Jahrgang 2019 Nummer 31

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline – Fortsetzung

Salzgewinnung in Traunstein: In Pfannen brachte man Sole zum Sieden – Wasser verdampfte, Salzkristalle bildeten sich. Den nassen Brei, der sich ablagerte, zogen die Arbeiter, wie auf einem Foto aus der Zeit um 1910 zu sehen ist, mit sogenannten Krucken aus den Pfannen.
Das Salz, das aus den Pfannen kam, war nass. Viele Stunden musste es – was ein Foto, das um 1910 entstand, veranschaulicht – getrocknet werden. (Fotos: Stadtarchiv Traunstein)

II. Kapitel

Die Saline in Traunstein: Eine wittelsbachische Friedensstiftung aus dem 30-jährigen Krieg.

Geschichtliche Begebenheiten

»Maximilian« … Dieser Name leuchtet wie ein glückverheißender Stern dem großen Zeitabschnitte voran, der unter diesem Titel zu besprechen ist. Die beste Charakteristik dieses für unsere Vaterstadt so bedeutungsvollen Wittelsbacher Fürsten finden wir in dem herrlichen vaterländischen Geschichtswerk »Unser Bayerland« von Dr. Denk und Dr. Weiß, worin es heißt: »Mit der Schwungkraft seiner Seele und seiner sittlichen Stärke tritt die Erscheinung Maximilians aus dem Rahmen seines Jahrhunderts heraus, erinnernd an die kräftigsten Gestalten des Altertums, aber durch die reine und milde Verklärung des christlichen Lebens sie mächtig überragend. Das kleine Bayern wurde unter seiner Führung politisch so groß wie kein anderes deutsches Land des 17. Jahrhunderts.«

Schon zu Beginn seiner Regierung gewährte Maximilian – den die Geschichte mit dem Beinamen »der Große« ehrt – im Jahr 1601 der Stadt ihre sonstigen alten Freiheiten, besuchte sie 1604, wobei er im Miesenbachtal eine »Hirschfaist« abhielt, und befahl 1605 die Errichtung eines Weißbierbräuhauses – jetzt im Privatbesitze des Weiß- und Braunbierbrauers Josef Sailer, vormals Hutter. – Als dann im Jahre 1613 in Reichenhall eine neue, an Gehalt beinahe der Edelquelle gleichkommende Salzquelle aufgefunden wurde, ein »gutes Flüßl«, das in einer Viertelstunde 35 österreichische Eimer(1) Sole lieferte, erkannte man, dass dieselbe infolge von Holzmangel und wohl auch aus prinzipieller Erwägung, dass es zweckmäßiger sei, die Sole zum Brennmaterial zu leiten, als umgekehrt, in Reichenhall nicht versotten werden solle, und es wurde der Plan gefasst, die Sole nach Siegsdorf zu leiten und hier ein neues Salzsudwerk zu errichten. Im Jahr 1616 erging von Herzog Maximilian – die Kurfürstenwürde erhielt er 1623 – der Befehl, man solle demnatürlichen Gefälle nach eine Leitung in bleiernen Röhren nach Siegsdorf anlegen.

Nachdem man durch Umfragen bei den ältesten Bauern der berührten Gegend die Gewissheit erhalten hatte, dass die zu den Druckwerken nötigen Aufschlagwasser weder im Sommer noch im Winter verfliegen, wurde im Sommer 1617 mit dem Bau der Soleleitung begonnen. Vor der Vollendung aber besichtigte Hofkammerrat Schuß noch einmal das für das Sudwerk vorgesehene Gelände in Siegsdorf, wobei sich verschiedene neue Bedenken ergaben, an erster Stelle dass zu einer Saline auch verschiedene Handwerker gehören, die sich in dem kleinen Gebirgsort nicht vorfanden. Die Folge war, dass es ihm nützlicher erschien, wenn die Soleleitung ihrem natürlichen Gefälle nach bis Traunstein fortgesetzt würde. Nach einer Augenscheinnahme des Hofkammerrates mit dem Baumeister der Leitung in Traunstein – sie hatten in der Au an der Traun, den sog. Hofängern, passendes Gelände gefunden – unterbreiteten diese den Plan dem Herzog, dem er äußerst wohl gefiel. Und mit Freude gab er die Anordnung, dass der alte Salzstapelort Traunstein, in Mitte ausgedehnter Wälder und dem holzreichen Gebirge vorgelagert, welches die triftbare Traun zu ihm hinabschickt, mit den neuen Salzfuderwerken zu begaben sei. Also kam die Saline nach Traunstein.

Die Soleleitung ist gegenwärtig zumeist in hölzernen Röhren, »Teichen« genannt, gelegt – ursprünglich waren es bleierne Teichen und waren zur Anlage deren 9000 von 14 Schuh Länge(2) und 3¼ Zoll innerem Durchmesser(3) nötig –, nur wo dieselbe im Drucke oder frei liegt, sind eiserne Röhren verwandt. Die Zuleitung der Aufschlagwässer für die Maschinen, welche zur Hebung der Sole in Behälter dienen, dass sie die folgenden Höhen durch eigene Kraft wieder überwindet, geschieht teils in Rinnen von Holz teils in Röhren; die Einfallröhren zu den Maschinen sind von Gusseisen. Mit Bewunderung blickt heute noch der Wanderer von der alten Salzstraße auf dies große Werk, das die Technik vor 300 Jahren durch diese unwirtliche Gegend geführt ohne Dampf und ohne Elektrizität, nur aus eigener Kraft, wie sie die wilde Natur dem Baumeister bot. Mit überaus kluger Berechnung führte der Kunstbaumeister Hanns Reiffenstuel nach dem Plan des Mathematikers Heinrich Volkmar Leitung nebst Druckwerk und sieben Brunnhausmaschinen aus, zu deren Beaufsichtigung eigene Brunnwärter mit dem nötigen Hilfspersonal aufgestellt wurden.

Hanns Reiffenstuel, herzoglicher Hofbaumeister, überlebte diesen kunstvollen Bau nicht lange; er starb am 8. Februar 1620, nachdem er 38 Jahre anfangs als Werk- dann als Baumeister dem Lande gedient hatte.

Der ganzen Leitung entlang wurde zur ständigen Unterhaltung des kostbaren Werkes ein Weg angelegt, der sog. »Brunnweg«, der Naturfreunden manch herrliches Plätzchen dieser, an lieblichen und romantischen Bildern so ungemein reichen, acht Stunden langen Führung durch Wiese und Wald, Schluchten und steile Felsgehänge erschloss. Vollendet wurde die Solenleitung unter dem ersten Salzmaier Karl Zehenter um Mitte des Jahres 1619 samt den zugehörigen Solehebewerken und Solereserven. Gleichzeitig wurde der Triftrechen erbaut sowie auch zwei Sudhäuser nebst Zubehör, als Pfanne, Pfiesel (= Salztrocknung in Stöcken), Salzmagazinen, Stoßstatt (= Salzverpackung in Kufen bezw. Fässer) und Arbeiterwohnungen.(4)

Dieses ganze großartige Werk zu Anfang des 30-jährigen Krieges erbaut, fast gleichzeitig mit dem jetzigen alten Teil der königlichen Residenz in München, ist historisch beleuchtet von hervorragendem, je monumentalen Wert, weil es das einzige größere Friedenswerk des nachmaligen Kurfürsten Maximilian I., des Großen, ist zu jenen alles mit Krieg und Zerstörung überflutenden Zeiten. Wie dem Alpenwanderer in furchtbarer Felsenwildnis auf einmal ein frischgrüner, blumengeschmückter Rasen entgegenleuchtet, so begegnet dem Forscher vaterländischer Kulturgeschichte dies Friedensbild in Mitte von Krieg und Sturm.

Welch ein Freudenfest mag es gewesen sein, als am hohen Kirchtag der Stadtpfarrkirche zu St. Oswald, den 5. August 1619, früh 6 Uhr nach feierlichem Hochamt dortselbst zum ersten Mal in der neuen Saline gesotten wurde! Bis in die Gegenwart wurde an diesem Tag alljährlich unter Beteiligung der Salzzunft in derselben Kirche ein Dankamt zur Erinnerung an dies Ereignis abgehalten. Die Pfanne, in welcher zum ersten Male die Reichenhaller Sole brodelte, hieß »Nagengast«; im Jahre 1620 kam »Altsieden«, 1621 »drittes Sieden« und 1622 »viertes Sieden« zur Vollendung. Diese vier Pfannen erhielten sodann die Namen: Maximiliani, Wilhelmi, Ferdinandi und Alberti, zu Ehren des regierenden Herzogs, seines noch lebenden Vaters und seiner Brüder, Ferdinand, Erzbischof und Kurfürst zu Köln, und Albert, Herzog von Leuchtenberg. Dieselben Namen bekamen auch die Wohnungsstöcke für die Arbeiter.

Die 5. Pfanne wurde erst im Jahre 1870 in einem eigenen Gebäude errichtet, worauf die Salzerzeugung bis auf über 200 000 Zentner jährlich an Feinsalz, mittelkörnigem und Grob-Salz stieg.

Die Reichenhallersole, wie sie nach Traunstein und seit 1810 auch nach Rosenheim geleitet wird, hat einen Normalsalzgehalt von 23 ½ Prozent. Sie setzt sich zusammen aus der »siedewürdigen Sole«, welche aus dem Hauptschachte im Reichenhaller Brunnenhaus zu Tage gefördert wird, aus der »ausgradierten« Sole von den Gradierhäusern und dem von Berchtesgaden nach Reichenhall geleiteten Salzwasser.

Mit der Saline war nun neues, reges Leben in die Stadt eingezogen: Durch das zahlreich notwendige Arbeits- und Aufsichtspersonal, durch den Bedarf und die Lieferung von Bau- und Brennmaterialien und dergleichen kam ein bedeutendes mehr an Arbeit und Verdienst unter die Stadt- und auch Landbewohner, wodurch dem wirtschaftlichen Aufschwung Traunsteins eine mächtige Stütze geboten ward. Dem Lande aber verhalf Max durch die Soleleitung nach Traunstein zur Verbilligung der Salzproduktion und rettete dadurch manche Summen für das Kriegswesen, aus dem er als starker Bayernfürst hervorgegangen ist. H. Peetz spricht von einer jährlichen Reineinnahme von 121 000 Gulden, die damals aus dem neuen Salzsieden resultierte.

Im Jahre 1620 erklärte der Kurfürst das Salzmaieramtsgebiet Au für eine fürstliche Hofmark mit eigener Jurisdiktion, die dem Salzmaier zustand, und bewilligte den Bürgern zu Traunstein als Gegenleistung dafür, dass sie einige Bürger, welche im Gebiet der Hofmark ihr Anwesen hatten, aus dem Stadtverband zur Au überwiesen, den unentgeltlichen Bezug von jährlich 300 Zentnern Küchensalz. So war die »Au«, ehedem zum größten Teil eine wirkliche Au mit einigen Angern, zwei Weihern und etlichen Häusern, von Bäumen und Gebüsch wild bewachsen, in gewisser Hinsicht sogar zum wirtschaftlichen Mittelpunkt von Traunstein geworden. 1623 erfolgte die Gründung einer eigenen Kirche mit Kaplanei sowie einer Schule für das Salinenamtspersonal, welche Einrichtungen ganz auf Kosten der Salzmaieramtskasse bestritten werden sollten; 1648 wurde diese Gründung verwirklicht.

War nun dieses erste Viertel des 17. Jahrhunderts, das über das Vaterland die Gottesgeißel des Krieges brache, für Traunstein also von Glück begünstigt durch die Errichtung der Saline, so sollten gleich die kommenden Jahre Stadt und Saline durch gemeinsames Unglück zusammenschweißen. – Am 15. Oktober 1618 eröffnete der fürstliche Kammerpräsident den Bürgermeistern und dem Rat den dringlichen Wunsch, »dass sie dem Salzwesen bei Feuer- und Wassergefahr jederzeit zu Hilfe kommen möchten«. – Wie oft hatte in der Folge die Stadt Gelegenheit, diese Aufgabe zu erfüllen!

Schon im Jahr 1622 brach große Wassernot über die unteren Teile der Stadt herein. Dabei überfluteten die Wassergüsse, da die Pfannen sowie auch die »Pronnstuben« (Solebehälter) vertieft angelegt waren die Feuer und löschten sie aus. Noch mehr aber litt die Saline an den großen Überschwemmungen von 1653, 1676 und vom 12. Juli 1691, wo das Wasser mannshoch um die Gebäude stand und bis an die Böschungen des Stadtberges reichte, die vier Pfannen wieder ausgelöscht und ruiniert wurden.

Als Folge der Kriegsunbilden schlich sich ferner das furchtbare Gespenst der Pest im Chiemgau ein, die 1632 schon unter dem »Aerztvolk«, wie die Saliner damals hießen, 25 Personen forderte, in den Jahren 1634 und 1635 aber den dritten Teil der städtischen Bevölkerung, über 300 Personen dahinraffte, diesmal aber wunderbarer Weise nicht einen Angehörigen der Salinengemeinde. Aus diesen drangvollen Zeiten ist bemerkenswert, dass die Stadt von Mitteln so entblößt war, dass sie nicht einmal ihrem größten Wohltäter mit einer Summe von 3000 Gulden aushelfen konnte. Auf ein diesbezügliches Schreiben des Kurfürsten Max 1631 musste der Rat erwidern, dass er dazu nicht im Stande sei, da er erst 1624 zweitausend Gulden dargeliehen habe und auch der Scheibenpfennig nicht mehr so viel trage. Max Fürst erzählt ferner in seiner »Geschichte der St. Oswaldskirche« vom Jahr 1648 folgende Episode: »Eine der ersteren Freuden, welche der endlich in Westfalen geschlossene Friede für Bayern brachte, war den Traunsteinern zu kosten gegönnt. Sein Asyl bei Erzbischof Lodron in Salzburg verlassend, betrat der edle Kurfürst Maximilian am 21. Oktober 1648 wieder den Boden seines Landes. Traunstein war die erste Stadt, die den Landesfürsten mit warmer Verehrung empfing, als endlich nach 30 Jahren wieder Friede war.«

1651 kam durch namhafte Beihilfe des Salzmaieramts der erste Arzt nach Traunstein; bis dahin hatten die »Bader« in ihren »Badstuben« dies Geschäft besorgt. 1653 wurde das Sudwerk der Visitation durch eine kurfürstliche Kommission unterzogen, zu welcher Gelegenheit die Stadtkammerrechnung einen gar anheimelnden Kommentar gibt, wenn sie berichtet, wie der Bürgermeister mit drei Ratsherren bei der Aufwartung auf Kosten der Stadt sich fünf Kandl Wein und um zwei Kreuzer Brezen dazu schmecken ließ.

Im Jahr 1659 und 1670 hatte die Stadt und Hofmark die große Freude, den Landesvater Kurfürst Ferdinand Maria und 1681 und 1702 Kurfürst Max Emanuel begrüßen zu dürfen.

1671 traf unsere Saline wiederum großes Unglück, indem durch die Fahrlässigkeit einer Wäscherin ein beträchtlicher Teil der Werkgebäude und die zwei Wohnungsstöcke Maximiliani und Wilhelmi abbrannten; damals gelobte die Salinengemeinde wegen glücklicher Abwendung dieser Gefahr einen jährlichen Bittgang zu St. Florian in Tettenhausen, der erst vor einigen Jahren abgekommen ist.

Das größte Unglück aber traf Stadt und Saline im Jahre 1704, als im spanischen Erbfolgekrieg österreichische Truppen, Husaren, Kroaten, Panduren, Heiducken und Tolpatschen, unter General Guttenstein nach Traunstein kamen. Der Salzmaier, der Pflegskommissär und der Stadtpfarrer ritten dem Feinde entgegen und baten um Schonung, die mit Worten auch gewährt wurde. Bald aber ward von zerstörungslustigen Horden eine Salzpfanne ruiniert und die Traunbrücke in der Au, sogenannte »Haferlbrücke« in Brand gesteckt, wodurch die Soleleitung unterbrochen wurde. Und als am 23. August das Gros der Truppen wieder abzog, nicht ohne als Geißeln den Salzbeamten herb mit einem Ratsherrn und dem churfürstlichen Braumeister mitzuschleppen, da zündeten zurückgebliebene Kroaten und Panduren die Stadt an allen Ecken an, wobei auch der Turm der Salinenkapelle, mehrere Arbeiterwohnungen und die Sudhäuser eingeäschert wurden. Nur langsam erstanden die Bürgerhäuser wieder aus Schutt und Asche, und da auch der Salzstadel und die Salzfertigerswohnung zum Opfer fielen, musste ihn die Stadt wegen des Scheibenpfennigs wieder erneuern. Zur Erbauung desselben erhielt die Bürgerschaft 1707 von der damals österreichischen Regierung in München Bauholz aus dem Eschenforst und den Fortbezug des Scheibenpfennigs.

Zwei freudige Ereignisse treten nun nach diesen traurigen Zeiten um so mehr hervor: Der hohe Besuch des Kurfürsten und Erzbischofs Josef Clemens im Cöln, eines Bruders des Kurfürsten Max Emanuel, der 1715 auf der Durchreise nach seiner Stiftspropstei Berchtesgaden die Stadt und Saline besichtigte, und 1719 die erste Jahrhundertfeier der Saline, zu welcher die Stadtgemeinde eine 23 Pfund schwere Kerze opferte, die mit dem Bild des heiligen Rupert und dem Stadtwappen geziert war. Und als 1736 der Kurfürst Carl Albrecht, dessen Gemahlin in Bad Adelholzen die Kur genoss, dreimal die Stadt besuchte, da waren die heimgesuchten Bürger wieder frisch ermuntert und jubelten dem Herrscherpaar begeistert zu, als dasselbe das dritte Mal am Salzmaierhause – dem östlichen Flügel des heutigen Landgerichts – abstieg und zu aller Freude offene Tafel hielt. Anderntags besichtigten die hohen Herrschaften das Salzsudwesen, den Holztriftrechen, die Salzstädel und Kufenstuben und hörten in der Salinenkapelle die heilige Messe an. Alsbald bestätigte dann der Kurfürst den Bürgern ihre Freiheiten wieder und bewillligte zur Abzahlung geborgter Brandschadensgelder von anno 1704 den »Salzsuderzweiring«. Carl Albrechts Nachfolger Kurfürst Max III. Josef genehmigte den Traunsteinern abermals zur Abzahlung von Kriegsschulden vom österreichischbayrischen Krieg (1741-1745) einen Salzsuderkreuzer. In diesem Krieg mussten die Stadt und Salinengemeinde unendlich viel Unbill erleiden, obgleich bei der Übergabe der Hauptstadt München festgesetzt worden war, dass das Salzwesen in Traunstein unberührt verbleiben und zu seiner Sicherheit eine Schutzwache erhalten solle, – übrigens ein deutlicher Beweis von der damaligen Bedeutung der Traunsteiner Saline.

Im Jahr 1756 besuchte der Kurfürst mit seiner Gemahlin von Wasserburg herkommend die Saline und am 10. August tags darauf wiederum auf der Rückreise von Reichenhall. Begleitet von den Miesenbacher und Marquartsteiner Schützen und rot und grün uniformierten Bauern zu Pferd mit blankgezogenen Säbeln. Nahm er beim Salzmaier Absteigequartier. Mit Pauken- und Trompetenschall wurde er empfangen; jede Schützenkompanie mit ihrer Fahne, Trommlern und Pfeifern in Reih und Glied aufgestellt, gab unter lautem Jubel drei Salven ab, indes der Bürgermeister auf einem rotsamtenen Kissen dem Kurfürsten die Schlüssel der Stadt überreichte. Als dann die hohen Herrschaften speisten, durfte jedermann in den Saal hinaufgehen und sich daran erfreuen. Am nächsten Tag begaben sich beide kurfürstlichen Durchlauchten unter dem Geläute aller Glocken auf gelegten Brettern über den Stadtplatz in die Au, hörten in der Kapelle die heilige Messe an, besichtigten das Sudwesen, Pfieslstatt, Kufenstuben, Solenleitung, den Triftrechen und die Salzstädl und begaben sich nach Kling bei Schnaitsee, wo damals ein Schloss mit Pfleggericht war.

1777 erneuerte Max den Traunsteinern wieder den Scheibenpfennig auf weitere zehn Jahre unter gewissen Bedingungen, darunter »dass sie dem Salzmairamt in Feuers- und Wassergefahren unverweilt und unermiedet beispringen.«

Unter dem Kurfürsten Karl Theodor erfuhr das bayrische Salinenwesen und damit auch die Traunsteiner Saline bedeutenden Aufschwung durch die weitgehendsten Reformen unter dem geschickten Baumeister Clais. 1781 besuchte Karl Theodor das erste Mal die Stadt und Saline und 1784 beschloss er, ein neues Sudgebäude zu bauen. So erstand 1785 das heutige große Sudhaus in Kreuzform, das alle vier Pfannen enthält, nach Art der ebenfalls von Clais erneuerten Reichenhaller Anlagen, wodurch man nicht nur bedeutend mehr Salz erzeugen konnte, sondern auch eine große Holzersparung erzielte. Die Kosten betrugen nach einer alten Aufzeichnung im städtischen Museum 97 423 Gulden. Über dem Hauptportal dieses mächtigen Baues steht die Inschrift:

Carolus Theodorus

Elector Bavariae etc.

MDCCLXXXV.

1789 besichtigte der Kurfürst sein großes Werk ebenso im Jahr 1793, wobei derselbe in der Aukapelle eine heilige Messe hörte und die Salinenschützen mit ihrer historischen Fahne und Trommlern und Pfeifern aufzogen. Heute steht nun dieser imposante Bau vor dem Abbruch! – Sic transit gloria mundi!

1786 hatte eine große Wasserflut der Traun die Saline schwer geschädigt und alle Wasserbauten zerstört.

Zu Ende des Jahrhunderts, nach kaum 50-jähriger Pause, zog wieder Krieg in die Lande mit dem Ausbruch der französischen Revolution und wurden 1796 zum Schutz der Saline gegen die feindlichen Truppen der Franzosen 150 Mann hieher beordert, denen der Stadtmagistrat den sogenannten Salzmaieramtslasten als Kaserne einrichtete. Als dann im Dezember 1800 ein republikanisch französisches Kriegsheer Bayern durcheilend der feindlichen österreichischen Grenze zudrängte, erwirkte die kurfürstliche Regierung vom Ober-General Moreau für die Saline eine Sicherheitswache. Wagner erzählt von jener Zeit die merkwürdige Begebenheit, wie die letzten kaiserlichen Husaren, die rekognoszierend die Gegend durchstreiften, unmittelbar vor dem Einmarsch der Franzosen die Säbel im Munde und ihre Pistolen abfeuernd durch die Stadt sprengten. Darauf dauerten die Durchzüge ihrer Feinde fast fünf Tage, die aber in der Meinung, schon im Feindesland zu sein, drei Tage hindurch plünderten und Quartiergeber misshandelten. Dabei hatte die Stadt sich und die Saline nur durch große Opfer an Geld und Naturalien vor dem angedrohten Brand und gänzlichen Ruin errettet.

Die daraus erwachsenen Kriegsschulden(5) beliefen sich für die Stadt auf die ungeheure Summe von 20 000 Gulden, die die Bürger ohne fremde Hilfe nicht mehr aufzubringen wussten. Sie wandten sich deshalb an Kurfürst Max IV. mit der Bitte, einen Bierpfennig zu bewilligen, und dass vom Landverschleiß des Traunsteiner und Reichenhaller Salzes vom Zentner ein Kreuzer erhoben werden dürfe.

Das beginnende neue Jahrhundert brachte den heimgesuchten Bürgern wieder edel Freude mit dem Besuch des Kurprinzen Ludwig, dem nachmaligen König, im Jahr 1804, wobei derselbe auch die Saline und die Salinenkapelle besuchte. 1805 hatte die Stadt ferner die hohe Ehre, den letzten römischen Kaiser Franz II. in ihren Mauern zu sehen, der sich in der Salinenkapelle vom Salinenkaplan den Segen mit dem hochwürdigsten Gute geben ließ. Auch später in den Jahren 1819, 1822 und 1824 besuchte derselbe auf Durchreisen die Stadt. Als dann ganz Bayern im Jahr 1806 die Erhebung zum Königreich festlich beging, da herrschte auch in der Stadt und in der Hofmark Jubel und Begeisterung. Am Donnerstag, dem 9. Januar, rief ein Regierungskommissär vom Salzmaierhause herab vor der den Stadtplatz füllenden Einwohnerschaft den bisherigen Kurfürst Max Josef zum König aus:

Sammelt Euch in frohen Kreisen,

Singt’s dem Kinde,

sagt’s den Greisen:

Max ist König, es ist Fried.«

(Unser Bayerland.)

Sowohl in der Pfarrkirche als auch am Sonntag darauf in der Salinenkapelle wurde das freudige Ereignis in einem Dankamt festlich begangen, und abends die Stadt sowie die Hofmark illuminiert.

Nur mehr zwei Jahre bestand sodann die Au noch als Hofmark. 1808 wurde die früher eigene Gerichtsbarkeit dem Landgerichte übertragen, die Hofmark aufgehoben und mit der Stadtgemeinde vereinigt.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Anmerkungen:

1) 1 Eimer = 67,362 Liter in Wien, 64,142 Liter in Bayern.

2) 4½ m.

3) Ca. 1 dm.

4) Die Baukosten für die Soleleitung und Zubehör betrugen – nach einer Aufzeichnung von einem Salinenarbeiter Lex vom Jahre 1853 – rund 56 000 Gulden, für die Bauten auf der Au rund 39 000 Gulden.

5) Die Kriegskostenrechnung der Stadt betrug vom 11. Dezember 1800 bis Ende März 1801 (vom Einmarsch bis zum Ausmarsch der Franzosen) 23 321 fk.

 

31/2019