Jahrgang 2005 Nummer 10

Römische Schiffe auf Bayerns Gewässern

Bei der Keltenstadt Manching wurden zwei antike Boote gefunden

Rekonstruktion des Römerschiffes aus Oberstinn bei Manching.

Rekonstruktion des Römerschiffes aus Oberstinn bei Manching.
Römerschiff aus Oberstimm in Fundlage.

Römerschiff aus Oberstimm in Fundlage.
Römische Soldaten und Händler waren die ersten, die den Main und die Donau planmäßig für den Schiffsverkehr nutzten. Den archäologischen Nachweis dafür liefern zwei bootsfunde aus Manching-Oberstimm im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm von der Wende vom ersten zum zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Die beiden sechzehn Meter langen Rümpfe lagen in der Nähe des früheren Ufers des Flüsschens Brautlach unweit des Römerkastells. Man nimmt an, dass die schlanken Ruderschiffe mit Hilfsbesegelung für den militärischen Patrouillendienst verwendet wurden. Nach dem Muster des Fundbestands ließ die Prähistorische Staatssammlung München eines der Boote nachbauen. Es hat neun Sitzbänke, die so genannten Duchten, auf denen je zwei Ruderer Platz fanden. Die Ruder waren auf der Bordwand an den »Dollpflöcken« befestigt. Die weitere Ducht am Heck dürfte für Offiziere oder auch für Passagiere gedient haben. Sonstiger Raum für Ladung, z. B. für Waffen, die über die Ausrüstung der Ruderer hinausging, war nicht vorhanden. Die Form des nicht erhaltenen Bugs und des Hecks wurde anhand von zeitgenössischen Abbildungen ergänzt. Wie Vergleiche mit anderen Funden belegen, war dieser Bootstyp ausschließlich auf rasche Geschwindigkeit ausgelegt und hatte zusätzlich ein Segel als Antriebsmittel. Das Rigg (Haltevorrichtungen für das Segel) wurde anhand von ikonographischen Darstellungen nachgebaut.

Eventuell diente der Mast zusätzlich zur Befestigung des Zugseils beim Treideln (Fahrt gegen die Strömung). Interessanterweise waren bei den Booten von Oberstimm die Planken mit Nut und Feder verbunden und die Federn zusätzlich mit kleinen Pflöcken durch die Planken gesichert. Bei der bis in die Bronzezeit zurückreichenden Schalenbauweise wurden immer zuerst die Planken zusammengefügt, und dann die Spanten eingefügt. Dadurch unterscheidet sich diese Baumethode von der heutigen Skelett- oder Karawellkonstruktion, bei der erst Kiel, Steven und Spanten errichtet und dann die Planken angebracht werden.

Die einzelnen Planken der Oberstimmer Boote sind mit Bast abgedichtet der aufquillt und den Rumpf vor dem Eindringen von Wasser schützen soll. Unklar ist die Bedeutung einer Rehe kleiner Nagellöcher auf der Bootsinneseite. Möglicherweise verwendeten die römischen Bootsbauer Schablonen (»Mallen«), die Rumpfform exakt vorzugeben, wie das auch von anderen Funden bekannt ist. Dabei befestigt man die Planken zunächst provisorisch an den Schablonen, entfernt sie später und verwendet sie für den bau des nächsten Bootes. Mit dieser Methode können auch weniger geschulte Arbeiter Bootsrümpfe in der gewünschten Form und Größe erstellen.Ohne Zweifel waren auf den Donauschiffen nicht nur römische Soldaten, sondern auch Händler unterwegs, beispielsweise für die Versorgung römischer Ansiedlungen.

Den Beweis dafür liefert ein Fund aus Straubing, wo man vor einigen Jahren ein römisches Hafenbecken dokumentieren konnte. Neben solchen aufwändigen Anlagen gab es natürlich auch einfache Stege wie den von Seebruck: zwei rechtwinklig in den Chiemsee hineingebaute Holzkonstruktionen erlauben es, Boote für die Be- und Entladung festzumachen. Ein in Seebruck gefundener Einbaum belegt, dass die Römer auch einfache Wasserfahrzeuge benutzten. So kamen in Laufen-Pfaffing im Landkreis Berchtesgadener Land bei der Anlage eines Teichs zwei 7,10 Meter und 1,80 Meter lange Einbaumrümpfe aus dem 2. Jahrhundert nach Christus zum Vorschein. Die ungewöhnliche Dicke des Bodens spricht dafür, dass es sich bei diesem Fahrzeug um einen nicht fertig gestellten Rohling handelt. Es war üblich, halbfertige Boote für eine gewisse Zeit im Wasser zu versenken, um den Saft aus dem Holz auszuwaschen. Erst dann wurde das Boot endgültig fertig gestellt und benutzt.

JB



10/2005