Jahrgang 2019 Nummer 35

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline – Fortsetzung

Die Arbeiter wohnten in Häusern, die die Saline zur Verfügung stellte. Unter anderem waren sie auch – wie ein Foto aus der Zeit um 1910 belegt, das das Stadtarchiv aufbewahrt – im sogenannten Maximiliani-Wilhelmi-Stock untergebracht. Die alten Wohnhäuser, die Herzog Maximilian bereits zur Gründung der Saline im 17. Jahrhundert geschaffen hatte, sind heute noch erhalten. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

1736, als die Gemahlin des kurfürstlichen Karl Albrecht in Adelholzen Badegast war und in Traunstein Einkäufe machen ließ, musste sie den Metzen(1) Salz mit 30 Kreuzer bezahlen. Um 1749 kostete hier ein Fuder 34 Kreuzer, zu Kohlbrenners Zeiten (1782) schon ein Gulden 19 Kreuzer und nach Flurl (1792) kam der Zentner in Reichenhall auf zwei Gulden 12 Kreuzer, in Traunstein auf zwei Gulden 36 Kreuzer zu stehen. – In unseren teueren Zeiten aber kostet hier der Zentner Speisesalz neun Mark, wovon allerdings zwei Drittel in den Steuerkasten fallen.

Im Anschluss daran ist derjenigen Körperschaft zu gedenken, welche meist mit solchen Zahlen zu rechnen hatte, teil seitab vom Salzdampf in gemütlichen Büros teils mitten drinnen, beim Sieden, beim Pfieseln, beim Kufen oder im weiten grünen Wald, der Beamtenschaft, deren Zahl sich jedoch wie gesagt durch die allmähliche Vereinfachung im Betrieb seit dem letzten Jahrhundert zusehends vermindert hat.

In jenen schönen alten Tagen aber, da die Au noch Hofmark war und ein »großmächtiger« Salzmaier deren kurfürstlicher Verwalter, da führten dessen Beamte den Titel »Salzmaieramtsoffiziere« und waren auch in ihren oberen Chargen in der offiziellen Rangliste aufgezählt, die der Kurfürst im Jahr 1655 »zum Vergleich zwischen dem Salzmaieramt und der Stadt Traunstein« für die Präcedenz bei Opfern, Prozessionen und andern Zusammenkünften herausgegeben hatte. Hier finden sich außer dem Salzmaier ein Salzmaieramtskastner, (= Kassier), ein oder zwei Salzbeamte, ein Sudoder Fuderschreiber vor den vier Bürgermeistern der Stadt genannt, dann ein Baubeamter, der Salzmaieramtsgegenschreiber, der Waldadjunkt, der Pfieslschreiber, zwei Salzfertiger und Kuefzeugverwalter nach diesen. Zum Salzmaieramt gehörten außerdem der Waldmeister und die Holz- und Triftmeister, die aber ihren Wohnsitz meist nicht in Traunstein hatten. – Jetzt vor Schluss des Salzsiedens unterstehen dem Salinenvorstand ein Kassier, ein Materialverwalter, ein Sekretär, ein Funktionär, seit kurzem Assistent, und ein Amtsdiener für die amtlichen Geschäfte, außerdem ein Schlossereiaufseher, ein Wagmeister, ein Materialaufseher, ein Brunnwart und ein Torfaufseher.

Hatten die »Salzmaieramtsoffiziere« im gesellschaftlichen und offiziellen Leben der Stadt ein der Bedeutung ihres Amtsvorstandes entsprechendes Ansehen, so ist im letzten Jahrhundert mit Abnahme von Originalität und Selbstbewusstsein – wie ja oft im modernen Leben – eine gewisse Ernüchterung eingetreten, die den Nimbus der ehemaligen Hofmark vieles hinweggenommen hat. Max Fürst schreibt in »Traunstein im 19. Jahrhundert«, dass der Salinenbevölkerung von jeher ein gewisser heiterer »Korpsgeist« innewohnte, der das gesellschaftliche Element der »Saliner« vorteilhaft in den Vordergrund schob. Durch stiefväterliche Behandlung dieser Saline von Seite des Vaters Staat wohl gefördert, ist dies leider in den letzten Jahrzehnten mehr zurückgetreten.

Da war ehedem in der Stadt kein kirchliches oder weltliches Fest, wo die Saliner nicht verschönernd mitwirkten. Früher in eigener Tracht mit Musik, ähnlich wie anderwärts die Bergknappen, so zogen sie auf mit klingendem Spiel zuweilen mit ihren Schützen unter deren historischer Fahne, und machten alles mit, was die Stadt in Leid und Freud bewegte, wie das auch jetzt noch wenn auch in bescheidenerer Form – in der Salzzunft, Veteranenverein unter anderem – in Übung steht.

Historisch geworden ist in dieser Hinsicht das von dem Materialaufseher Hauck verfertigte Modell vom Karl Theodor-Sudhaus, welches schon seit ein paar Jahrzehnten immer eine Hauptnummer bildete, wenn es galt, ein seltenes Fest mit einem Festzug einzuleiten; so bei den letzten Volksfesten, bei der herrlichen Feier der Enthüllung des Luitpoldbrunnens auf dem Stadtplatz und, zum letzten Male wohl, – wie unter Absatz eins dieses Kapitels erwähnt – beim großen Schützenfest von 1910.

Als letzter Rest einer eigenen Salinentracht mag es gelten, wenn man um Mitte des vorigen Jahrhunderts noch die Salzarbeiter mit schwarzer »Schlegelhaube« und weißem »Schaber« angetan, an Feiertagen und in Mußestunden herumspazieren sah, in welchem Anzug sie sich auch an Sonn- und Feiertagen, da nicht »Auslösch«(2) war, früh 6 Uhr zur heiligen Messe in ihre Kirche begaben.

Von all dem bleibt jetzt nur mehr die Erinnerung auf der Au zurück; die Erinnerung – wie sie in schlichten Worten auf diesen Blättern festgehalten werden möchte – welch beim Scheiden den einzigen Lichtstrahl in tiefsten Schatten schickt … Das Gedenken, welches Traunstein den Fortziehenden nachsendet und die Erinnerung, welche hier zurückbleibt auf allen Wegen, die das Salzwesen dereinst betreten. Mit dankbarer Pietät soll sie für und für geehrt und geachtet werden! Zur Saline gehörige Gebäude zählt die Au gegenwärtig, vor deren teilweisem Abbruch, folgende:

1. Die Salinenkapelle.

2. Das Karl Theodor-Sudhaus (mit vier Pfannen).

3. Pfanne V. (vor deren Einrichtung »Friedlstadel« zum Aufbewahren von Kufermaterial).

4. Hauptsalzamt (früher Schulhaus und Kaplanwohnung).

5. Alberti- und Ferdinandiwohnstock (vor dem Platz, wo die Sudhäuser gleichen Namens standen).

6. Wilhelmi- und Maximilianiwohnstock vor den alten Sudhäusern gleichen Namens, deren eines »Wilhelmi« in den Grundmauern noch erhalten ist und als 7. Baustadel bis heute verwendet wird.

8. Karl Theodor-Brunnhaus (erbaut um 1785) zwischen beiden obigen Wohnstöcken mit vier hölzernen Solereservoiren im ersten und zweiten Stock. In diese wird durch ein eigenartiges Leierwerk – Paternosterwerk – mittels Wasserrad auf dem Aubach, oder wenn dieser abgelassen, durch menschliche Kraft getrieben die Sole eingepumpt, um von da mittels Selbstgefälle in die Siedepfannen abzulaufen. Bei dem heutigen Stand der maschinellen Technik bildet es ob seiner Zweckmäßigkeit und altertümlichen Originalität eine Sehenswürdigkeit hiesiger Saline, zumal ein Werk gleicher Konstruktion sonst nirgends zu treffen ist.

9. Der lange rote Bau- und Materialstadel, in dessen Mittelbau zwei große Solereserven sich befinden, während im Obergeschoß des kapellenähnlichen Vorbaus oberhalb des heiligen Rupertus die Haupteinrichtung der Saline, der Soleeinlauf mit den Vorrichtungen zur Verteilung der Sole in die sechs Reserven angebracht ist.

10. Der Beamtenstock. (Neben Auwirt, früher Härt- oder Pfieselhaus).

11. Der neue oder gelbe Wohnstock neben der »Friedlwirtschaft«.

12. Der lange, höchste Wohnstock auch Marienstock genannt unter dem Stadtberg.

13. Die Pochmühle, wo der Pfannenstein mittels origineller Stoßund Mahlvorrichtungen zu Dungsalz verarbeitet wird.

14. Das ehemalige Grießmeisterhaus am Traunrechen, früher Wohnung des Triftmeisters, Holzhofverwalters unter anderem.

15. Die Trifthütte.

16. Die Kapelle des heiligen Nepomuk am Triftrechen.

17. Das Wuhrwachthaus am Sparzer Wehr bei der Traun, welches Wehr ebenfalls der Traunregulierung zum Opfer fällt.

III. Kapitel

Einblicke in die wirtschaftlichen

Beziehungen des Salzwesens zur

Stadt: Zumeist unter Zuhilfenahme

urkundlicher Handschriften

Wenn Professor Dr. Matthäus Much in seiner Schrift »Prähistorischer Bergbau in den Alpen« (Salzburg 1901) die begründete Vermutung ausspricht, dass hauptsächlich der Alpen Reichtum an Metallen und zwar zu allererst am Salz die Menschen veranlasst habe, in die Alpentäler einzudringen und sich in ihnen anzusiedeln, so hat uns dieser bedeutende Geologe einen Fingerzeig gegeben von der Ursprünglichkeit der wirtschaftlichen Beziehungen des Salzwesens zu dem Alpenlande, das wir bewohnen. Und was hier der »Bergsegen« den Menschen in ihrer Gesamtheit geworden, das ward er im besonderen denen, die ihn in ihrer Mitte hatten: Ein Kulturträger und Wohltäter. Drum will unter dieser Aufschrift, unabhängig vom Vorausgegangenen, ein eigenes Kapitel folgen, das aus der Urquelle des städtischen Archivs heraus einen Born erschließen möchte, der insbesondere die wirtschaftlichen Beziehungen des Salzwesens zu unserm Traunstein ans Tageslicht bringe.

Das Recht der Salzniederlage

Wann und wie Traunstein zum Salzstapelort geworden ist, das lässt sich urkundlich nicht belegen. Beispiele, wie München, Wasserburg und Rosenheim, welche Orte in der Zeit zwischen Mitte des zwölften und anfangs des dreizehnten Jahrhunderts dadurch entstanden, dass die Etappenstation der betreffenden Salzstraße mit Zoll und Maut dorthin verlegt wurde, sind zwar verführerisch genug, an eine solche Übersiedelung des Salzwesens auch bei unserm Traunstein von Hallabruck her zu denken, zumal wir wissen, dass es 1275 ein Maut-, Zoll- und Kastenamt erhielt. Sicher ist aber nur, dass Traunstein um 1255 auf einmal als Stadt auftaucht, nachdem es bis dahin bloß als Burgort bekannt gewesen. Und dass zu Anfang des 14. Jahrhunderts schon eine Niederlage für das Reichenhaller Salz dahier bestand, beweist das »Urbarium vicedominatus Pfarrkirchen oder herzoglich Niederbayrische Salbuch vom Jahre 1308 bis 1313, um welche Zeit Traunstein zum Vitztumamt Pfarrkirchen gehörte. Unter der Aufschrift: »Daz sint der pvrger reht zu Travnstain an dem zolle« steht hierin nebst anderen den Salzzoll betreffenden Bestimmungen geschrieben: »Ez solt auch dev niderleg ze reht sein ze Travnstain«.

Von dieser Zeit ab ist der Bestand der Salzniederlage und damit des Salzmarktes dahier lückenlos bekannt.

Auf drei gehefteten großen Pergamentbogen ist uns von einem Notar aus Salzburg eine im Jahr 1507 verfertigte von Zeugen beglaubigte wörtliche Abschrift von sieben Briefen überliefert, welche die Bestätigung der Salzniederlegungsprivilegien von Seite bayrischer Herzöge enthalten.

Im ersten Brief vom Jahr 1359 bekennt »Steffan der Jung von Gots Gnaden Phalzgravn bei Rein und Herzog von Baiern und Pfleger zu Trawnstain«(3) – derselbe wohnte hier im alten Schloss – »daz wir mit wolbedachtem Mut und mit gut Vorbetrachtung und Anwaisung uns'rer lieben Muemen der hochgeborn Fürstin Frawen Reicharten – welche vermutlich im selben Schloss ihren Witwensitz hatte – und nach Rat unsers Rates unsern lieben Getreuen den Purgern ze (zu) Trawnstain die besondern Gnad getan haben, als es auch von alter Gewonhait ire Urvordern gehabt, daz ain rechte Nyderlag des Saltz da sey«. Ferner trifft Herzog Stephan eine Anordnung, wie uns solche der verschiedensten Art wiederholt begegnen, nämlich dass die Traunsteiner sich das Salz in Reichhall holen sollen und die Bürger von Wasserburg es von der Traunsteiner Niederlage abnehmen und »auf der rechten Straß« heimführen. Er bestätigt für die Traunsteiner Niederlage auch »alle Recht'n, Ern und Nutzn« wie bei andern Niederlagen üblich ist und »wie es von allter Gewohnhait wie vor da gewesen ist«. Zum Schluss folgt die Weisung »daß all unsere Ambtleut, Vitztumrichter, Zollner oder andern wie die gemaint sind, die wir yezo haben oder fürpas (weiter) gewinnen« die Traunsteiner bei Ausübung des Salzhandels und der Verfrachtung von Reichenhall her »beschirmen auf der Straß und wo sie es bedürffen, daz das Saltz also fürpas gee und von nymant geirrt (= gestört) werde«. Der zweite Brief enthält dieselbe Bestätigung des Herzogs Friedrich von München aus 1374, der dritte des Herzogs Johann ebenfalls 1374 von Landshut aus und der vierte 1401 von Herzog Heinrich auch von Landshut, der damaligen niederbayrischen Residenz, aus datiert.

Hier seien zur Beleuchtung des Nachfolgenden einige andere, nicht zu den sieben Briefen gehörige Urkunden erörtert: Nach einem ebenfalls vorhandenen Originalpergament hatten nämlich 1396 die Gebrüder Herzoge Stephan und Johannes verordnet: »Es sollen und mügen die von Hall Scheyben gen Trawnstain fürn und sy den von Trawnstain anpieten und ze kauffen geben«. Wenn die Traunsteiner nicht kaufen wollten, so sollten es die Reichenhaller in den Traunsteiner Salzgreden(4) niederlegen »umb ain redlichen Zins«. Ebenso sollten es die Traunsteiner in Wasserburg machen. Die Reichenhaller sollten dann in Traunstein von je einer Scheibe einen Münchner Pfennig Gewinn nehmen, die Traunsteiner von den Wasserburgern 1½ Pfennig und diese von den Münchnern zwei Pfennige, aber nicht mehr.

1402 bestimmten Herzog Heinrich und seine Vormünder, »dass die Traunsteiner das Salz zu Reichenhall übernehmen, hieher führen und allda niederlegen dürfen, von wo es die Bürger von Wasserburg ablangen und auf der rechten Straße weiterfördern mögen«. Als dies den Reichenhallern Anlass zu Klage gab, änderte Herzog Heinrich 1413 diese Ordnung wieder dahin »dass die von Hall ihr Salz heraus gen Traunstein setzen mögen in seinen Stadel um je zwei Pfennig Zins von einem Wagen, und dass ein Teil das Salz nicht höher oder leichter verkaufe als der andere«. Eine weitere Entschließung von 1416 lautet, »dass die Reichenhaller ihr Salz künftig statt in den vom Herzog erbauten Gredstadel in das Frühmesshaus niederlegen und die zehn Pfennig(5) Zins jetzt den Bürgern zu Traunstein jährlich am St. Georgentag reichen sollen«.

Diese Ordnung war aber wieder nicht von Bestand. Denn der fünfte Bestätigungsbrief (obiger Abschriften von 1507) von Herzog Heinrich dem Reichen von Burghausen (1441) ausgegeben, enthält neben dem Verbot, das Salz mit Umgehung Traunsteins über Altenmarkt und Trostberg zu führen, die Anordnung, dass die Traunsteiner »daz Saltz zu in (= ihnen) haim bringen und daselben niderlegen, und dann daz die von Wasserburg von in (= ihnen) fürn lassen die obern alten Straß«. Die Erklärung hiezu finden wir in einem Pergamentbrief aus dem Jahr 1423 von Herzog Heinrich, welcher von »Zweytracht« berichtet, so zwischen den Reichenhallern und Traunsteinern wegen obiger Salzniederlegungsordnung – dass es die Reichenhaller nach Traunstein bringen – entstanden ist. Die letzten klagen »daz das derselben Stat zu Trawnstain gantzes Verderbn sey und arme und reiche des nymer geleyden noch zukomen mügen«. Und wirklich erzählt denn dieser Brief, wie sich der Herzog erweichen ließ zu bestimmen »daz die von Hall kein Saltz fürpas mer zu den von Trawnstain setzen, sunnder daz die von Trawnstain die Niederlage alleyne haben sulln«. – Im sechsten Brief endlich bestätigt Herzog Ludwig der Reiche 1454 von Traunstein aus die Salzniederlegungsprivilegien und im siebten von anno 1470 Herzog »Jörig« d. i. Georg der Reiche bei seiner Anwesenheit in Traunstein ebenfalls.

Von besonderem Interesse ist überdies ein umfangreicher Pergamentbrief vom Jahr 1375, in welchem vier Jahre nach dem ersten großen Stadtbrand Kaiser Ludwigs Enkel Friedrich als Herzog von Bayern den Traunsteinern, weil sie ihm nachgewiesen hatten, »daz in (ihnen) ir Brief verbrunne (= verbrannt) sind« ihre Stadtrechte bis in’s Detail bestätigt »dy sy von alt Herschaft gehabt habnt und nach unser Stat zu Öting Recht, Briefen und Gewonhaiten, dy sy auch von alt Herschaft habent«. Eine Fülle der wichtigsten Einzelheiten sind dann aufgeführt. Für unsere Abhandlung interessiert es, zu entnehmen, dass der Salzmarkt – jedenfalls bei der Niederlage – oberhalb des Brothauses, also wohl zwischen Rathaus und Zieglerwirt sich befand. Der betreffende Artikel lautet: »Ez sol auch niemand chain Saltz chauffen denn auf dem recht’n Marcht oberhalb der Prottisch, oder er sol dem Richter XXX, der Stat XXX, dem Schergen (= etwa dem heutigen Polizisten entsprechend) II Kreutzer geben«. Es solle auch kein Salzaufleger Salz kaufen noch verkaufen, und wer in der Stadt Salz feilhält, der soll es auf der Achse selbst verkaufen; außerdem darf auch kein Bäcker Salz verkaufen oder andernfalls muss er das Backen aufgeben.

Aus diesen bisher angezogenen Urkunden ergibt sich wiederum, dass in Traunstein schon vor dem Jahr 1359 eine mit allen üblichen Privilegien ausgestattete Salzniederlage des Reichenhaller Salzes war, insofern sogar wohl die wichtigste im alten Bayern, als auch die Wasserburger und Rosenheimer das Salz von Traunstein aus bezogen, von welchen es erst an die anderen Niederlagen in München bezw. Tölz und von da nach Landsberg und ins Schwabenland überging. Bayerns Hauptstadt selbst zeugt am besten von der Bedeutung solcher Niederlagen, verdankt sie doch dem Umstand ihre Gründung, dass Heinrich der Löwe 1157 die vor dem in Föhring in freisingischem Bischofsbesitz gestandene mit der Zollstätte an der Isarbrücke verbundene Niederlage des Salzes mit samt der Brücke gewaltsam zerstörte und Brücke, Zoll und daraus resultierende Niederlage nach dem damaligen »Munichen« verlegte.

Bekunden also schon die ersten Überlieferungen die hohe Bedeutung des Salzwesens für das Land und im speziellen der Niederlage des Salzes für die noch ganz junge Stadt Traunstein, so hat es auch in der Folge keinen bayrischen Fürsten gegeben, der demselben nicht große Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Und so haben auch alle bayrischen Landesfürsten wie im Jahr 1705 die österreichische Regierung und 1743 die nachmalige Kaiserin Maria Theresia von Österreich den Traunsteinern bei der Erbhuldigung ihre alten Rechte auf das Salzwesen bestätigt.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Anmerkungen:

1) 37 Liter in Bayern.

2) Sonntagsruhe – Werkstillstand

3) Urtexte aus dem Urkundenmaterial sind durch besondere Schrift und »« gekennzeichnet. – Hauptwörter, welche im urkundlichen Text meist klein geschrieben sind, kommen hier besserer Übersicht halber mit großen Anfangsbuchstaben, ebenso u statt v, wie auch Abkürzungen ausgeschrieben werden; zum Beispiel unniederlegt statt vnnie’legt.

4) Salzmagazine, -hallen, -gewölbe.

5) 1 Pfund Pfg = 1 fl. 8 kr. = 240 Pfg.

 

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