Jahrgang 2019 Nummer 33

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline – Fortsetzung

Die Kamine für die Salzgewinnung in Traunstein rauchten im Jahr 1910, als Anton Grainer auf den Turm der Stadtpfarrkirche St. Oswald stieg und von hoher Warte aus den Salinenbezirk in der Au fotografierte. In diesem Jahr beschloss der Landtag, die Saline in Traunstein stillzulegen. Er entschied sich für eine Konzentration der Salzherstellung am Standort Reichenhall. Zwei Jahre benötigte der Staat, um die Angelegenheit abzuwickeln. 1912 stellte die Saline Traunstein ihren Betrieb ein. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

3. kirchlich kulturelle Folgen des Salzsudwesens

Die enge Beziehung des Salzes selbst zum Überirdischen ist so alt wie das Bedürfnis der Menschen, das Salz zu genießen. Und wenn wir auffallenderweise gerade im Chiemgau wiederholt Altäre und Gelübdesteine antreffen, die neben Jupiter Bedaius en Alaunen geweiht sind als den überirdischen Behütern der Salzquellen, so finden wir obige Beziehung damit schon seit jenen fernen Zeiten bewiesen, da die römische Salzstraße unter den Märschen der kaiserlichen Legionen in und um unser heutiges Traunstein dröhnte. Die altkirchliche »Benedictio maior salis et aquae« aber, das ist die Weihe von Salz und Wasser, wie sie, vielleicht als ehedem heidnisches Kultmittel in christliche Verhältnisse übertragen, schon im 9. Jahrhundert besonders in der Erzdiözese Salzburg zum Gebrauch bei verschiedenen Segnungen, zum Beispiel der Pferde und des Nutzviehs üblich war(1), leitet uns über in das erste christliche Zeitalter, wo die Nachfolger des hl. Rupert die Oberhirten des Chiemgaus waren. Und heute noch ist das Salz das erste trockene Genussmittel, das der neue Erdenpilger gelegentlich der Taufe von der Kirche zu kosten bekommt.

In trefflicher Weise verquickt das Bild des Taufaltars in der Pfarrkirche zu Traunstein – auch Altar der Salzzunft – die Versinnbildung dieser heiligen Handlung und des Salzwesens. Es zeigt die Taufe des bayrischen Herzogs Theodo II. durch den Salzpatron Rupert um 696 in Regensburg, den hochbedeutsamen Akt, mit welchem dieser, von dem Bayernfürsten als Lehrer des Heils von Worms her in unser Land gerufen, seine in der Folge so segensreiche Missionstätigkeit beginnen durfte.(2)

900 Jahre später – um zu den Folgen unseres Salz-Sudwesens für die Kirche überzeugen – errichtet der große Wittelsbacher Kurfürst eine neue Saline, welche dem kirchlichen Leben ihrer Einflusssphäre ungeahnt viel Gutes brachte; denn Max sorgte nicht allein für das leibliche sondern auch für das geistige Wohl seiner Landeskinder. Kaum waren die Pfannen alle in Betrieb gesetzt und das Personal in den neuen Behausungen heimisch geworden, da gründete er schon eine eigene Kirche mit Kaplanei sowie eine Schule für die junge Gemeinde und zwar ganz auf Kosten der Salzmaieramtskasse, das heißt des Gewinns aus dem Salzsudwesen. Am 26. Mai 1630 legte Propst Heinrich vom Augustinerstift Baumburg mit dem Pfleger von Traunstein Graf Ladislaus von Törring nach einer feierlichen Messe, die vor dem alten Salzstadel auf der Stadt gehalten wurde, den Grundstein zur Salinenkapelle unter dem Beisein des Salzmaiers, sämtlicher Beamten und Arbeiter sowie Vertretungen der Stadt. Die Schule, welche von eigenen Lehrern unter der Oberleitung der Kapläne besorgt wurde, ward 1648 eröffnet. Der erste Lehrer war Nikolaus Fösl.

Mit rührender Freude erzählen noch alte »Saliner« von den ergreifenden Feiern der »Preisverteilung« in der Salinenkapelle, wobei vor der ganzen Beamtenschaft und Gemeindevertretung unter Trompeten- und Paukentusch die besten drei Auschüler ausgezeichnet wurden. Im Jahr 1869 wurde die Salinenschule mit der Stadtschule vereinigt(3). Sie hatte bis dahin zwei Elementarlehrer, eine Zeichnungslehrer und eine Arbeitslehrerin.

Die Salinenkapelle, welche aus Quadern von rotem Marmor unter Verwertung byzantinischer Centralanlage im Renaissancestil mit gotischen Anklängen von dem Traunsteiner Meister Wolf König mit einem Kostenaufwand von 7716 fl.(4) erbaut wurde, bildet in ihrem Innern und Äußern eine Zierde der Stadt. Das Hauptaltarbild ist ein Werk des berühmten Münchner Malers Ulrich Loth, gest. 1660. Es stellt die Heiligen Rupert und Maximilian dar, denen die Kirche am 16. September 1671 – als dem Salzpatron und dem Namenspatron des Erbauers – mit großer Feierlichkeit von Joh. Franz Grafen von Preising auf Hohenaschau, dem damaligen Bischof von Chiemsee, geweiht wurde. Die beiden Seitenaltäre mit Altarblättern, die Heiligen Joh. Von Nepomuk(5) und Franz Xaver darstellend, gemalt 1756 vom Münchner Maler Schöpf, wurden erst 1757 in die Kirche eingebaut. Neun Jahre darauf übersandte Abt Beda von St. Peter in Salzburg eine Reliquie vom Arme des heiligen Rupert, welche mit großer Freude und Verehrung empfangen und nach festlicher Prozession im Hauptaltar der Salinenkapelle eingesetzt wurde. 1772 feierte die Hofmark den 100. Jahrestag der Konsekration ihrer Kirche, wobei der Propst von Baumburg erschien und mit Inful und Stab das Hochamt hielt.

Aber nicht immer nur Festesklang und Jubelfreude drangen in diese geweihte Halle; viel öfter wohl sahen die beiden heiligen Bischöfe ihre Schutzbefohlenen von Unglück und Bedrängnis erschüttert vor ihrem Altar, so besonders nach 1851, wo die Salinenkapelle bis zur Wiederherstellung der ausgebrannten Stadtpfarrkirche diese zu vertreten hatte. – Im Jahr 1801 musste auch die Salinenkapelle 3 Pfd. und 3 Loth Kirchensilber in alten liebgewonnenen Ziergegenständen und einen Kelch zur Abzahlung von Kriegsschulden nach München schicken; 1804 dagegen erhielt sie von der Kirche Maria Eck, welche bei den Klosteraufhebungen geschlossen werden musste, zwei Glocken. Und so hätte diese Kirche ihre eigene große Geschichte, wie sie ja größtenteils im Vorausgegangenen schon berührt wurde beim Stadtbrand von 1704, bei den vielen hohen Fürstenbesuchen und anderen Gelegenheiten.

Namentlich sind hier die geistlichen Hüter der Salinengemeinde, die »Hof- und Salzprunkkapellane« der kurfürstlichen Hofmark, wie sie anfangs hießen, hervorzuheben. Deren erster war Max Alexander von Göschl (1630-1714), ihm folgte Joh. Placidus Eggermayer (1670-1714), unter welchem die bis heute bestehende Salzzunft ins Leben gerufen wurde. Dieselbe wirkte besonders in den Zeiten der Not viel Gutes; in letzter Zeit tritt sie nur mehr bei kirchlichen Anlässen, Fronleichnam, an Jahrtagen und bei Leichenbegängnissen auf. Eggermayr vermachte der Stadt sein Haus mit Grundstück. Ihm folgte der ehemalige Stadtkooperator Anton Altherr (1714-1740), welcher von Kurfürst Karl Albert den Titel eines geistlichen Vaters und Hofkaplans erhielt. Da er auf dem am 1. Oktober 1732 konsekrierten neuen Hochaltar(6) der 1704 ausgebrannten Stadtpfarrkirche die erste Messe, ein levitiertes Hochamt in neuem Ornat las, verdient er für gegenwärtige Erinnerungen besondere Würdigung. Vom nächsten Kaplan Ignatz von Sedlmayr (1740-1777) ist bekannt, dass er der Salinenkapelle einen silbernen, vergoldeten Kelch und einen Rauchmantel schenkte. Weiter folgen Franz Eberhardinger, Mich. Riefer, Mich. Wagner, Ant. Sällinger, Augustin Benzinger, Simon Steiner, Huber, Schneider, Thalmaier, Jörg, Hauser, Sebastian Stadlhuber und als Letzter der vormalige 1. Stadtpfarrkooperator von St. Oswald, Felix Riedermayer.

Als eine Folge der durch die Saline vermehrten Seelenzahl ist dann zu erwähnen, dass Kurfürst Maximilian I. Kapuziner nach Traunstein beorderte, damit sie in der Fastenzeit Predigten und Christenlehren hielten, auch die Untertanen zur willigen Leistung der bedeutenden Kriegssteuern in Predigten zu ermahnen, wie Wagner erzählt. Solchen Fastenpredigten des Jahres 1628 verdankt die Corpus-Christibruderschaft ihre Entstehung.(7) Sie wurde durch freiwillige Beiträge der Einwohnerschaft, besonders aber durch die Schenkung von 3000 Gulden von Seite »Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht« Max I. gegründet. Auch musste die Salzamtskasse laut kurfürstlichem Rescript von 1629 jährlich 150 Gulden, das sogenannte »Kirchenbannsuder« dazu beisteuern, »damit das Salzsudwesen einen ersprießlichen Fortgang nehme.« 1631 bewilligte der Kurfürst weiter, dass von jeder Sud, die an einem Sonn- oder Feiertag gemacht werde, gewissermaßen als Sühne für die Entheilung des Sonntags, zwei Bannsuder Salz der Bruderschaft auszubezahlen seien, was jährlich 240 Gulden eintrug. Diese Gelder, welche bis heute von der Salzamtskasse abgeliefert wurden, fanden zur Verherrlichung des Gottesdienstes in der Pfarrkirche und zu wohltätigen Zwecken edle Verwendung. Die Kapuziner aber erhielten in dem der Stadtkirche angebauten Bruderschaftsgebäude ein Asyl, bis ihnen im Jahr 1686 ein eigenes Kloster erstand für 15 Patres, sechs Novizen und fünf Brüder, das jetzige Institut der Englischen Fräulein mit dem heute noch »Klosterkirche« genannten Gotteshaus. Das Kapuzinerkloster wurde 1806 aufgehoben.

Gehen wir dann etliche Schritte weiter, so begegnen wir abermals einer kirchlichen Einrichtung, die in erster Linie neben der großen Sterblichkeit zur Pestzeit in der Vermehrung der Seelenzahl durch die Saline begründet ist: dem Gottesacker mit dem vom Stadtplatz dorthin verlegten St. Georgskirchlein. In diesem Friedhof ruhen seit 1639 Hunderte von Beamten und Arbeitern der Saline, in der St. Georgskirche – 1654 vom Chiemseebischof Vigilus konsekriert – einige Salzmaier, so die Familie von Großschedl und von Feuri unter anderem, soweit sie in Traunstein ihr Lebensende erreichten oder nicht, wie von Mezgern, in der Stadtpfarrkirche ein Ehrenplätzchen fanden; die Kapläne bis incl. Altherr liegen ebenfalls in der Pfarrkirche begraben.

Hier verdient noch folgende Episode Erwähnung: Im Jahr 1821 wurden mit großer Feierlichkeit die Gebeine aus der Kapuzinergruft in den Gottesacker überführt in vier Särgen, welche von acht Bürgern und ebensoviel Salinen getragen wurden. Daraus ergibt sich eine Bestätigung der vorhin besprochenen näheren Beziehung des Salzsudwesens zu den hiesigen Kapuzinern und zum Gottesacker.

Zwei Jahre nach Auflassung desselben ist nun auch seines Urhebers Ende gekommen – ein Zufall, der gewissermaßen geeignet wäre, diese ebenfalls der Geschichte verfallene Totenstadt zum »Salinenfriedhof« zu stempeln.

In Traunstein besitzen wir außerdem noch kirchliche Denkmale vom Salzsudwesen an der sogenannten Autischler-Kapelle, welche 1832 der Salinentischler Bachmayr auf seine Kosten erbauen ließ, und mit dem Sparzer-Kirchlein, welches der Salzmaier von Mauperg zuerst unter dem Schatten der mächtigen Linden oberhalb der Traun errichtet hat. – Den »Traunstein« unten aber haben die Salinenarbeiter im Jahr 1850 mit einem mächtigen Holzkreuz geschmückt, an dessen föhrenbeschatteten Felsensockel gar oft die gefürchteten Hochwasser der Traun ihre schäumenden Wogen ohnmächtig schleudern; sie können diesem Traunstein nicht an – die Fluten der Zeit aber haben dem Traunstein dort drüben seinen Grundstock, das Salzwesen, unterwühlt und mit fortgespült.

Verfolgen wir die Traun aufwärts ins herrliche Miesenbachtal, vorbei an Siegsdorf, wo dereinst am Tannberge jahrhundertelang die St. Perterskirche stand, welche angeblich den Anlagen für die Reichbachsche Hebemaschine zur Soleleitung nach Rosenheim weichen musste, so fällt schon vor der Einfahrt zum Bahnhof in Ruhpolding rechts ein reizendes Kapellchen, an das heutige Forstamt angebaut, auf. Diese Kapelle diente den Bewohnern des alten Jagdschlösschens und ihren Gästen zur Erfüllung ihrer Christenpflichten; sie wurde 1656 erbaut, 1754 nach einem Umbau vom Bischof von Chiemsee und 1847 nach einer Erweiterung und Verschönerung von Pfarrer Sailer in Ruhpolding feierlich benediziert. In derselben Zeit wie diese Kapelle erstand auch in der abgelegenen Urschlau ein gar liebliches Kirchlein durch die Wohltat des Bauern Wolfgang Urschlauer, was auch den vielen Holzarbeitern, Köhlern und Forstleuten – die Einwohner der ganzen Gegend nährten sich ja größtenteils außer durch Alpenwirtschaft durch Holz- und Kohlenlieferung an das Salinen- und Hüttenwerk in Traunstein bzw. Bergen – zu gute kam. Sie wurde wie obige Schlosskapelle im Jahr 1754 vom Chiemseebischof geweiht. Vor allem natürlich war es eine Folge der Errichtung der Holzmeisterschaften, der Triftanstalt und der Vermehrung des Forstpersonals, dass die Hauptkirche zu Ruhpolding zu klein wurde. Im Jahr 1738 wurde mit dem Bau einer größeren begonnen, welche am 21. Juli 1757 vom Bischof von Chiemsee geweiht wurde. So ließ das Salzoberamt Reichenhall in Weißbach an der alten Salzstraße bei den Brunnhäusern der Soleleitung zum religiösen Bedürfnis des dortigen Arbeitspersonals ein schmuckes Kirchlein erbauen, das inmitten dieser großartigen Bergeinsamkeit den naturbegeisterten Wanderer an den Schöpfer dieser prächtigen Welt erinnert.

Von manchem Edlen und Erbauenden wäre wohl noch zu berichten, was die Traunsteiner Saline in diesem Sinne mit sich gebracht, dem Schreiber dieses aber nicht bekannt geworden ist. Das Erzählte aber wird in manchem Herz stille Wehmut wecken und es ahnen lassen, was unsere Vorfahren empfunden, als sie am Oswalditag des Jahres 1619 früh morgens beim festlichen Dankamt für die glückliche Vollendung der Sudwerksanlagen den Segen auf das zur selben Zeit begonnene Salzsieden herabflehen; wird die hohe Bedeutung der Tatsache erkennen, dass dem sonntäglichen Kanzelgebet der Stadtpfarrkirche ein eigenes Gedenken für »das gnadenreiche Salzwesen« beigefügt wurde.

Möchten all diese Denkmale an unsre Väter gottvertrauende Zeiten noch weiteren Segen spenden, auch wenn der Salzdunst der Traunsteiner Pfannen schon längst in die unendlichen Lüfte sich verzogen hat!

4. Hervorragende Männer, aus dem Salzsudwesen zu Traunstein hervorgegangen

Wenn schon von Männern die Rede sein soll, die, selbst zu historischen Persönlichkeiten geworden, einem Rückblick auf Einfluss und Beziehungen des Salzsudwesens auf der Au zu den Geschicken der Stadt einzuflechten sind, so gebührt den Vorständen der Saline die erste Stelle.

Herren mit fast unumschränkter Gewalt, die selbst die Gerichtsbarkeit in der Salinenhofmark inne hatten, waren die »Salzmaier«, welchen Titel die Salinenvorstände bis 1791 führten. Von da ab hießen sie »Oberinspektoren« und verwalteten diese anfangs die Reichenhaller und die Traunsteiner Saline zugleich; von 1832 ab waren es Inspektoren, der letzte aber führt den Titel »Bergmeister«.

Die historischen Salzmaier der kurfürstlichen Hofmark Au, stets in Fühlung mit dem regierenden Fürsten und dessen Umgebung, spielten im öffentlichen Leben der Stadt Traunstein eine hoch zu schätzende Rolle. Eine Rangordnung vom 16. Februar 1655 zum Vergleich zwischen dem Salzmaieramt und der Stadt wegen der Präcedenz bei Opfern, Prozessionen und anderen Gelegenheiten führte ihn gleich nach dem kurfürstlichen Hauptpfleger.

Wiederholt begegnen uns die Salzmaier in der Geschichte der Stadt. Der erste, Carl Zehenter, ein Sohn des Salzmaiers in Reichenhall war Besitzer des großen Sparzer Gutes, welches Besitztum vor 16 Jahren die Englischen Fräulein in ein modernes Mädcheninstitut umgewandelt haben. Ihm folgte 1625 Heinrich von Großschedl, ein Traunsteiner Bürgermeisterssohn, der vorher der erste Salzamtskassier der Saline gewesen war. Er durfte am 21. Oktober 1648 den aus seinem Exil in Salzburg infolge des westfälischen Friedens wieder in sein Land zurückkehrenden Gründer der Saline samt dessen hoher Familie beherbergen. Großschedl hat heute noch einen guten Namen in Traunstein, manche Stiftungen, eine Straßenbenennung und besonders das sogenannte »Großschedlzimmer« im Hause des Gerbermeisters Lackenbauer erinnert noch an diese Familie, das mit seiner reich mit Schnitzwerk ornamentierten Holzdecke und den schönen Renaissancetüren, deren eine die Jahreszahl 1696 trägt, ein vielumworbenes Erbstück aus alter gut bürgerlicher Zeit, eine Sehenswürdigkeit Traunstein bildet. Auch eine Stiftung, von deren Rente alljährlich am Allerseelentag Brot unter die Armen verteilt wird, trägt den Namen »Großschedl«.

Nach ihm bekleidete der kurfürstliche Rat Joh. von Mauperg von 1652-1663 das hohe Amt. Er kaufte 1655 das Sparzergut und baute daselbst eine Kapelle – »eigentlich nur einen Betstuhl« – und suchte um die Erlaubnis nach, damit ein Türmlein mit zwei Glöcklein zur Abwehr der Hochgewitter verbinden zu dürfen. Der behördliche Bescheid aber wies ihn an eine Kapelle, in welcher Messe gelesen werden könne, zu errichten; und so verdankt Traunstein das idyllisch gelegene Sparzerkirchlein unter den mächtigen uralten Linden, das unmittelbar das ganze Salinenamtsärar beherrscht und so traulich zur Stadt herüberblickt, einem Salzmaier. – Das städtische Archiv bewahrt noch ein Schreiben dieses Salzmaiers, in welchem er den Rat der Stadt einlädt, der ersten heiligen Messe beizuwohnen, die der Propst von Baumburg am 28. Dezember 1659 in dieser seiner neu erbauten Kapelle lesen werde. Von Mauperg wurde 1663 als Kriegsrechnungskommissär nach München berufen und der kurfürstliche Hofkammerrat Joh. Friedr. Widmann, Herr von Mayenhofen und Schönbronn zu seinem Nachfolger ernannt. Als diese Hochzeit hielt, verehrte ihm die Stadt eine silberne vergoldete Schale. Widmann wurde 1673 Hofkammerdirektor in München. Nach ihm kamen in rascher Aufeinanderfolge ein Joh. Georg Weiß, Joh. Kaspar Wagner, Georg Wilh. von Teuri und schließlich Hofkammerrat Zacharias von Mezgern, Edler von Meggenhofen und Ritter des Heiligen Römischen Reiches, der nun von 1700-1744 in überaus sturmreicher aber edler Tätigkeit seines Amtes waltete und am innigsten mit den Geschicken der Stadt verwachsen war. Schon 1704 sehen wir ihn bei der Deputation, die den heranrückenden Feind um Gnade für die Stadt und Saline bitten sollte; und nachdem er seinen Salzbeamten den abziehenden Feinden als Geisel mitgegeben, musste er – wie das kam, entzieht sich unserer Kenntnis – den Bürgern die Unglücksbotschaft bringen, dass ihre Stadt in der nächsten Nacht vom Feinde angezündet würde. Als nun ganz Bayern zehn Jahre lang unter österreichischer Herrschaft stand, führte Mezgern den Titel »kaiserlicher Salzmair«, da Österreich alle Beamten an ihren Stellen beließ.

Im Jahr 1742 am 10. Februar bei österreichischen Erbfolgekrieg ist es abermals der Salzmaier von Mezgern, der dem kommandierenden ungarischen Oberstleutnant von Silagio mit einer städtischen Deputation entgegenreitet, ihn um Gnade und Schonung für die Stadt zu bitten.

Mezgern war sehr begütert, unter anderem war er auch Besitzer des Hammerwerks, – jetzt noch Hammer genannt, städtische Elektrizitätswerks-Filiale – das Maximilian I. für eigenen Bedarf des Salzwesens kaufte und betreiben ließ.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Anmerkungen:

1) Siehe »Die kirchlichen Benediktionen

mit Mittelalter« von Prälat Adolf Franz 1909. Ein Überrest davon ist auch im Georgiritt zu Traunstein, in den Stefaniritten, ersterer am 2. Osterfeiertag, letztere am 2. Weihnachtsfeiertag, und manch anderen solchen Gelegenheiten zu erkennen.

2) In dem Priester, der das bischöfliche Kreuz trägt, sind die Züge des Stadtkooperators Martin Schneider festgehalten, der beim Stadtbrand 1851 das Allerheiligste aus der Kirche rettete.

3) 1755 wurde das Schulhaus, jetzt Hauptsalzamt, neu erbaut.

4) Nach einer im städtischen Museum befindlichen Aufzeichnung des Salinenarbeiters Lex.

5) Patron der Holz- und Triftarbeiter.

6) Das kurfürstliche Salzmaieramt und Bräuamt steuerten 500 Gulden dazu bei.

7) Deren erster Vorstand war Salzmaier von Großschedl.

 

33/2019