Jahrgang 2019 Nummer 34

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline – Fortsetzung

Zum Beheizen der Sudpfannen benötigte die Saline Jahr für Jahr sehr große Mengen Brennmaterial. Von ihren Anfängen im 17. bis weit ins 19. Jahrhundert hinein verbrannte der Staatsbetrieb allein Holz, dann auch Torf und Kohle. Das Holz kam über die Trift auf der Traun nach Traunstein: Die Holzknechte fällten Bäume in den Bergen, teilten und spalteten die Stämme und brachten die Scheiter von den Hängen hinunter ins Bachbett. Sie öffneten die Klause, aufgestautes Wasser brach sich eine Bahn und schwemmte das Holz aus den Bergen. Am Triftrechen in Traunstein – er ist auf einem Foto zu sehen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand – leitete man die Scheiter aus der Traun. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

In der Sakristei der Stadtpfarrkirche bewahrt der Paramentenschrank einen kostbaren silberdurchwirkten Rauchmantel, der das Wappen unseres Salzmaiers trägt, während im Innern der Kirche ein schlichtes marmornes Grabmal mit dem Familienwappen und einer ebenso schlichten Aufschrift an diesen langjährigen frommen Beamten erinnert. Das Kleinod der Kirche aber, der so herrlich renovierte Hochaltar birgt in seinem Grundstein wohl verwahrt in einer Metallkapsel einen Zettel folgenden Inhalts: »Zur größeren Ehre Gottes und Lob des heiligen Martyrers Oswald ist zur Zeit der Regierung Ihrer churfürstlichen Durchlaucht in Bayern, Caroli Alberti, den 1. Oktober 1732 bei diesem Choraltar der erste Stein durch den Titl. Herrn Zacharias von Mezgern, churfürstlicher Hofkammerrat und Salzmair allhier gelegt und von dem damaligen Kirch- und Pfarrherrn Titl. Herrn Johann Philipp Grafen von Lamperg benediziert worden.«

Nach von Mezgern’s Tod im Jahr 1744 bezog Hofkammerrat Joh. Chrysostomus von Sedlmayr das Salzmaieramt am Stadtplatz und nach ihm im Jahr 1754 Franz Gottlieb Baron von Hofmüllern. Dieser wurde 1768 vom Kurfürsten mit der Sendung zur Prälatenwahl nach Berchtesgaden betraut. Als er von dieser ehrenvollen Mission zurückkehrte, wurde er von der Bürgerschaft unter Parade der Schützen mit Salven festlich empfangen. Von ihm wird auch berichtet, dass er von 1769 bis 1774 mit den Stadtvätern in Fehde lag, weil er verlangte, die Ratsherren sollten beim Opfergehen hinter den Salinenbeamten gehen, einer der seltenen Streitfälle zwischen beiden Körperschaften, die uns bekannt geworden sind. – Ein Beispiel, wie harmonisch sich sonst der Verkehr zwischen Stadt undAugestaltete, gibt ein Einladungsschreiben des Salzmaiers von Mauperg, worin Bürgermeister und Rat herzlich eingeladen werden, an der Feier der goldenen Hochzeit des Salzarbeiters Joh. Leitner teilzunehmen. Der Rat schickte den Ratsherrn Angerlfärber Kriechbaum hin, bezahlte für ihn das Mahlgeld ein Gulden 50 Kreuzer und schenkte dem Jubelpaar sechs Schilling.

Von Hofmüllerns Nachfolger waren: Hofkammerrat Baron von Pechmann (1773-1785), Kajetan von Endorfer als Salzmaieramtsverweser und Franz Xav. Edler von Stubenrauch, welcher 1804 in den Ruhestand versetzt wurde. Er war der letzte Salzmaier.

Die nun kommenden »Oberinspektoren« Michael von Wagner und von 1807 bis 1823 Kaspar von Reiner waren zugleich Vorstände der Saline Reichenhall, während Michael Kopf und Bartholomäus Stölzl die Traunsteiner Saline allein verwalteten. Von 1832 ab sind die »Inspektoren«: Alfred Weishaupt, Karl August Bertele, Karl von Häcker, Albert von Schenk, Max von Hermann, Josef Schaub, Josef Rast, Josef Herb und Emil Günther zu verzeichnen. Der letzte, als der 27. Vorstand der Saline, Dr. ing. Heinrich Stuchlik führt den Titel »kgl. Bergmeister«.

Waren dies die Männer, die innerhalb fast 300 Jahren aus allen Teilen unseres lieben Bayerlandes an die Spitze dieser wichtigen staatlichen Einrichtung berufen waren, so ist es eine Ehrenpflicht auch jener zu gedenken, die aus dem Beamtenstand und der Arbeiterschaft der Salin selbst hervorgegangen sind und es da und dort im Vaterland zu Ehre und Würde gebracht haben.

Von dem berühmtesten derselben, Franz Seraph Edlen von Kohlbrenner hat kein Geringerer als »Lorenz von Westenrieder« eine Biographie geschrieben, der für dieses Gedenken das Wissenswerteste entnommen ist. »Es ist im ganzen Land beinahe kein Dorf und kein Haus, das seinen Namen nicht kennen sollte«, schrieb dieser hervorragende bayrische Geschichtsschreiber als langjähriger Freund unseres Landsmanns. – Und so soll es auch jetzt, hundert Jahre später, keinen Traunsteiner und keinen Chiemgauer geben, der diese Salinerkindes sich nicht erinnern wollte, jetzt, da die Lehrstätte seiner Berühmtheit zu Grabe getragen wird.

Kohlbrenners Ahnherr Wolfgang tat sich als Holztriftmeister besonders hervor durch vorzügliche Dienste, die er dem hiesigen Salzsudwesen leistete. Seine zwei älteren Söhne folgten ihm in diesem Amt, während der dritte Sohn Rupert, als der Vater unseres Franz Seraph, im hiesigen Salzmaieramt angestellt war. In der Zeit von 1719 bis 1752 hatte er zuerst die Aufsicht über die rechtmäßige Verfertigung der Salzfässer und deren Tarierung zur Salzfüllung, dann über die ganzen Salzmateriale der hiesigen Saline. Zwei weitere Söhne jenes Wolfgang Kohlbrenner verschafften sich als Kunstmaler Namen, nämlich Martin, der unter anderem am Münchner Etalerhaus ein Freskogemälde fertigte und auch im alten Kloster Seeon Verschiedenes malte, und Johann, der sich in unsrer engern Heimat mit dem Altarblatt des linken Seitenaltars zu Maria-Ed verewigte.

Der Stolz der Kohlbrenner aber und nicht minder seiner Heimatgemeinde war also Ruperts Sohn, Franz Seraph geworden. – Geboren am 17. Oktober 1728 zu Traunstein fand er, »kaum konnte er die Feder halten«, wie Westenrieder wörtlich sagt, die erste Beschäftigung beim hiesigen kurfürstlichen Bräuamt, dann im Salzmaieramt, wo sein erstes Verdienst die Neuordnung des Archivs bildete, das zu Kriegszeiten in Unordnung geraten war. Als Kohlbrenner später gelegentlich einer kurfürstlichen Visitation des Salinenwesens das Protokoll aufzusetzen hatte, erregte er Aufsehen bei der Kommission, die alsdann allen Einfluss geltend machte, dieses »nützliche Phänomen«, näher nach dem Ziele ihrer Geschäfte, nach München zu bringen. 1753 kam er dorthin, gewann durch mehrere Aufsätze des kurfürstlichen Max Josef edle Gunst und stieg bald vermöge seiner Erfolge bei dem reichenhallischen und halleinischen Salz- und Waldwesen, als Schriftsteller und Kameralist und seiner Verdienste um Aufklärung wegen von Stufe zu Stufe empor. Er war auch der erste Herausgeber des »Bayerischen Intelligenzblattes«, was ihm allerdings viel Unangenehmes einbrachte, und stand besonders an der Spitze einer Bewegung, die die Einführung des deutschen Volksgesangs in der Kirche zum Ziele hatte. Er dichtete sogar selbst einige Gesänge, und gar anheimelnd dringt es in unser Gemüt von Westenrieder zu hören, dass Kohlbrenner an unsere St. Oswaldskirche ein ansehnliches Legat vermachte, dessen größter Teil dem Chorregenten, Organisten und den Sängern gelten sollte, »damit sie in den monatlichen und donnerstägigen Prozessionen das Pange Lingua, beim Segen: »Wir beten an …« das ganze Jahr hindurch singen, ferner den deutschen Ölberg an den sechs Donnerstägen der Fasten halten möchten«. Wegen all dieser Verdienste wurde Kohlbrenner, nachdem er bereits früher Hofkammer-, Maut- und Kommerzienrat geworden, von Kurfürst Karl Theodor in den erblichen Adelsstand erhoben. Sein Adelswappen enthält als hervortretendes Symbol seines Werdegangs die Salzscheibe in blauem Felde. In diesen Blättern ist wiederholt ein Werk Kohlbrenners zitiert, das mit deutlicher Sprache von der Liebe und dem Interesse zeugt, wie er sie seiner Heimat zugewandt, welches vor allem so wertvolle Beiträge zur Geschichte hiesiger Saline enthält.

»Ob ihm wohl gedankt wurde dafür, dass ihn die aufgehende Sonne, dass ihn die untergehende Sonne beim Pulte sah?«, sagt Westenrieder darauf hinweisend, wie oft und bitter sein getreuer Freund von der Mitwelt verkannt wurde. »Es ist meine Pflicht, jungen, lieben fleißigen Männern nichts zu verhehlen, was ihnen auf dem Weg des Arbeitens für das Vaterland gleichfalls begegnen kann, wahrscheinlich begegnen wird, damit sie sich ja nicht in schönen Träumen einbilden, man werde dafür, dass sie mehr tun als tausend andere, ihren Weg mit Rosen und Veilchen bestreuen, - damit sie dann nicht über Geistlosigkeit und Kälte ihres Zeitalters klagen, vom Undanke sprechen, und mutlos und der guten Sache abtrünnig werden«. Zum Schlusse dieser Biographie sagt Westenrieder: »Und so lege ich Kohlbrenners Leben für die Nachwelt nieder, und dies nicht ohne Stolz auf unser Zeitalter«.

Von Kohlbrenner starb in München unverheiratet am 6. Juni 1783 und wurde auf dem Gottesacker zu St. Salvator begraben.

In seiner Heimat lebt die Erinnerung an ihn im Werke fort mit seinen edlen Stiftungen: In der St. Oswaldspfarrkirche mit einem Jahrtag und obiger Stiftung, in der Schule mit einer Dotation von 1260 Gulden, in der Salinenkapelle in einem vergoldeten Partikel mit einer Reliquie des heiligen Rupert, und in Siegsdorf mit dem Schulbenefizium. Als hervortretende Persönlichkeit ist ferner zu nennen Veit Oberhauser, geboren 1737 als Bauerssohn auf dem Geiergut bei Ruhpolding, der sich durch seine autodidaktische Bildung vom Zimmermann zum Salinentriftmeister emporarbeitete und als solcher in Ruhpolding sehr verdienstvoll wirkte durch bahnbrechende Verbesserungen im Weg- und Uferschutzbau. Seiner Heimatspfarrkirche Ruhpolding widmete er 1796 eine herrliche »Fügener« Orgel. Von der Bedeutung dieses Mannes zeugt auch der Umstand, dass ihn der berühmte Hofmaler M. Edlinger malte, welches Bild dann von einem Wiener Meister für eine Bildnissammlung berühmter Männer in Kupfer gestochen(1) wurde. Die Inschrift für seinen Grabstein(2) im Ruhpoldinger Friedhof – Ostseite der Kapelle – verfasste der berühmte Josef von Utzschneider. Auch von einem hervortretenden Salinenwaldmeister ist zu berichten, Franz Xaver Heldenburg, der 1765 in Reichenhall geboren, um 1800 in Ruhpolding seines Amtes waltete und sich durch mehrere wertvolle Abhandlungen über Forstsachen einen Namen in der Gelehrtenwelt machte. Weiter erzählt uns Max Fürst in seinem für die Heimatkunde so wertvollen »Biographischen Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach« von einem Maler Josef Winkler, dem Sohn eines Salinenzimmermanns in der Au, den seine außergewöhnliche Veranlagung zu Ausübung der Landschaftsmalerei nach München führte. Durch den Einfluss hochgestellter Kunstfreunde gewann er selbst vorzügliche Beziehungen, die ihm zu großen Erfolgen verhalfen. Wiederholt brachte er hervortretende Gemälde, meistens seine Lieblingsmotive aus der Alpenwelt in die Kunstausstellungen. Er starb 1877 in München.

Auffallend oft begegnen wir weiters Söhnen der Salinengemeinde als Träger der Priesterwürde: Ein Sohn des zweiten Salzmaiers von Großschedl war Inhaber des Edlweckschen Benefiziums in Traunstein, ein Salinenbeamtenssohn Johann Anton Dichl um 1743 ebenfalls, nachdem er vorher Schlosskaplan zu Grabenstätt gewesen, der Salinenarbeiterssohn Wolfgang Mader war um 1690 Ziernberger Benefiziat hier, der Autischlersohn Abraham Lainer Kapuziner hier, ein Salzauflegerssohn Georg Egger um 1779 Benefiziat in Sparz unter anderem.

Außerdem treffen wir 1690 einen Salzfertigerssohn Hieronymus Lackner als Augustinerchorherrn in Herrenchiemsee und um 1700 dorten die Autischlerssöhne Marian Rainer und Hartmann Gaiseder; letzterer war um 1700 Pfarrer in Aschau. Dem alten Benediktinerstift zu Wessobrunn erwuchs mit dem Salinenarbeiterssohn Cölestin Leutner(3) ein hervorragender Gelehrter, der dem Stifte unter anderem eine wertvolle Geschichte schrieb und später in Freising und Salzburg 12 Jahre als Professor der Redkunst wirkte. Dessen Bruder Georg Leutner, geboren 1697, war gleichfalls hervorragend geistig veranlagt und befasste sich hauptsächlich mit der Dichtkunst. Er war einige Zeit Kapuziner hier, musste aber den Orden aus Gesundheitsrücksichten wieder verlassen. Zum Schlusse wissen wir noch von zwei Autischlerssöhnen dem einen, Karl Pirghuber, der 1760 in Salzburg Regens war, und dessen Bruder Franz, Professor dortselbst, auch von einem Paul Oberhofer, Salinenarbeiterssohn, der 1699 zu Höglwörth dem Augustiner-Orden angehörte und als Pfarrer von Anger starb.

Einzig dastehend endlich für diesen Rückblick ist der Name »Sedlmayr«, des 9. Salzmaiers der Saline Au, der drei Söhne dem geistlichen Stande widmete.Um1782 finden wir Sebastian und Dominikus von Sedlmayr als Augustinermönche und Professoren der Theologie in Bernried und Augustin von Sedlmayr um dieselbe Zeit als Abt im alten Benediktinerstift Seeon, während ein Bruder dieses Salzmaiers, Franz Ignaz Salinenkaplan zu Traunstein war. Augustin führte den Krummstab des berühmten »Gerhard von Seeon«, denselben Krummstab, der jetzt in der Linken der Rupertusstatue ruht, welche alljährlich bei der Fronleichnamsprozession in Mitte der Salzzunft durch die Stadt und Au getragen wird.

Und wie man heute mit einer gewissen Wehmut zurückblickt auf jene erhabenen Pflanzstätten mittelalterlicher Klosterkultur, so wird im Chiemgau das Andenken an das einst so blühende Salzwesen in Traunstein und die ehemalige fürstliche Hofmark Au fortleben, welche so manch tüchtigen Sohn hinaussandte in diese christlichen Bildungsstätten.

Schließlich erübrigt es noch zu erinnern, dass gegenwärtig 35 Söhne der Salinengemeinde Au in königlichen und städtischen Diensten stehen, darunter der Sohn eines Salinenholzhofverwalters, Fritz Söllner als rechtskundiger Bürgermeister, den des Geschickes Mächte dem »reichen Hall« an die Spitze gestellt haben, wohin das Traunsteiner Salzwesen jetzt wieder zurückkehren muss, nachdem es dort Jahrhunderte lang gewirkt. – Auch des Sudmeistersohnes Anton Schroll, Benefiziaten in Indersdorf ist namentlich zu gedenken als des letzten Auerkindes, das bei der Salinenkapelle die hohe Feier der Primiz begangen hat, und des jüngst als Benefiziat in Landshut verstorbenen Salinenarbeitersohnes Franz Sales Mayer, der sich gelegentlich Restaurierung des Hochaltars der Stadtpfarrkirche ein dankbares Andenken sicherte.

Eine Dankespflicht erheischt es endlich auch, diesen Blättern noch das Memento jenes der Saline entwachsenen Josef Bachmaier anzufügen, den seine Heimatgemeinde dadurch dem Glück entgegenschickte, dass sie sein Gesuch abwies, sich dort als Schirmmacher niederlassen zu dürfen: Er wandere nach Amerika aus, kam als reicher Mann zurück und – vergalt Böses mit Gutem, indem er sowohl seiner Heimatgemeinde Au wie auch der Stadt Traunstein je 50000 Mark vermachte, deren Rente hier wie dort alljährlich hilfsbedürftigen Gemeindeangehörigen zugewendet wird. Nach ihm ist auch eine Straße der Stadt »Bachmaierstraße« benannt.

5. Vom Salinenbetrieb

»Wie viel diese Fabrik oder Saline Familien bey der Wurzel ernährt«. – Unter diesem Titel schreibt von Kohlbrenner, dessen Vater ja selbst an hiesiger Saline »bey der Wurzel« zehrte, von den damaligen Personalverhältnissen: »Die Saline nährt bloß an Salzarbeitern über 100 Familien bei 550 Seelen.« – Das war nun zu einer Zeit, da der Salinenbetrieb in voller Blüte stund. 100 Jahre später zählte die Betriebsmannschaft nur mehr 86 Köpfe mit circa 150 Familienmitgliedern und jetzt 60 Mann mit circa 130 Familienmitgliedern. Hatte die Gemeinde Au um 1861 zum Beispiel 700 Einwohner, so sind es jetzt bei Auflassung der Saline 647 Seelen. Zu Beginn des Salzsiedens dahier fanden sich unter der Arbeiterschaft, welche »Pfannhauser« oder »Arztvolk« (im ganzen) genannt wurde, ein Grießmeister, Pfannhausmeister oder Meisterperer mit zwei Zuperern, welche das Salz aus der Pfanne zu heben und in die Perkufen und Kufenmodelle der Salzstöcke zu schlagen hatten; ferner gab es Schragenmänner, Haufensetzer, Salzbereiter, Salzhauer und Scheiber oder Kufer, welche die Scheiben oder Kufen bezw. Fässer verfertigten. Peetz kennt außerdem noch zwei Zuzieher, einen Wassergeber, der auch das Holz in den Ofen schoss, einen Ortner und zwei Podinger (Bottichfüller).

Heute gibt es bei der Saline »Werkmeister« (bis vor kurzem Sudmeister genannt), welche die Aufsicht über das Sieden führen, »Heizer«, welche die Salzöfen heizen, »Sieder«, welche das gewonnene Salz aus den Pfannen ziehen (=Ziager) und es auf den Dörrpfannen trocknen (Dürrer), »Bodenkehrer«, der für Ordnung und Reinlichkeit von Material und Räumen sorgt, »Karrenzieher« oder »Kaltheizer«, die das Brennmaterial herbeischaffen, und »Verschleißer«, welche das Salz unter Aufsicht von »Steueraufsehern«(4) in Säcke verpacken und allvormittags in die Waggons verladen. Dazu kommen noch wie von jeher eigene Bauhandwerker als Schlosser, Zimmerer und Maurer.

»Die ganze Kunst bey dem Salzsieden, physikalisch betrachtet, beruhet auf Beobachtung der erforderlichen Zeit, in Haltung des gleichen Feuers, um die Sole immer in gleichem Sud zu erhalten, damit die Austreibung der süßen Dünste ihren erforderlichen Zeitraum gewinnen möge: dann schießen auch die Salzkristalle williger an und setzen sich häufiger zu Boden«. – So der unsrer Saline entwachsene Kommerzienrat Franz von Kohlbrenner. Weiter erzählt derselbe: »Das erzeugte Salz wird in hölzerne Gefäße, welcheman Perkufen(5) nennt, eingeschüttet, dann werden diese Salzstöcke (Fuder) von der Pfanne in die Harthäuser (Pfiefel), das sind gemauerte Gewölbe und Dörröfen abgetragen, auf einem Gerüste bey 18 bis 20 bis 24 Stunden lang, bey verschlossenen Thüren mit stäts geheiztem Ofen (brennendem Stern) gedörret, und dann klingen sie wie eine Glocke. Diese Masse oder Körper von Salz werden ‚ 'reiche Fuder' genannt zu 55 bis 60 Pfd. netto und können 15 bis 20 Meilen weit ohne Gefäß ohne Zerbrechen mit unterlegten Stroh verführt werden. In älteren Zeiten hat mans auch in Plachen zerstoßen aufs Land geführt und wurde von den Käufern Plachensalz genannt. – Was nicht an bloßen Salzfudern verkauft wird, das stoßet man in hölzerne Geschirre nämlich in Fässer und Scheibenfässl ein, dabei ein ganzes Fass über 480 Pfd. Salz netto und ein Scheibenfässel wenigst 150 Pfd. netto enthält, und man verkauft sie auf den churf. Salzniederlagen. – Man gewinnt an Salz bey einer Wochensud auf einer Pfanne über 2000 Zentner.« – Die älteste Form der Salzgefäße waren die Scheiben, scheibenförmige niedere Holzgefäße, in die das Salz eingestoßen wurde; nebenher gab es Putzen und Krötel. Der Putzen war nach Schmellers »Bayerischem Wörterbuch« ein kleines Salzgefäß; vom Krötel schreibt er: »Vielleicht ein Art Korb, der vier Scheiben hielt«. Die bereits ober gebrauchte Bezeichnung »Kufe« ist später vom »Faß« abgelöst worden. – Über Beschaffung und Verbrauch von Brennmaterial siehe unter Absatz zwei dieses Kapitels.

Wie schon aus der besprochenen Veränderung in der Arbeiterbezeichnung hervorgeht, hat sich der Betrieb in den Salinen um vieles im Lauf der Jahre vereinfacht; mit manch origineller Benennung ist auch manch originelle Arbeitsart verloren gegangen das heißt modernerer Einrichtung gewichen. Während früher das zum Kufen(6) brauchbare Holz in den Salinenwaldungen mit Sorgfalt geschont werden musste, um in den Kufenwerkstätten verarbeitet zu werden, und während noch bis vor 30 bis 40 Jahren die gesamte Holzarbeit hauptsächlich im Dienste der Salzpfannen stand, hat nunmehr der Wald sowohl zu diesem als zu jenem Zweck jene große Wertschätzung eingebüßt. – Das machen heute die in- und ausländischen Hanffelder(7) und die unterirdischen Schätze der Erde: Kohle und Torf. Und so kennt man heutzutage weder die umfangreichen Arbeiten in der Pfiestlstätte mehr noch in den Kufenstuben, wo auch Frauen Beschäftigung fanden. Dafür wird das Salz einfach in die billigeren rupfenen Säcke gefüllt, die als Zier das bayrische Rautenwappen tragen und früher in der Salzsackmanufaktur in Schellenberg(8), jetzt in Kempten verfertigt werden. Die Spedition des Salzes in Fässern hörte sich aber in Traunstein erst vor kaum vier Jahrzehnten ganz auf. Der allmählichen Verbesserung und Vereinfachung des Betriebes beim Salzsieden entsprechend ist auch der Netto-Preis (ohne Steuer und sonstige Zuschläge) des Salzes im Lauf der Zeiten verhältnismäßig gefallen.

Im Jahr 1368 kostete zur Zeit einer großen Teuerung ein Salzstock(9) acht Wiener Pfennige. Eine Pergamenturkunde von 1396 ferner, einen herzoglichen Erlass betreffs Salzniederlage und Salzverkauf in Reichenhall, Traunstein und Wasserburg enthaltend, überliefert den damaligen Preis des Salzes mit den Worten: »Die von Hall sulln ain waychs Fuder(10) geben umb siben Pfennig und ain harttes Fuder(10) umb acht Pfennig«. – Je weiter entfernt von der Sudstätte das Salz dann abgesetzt wurde, um so höher stellte sich naturgemäß sein Wert, zumal sich ja auch an den verschiedenen Niederlagen noch die jeweiligen Zuschläge, als Zölle, Scheibenpfennig, Fuderkreuzer unter anderem sich hinzugesellten.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Anmerkungen:

1) Ein solcher Stich unter Glas und Rahmen ziert obenerwähnte Orgel.

2) »Hier ruhen die irdischen Reste des kurfürstlich bayerischen traunsteinischen Salinentriftmeisters und Salinenholzlieferanten Veit Oberhauser. Er starb, nachdem er mit edlem Eifer viel gewirkt und geleistet, aber auch viel gekämpft und gelitten hatte, nach dem Empfang der heiligen Sterbsakramente den 23. Februar 1809, 72 Jahre alt. Er war ein mathematisch tiefer Denker und ein echter Christ«.

3) Siehe auch: Literaturgeschichtl. Reminiscenzen etc. von Max Fürst im Unterhaltungsblatt des Traunsteiner Wochenblatts 1910 Nr. 15.

4) Diese gehören nicht zum Salzsudwesen, sondern zum Salzfeueramt.

5) Mit der Form eines abgestumpften Kegels.

6) Fassbinden.

7) Die Salzsäcke werden aus Flachswerg (Jute-Salzsackleinen) fabriziert.

8) Als Ersatz für die im Jahr 1806 hier aufgelassene Saline 1817 errichtet, schon seit längerer Zeit eingegangen.

9) = ein Fuder zu 55 bis 60 Pfund.

10) Unter »weich« ist hier »feucht«, nass zu verstehen, unter »hart« »trocken«, ganz ausgedörrt« (gefieselt).

 

34/2019