt ging es zur Sache. Eine holprige Schussfahrt brachte die Skitourengeher zum Mittelbergjoch. Hier muss man aufpassen: Denn die folgende kurze, aber steile Abfahrt zum Taschachferner ist frühmorgens noch sehr hart. Unten angekommen, wurde angefellt und die Spur führte in angenehmer Steigung zwischen den Spaltenzonen hindurch über die weite Gletscherfläche Richtung Süden. In einem steileren weiten Linksbogen ging es am Brochkogel und dem gleichnamigen Joch vorbei. Über dieses kamen die Skibergsteiger von der Vernagthütte zur angestrebten Route. Es folgte eine Querung über eine kurze, meist abgeblasene und dadurch harte Steilstufe am Mitterkarjoch. Über dieses führte der Anstieg von der Breslauerhütte zur bevorzugten Spur. Hier zeigte sich die Wildspitze mit ihrem Südwestgrat zum ersten Mal in ihrer ganzen Pracht.

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Die Gruppe erreichte am sogenannten »Frühstücksplatzl« das Skidepot. Nach einer kurzen Pause zogen sie die Steigeisen an und reihten sich in die Schlange der Seilschaften ein. Kurz vor dem Gipfel hieß es warten, denn an einer kleinen leichten Kletterstelle gab es Gegenverkehr. Am Gipfel raubte es den Skitourengeher schier den Atem, denn unter ihnen breitete sich ein Meer von Bergen und Gletschern aus. Nun wussten sie, warum sie für diese Tour bereits um 4 Uhr früh aufgestanden waren.

Nach dem Hindernislauf über den Südwestgrat hinunter zum Skidepot schnallten sie die Skier wieder an und bei der Abfahrt zurück zum Fuße des Mittelbergjochs staubte der 20 cm tiefe Pulverschnee im grellen Sonnenlicht. Die weitere Abfahrt über den Taschachferner ins Tal lohnte sich nicht mehr, da zum Schluss eine lange Schiebestrecke wartet. Also stiegen sie bei zwischenzeitlich gutem Firn nochmals 100 Höhenmeter hinauf zum Joch, und schwebten nun im Pulver neben der Piste zur Gletschertalstation hinab. Von hier rauschte man über den sogenannten »Notweg«, der sich als schmale und gute Piste herausstellte, durch eine imposante Schlucht hinunter ins Tal.

Wer die Höhe nicht so gut verträgt, dem bietet das Pitztal hervorragende Verhältnisse zum Akklimatisieren. Ganz nach dem Motto »hoch steigen und tief schlafen«, kann man im Dynafitskitourenpark bis auf 3440 Meter steigen, um dann im Tal zu schlafen. Praktisch, dass sich direkt neben der Talstation in 1740 Meter ein Wohnmobilparkplatz befindet. Diese Annehmlichkeit nutzte ich eine Woche zuvor, um das Gebiet zu erkunden.

Mit dem Gletscherexpress ging es hinauf ins Gletscherskigebiet und anschließend stieg ich neben der Piste entlang der beschilderten Fernerroute von der Talstation der Mittelbergbahn rund 580 Höhenmeter hinauf zur Bergstation in 3420 Metern. Von hier aus fuhr ich zum Mittelbergjoch, um mir ein Bild von der Einfahrt zum Taschachferner zu machen. Anschließend wedelte ich in fast unverspurten Pulver zurück zur Talstation. Da nach dieser Tour der Vormittag erst kurz angebrochen war, fellte ich wieder an und folgte der ebenfalls beschilderten einfachen Kogelroute hinauf zur Bergstation des Brunnenkogels, um anschließend über die Piste hinunter zu düsen.

Nach einer Nacht in meiner rollenden Skihütte brachte mich der Express wieder hinauf auf 2840 Meter. Diesmal stand die Cappucino-Tour auf dem Programm. Diese heißt so, weil sich hier in 3440 Metern Höhe am Gipfel des Hinteren Brunnenkogel das höchst gelegene Café Österreichs befindet. Aus gutem Grund ist diese Pistentour nicht mehr beschildert, da sie mit zunehmender Höhe so steil wird, dass ich dachte: »Der Berg schnappt auf.« Und so manche Tourengeher hatten ihre liebe Not, sich ohne Harscheisen auf der harten Piste zu halten.

Im Sinkflug ging es dann über die Piste wieder hinunter. Jetzt wartete noch ein besonderes Schmankerl auf mich: die Freeride-Abfahrt über die Mittagsscharte. Zunächst musste ich aber nochmals vom Skigebiet am Mittagskogel vorbei, 150 Meter hinauf zur Scharte steigen. Dort eröffnete sich ein Tiefblick in die sausteilen und felsdurchsetzten Rinnen, die nur bei ganz sicheren Verhältnissen befahren werden können.

Diese hatte ich zwar, aber so mutterseelenallein hatte ich auch ein leicht mulmiges Gefühl. Aber es war kein Triebschnee in den Rinnen und es war auch nicht zu hart. Und so wurde ich nach den ersten vorsichtigen Schwüngen freier, um später im nur noch steilen Gelände regelrecht zu Tal zu fliegen. Unten angekommen startete ich voller Glücksgefühle mein Wohnmobil und fuhr nach Gries ins Ötztal.

Hier befindet sich in 1500 Meter ein großer Wanderparkplatz, auf dem man auch übernachten kann. Mein Ziel am nächsten Morgen war der rund 3300 Meter hohe Breite Grieskogel. Da ich »bereits in die Jahre gekommen bin«, schienen mir 1800 Meter in dieser Höhe auf einmal zu viel und ich hatte in der Winnebachseehütte reserviert. Dort angekommen, erlebte ich aber eine Überraschung. Es gab kein Zimmer für mich.

Als der Wirt nochmals nach meinem Namen fragte, fiel ihm ein, dass ich der war, der sagte: »Ich heiße Till wie der Eulenspiegel nur mit Nachnamen.« Er hätte vergessen, mich einzutragen, entschuldigte sich der Wirt. Also entschied er, ich dürfe in der Kammer des Kochs übernachten und dieser müsse in der Stube schlafen. Zufrieden und vom Hüttenanstieg doch noch nicht ganz ausgelastet, stieg ich anschließend noch zur 2900 Meter hohen Putzenkarscharte hinauf.

Dazu geht es zuerst Richtung Osten »aufi, obi und umi«, um anschließend über eine Steilstufe zu einer Mulde und dahinter zur kurzen steilen Rinne mit der Scharte zu kommen. In traumhaften Pulver schwebte ich zurück zur Hütte.

Nach einer ruhigen Nacht in meinem Einzelzimmer stieg ich bei traumhaften Wetter entspannt die 1000 Höhenmeter hinauf zum Grieskogel. Dabei fiel mir auf, dass der Klimawandel auch hier ganze Arbeit leistet und vom Gletscher nicht mehr viel übrig ist. Am Gipfel genoss ich mit einigen anderen Skitourengehern das traumhafte 360-Grad-Panorama. Ein Wechselbad der Gefühle war die Abfahrt, denn auf Pulver folgten Bruchharsch, Firn und Sulz. Trotzdem fuhr ich hochzufrieden nach Hause mit dem Wissen, dass die Ötztaler nicht nur viele, sondern auch die unterschiedlichsten Hochtouren bieten, die man mit oder ohne Gletscherausrüstung genießen kann. Rudolf Till