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Anekdoten machen Bergsteigermaler lebendig

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Otto Huber (von links), Fritz Petermüller und Hans Helmberger gaben einen Einblick in unbekanntere Episoden im Leben von Gustl Kröner, Karl Bierdimpfl und Eugen von Tarnóczy. Deren Gemälde sind noch bis Sonntag im Traunsteiner Heimathaus zu sehen. (Foto: Mergenthal)

»Wenn wir warten, bis wir genügend Geld haben, kommen wir nie weg. Also fahr’n wir lieber gleich!« So lautete die Devise von Anderl Heckmair, ein guter Bergkamerad des Traunsteiners Gustl Kröner. Also ging’s 1932 mit dem Radl nach Marokko, bis die beiden in Barcelona merkten, dass die Reise mit der Eisenbahn wesentlich billiger kam, weil beim Radeln viel zu viel Geld für das Essen drauf ging. Amüsante und denkwürdige Anekdoten aus dem Leben von drei Traunsteiner Bergsteigermalern gaben Otto Huber, Fritz Petermüller und Hans Helmberger im Rahmen der aktuellen Ausstellung der DAV-Sektion Traunstein zum Besten. Diese ist noch zwei Mal im Heimathaus zu sehen, am morgigen Samstag von 10 bis 14 Uhr und am Sonntag von 10 bis 15 Uhr.


Das Traunsteiner Bergsteiger-Urgestein Otto Huber kann sich gut in die Denkweise der Extrembergsteiger um Gustl Kröner hineinversetzen – eine Suche nach Romantik, Abenteuer und Grenzerfahrungen, um das Kriegstrauma zu überwinden. Mit dem Draufgänger Kröner, der 1933 durch einen Steinschlag mit nur 25 Jahren am Matterhorn starb, kletterten manche angeblich nur ein oder zwei Mal. Zusammengeknüpfte Hosenträger als Sicherung waren für Gustl normal. Mit der Traunsteiner Klettergilde radelte der quirlige junge Mann mit dem »Gigg«, dem einachsigen Radanhänger, zum Wilden Kaiser oder in die Dolomiten und genoss dort auch den Wein und die südländisch geprägte Stimmung nach entbehrungsreichen Touren wie dem »Torre del Diavolo« und hielt die Kletterszenen mit der Tuschefeder fest.

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Bald zog es Gustl zur Sektion München Bayerland, der damaligen Kletterelite. Als er mit Heckmair 1931 drei Monate lang die Nordwand der »Grandes Jourasses« belagerte, hatte er das erste Mal von den Bergen genug und schrieb in sein Tagebuch: »Farblos ragen die Gipfel, alles ohne Licht, eine erstarrende Trostlosigkeit. Verlassenheit durchschauert unsere Seelen. Unsere Kleidung halb zerlumpt, zerrissen, durchnässt...« Die beiden flohen an die Coté d’Azur und landeten »zwischen Huren, Matrosen und verkommenem Gesindel« im Obdachlosen-Asyl in Marseille.

Schneller als erwartet kam die Sehnsucht nach der Gebirgseinsamkeit zurück. »Hemdsärmlig in geflickter Kletterhose und mit ausgelatschten Kletterpatschen« tanzte er 1932 beim Hausball im Hotel Schiffmeister bis in die frühen Morgenstunden und durchstieg danach mit Hans Huber die winterliche Watzmann-Ostwand in Rekordzeit.

»Da Oipnverein, des bin i!«, war die lapidare Auskunft von Karl Bierdimpfl, als Fritz Petermüller 1960 als junger wilder Kletterer zum ersten Jungmannschafts-Treffen ins Höllbräu kam und nur einen Menschen antraf. Der etwas ältere Karl zeigte sich bald zugänglich und kameradschaftlich.

»Ich war Feuer und Flamme«, erinnert sich Petermüller. Ein halbes Jahr später führte ihn Karl schon durch den »Schwarzen Riss« im Hörndl. Legendär waren die »Kletterabschiede« der bald florierenden Jungmannschaft, wo Karl immer Gitarre spielte. Der gelernte Steinmetz, mit seiner ruhigen, souveränen Art laut Petermüller »der klassische Bergführertyp«, gehörte Ende der 50er/Anfang der 60er im Fels und Eis zu den Besten. Gemalt hat er aus reiner Freude und er stellte nie aus. Eine Malreise von der Schweiz nach Paris endete gleich nach der Ankunft am Montmartre: Statt unter Künstlern landete er mit seinem Freund bei einer Bardame und kam mit leeren Taschen wieder heraus.

Während Kröner und Bierdimpfl vor allem als extreme Bergsteiger bekannt wurden, trieb den Flugpionier Eugen von Tarnóczy in erster Linie die Suche nach Malmotiven in die Berge. Hans Helmberger, ehemaliger Redakteur des Traunsteiner Tagblatts und lange verantwortlich für die Bergsteigerseite, warf einen Blick auf dessen illustre Ahnenreihe. Diese beginnt im 9. Jahrhundert mit einem kleinrussischen Häuptling und führt über Ungarn nach Bayern. Dort kam Eugen 1886 als Sohn des Königlich bayerischen Offiziers Franz von Tarnózy und seiner Frau Henriette in München zur Welt. Später zog die große Familie nach Traunstein.

Als Malschüler seines Onkels zeigte er seine Begabung. 1908 zog er sich bei einer missglückten Ballon-Landung schwere Knochenbrüche zu und verlegte sich auf die Militärlaufbahn und Fliegerei, die anfangs im Kriegsministerium als »unnötiger, kostspieliger Schönwettersport« abgetan wurde. Die Flugzeuge waren damals, wie Chefredakteur Herbert Caspers im Traunsteiner Wochenblatt 1912 Tarnóczy zitiert, »Gitterkäfige mit stoffbespannten Trag- und Steuerflächen, durch Holzstreben miteinander verbunden und von Spanndrähten zusammengehalten«.

Ende der 1930er malte Tarnózy für die Lufthansa drei Bilder. Die angeblich rund 6000 Bilder des Bergsteigers und Skiläufers zeigen jedoch vor allem das Gebirge, von den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen bis zu den Tauern und Dolomiten, vom Dachstein und Kaiser bis zum Gardasee. Besonders gerne bannte Tarnózy die feinen Weiß- und Blauschattierungen von Schneelandschaften auf die Leinwand. Veronika Mergenthal