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Stadtverwaltung und Turnverein liegen im Streit

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Die Bauarbeiten gehen dem Ende entgegen: Im September ist die neue Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium fertig. In die allseitige Vorfreude über die Sportstätte fällt ein Wermutstropfen: Die Stadtverwaltung und der Turnverein können sich bislang auf keinen Nutzungsvertrag einigen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Ein Streit schwelt seit geraumer Zeit zwischen der Stadtverwaltung und dem Turnverein Traunstein (TVT) – und der Ausgang ist nach wie vor offen: Nicht in Sicht ist der Abschluss eines Vertrags, der die Nutzung der neuen, vor der Vollendung stehenden Turnhalle des Annette-Kolb-Gymnasiums durch den TVT regelt.


Die Verwaltung im Rathaus will dem Verein die Verkehrssicherungspflicht übertragen und ihn zur Übernahme von Betriebskosten in Höhe von rund 20.000 Euro im Jahr bewegen. Der TVT lehnt beides ab. Die Zeit drängt, denn im September, wenn das Schuljahr 2019/20 beginnt, ist die Halle fertig.

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Der Landkreis baut die Turnhalle, die Stadt beteiligt sich an den Kosten. Die Sportstätte ist in erster Linie für das Annette-Kolb-Gymnasium gedacht, das seit Jahren auf eine neue Sportstätte wartet. In zweiter Linie kommt die Baumaßnahme auch der Stadt und in ihrem Gefolge dem TVT zugute.

Die Planung: Wenn kein Unterricht läuft – unter der Woche jeweils spät nachmittags und abends wie auch stets am Wochenende – darf die Stadt die Halle des Landkreises nutzen. In einem Vertrag haben beide Seiten die Einzelheiten geregelt. Und die Stadt ihrerseits öffnet dann dem Turnverein Traunstein die Türen – so weit die grundsätzliche Absprache. Doch der Teufel steckt im Detail, die Einzelheiten der Umsetzung sind umstritten.

Die Übertragung der Verkehrssicherungspflicht – es geht hier unter anderem darum, die Außenanlagen im Winter von Schnee und Eis zu befreien – sei, wie Oberbürgermeister Christian Kegel im Stadtrat erläuterte, in Sporthallenutzungsverträgen üblich. Die Regelung finde sich in über 20 Verträgen, die die Stadt mit anderen Vereinen über die Nutzung städtischer Hallen abgeschlossen habe.

Die Stadtverwaltung möchte den TVT auch an den Kosten für Wasser, Strom und Heizung beteiligen, die im Anbau der Dreifachturnhalle entstehen. Er sei, wie die Stadtverwaltung ausführt, auf Wunsch des TVT errichtet worden und stehe ausschließlich in dessen Nutzung. Aus diesem Grund spricht sie sich dafür aus, diese Betriebskosten, die die Stadt an den Landkreis bezahlen muss, in voller Höhe an den TVT weiterzugeben.

Auflagen sind für den TVT unannehmbar

Für den TVT sind die Auflagen – wie Otto Baur, der Vorsitzende des TVT im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt zu verstehen gibt – schlicht und ergreifend unannehmbar. Der Turnverein sehe sich außer Stande, die Verkehrssicherungspflicht zu übernehmen. Und Baur sagt – ganz im Gegensatz zur Stadtverwaltung –, dass so eine Verpflichtung durch die Stadt ein Novum in Traunstein wäre. »Kein Verein macht so etwas«, betont der TVT-Vorsitzende.

Das Problem sei keineswegs das Schneeschaufeln im Rahmen des Sportbetriebs. Dieser Verpflichtung sei der TVT schon auf seinem alten Gelände in der Au stets nachgekommen. Nicht zu bewältigen sei vielmehr, die Anlage außerhalb des Sportbetriebs von Schnee und Eis frei zu halten. Wenn niemand vom TVT vor Ort sei, sich dann aber ein Unfall ereigne, dann stehe der TVT und letztlich der Vorsitzende in der Haftung – und so etwas können und wollen der Verein und sein Vorsitzender nicht leisten.

Betriebskosten will der TVT nicht bezahlen. Baur verweist auf eine schon vor Jahren getroffene Absprache von Stadt und Turnverein. Als die Baustelle für die neue Turnhalle des AKG noch nicht eröffnet war, hätten beide Seiten ausgemacht, dass der TVT »30 Jahre kostenfrei Sport treiben darf« – was in Baurs Lesart auch bedeutet habe, dass der TVT nicht nur kein Nutzungsentgelt, sondern vor allem auch keine Betriebskosten bezahlen muss.

Nach dem Verkauf des Geländes in der Au samt Franz-Eyrich- und Kurt-Binder-Halle habe sich der Turnverein in der Aussicht auf eine neue Sportstätte an der Finanzierung der AKG-Halle beteiligt und 590.000 Euro überwiesen. Auf dieser Grundlage biete der Turnverein der Stadt schon seit geraumer Zeit einen Kompromiss an: eine, wie Baur sagt, »Sparbüchsenlösung«. Die 590.000 Euro könne man als vorausgezahlte Betriebskosten betrachten. Die tatsächlichen Beträge, die sich dann Jahr für Jahr ergeben, können seinen Angaben zufolge aus dieser »Sparbüchse« genommen werden. Und nach 30 Jahren könne man dann eine Art Schlussstrich ziehen und schauen, was dann noch drinliegt – oder was der TVT noch reinlegen muss.

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