weather-image

Anspruchsvolle Route durch den Schnee

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Spektakulär, aber bei guten Bedingungen nicht allzu schwierig ist die Firnschneide am Hochfeiler, dem höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, zu überwinden. Im Laufe des Hochsommers schmilzt der Schnee weitgehend ab und der Grat kann eisfrei begangen werden. (Foto: Mayer)

Die Tage der Edelrauthütte auf der Südseite der Zillertaler Alpen sind gezählt. Anfang Juli ist neben der 107 Jahre alten Hütte bereits die Baugrube für einen Neubau ausgehoben worden. In den nächsten Monaten soll nun mit Hochdruck gearbeitet werden, damit die neue Hütte zur kommenden Saison ihren Betrieb aufnehmen kann. Die einst von der Alpinen Gesellschaft Edelraute des Österreichischen Alpenklubs errichtete Hütte gehört nach einer wechselvollen Geschichte nun dem Land Südtirol, wird aber wie eine Alpenvereinshütte geführt.


Üppige Blumenwiesen mit prachtvollen Feuerlilien

Anzeige

Der Zustieg zu der im Eisbruggjoch auf 2545 Meter gelegenen Hütte erfolgt zumeist vom Neves-Stausee aus in etwa zweieinhalb Stunden. Der Aufstieg aus dem Pfunderer Tal dauert eine halbe Stunde länger. Die Hütte ist Stützpunkt auf dem fünf- bis sechstägigen Pfunderer Höhenweg und günstiger Ausgangspunkt für Hochtouren im Zillertaler Hauptkamm. Als »Hausberg« für erfahrene Bergsteiger darf die Hohe Weißzint (3371 Meter) angesehen werden. Wer es gemütlicher mag, kann aber auch in einer knappen Stunde auf die 2888 Meter hohe Napfspitze wandern.

Eine Alpenvereinsgruppe aus Waging wählte den Zustieg aus dem Pfunderer Tal. Der Hüttenweg führte an mehreren Almen und dem Eisbruggsee vorbei; am besten sind den Wanderern aber die üppigen Blumenwiesen mit prachtvollen Feuerlilien in Erinnerung geblieben.

Als erstes Gipfelziel wurde der Hochfeiler auserkoren. Die Route führt zunächst auf die Untere Weißzintscharte und über Firnfelder hinunter zum Gliederferner, der in der Regel unproblematisch überquert werden kann. Man kann hernach mit überschaubarem zeitlichem Mehraufwand ein Eck zur Hochfeilerhütte ausgehen und dann den Gipfel über den markierten Normalweg angehen. Die Waginger entschieden sich aber für die weglose direkte Variante, die erst kurz vor dem Gipfelgrat auf den Normalweg stößt. Der Gipfelgrat war noch verschneit und bildete eine kühne Firnschneide. Bei deren Anblick musste sich manch einer zunächst ein Herz fassen, um hernach aber festzustellen, dass es »gar nicht so schwierig gewesen ist, wie es ausgeschaut hat«.

Am Gipfelkreuz auf 3510 Meter wurde bei strahlendem Wetter eine Rast eingelegt und die Aussicht von der höchsten Zillertaler Bergspitze genossen. Beim Abstieg bot sich der Abstecher zur Hochfeilerhütte für die Kaffeepause an.

Die Hohe Weißzint (3371 Meter) wird über die Obere Weißzintscharte erstiegen. Von dort kann gletscherfrei ein Blockgrat weiterverfolgt werden. Schöner aber ist die Route über den oberen Gliederferner. Die Gletscherstrecke ist nicht allzu lang, führt aber an einigen Spaltenzonen vorbei und erfordert auch ein Gehen am Seil.

Der 100-Meter-Steilhang kurz vor dem Gipfel konnte nach der vortägigen »Trainingseinheit« keinen mehr schrecken, denn es herrschten perfekte Firnbedingungen und die Steigeisen trugen das ihrige zur Sicherheit bei.

Am Gipfel war es ziemlich eng, denn die 13 Waginger mussten den begrenzten Platz teilen mit einer ebenso großen Gruppe aus dem Thalgau, die von der Hochfeilerhütte aufgestiegen war. Die Frage nach Platzkarten war natürlich eine rein rhetorische, aber mit gut nachbarschaftlicher Rücksichtnahme konnte jeder halbwegs bequem seine Brotzeit verzehren. Zuletzt gelang es sogar, ein Gruppenfoto zu machen – und so konnte auch eine bildliche Erinnerung an die herrliche Tour mit nach Hause genommen werden. Lorenz Mayer