Jahrgang 2019 Nummer 30

Traunstein und das Salz

Ein Beitrag von Georg Schierghofer aus dem Jahr 1911 anlässlich der Auflassung der Saline

Groß war die Trauer in Traunstein, als der Landtag beschloss, die Saline Traunstein stillzulegen. Viele Bürger beklagten sich – wie auf einer Postkarte zum Ausdruck kam (unser Bild) –, dass sie des »grossen Kurfürsten grösstes Friedenswerk« verlieren. (Foto: Stadtarchiv Traunstein)

Vorwort: Ans Vaterland, ans teure schließ dich an, / Das halte fest mit deinem ganzen Herzen! / Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.

Was das Vaterland dem Staatsbürger, das soll der Heimatsgau, die Vaterstadt dem Bürger sein! Deshalb sei Schillers große Mahnung einer Abhandlung unter obigem Titel vorangestellt, die aus bescheidenen Kräften heraus es versuchen möchte, zur heimatlichen Geschichte einen gerade jetzt aktuellen Beitrag zu liefern, der aber keineswegs, weder im Ganzen noch im Besonderen, auf Vollständigkeit Anspruch machen will; einen Beitrag, der neben leicht erreichbarer Heimatliteratur – dank gütiger Überlassung von privater Seite – vornehmlich die alten Pergamente und Schriftsachen des städtischen Archivs zum Rückgrat hat. – Durch das Entgegenkommen von Seite des Herrn Bürgermeisters Dr. jur. Vonficht und die Mitarbeit des magistratischen Registraturbeamten Frz. Xav. Krutzenbichler ist es mir im Interesse der Forschung für heimatliche Geschichte ermöglicht worden, in den Regalen und Schränken des städtischen Archivs nach dem Wenigen zu suchen, was die Feuersbrünste von 1371, 1704 und 1851 unversehrt zurückgelassen hatten über das heimische Salzwesen. Freilich sind es verhältnismäßig nur spärliche Nachrichten, welche aus den oft bis zur Unleserlichkeit brandgeschwärzten und gesengten oder vom löschenden Wasser verwaschenen, vielfach noch mit dem großen Streusand früherer Jahrhunderte behafteten Schriftzügen zu entziffern sind. Hatten doch die Väter der Stadt jeweils ihre größte Not, ihr eigen Leben, Hab und Gut vor dem rasenden Element zu retten, als an die alten Papiere im Rathaus zu denken, die dort in Truhen und Gewölben vergilbten! – Das Wenige aber, es ist wert und auch imstande, der heutigen heimatgesinnten Generation, die Zeuge ist des erschütternden Ereignisses, des Endpunktes vom Traunsteiner Salzwesen, zu erzählen, wie die Chiemgaustadt dazu gekommen ist, und wie es gehegt und gepflegt wurde bis auf unsere Zeiten …

Außer diesen handschriftlichen Quellen im städtischen Archiv und Museum, als Originalurkunden und Akten, Protokolle und Kammerrechnungen, stunden, wie bereits angedeutet, noch folgende Unterlagen für diese Abhandlung zu Gebote:

»Geographische Geschichte der Stadt Traunstein«, veröffentlicht im oberbayr. Archiv Bd. 19 von Josef Wagner.

»Geschichte des kgl. Bayr. Landgerichts Traunstein« im oberbayr. Archiv Bd. 26, 27 und 28 von Josef Wagner.

»Notizen über merkwürdige Begebenheiten in Traunstein und über die Saline in Traunstein« von Math. Büchele, veröffentlicht im Traunsteiner Wochenblatt Jahrgang 1855 - 1861 nach Manuscripten im städt. Archiv.

»Beschreibung der kgl. Bayr. Salinen Reichenhall und Berchtesgaden« von 1853, aus amtlichen Quellen gesammelt.

»Topographie und Geschichte der kgl. Bayr. Salinenstadt Reichenhall und deren Umgebung« von I. Osterhammer 1825.

»Volkswissenschaftliche Studien« von Hartwig Peetz 1880.

»Die Chiemseeklöster« von Hartwig Peetz 1879.

»Materialien zu Geschichte des Vaterlandes« von Franz von Kohlbrenner 1782.

»Biographisches Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach« von Max Fürst.

»Geschichte der St. Oswaldspfarrkirche in Traunstein« von Max Fürst.

»Traunstein im neunzehnten Jahrhundert« von Max Fürst.

»Geschichte Bayerns« von G. Riezler.

»Unser Bayerland«, vaterländische Geschichte von Dr. O. Denk und Dr. Jos. Weiß.

»Bayern wie es war und ist« von Arthur Achleitner.

»Geschichte der Stadt Salzburg« von F. V. Zillner, 1890.

»Geschichte Salzburgs« von Hans Widmann, 1907.

»Bilder aus dem bayr. Hochgebirge, Traunstein« von Ludwig Sailer.

»Das Salzsudwerk in Reichenhall in alter Zeit«, Auszug aus Mathias Flurl's Werk von 1792 »Beschreibung der Gebirge Bayerns und der obern Pfalz« im Reichenhaller Grenzboten 1910.

»Die Mineral- und Soolen-Badanstalt zu Traunstein« von Dr. V. Müller, 1857.

Ferner Aufzeichnungen und mündliche Mitteilungen von Beamten und Arbeitern der Saline, besonders von dem 84-jährigen ehemal. Salinenkufer Franz Gruber.

Vornehmlich gebührt an dieser Stelle Dank dem letzten Vorstand der Saline Herrn kgl. Bergmeister Dr. Ing. Heinr. Stuchlick für das Interesse und gütige Wohlwollen bei Abfassung dieser Schrift.

So sei's denn versucht, – nur mit dem Wunsche, dem so treuen Kameraden der Truna, dem Salz, ein bescheidenes Gedenkblatt zu widmen und den lieben Landsleuten und werten Interessenten ein schwaches Bild zu skizzieren von seiner uralten, wackeren Freundschaft, – dies zu behandeln:

I. Vom Salzwesen bis zur Errichtung der Saline.

II. Die Saline in Traunstein:

1) Geschichtliche Begebenheiten.

2) Vom Salinenforstwesen (Holztrift).

3) Über die kirchlich kulturellen Folgen des Salzsudwesens.

4) Hervorragende Männer aus dem Salzsudwesen hervorgegangen.

5) Vom Salinenbetrieb.

III. Einblicke in die wirtschaftlichen Beziehungen des Salzwesens zur Stadt:

1) Das Recht der Salzniederlage.

2) Salzstraßen.

3) Salzhandel.

4) Salz-Verfrachtung und Niederlage.

5) Freisalz mittelalterlicher Klöster.

6) Getreideschranne.

7) Kommunale Einkünfte vom Salzwesen.

8) Traunstein durch das Salzwesen ein Kurort.

Traunstein, Sylvester 1910

Der Verfasser.

Zum Geleit!

Wie der Wert einer großen Persönlichkeit, sobald sie unter die Erde gesunken, in den dankbaren Herzen der trauernden Mitwelt das Bedürfnis zum Nachruf weckt, so lenken große Werke, die den Menschen Jahrhunderte zu Nutzen gestanden, wenn sie untergehen im fortschreitenden Zeitengewoge, noch einmal die Augen der rückblickenden Zeitgenossen auf sich. So gilt es denn, ein großes Werk, das durch die Hand, die es gegeben, wie durch die Zeit, die es gebracht, schon mit der Vollendung zum Monument geworden war, von der Wiege bis zum Grabe zu geleiten und sein Gedächtnis den Tafeln der Geschichte einzuprägen: Die Saline in Traunstein, welche die Kammer der Landtagsabgeordneten am 30. April und die Kammer der Reichsräte am 13. Juli dieses Jahres aus Gründen der Finanzpolitik aufgehoben hat; die Saline, welche der erste Maximilian der Wittelsbacher Fürsten, deren erster und größter Kurfürst zu Anfang des 30-jährigen Krieges den Traunsteiner Bürgern, die schon von alters her dem Salzwesen ihren Wohlstand verdankten, zum Geschenke machte.

I. Kapitel

Vom Salzwesen in Traunstein bis zur Errichtung der Saline

Das Salz! – Seit Menschengedenken ist es die ewig stete Würze des Lebens, sind es mit heiligem Ansehen behaftete Stätten, die es unter der Erde bergen, die es zum Genuss bereiten und die es zur Abnahme stapeln. Der Name des Ortes schon, der ja in dürrem Worte gewissermaßen die Urgeschichte desselben enthält, weist darauf hin und auf jene heiligen »Hallen«, die es bergen. So hatten unser heutiges Hallstadt, das mit seinem Salzbau in vorgeschichtliche Zeiten zurückgeht wie Reichenhall, so hatten Hallein und Hall in Tirol wie Halle an der Saale noch im 8. Jahrhundert den germanischen Namen »Halla« ebenso wie auch Stätten, wo das Salz zwar nicht gewonnen, aber auf Grund ihrer Lage seit urdenklichen Zeiten aufgestapelt wurde.

Demnach könnte man auch in unserm »Hallabruck« eine schon in frühesten Zeiten bestandene Salzniederlage erblicken: An der alten Römerstraße, die von Augsburg über Rosenheim, Seebruck und Traunstein nach Salzburg führte, nicht weit von der Stelle, wo die alten »Bicinalstraßen« vom Gebirge her in die römische Hauptstraße einmündeten, wo maßgebende Forscher die römische Zwischenstation »Artobriga« vermuten, ferner an dem bedeutendsten Flusse zwischen Chiemsee und Saalach und damit dem wichtigsten Flussübergang dieses Gebietes an der Römerstraße, die ja von Teisendorf rückwärts nach Reichenhall nur Salzstraße war, liegt Hallabruck, welches sogar einem edlen Ministerialgeschlecht den Namen gab. Vielleicht war es zur Zeit des heiligen Rupert schon die erste Etappenstation zur Versorgung des Landes mit dem Salz, da die Urquelle, das »reiche Hall« in der südöstlichen Ecke des Landes zu abgelegen war. Wohl berichtet die Geschichte, dass der letzte Carolinger Ludwig IV. im Jahr 908 die kgl. Domäne Salzburghofen an das Erzbistum Salzburg schenkte, wodurch die Grenzen von der Saalach bis gegen Lauter zurücktraten und die Verlegung der Grenzmaut bis dahin notwendig war. Dess ungeachtet dürfte die Vermutung nicht grundlos sein, dass schon vordem wie nachher an der Brücke über die Traun, dem bedeutendsten Flussübergang zwischen Saalach und Chiemsee, eine Station zur Erhebung des Brückenzolls sich befand, mit welcher ähnlich wie in Föhring auch eine Niederlage des Salzes, eine »Halla« verbunden war.

Zu beachten ist hiebei auch, dass die älteste Kirche der näheren Umgebung, St. Veit zu Ettendorf, in unmittelbarer Nähe von Hallabruck gelegen ist.

Dass der Chiemgau mit dem Salzwesen schon zu Römerszeiten in Beziehung stand, bezeugen die mancherorts, und zwar auffallenderweise nur hier im Chiemgau sich findenden Altäre und Gelübdesteine zu Ehren des Jupiter Bedaius (= Schutzgott des süßen Wassers) und der Alaunen (= Schutzgeister der Salzquellen). – Als dann später nach den Stürmen der Völkerwanderung der heilige Rupert ins Land gezogen kam und nach Auffindung der in Trümmern liegenden Römerstadt »Juvavum« sich hier zur Ausführung seines Gotteswerkes niedergelassen hatte, war es seine Hauptsorge, die schon seit vorrömischen Zeiten betriebenen Salzwerke wieder zu beleben, da er den hohen kultivierenden Wert der Salzgewinnung wohl erkannte. »Juvavum« erstand alsbald aus seinen Ruinen zu einem Bollwerk des Friedens und christlicher Kultur, als Bollwerk für das Salzwesen im großen Wirkungskreis des heiligen Bischofs, zu einer »Salzburg« im wahrsten Sinne. Rupert aber ward so den christlichen Boivariern, was die Alaunen ihren heidnischen Vorfahren waren: der Schirmherr des gnadenreichen Salzwesens, das in der Folge dem ganzen Gebiet die wirtschaftliche Stütze gab. Sein Andenken wird heute noch am »Rupertitag« besonders im ehemals »salzburgischen« Gebiet und damit auch östlich bis vor Traunsteins Toren – voraus natürlich in den Salinengemeinden – hoch gefeiert und lebt hier fast in allen Kirchen und Kapellen in Statuen und Bildern, St. Rupert im Bischofsornat mit der Salzkufe zu Füßen darstellend, fort.

Seiner großen Fürsorge für das Salzwesen hatte es der heilige Bischof wohl auch zu verdanken, wenn er von Herzog Theodo II. 20 Salzpfannen – allerdings nicht von der Größe wie heute – nebst dem 10. Teil von der herzoglichen Maut und dem ganzen Salzzehent für sein Bistum zum Geschenk erhielt, was anderseits den Aufschwung des Salzverkehrs und des Salzhandels im kleinen Bayernlande zur Folge zog und manchen bei der Völkerwanderung in Schutt versunkenen Ort zu neuem Leben weckte, den die Natur schon zu einer gewissen Bedeutung geboren hatte. War Hallabruck ein solcher Ort, so ist es erklärlich, dass diese lebhafte Salzstation auf die gewiss uralte Ansiedelung an der Traun, die freilich erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Edelsitz der Herren von Truna urkundlich genannt ist, von großem Einflusse war. Der Name »Scheibenstraße« für den Verbindungsweg zwischen Stadtberg und Hallabruck gibt vielleicht noch einen Fingerzeig hiefür.

Leider ist es hier wie bei vielen anderen oberbayrischen und niederbayrischen Städten, dass vor dem 12. Jahrhundert die geschichtlichen Quellen versiegt sind.

Direkt in Verbindung mit dem Salzwesen genannt, finden wir Traunstein zum ersten Mal um 1275, wo der Traungau – auch Chiemgau im engeren Sinne genannt – von Salzburg, wozu er seit 959 gehörte, wieder an Bayern zurückkam, und die Stadt der Sitz eines herzoglich niederbayrischen Gerichts-, Maut-, Zoll- und Kastenamtes wurde. Von diesem Zeitpunkt an verstummen auffallenderweise nennenswerte Überlieferungen über das Ministerialgeschlecht der Hallabrucker, während Traunstein, das sich bereits 1255 bei den niederbayerischen Städten findet, jedenfalls nicht zum geringsten durch die neue Zollstation zunehmende Bedeutung bekommt. Im Jahr 1323 begegnet es wieder, wo Herzog Georg der Natternberger den Nonnen zu Althohenau ihre Zollfreiheit in Traunstein bestätigt und 1341, wie die Witwe Richardis des Herzogs Otto von Niederbayern das Gotteshaus St. Zeno in ihren besondern Schutz nimmt und auch dem Kloster Ebersberg die Mautfreiheit für Salz durch Traunstein und Wasserburg verleiht.

Der folgende Bayernfürst, Kaiser Ludwig der Bayer bildete durch sein besonderes Interesse einen Markstein in der Geschichte des bayerischen Salzwesens, wie auch S. Riezler in seiner Geschichte Bayerns (Bd. I S. 527) erwähnt. Für Traunstein traf er eine überaus wichtige Änderung im Salzverkehr, indem er 1346 eine Straße von Reichenhall über Mauthäusl und Siegsdorf hieher einerseits, anderseits von hier über Erlstätt, Truchtlaching und Obing gen Wasserburg bauen ließ, wovon im wirtschaftlichen Teil noch die Rede sein wird. Hierauf zeigt eine Pergamenturkunde des städtischen Archivs zu Traunstein die Bestätigung der Salzniederlagsrechte von Herzog Stephan dem Jungen 1359 und eine andere 1375 von den Herzogen Friedrich und Johann Gebrüder.

Wie ein Blitz vom heitern Himmel mag dann ein Jahr später die Verfügung unter die vom großen Brandunglück 1371 her noch niedergeschlagenen Bürger gefahren sein, welche die Herzoge Otto und Stephan von Oberbayern und Friedrich und Johann Gebrüder von Niederbayern nach Übereinkunft erließen, dass nur in der Stadt München eine Salzniederlage bestehen solle, womit die zu Traunstein, Wasserburg und Landsberg aufgehoben wurden. – Hat ein Centralisationsprinzip die Herzöge zu dem Schritt veranlasst, diese reichlichen Quellen nutzbringenden Verkehrs in dem aufstrebenden München zu vereinigen? – Doch schon um 1400 verliehen Herzog Heinrich und dessen Vormünder den Traunsteinern auf drei Jahre den »Scheibenzoll« und erneuten ihnen 1402 die Salzniederlegungsprivilegien. In den Jahren 1413, 1416 und 1441 wurden verschiedene Anordnungen den Salzverkehr betreffend gemacht, die im wirtschaftlichen Teil behandelt werden sollen. 1454 dann bestätigt Herzog Ludwig der Reiche der Bürgerschaft die Salzniederlage und 1470 ebenfalls dessen Sohn Georg der Reiche bei seinem Aufenthalt in Traunstein. Im Landshuter Erbfolgekrieg zu Beginn des 16. Jahrhunderts und darauf im bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg erlitt der Salzverkehr große Einbuße. Zu dieser kriegerischen Zeit, am 30. Oktober 1504 kam Kaiser Maximilian nach Traunstein.

Von den folgenden Jahrzehnten berichtet die Geschichte nichts Namhaftes übers Salzwesen, bis zur Regierung des Herzogs Albrecht V. »des Großmütigen«, der 1551 den Traunsteinern die alten Freiheiten bestätigte und 1567 den Bau eines großen Salzstadels befahl. – Dieser kam außer dem oberen Tor (Brothaus) von Nordost (dem heutigen Kindergarten, Eichamt und Baustadel, welche die letzten Reste dieses alten Bauwerk bilden) gegen Südost, der heutigen Apothekerstiege, zu stehen. Er war 408 Fuß1 lang und 40 Fuß breit in einer Front, welche ein bewohnbarer Turm in der Mitte mit verschließbarem Tor gegenüber dem Brothaustor in zwei Abteilungen trennte. Der Herzog bewilligte zu diesem Bau 100 Stämme aus dem Eschenforst und 800 Käst Schindl aus dem Miesenbach. Die Erhaltung des Stadels hatte die Stadt zu übernehmen, wofür zum erstenmal der »Scheibenpfennig« genehmigt wurde. Die marmorne Gedenktafel, welche nach Vollendung des Stadels ober dem Salztor angebracht wurde, mit dem herzoglichen Wappen, dem der Stadt und dem Salzfass blickt heute vom Frischhaus herab auf ihren einstigen Ehrenplatz. Wenn sie doch reden könnte, was möchte sie alles erzählen!

Albrechts Nachfolger, Herzog Wilhelm, bestätigte den Traunsteinern ihre Rechte, genehmigte auch den Scheibenpfennig auf weitere fünf Jahre, entzog aber dann 1586 seinen Untertanen das alte Recht des freien Salzhandels, was überall in Traunstein, Rosenheim, Wasserburg u.s.w. großen Verdruss hervorrief, der sich in wiederholten Bittschriften an den Landtag vergeblich Luft machte. Dafür bestätigte der Herzog den Traunsteinern den Scheibenpfennig wieder, um den alle sechs und acht Jahre nachgesucht werden musste.

Dieser Scheibenpfennig, der bis zum Jahr 1868 ununterbrochen huldvollst gewährt wurde, leitet über in einen neuen Zeitabschnitt vom Traunsteiner Salzwesen, wo die Stadt für den so sehr vermissten Salzhandel ganz unerwartet schönen Ersatz bekam mit einer eigenen Saline.

 

(Fortsetzung folgt)

 

1) bayr. Fuß = 0,325 m; also 130 m lang und 12,8 m breit.

 

30/2019