Jahrgang 2019 Nummer 37

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline – Fortsetzung

Von ihren Anfängen im 17. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nutzte die Saline Traunstein stets vier Pfannen zur Salzgewinnung. Von 1785/86 bis 1912 waren vier Sudstätten im Karl-Theodor-Sudhaus (links unten) unter einem Dach vereint. 1870 nahm das Staatsunternehmen eine fünfte Pfanne (Mitte) – die »Fünferpfanne«, wie sie dann hieß – in Betrieb. Auch sie lief bis zur Stilllegung des Betriebs 1912. Im Gegensatz zum Karl-Theodor-Sudhaus steht die »Fünferpfanne« heute noch. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1914. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

Abgesehen von den bereits eingangs dieser wirtschaftlichen Erörterung behandelten Mißhelligkeiten, die zwischen Reichenhall und Traunstein wiederholt die Frage aufwarfen, ob die Traunsteiner das Salz in Reichenhall holen, oder ob die Reichenhaller es nach Traunstein bringen sollen, ist auch nachfolgender Schriftwechsel zwischen Wasserburg bezw. Rosenheim einerseits und Traunstein anderseits beachtenswert: 1538 senden »den ersamen und weysen Burgermaister und Rat der Stat Traunstain, ihren besunder lieben Nachparn und gueten Freundt« der Bürgermeister und Rat der Stadt Wasserburg einen Beschwerdebrief, weil sich ihre Salzsender beklagt haben, dass »die von Rosenhaim Saltz fürn, sich understeen sollen und ihre Wagen zu Traunstain für die Greden (= Salzmagazin) furschieben und von den Saltzfuttern (= Auflegern) daselbs vor den iren geladen und befudert« würden. Dieses Vorrecht, vor den Rosenheimern abgefertigt zu werden, räumte ihnen eine »fürstlich neuaußganngen Saltzordnung ein«, um deren Befolgung sich hier die Wasserburger Stadtvertretung annimmt. – Ein andermal beschweren sich die Wasserburger Salzsender bei ihrem Rat und dieser sodann beim Traunsteiner, dass sie die Salzscheiben oft so schadhaft erhalten, was seinen Grund darin hätte, »weil nur fünf Aufleger oder Lader in Traunstain das Saltz abgeben, diese auch die Scheiben machen, das ganze Saltz von Reichenhall her abnemen und sonst auch noch Geschäfte verrichten«. Darauf stellt der Wasserburger Rat sein »freuntlich und nachparlich Ansinnen, e. whl. (Euer Wohlgeboren?) wollen hierin Mitl und Weg forderlich fürnemben und Einsehung thun, damit die Salzscheibn peser (besser) gearbait und gemacht werden«. – Die Salzhändler von Rosenheim verwahren sich 1572 auf eine Aufschuldigung hiesiger Salzsender hin dagegen, dass sie mit ihrer Salzzahlung säumig seien, und ein diesbezügliches Schreiben ihres Rates bittet den Traunsteiner die Sache zu untersuchen, »damit dann gegen die ungehorsamen vorgegangen und der Klage abgeholfen werden könne«.…

Es war also auch dieses uns heute vielleicht »golden« erscheinende Gewerbe dem Kampf ums Dasein unterworfen.

Salz-Verfrachtung und Niederlage

Aus dem »reichen Hall« brachten die »Salzführer« einerseits von den Salzsendern gedungen das Salz an die Niederlagen anderseits lieferten sie es direkt an Klöster und Burgen oder von der Niederlage aus an Städte und Dörfer bis hinaus über Donau und Isar und handelten damit. Es war aber zum Beispiel keinem Salzführer gestattet wöchentlich mehr als zehn Wagen in Traunstein zu verladen; so berichtet auch S. Riezler in seiner »Geschichte Bayerns« von einer ähnlichen Einschränkung Ende des 12. Jahrhunderts, dass die Bauern die Salzquellen nicht öfter als zweimal im Jahr besuchen und von dort nur so viele Salzscheiben mit sich führen durften, als ihr eigner Wagen trug«.

In der Saline in Reichenhall erhielt der Samer von den Salzfertigern seine Polette, auf der die Ladung vermerkt war, und an den Zollstätten ließ er sich auf einen Holzspan gen. Raitholz seine Mautgebührenschuld einschneiden. Diese Zollstätten, die hauptsächlich außer an der Landesgrenze an größeren Brücken zur Erhebung einer Entschädigung für deren und der Straße Benützung angelegt waren, entwickelten sich naturgemäß auch alle zu Niederlagen. So Traunstein bezw. Vorher vielleicht Hallabruck an der Traun, Altenmarkt an der Alz, daneben später Truchtlaching an der Alz, so Wasserburg und Rosenheim am Inn und München bezw. vorher Föhring an der Isar, welches von Wasserburg und Rosenheim her mit Salz beschickt wurde. In ganzen Karawanen hochbepackter Saumtiere, deren eine oft 10 bis 20 Rosse erforderte, in langen Reihen zweirädriger Karren von Saumtieren oder auch von Taglöhnern gezogen oder in frühester Zeit zuweilen gar auf den Köpfen »leibeigener Träger« wanderte diese kostbare Fracht von Reichenhall früher über Teisendorf, Lauter, »Hufschlag« – wo die Samer etwa ihre Tiere zu beschlagen pflegten vor dem steilen Abhang zur Traun – zur Hallabrücke, seit 1348 dann größtenteils über Siegsdorf nach Traunstein, wo die erste Mautstätte und Niederlage sich befand.

Das Gewerbe der Samerei war besonders am Chiemsee zu hause. Wie H. Peetz sagt, war das ganze südliche Chiemseegebiet ein einziges »Rosseheim«, aus dem der Samer sein Saumross bezog. Die Samer sowohl auf dem »Samerberg« wie jene im Grassauertal, im sog. Bergener Winkel, hatten hiezu eigene Privilegien, die ihnen Herzog Wolfgang erneute. Bei letzteren bestand diese unter anderem in der Berechtigung der Freiweide auf den Chiemseemösern zum Zwecke der Pferdezucht. Den 50 Samern im Bergener Winkel bestätigte 1553 Herzog Albrecht die Samerfahrt, »weil sie kein Getreide auf Wägen oder Karren heimbringen können, dass sie mit ihren Saumtieren nach Kraiburg und Landshut Salz von Traunstein bringen wie von alters her«. Über sie schreibt Kohlbrenner in seinen »Materialien«: »Weil sie sich zwischen den hohen Bergen mit Viehzucht und dem geringen Ackerbau allein nicht ernähren konnten, legten sie jedem Pferd drei in Zwilch verpackte Salzstöcke auf einem breiten Sattel auf den Rücken oder »Sämm« und trieben so mit vier, fünf, zehn ja wohl mit 20 und 30 Pferden den Salzhandel vorzüglich in Gegenden des Gebirges, auf Auerburg (= Oberaudorf), Tölz, Wolfratshausen, Kraiburg, Pfaffenhofen, Dachau, Friedberg, Rhain, Schongau, auch auf Landshut und Neustadt.(1) Ihr Gegenhandel war, dass sie bei den Schmieden Zunter und Hammerschlag einkauften für die Eisenschmelz- und Hammerwerke Bergen und Hohenaschau, auch treiben sie noch zum Ritorno Getreide zur Schranne«.

Die Samer hatten aber auch ihren Heiligen, den heiligen Winthir von Neuhausen bei München, von dessen Legende Kohlbrenner schreibt: »Er suchte seinen Nebenmenschen zu dienen, der, weil er damals aus Mangel guter Straßen mit dem Wagen nicht so weit fortkommen konnte, seine Pferde nahm, gen Reichenhall mit Getreide säumete und er legte dagegen reiches Salz auf den Sattel seiner Packpferde: und so säumete er Salz 15 Meilen Wegs in die Gegend von München nach Neuhausen und Dachau herauf zur Speis für Mensch und Vieh. 1615 war schon dessen Bild verfertiget worden unter Herzog Maximilian. Er hatte schon vor Jahrhunderten aus dem Evangelio gelehrt«.

Am »Sametz« (Sammetzger) haben wir in Traunstein noch eine direkte Erinnerung an dieses uralte Gewerbe der Samer und so wissen wir auch von den Gasthäusern »zum Lamm« und »zum weißen Rößl« (früher östlicher Teil vom Kaufmann Prandtnerhaus am Stadtplatz), dass sie »Samerwirtschaften« waren, wo die Samer einzukehren pflegten, während noch vom heutigen Rentamt und vom Reiterhaus bekannt ist, dass es ehedem »Salzsenderhäuser« gewesen.

Als dann mit der anfangs gefürchteten Verbesserung der Heer- und Poststraßen dem Samer allmählich der »Fuhrmann« entwachsen war – der aber lange Zeit später noch »Saumer« benannt wurde – belebten schwere Blahenwagen die Salzstraßen, welche die anwohnenden Bauern unterhalten mussten. 300 Jahre fast wanderte so das »trockene Salz« allein auf der an Naturschönheiten so reichen Mauthäusl-Inzeller Saumstraße nach Traunstein, bis es 1619 mit Erbauung der Soleleitung am »flüssigen Salz« einen Begleiter erhielt.

In Traunstein musste dann die Mautgebühr an den Zollner entrichtet werden und die später zu besprechenden Abgaben Scheibenpfennig u. dgl.

Zur Aufstapelung des Salzes dienten in Traunstein anfangs große Gewölbe im Rathaus, »Salzgreden«(2) genannt und ein von Herzog Heinrich um 1410 neu erbauter Salzstadel, – schon die Söhne Ludwigs des Bayern ließen anstatt eines alten Salzhauses eine neue Niederlage errichten – bis im Jahr 1568 auf Befehl des Herzogs Albrecht ein neuer großer Stadel am heutigen Maxplatz erbaut wurde. Im Jahr 1772 wurde derselbe wegen mehr erzeugten Salzes vergrößert, und 1796 nach Erbauung des großen Carl-Theodor-Sudhauses erhielt auch die Saline einen neuen großen Salzstadel, an der Stelle der heutigen Anlage, wogegen der obere dem Reichenhaller Salz zu dienen hatte.

Über diesem oberen Salzdepot schwebte von Anbeginn ein übelwollender Dämon: Nachdem der Herzog am 5. August 1567 den Befehl zur Erbauung ausgegeben hatte, sandte der Rat alsbald eine lange Bittschrift um Zurücknahme dieses Befehls an ihn, deren Kopie noch vorhanden ist und eine Anzahl merkwürdiger Einzelheiten enthält. Die Traunsteiner begründen ihre Bitte damit »daß kain Platz noch Ort zu ainem solchen Salzstadl vorhanden, daß die Stat vil zu klein und eng ist, sie müßten ain Kirchen, deren zwo darin sind,(3) abbrechen«. Wenn sie den Stadel aber außerhalb die Tore tun wollten, müssten sie Gründe kaufen, was gegen 3000 Gulden kosten würde, eine Leistung die die Kräfte der Stadt und der Salzsender übersteigen würde. Auch würden dann die Salzbauern nicht mehr in die Stadt zur herzoglichen Maut kommen und ihnen dabei, abgesehen von der wirtschaftlichen Schädigung, auch der Pflasterzoll entgehen. Dazu würde das Salz eher feucht als in den Greden in der Stadt, besonders bei Überschwemmung. Zum Schluss heißt es: »Wir haben auch acht geschworne Aufleger, welche die Scheiben bei ihren Eyden machen muessen, das sy Kaufmanns gut und gerecht seyen, darumb uns nit wenig Wunder nimbt, das die von Wasserburg ainen Stadel bey uns begern, dieweil kein Ursach derselben vorhanden«. – Also die Wasserburger waren die Anstifter, die sich ja schon in einem unter »Salzhandel« erwähnten Schreiben – leider ist das Datum unleserlich – über Unzuträglichkeiten bei der Traunsteiner Salzabgabe beschwerten.

Der Herzog stand dennoch nicht ab von seiner Weisung; der große Stadel wurde erbaut und mussten die Untertanen des Traunsteiner Pfleggerichts dazu Scharwerksdienste(4) leisten, wofür sie Brot erhalten sollten. Die Miesenbachtaler, welche sich weigerten, mussten auf herzoglichen Befehl vom Traunsteiner Pfleger, Hanns von Schaumburgzum Scharwerk »geschafft« werden, während die Grunduntertanen des Domkapitels Salzburg »weil sie sich der bewilligten Scharwerch schiech beschwern«, gegen »ein ziemlichs Gelt« vom Herzog davon befreit wurden.Bezüglich der Bedachung des Stadels liegt ein bemerkenswertes Schreiben des Herzogs vor. Daraus ist ersichtlich, dass ursprünglich »der gannz Salzstadl mit einem Schardach(5) gedeckt werden sollte« aber sich ergeben hatte, dass dazu eine solche Menge Schindeln nötig gewesen wäre, dass es schließlich an Kufholz für die Salzfässer gemangelt hätte; »denn welcher Paumb(6) Schindl gibt, der ist auch zum Kueffen tauglich«. Auch sei es »gemain Erfarung, das die Schardächer nur etlich Jar lanng liegen und vil Unnderhalltens erfordern«. Daher ändert der Herzog seinen früheren Befehl dahin um, dass außer dem, was bereits »unnder Dach gebracht worden ist« alles mit »Ziegln« gedeckt würde, welches »Fachzeug« sie von Wasserburg durch die Paurn, welche das Saltz von Euch holen«, bringen lassen sollten.

Bei diesem Bau spielte auch eine persönliche Angelegenheit des langjährigen Pflegers »Hanns von Schaumburg« eine große Rolle. Derselbe beschwerte sich beim Herzog, dass ihm die Traunsteiner »ainMaur mit dem Saltzstadl durchaus bei meinem Gärtl« hinab gefürt«, auch dass sie vorhätten »von meinem Garten an gegen meinen Edlmanssitz Neuenkreit genannt ain Mauren ze (zu) fueren, damit kunt ich von meinem Haus gar in meinen Garten nit mer sehen« und würde ihm »dazue das Licht verpaut«. Ferner schreibt er: »Und wann ich oder die meinigen vermainten, ain Obst im Garten zu finden, so wird es durch die Pauern, so die Scheiben verfueren, bei nächtlicher Weil verzogen«. Alles Gründe genug, den Herzog zu bitten, er möge den Bau einstellen lassen, bis eine Kommission den Augenschein eingenommen hätte, was dann auch zugebilligt wurde. Dafür lieh der Burgherr von Neuenkreit den Traunsteinern 800 Gulden zum Salzstadelbau, worüber ihm der Rat einen langen und breiten Schuldbrief ausstellte, in welchem bestätigt wird, dass der »edl und veste Hanns von Schaumburg zu Neuenkreit, unser günstiger lieber Herr und Nachper, uns auf unser Ansynnen und Begern also baar und bereit in guter Landswerung geliehen hat 800 Gulden reinisch, in Munich (München) albeg fünfzehen Patzen oder sechzig Kreuzer für einen Gulden zu rechnen«. Zur Sicherheit verpfändet ihm die Stadt ihre »Stuck, Gründt Gülten und guete Zuelagen«. – Zur Tilgung der Bauschulden lieh übrigens im Jahr 1581 auch die Allerseelenbruderschaft 28 Gulden.

Im Salzstadel, das heißt in dem großen Torturm in dessen Mitte, hatte die Hauptperson der Niederlage, der Salzfertiger oder Salzfaktor(7) seine Wohnung mit vier Zimmern und Küche; im Erdgeschoß des Turms befanden sich die Diensträume, in denen mitdemSalzfertiger die Salzgegenschreiber hausten, indes die »Salzaufleger« mit ihren Requisiten als Zugseilen, Leiterbäumen, Hebstetten und dergleichen die Hallen belebten und an den Karren und Wägen zu schaffen hatten. Solche Aufleger gab es zum Beispiel um 1640 zehn, welche vom Kurfürsten angestellt waren und eine Krone Wochenlohn erhielten. Welch lebhaftes Hin und Her mag einst diese Hallen umtobt haben! Konzentrierte sich doch hier so ziemlich der ganze Salzverkehr der bayrischen Lande!

Hier (am obern oder am untern Salzstadel(8) lud der Salzfuhrmann herkömmlich seine 36 bis 40 Salzstöcke (jeder im Wert von 1 Gulden 19 Kreuzer) in seine mit Stroh verpackte »Ladekrachse« oder »Fuhrkreinze« des meist dreispännigen Blahenwagens; hier holten sich auch die Rosenheimer und Wasserburger Bürger das Salz gegen Barzahlung für ihre Niederlagen, und die Bauern der Umgebung, denen nach eingebrachter Ernte das Ross im Hof entbehrlich war, luden ihre Blahewagen drei bis vier Mal wöchentlich mit vier bis fünf Salzfässern und brachten sie zu den Städeln in Altenmarkt und Frabertsham, von wo es die dortigen Salzbauern, auch »Scheibenbauern« genannt, wieder weiter führten; dabei verdiente einer für die Fuhre ungefähr zwei Gulden. Auf solche Art wurden vor Eröffnung der Bahn jährlich 16000 bis 20000 Fässer mit je 1½ Zentner Salz ins Inland nach Augsburg, Nürnberg, Regensburg unter anderem versandt, während ins Ausland besonders in die Schweiz fünf bis sieben, sogar zehn Tausend Fässer zu je sechs Zentnern von der Traunsteiner Salin aus verfrachtet wurden. Das übrige erzeugte Kochsalz nebst Viehund Dungsalz dienste seit Anfang des vorigen Jahrhunderts meist in Säcke verpackt zum Landverschleiß. Die Salzführer brachten ihre Säcke selbst mit, füllten sie am Salzmagazin mit dem Salz und führten ihre Wagen mit 50 ja bis zu 100 Zentnern beladen nach allen Richtungen fort, dieses offene Salz aber meist in die nähere Umgebung …

Angesichts des großen Verkehrs am alten oberen Salzstadel (der untere stand ohnehin zwischen zwei Tafernen – dem Auwirt und Friedlwirt) nimmt es nicht Wunder, wenn sowohl Salzfertiger als auch Gegenschreiber und Aufleger wiederholt auf den barmherzigen Gedanken kamen und ihn auch zu ihrem Vorteil auszunützen verstanden, den oft gar lange der »Fuederung« harrenden Salzfuhrleuten Getränke zu verabreichen, wenn es ihnen gleich schnell immer wieder verboten ward.

Von Kohlbrenner bringt – zur nähren Beleuchtung dieses Betriebs – in seinen »Materialien« interessante Notizen, wenn er schreibt: »In Traunstein werden jährlich 24000 Scheiben ausgeführt (von der Traunsteiner Saline). Rechnet man noch dazu 36000 Salzfass von Reichenhall über Traunstein nach Wasserburg, Landsberg und München: so beträgt der Fuhrlohn – in circa vom Fass 3 fl. 30 Kr. – ja schon eine Summe von 126000 fl. und von Traunstein bis Landsberg auch 24000 Salzfass à 3 fl. Fracht = 72000 fl., welches nebst den kleinen Fässeln beynahe 300000 fl. Frachtverdienst betragen, die der Ackersmann(9) von Bayern einnimmt. Fast ebensoviel Fracht gewinnen auch die vom Schwabenland, welche diese Salzfässer auf die Legstätten von Landsberg und Hohenschwangau bis nach Memmingen, Ravensburg und Buchhorn abführen«. – Von hier aus ging das Salz in die Schweiz, welche ein altes Privileg besaß, von Bayern Salz zu beziehen. – Weiter sagt Kohlbrenner: »Durch das Salzwesen ernähren sich in Bayern und im Erzstift Salzburg incl. Fuhrleute über 130000 Seelen und in der Schweiz und im Schwabenland sind auch über 70000 Seelen zu rechnen, die durch Salzgefährt und Handel davon profitieren. … Wir kennen kein größeres Glück für einen Landesregenten, als wenn er mittels Ausbreitung des Verdiensts und Arbeitslohns, schon durch einen einzigen Handelszweig vielen tausend Unterthanen, In- und Ausländern, Gewerb und Nahrung verschaffen kann!«

Freisalz der mittelalterlichen Klöster

Durch dieses mächtige Tor der Salzzentrale zu Traunstein rollten auch die Karren und Wägen, die das gestiftete Freisalz für die bayrischen Klöster und Edelsitze westwärts von Traunstein enthielten. Ihren Führern wurde nach alten Rechten gegen Vorzeigung bezw. Abgabe des herrschaftlichen Geleitsbriefs ungehinderte Durchfuhr gewährt. Sicherlich haben auch den Burgherren von Hohenaschau, Marquartstein und anderen, den Edlen von Grabenstätt u.s.w. solche Vorrechte zugestanden; doch haben sich derartige Geleitsbriefe oder Ähnliches für diese Forschungen nicht auffinden lassen. Vielleicht ist es Zufall; oder haben etwa Wappen und Farbe des den Wagen mit dem »Hallengut« begleitenden Trossknechts den Amtleuten genugsam als Legitimation seiner Herrschaft gegolten?

Hiebei sei eingeschaltet, dass zum Beispiel die Besitzer des ehemaligen Schlosses Sondermoning bis eingangs des 19. Jahrhunderts von Reichenhall jährlich 15 Zentner Salz unentgeltlich erhielten als Erbteil von einem Sudherrn in Reichenhall um 1450.(10)

Wie dem Erzstift Salzburg selbst, welchem (an den heiligen Rupert) schon Herzog Theodo II 20 Salzpfannen sowie den zehnten Teil der herzoglichen Maut schenkte, so kamen in der Folge auch andere Körperschaften, Klöster und Burgen in den Besitz solcher Privilegien, wenigstens Freiheit von Zollgebühren. Das Stift St. Peter hatte ausweislich seines Saalbuches von 1005 bis 1100 (nach Peetz) drei Salzpfannen in Reichenhall. Ausnehmend freigebig in dieser Hinsicht war der Salzburger Erzbischof Adalbert, der Ende des 12. Jahrhunderts regierte. Von ihm erhielt das Kloster Herrenchiemsee die gleichen Anteile an den Sudstätten zu Reichenhall, wie sie St. Peter und Nonnberg in Salzburg und St. Zeno bei Reichenhall hatten. Außerdem machte Adalbert viele Schenkungen von Salzbezügen an verschiedene Klöster, auch an auswärtige, im ganzen circa 36000 Zentner. Baumburg hatte um 1165 ein Achtteil Salz in Reichenhall und zudem noch den Brückenzoll an der Alz. Herrenchiemsee erhielt von Adalbert allein gegen 5000 Zentner Salz (nach Peetz), was das Kloster doch wohl niemals verbrauchen konnte. Zwei Klosterbrüder von Chiemsee besorgten damals an Pfannstätten zu Reichenhall als »Offizialen«, wie Peetz in »Die Chiemseeklöster« schreibt, die Aufsicht und die Salzfertigung und die Salzfuhren mussten gewisse Untertanen des Klosters aus dem Raschenberger Gericht, weil an der Salzstraße gelegen, von Mittwoch nach Micheli ab an das Inselstift bringen.

Die städtische Registratur enthält viele Schriftstücke, welche auf diese Verhältnisse Bezug nehmen; so »mehrere Bittschreiben von Chiemseepröpsten aus dem 16. Jahrhundert an den Traunsteiner Rat um ungehinderte Durchlassung ihres Salzes, auch mehrere Schreiben gleichen Inhalts von Äbtissinen auf Frauenwörth, deren eines (1537) von der »im Unglück ungebeugten«(11) Margarethe Leutgeb folgenden Wortlaut hat:

»Lieber Herr Burgermaister, diese unser Hintersassen(12) fuern unns unnser järlich Dienstsalz vonn Reichenhall mit, pitte dieselben wie vor aller Herkomen unverhindert durchfarn zu lassen. Date Kiembsee an Sunndag vor Galli im siebenunddreiszsigsten Jar. Margreth Abtissin zu Kiembsee«.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Anmerkungen:

1) An all diesen Orten waren Salzstädel.

2) Von Gred (= Laderampe).

3) St. Oswald und St. Georg.

4) = Frohndienste.

5) Holzschindeldach.

6) Ausgesuchte Fichten.

7) Hatte die Verpackung und Spedition des Reichenhaller Salzes zu beaufsichtigen; für das Traunsteiner Salz war bei der Saline ein eigener Salzfertiger angestellt.

8) Von 1828 ab nur mehr am untern Stadel.

9) = Scheiben- oder Salzbauer.

10) Anna Amranger von Sondermoning schenkte 1508 fünf Pfund Pfennig jährlichen Gilt von ihrem Anteil am Salzsieden zu Reichenhall an die St. Oswaldklöster hier; so war auch die Stadtpfarrkirche am Nutzen des Salzwesens direkt beteiligt.

11) Unter ihrer Regierung brannte Kloster und Kirche ab, wie Peetz in seinem herrlichen Werk »Die Chiemseeklöster« erzählt.

12) Vom Grundherrn (in diesem Fall das Kloster) abhängige Bayern.

 

37/2019