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»Jeder steht hier mit Leib und Seele hinter dem Verein und den Zielen«

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TV Traunstein-Trainer im Interview: Luis Prantl und Christian Biebl haben mit den Basketballern einiges vor
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Der neue Cheftrainer der TVT-Basketballer, Luis Prantl (links), und sein Assistent Christian Biebl haben sich mit den Traunsteinern einiges vorgenommen. (Foto: Brenninger)

Er ist erst 20 Jahre alt, kann aber schon auf eine jede Menge Trainer-Erfahrung zurückblicken: Luis Prantl war unter anderem schon Trainer beim Bayerischen Basketballverband, Assistenzcoach beim Profi-Frauenteam des TSV Wasserburg (dort wurde er unter anderem Deutscher Meister 2017 sowie Pokalsieger 2017 und 2018) und Videotrainer beim Herren-Profiteam von medi Bayreuth. Nun ist der Wasserburger seit Juli der neue Cheftrainer der Basketballer des TV Traunstein. Er kam zusammen mit seinem Co-Trainer Christian Biebl, der in Rott lebt, in die Große Kreisstadt.


Im Interview mit unserer Sportredaktion verraten die beiden nun, wie sie sich beim TVT eingelebt haben und was sie mit der Mannschaft in der Bayernliga erreichen wollen. In dieser Liga steigt ja nur der Meister auf, es wird also ein spannendes Rennen um den Titel werden. Aber auch die ungewisse Corona-Situation macht den beiden durchaus einige Sorgen.

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Sie sind seit einigen Wochen beim TV Traunstein Cheftrainer. Wie ist ihr erster Eindruck, Herr Prantl?

Prantl: Mein erster Eindruck ist durchweg positiv! Ich kann es kaum mehr erwarten, bis wir am 10. Oktober in Memmingen in die Saison starten werden und dann am 17. Oktober unser erstes Heimspiel haben werden. Das ist übrigens gleich ein Derby – und zwar gegen Burghausen. Das ist natürlich immer der Hit, vor allem, wenn man das vor den eigenen Fans spielen darf.

Das sind aber gute Nachrichten! Das heißt, Ihr startet im Oktober ganz normal in die neue Saison?

Biebl: Ja, wir legen ganz normal am 10. Oktober los. Wir dürfen auch bis zu 200 Zuschauer in die Halle lassen. Natürlich nur mit einem genehmigten Hygienekonzept, aber das arbeitet der Verein gerade aus.

Herr Biebl, wie haben Sie eigentlich die ersten Wochen in Traunstein erlebt?

Biebl: Mein Eindruck ist auch sehr positiv! Die ganzen Strukturen, die jetzt schon hier vorhanden sind, sind top. Jeder steht hier mit Leib und Seele hinter dem Verein und hinter den Zielen. Es macht richtig Spaß, das Ganze jetzt in Angriff zu nehmen und weiter auszubauen.

Allein schon die Möglichkeiten in der neuen AKG-Halle sind gut, oder?

Prantl: Absolut. Die neue Halle bietet uns viele tolle Möglichkeiten. Wir haben da auch unser Trainer-Büro. Gerade auch für die Zeit vor den Trainings, zwischen den Trainings und nach den Trainings ist das top. Das hatte ich in Bayreuth in der Bundesliga nicht.

Zuletzt waren Sie beim SB DJK Rosenheim als Trainer in der Jugend tätig. Was hat jetzt den Ausschlag für den TVT gegeben, Herr Prantl?

Prantl: Die Aufgabe in Rosenheim war sehr gut. Es hat dann aber einfach Gründe gegeben, die zur Trennung geführt haben. Letztendlich war es für uns ein Glücksfall, dass dieses Angebot dann im Raum stand. Mir gefällt es auch mehr, mit erwachsenen Leuten zu arbeiten. Zudem ist es immer etwas Besonderes für die Erste Mannschaft eines Vereins die Verantwortung zu tragen. Das war für mich hier also eine Win-Win-Situation.

Sie waren zusammen mit Luis Prantl auch schon in Rosenheim. War für Sie der Schritt nach Traunstein auch gleich klar, Herr Biebl?

Biebl: Man überlegt zunächst natürlich immer. Zudem komme ich ja auch aus dem Jugendbereich, die Herren sind dann schon noch einmal etwas anderes. Aber die Zusammenarbeit zwischen Luis und mir ist hervorragend. Und nach einem Telefonat mit Franz Buchenrieder (Abteilungsleiter und Sportdirektor der TVT-Basketballer, Anm. d. Red.) war mir dann relativ schnell klar, dass ich das machen will, weil das ganze Konzept so stimmig ist. Jetzt schauen wir mal, was am Ende der Saison dabei rauskommt.

Haben sie die vergangenen Jahre die Entwicklung in Traunstein verfolgt, Herr Prantl?

Prantl: Vor allem im letzten Jahr, ja. Nachdem Lorenzo Griffin und Kenan Biberovic nach Traunstein gewechselt sind und ich die beiden aus meiner Zeit in Wasserburg sehr gut kenne, habe ich mir das hier schon genauer angeschaut. Ich muss ehrlich sagen: Das war für mich schon auch ein Wow-Effekt, dass die zwei in Traunstein unterschrieben haben. Denn für mich war das hier nie ein Basketball-Stützpunkt. Und als dann ein Underdog plötzlich auch noch in der Bayernliga auf den 3. Tabellenplatz stand, wurde das Ganze plötzlich immer interessanter.

Das Konzept des TVT scheint gut zu funktionieren. Welchen Input können Sie dazu noch liefern?

Prantl: Für uns ist das hier jetzt eine neue Herausforderung. Wir haben die Verantwortung für die Erste Mannschaft. Unser Ziel ist es, hier professionell zu arbeiten und wenn es glückt, würden wir uns natürlich freuen, in die 2. Regionalliga aufzusteigen.

Klappt das gleich in Ihrem ersten Jahr in Traunstein?

Prantl: Da würden wir, glaube ich, zu schnell denken. Der Verein ist erst vor zwei Jahren in die Bayernliga aufgestiegen.

Biebl: Es ist sicherlich das Ziel, dass es irgendwann nach oben geht. Aber wir haben jetzt nicht den Druck: Wir müssen! Wenn es klappt, ist es schön. Aber in dieser Liga gibt es definitiv noch andere Mannschaften, die Basketball spielen können und die müssen erst einmal geschlagen werden.

Der TVT deutete sein Potenzial aber schon in der vergangenen Saison an. Da lief es bis zur Corona-Unterbrechung mit Platz drei richtig gut...

Biebl: Wir denken jetzt erst einmal von Spiel zu Spiel. Das ist ganz wichtig, alles andere ist erst einmal Zukunftsmusik. Sollten wir dann aber kurz vor dem Ende der Saison die Möglichkeit nach oben sehen, dann wollen wir den letzten Schritt freilich auch noch machen. Aber erst einmal wollen wir kleine Schritte gehen.

Prantl: Dieser dritte Platz rechtfertigt aber schon auch, dass man sich Gedanken machen darf. Aber in erster Linie geht es uns erst einmal darum, die Mannschaft weiter zu entwickeln und weiter zu verbessern. Wir wollen zudem eine Kombination aus jungen Spielern und erfahrenen Akteuren finden. Das heißt, wir wollen langfristig gesehen auch viele junge Eigengewächse und Nachwuchsspieler in die Mannschaft einbauen. Wir strecken natürlich auch die 
Fühler nach Nachwuchsspielern in der Umgebung aus.

Wie sehr beschäftigt einen das Corona-Thema. Die Saison könnte relativ schnell ja wieder vorbei sein...

Prantl: Wir haben das natürlich im Hinterkopf. Solange wir die Chance haben, normal trainieren und spielen zu dürfen, wollen wir das auch nutzen. Wenn es dann so wäre, dass wir eben nicht mehr trainieren und spielen dürfen, dann können wir es auch nicht ändern.

Biebl: Bitter wäre es, wenn jetzt wieder kurz vor dem Ende der Saison ein Lockdown käme. Dann wäre sicher wieder jeder enttäuscht, vor allem natürlich, wenn es gut läut. Jeder Spieler muss das dann auch erst einmal für sich verarbeiten.

Hat der Basketball-Sport Ihrer Meinung nach durch die Corona-Krise schon Schaden genommen?

Prantl: Wenn man die Bundesliga betrachtet, dann glaube ich schon, dass da bereits massive Schäden entstanden sind. Bei uns glaube ich vor allem, dass es verdammt komisch sein wird, wieder zu spielen. Man beschäftigt sich doch wohl mehr damit, die ganzen Hygienevorschriften einzuhalten und nicht zu viele Leute in die Halle zu lassen.

Ich denke auch, dass die Leute extrem vorsichtig sein werden – und das könnte vielleicht zu Problemen führen. Aber eines muss ich auch sagen: Hier in Traunstein leistet das Team hinter dem Team ebenfalls eine hervorragende Arbeit!

Ist aktuell eigentlich auch ein Pokalwettbewerb seitens des Verbands geplant?

Prantl: Cool wäre es schon, wenn wir ihn spielen könnten. Das ist schließlich ein extra Wettbewerb. Aber aktuell gibt es da wohl noch keine Entscheidung.

Sie haben bereits Profi-Erfahrung, waren im Trainerteam der Bundesligisten Bayreuth und Wasserburg. Da schauen die Schritte nach Rosenheim und auch nach Traunstein eher wie Rückschritte aus...

Prantl: Da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Der Beruf des Basketballtrainers ist ja kein sicherer Job. Meine Eltern sagen immer zu mir: Du hast keinen Bachelor in der Hand, du hast kein IHK-Zeugnis in der Hand. Als ich damals nach Rosenheim gegangen bin, hatte ich einen richtigen Beruf in Aussicht. Ich wollte Lufthansa-Pilot werden, aber das ist jetzt aufgrund der aktuellen Situation natürlich gecancelt.

Als ich mich damals auf den Piloten-Test vorbereitet habe, habe ich mir gesagt, Okay im Jugendbereich kannst du nebenher immer noch ein bisschen coachen, das habe ich dann in Rosenheim auch gemacht. Den Schritt nach Traunstein sehe ich jetzt eher wieder als einen Schritt nach vorne an. Und ich studiere jetzt nebenbei Sportmanagement.

Wollen Sie mal wieder zurück in die Bundesliga?

Prantl: Ich mache mir jetzt keine Gedanken über die Bundesliga. Ich bin jetzt hier und der Fokus liegt jetzt ganz klar auf Traunstein.

Warum spielen Sie eigentlich nicht mehr selber Basketball? Sie wären ja im besten Sportler-Alter...

Prantl: Die Frage bekomme ich echt oft gestellt. Ich habe in München in der Jugend in der Bundesliga gespielt, bis ich 16 Jahre alt war. Dann hatte ich keine Lust mehr dazu.

Und wie sind Sie dann Trainer geworden?

Prantl: Auch das wollte ich eigentlich nie machen. Aber es wurden damals Trainer gesucht und ich wollte in dieser Zeit auch schon ein wenig Geld verdienen. Für mich hat sich das gut ergänzt, ich wollte nicht unbedingt in einem Wirtshaus Teller spülen. So habe ich mir mit Basketball Geld verdienen können. Tja, und jetzt hat mich der Trainerjob regelrecht gefesselt.

Hören erfahrene Spieler wie Lorenzo Griffin, Kenan Biberovic oder Markus Haindl überhaupt auf einen 20-Jährigen?

Prantl: Die Frage muss ich an meinen Co-Trainer weitergeben. Er kann das 
sicherlich besser beurteilen.

Biebl: Mit dem Alter hat das überhaupt nichts zu tun. Luis hat in seinem Leben auch schon oft genug bewiesen, dass seine Basketball-Kompetenz sehr hoch ist.

Prantl: Es spiegelt sich auch gar nicht so sehr an meiner Person wider. Die Spieler wollen sich ja verbessern. Wir als Coaches müssen ihnen dafür etwas liefern. Die Spieler wollen das alles mitnehmen, um dann erfolgreich zu sein.

Mit Markus Haindl steht ihr Vorgänger auf der 
Trainerbank jetzt wieder im Spielerkader des TVT – eine durchaus ungewöhnliche Situation. Sehen Sie das als Vor- oder Nachteil an?

Prantl: Ich habe mir am Anfang darüber wirklich Gedanken gemacht. Wir hatten dann auch gleich das erste Spielergespräch mit Markus. Das war ganz wichtig. Und jetzt sehe ich diese Konstellation als Vorteil für uns. Markus hält sich ganz bewusst aus dieser Trainerschiene heraus. Er will das gar nicht mehr. Wir haben jetzt aber den Vorteil, dass er auch vermitteln kann. Markus weiß, wie Trainer denken. Er kann seinen Mitspielern vielleicht auch mal etwas beantworten, was ein Spieler halt mal einen Mitspieler fragt, aber eben nicht seinen Trainer.

Sehen Sie im Kader noch Nachholbedarf?

Prantl: Wir haben echt einen guten Kader mit sehr viel Potenzial. Ich bin sehr zufrieden, denn wir sind absolut Bayernliga-tauglich. Das Schöne zudem ist: Die Jungs haben Bock. Sie wollen sich entwickeln. Es macht richtig Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Aber ich bin auch immer offen für neue Spieler.

Biebl: Es ist aber auch immer die Frage, was ist gerade an Spielern auf dem Markt? Ist der Spieler dann auch wirklich bezahlbar und hilft er uns auch weiter? Im Großen und Ganzen haben wir jetzt schon ein super Potenzial. Und so, wie die Mannschaft motiviert ist, mache ich mir auch keine Sorgen. Einen neuen Spieler würde ich jetzt nur holen, wenn er punktuell die Mannschaft verstärkt.

Habt Ihr aktuell Verletzungssorgen? Ich denke wieder an Markus Haindl. Er war ja viele Monate verletzt, hat deshalb ja auch das Traineramt übernommen.

Prantl: Markus ist fit. Man muss ihn sogar bremsen. Auch sonst schaut es gut aus. Was mir eher Sorge bereitet, ist das Thema Studium. Unsere Spieler können deswegen halt nicht so oft im Training da sein. Aber das wussten wir von Anfang an und damit müssen wir jetzt klarkommen.

Wie schätzen Sie die Bayernliga ein. Wer ist für sie der Favorit auf den Titel?

Prantl: Ich sehe Jahn München ganz klar als Favorit. Ansonsten muss ich ehrlich zugeben, dass ich die Liga noch nicht wirklich gut genug kenne. Ich habe in dieser Liga ja noch nie gecoacht. Und: Ich denke, wir sollten schon auch ein Favorit sein. Es sollte schon unser Ziel sein, dass wir vorne mitspielen.

Was ist Ihr Wunsch für die Saison?

Biebl: Ich hoffe, dass wir die Saison durchspielen können. Es wäre zudem sehr schön, wenn am Ende ein tolles Ergebnis für uns da stehen könnte!

Prantl: Ja, das wäre cool, wenn wir die Saison auch wirklich zu Ende spielen können. Und ich wünsche mir, dass alle gesund bleiben.

Stephanie Brenninger