Jahrgang 2005 Nummer 45

Lucas Cranach – der Maler mit der Apotheke

Apothekenbesitzer, aber kein Apotheker – Der Kurfürst von Sachsen rief Cranach nach Wittenberg

Vor genau 485 Jahren, nämlich 1520, verlieh der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, einem Manne das Privilegium zu einer Apotheke, der in der Tat kein gelernter Medicamentarius war. 16 Jahre zuvor hatte der gleiche Kurfürst den Maler aus dem Städtchen Kronach, der sich nach seinem Heimatort (wie damals vielfach der Brauch war) Lucas von Kronach oder einfach Lucas Cranach nannte, nach Wittenberg gerufen, wo er berühmte Zeitgenossen porträtierte.

Als Wittenberg durch Luther weit über die Grenzen des Kurfürstentums bekannt geworden war, war es für Lucas Cranach beschlossene Sache, in der Nähe des jungen Reformators zu bleiben. Er ist der einzige, der Martin Luther von Angesicht zu Angesicht porträtierte.

Der tiefreligiöse Maler, durch die Freundschaft mit Luther, Melanchthon und den anderen Männern um Luther in seinem Glauben bestärkt, konnte gar nicht anders, als jene der Nachwelt erhaltenen Bilder zu den biblischen Geschichten auf die Leinwand zu bringen, wobei Luther ihn oft auf geeignete Motive hingewiesen haben soll. Es bestand ein recht herzliches Verhältnis: beide standen 1520 wechselseitig bei ihren Kindern Anna (Cranach) und Hans (Luther) als Paten zu deren Taufen. Dieses Jahr muss für Lucas Cranach beonders günstig und bedeutungsvoll gewesen sein. Immerhin waren 16 Jahre seit seinem Antritt als Hofmaler verstrichen und er war zu einem reichen Mann geworden.

Wieso aber wurde dieser Maler »Apotheker«, richtiger »Apothekenbesitzer«? Schließlich war er kein gelernter, heute würde man sagen: studierter Apotheker, weshalb er ja diese seine »Stadt-Apotheke« selbst nicht führen durfte. Schon vor 485 Jahren bestanden da genaue Vorschriften. Die Huld seines Kurfürsten hatte ihm ein ganz besonderes Privileg verliehen.

Von da an durfte keine andere Apotheke in »unserer Stadt Wittembergk« eröffnet werden. Ja, der kurfürstliche Schutzbrief geht sogar noch weiter. Kein Bürger der Stadt oder gar ein fremder »Kramer« durfte zu Wittenberg gestoßene Gewürze, »Confect, Zucker, Tiriak und geferbet Wachs und noch anders, so man sunderlich in der apothecken gebraucht, feyll haben oder verkauffen«.

Eine Ausnahme machten lediglich die wenigen Markttage in der Stadt, an denen außerhalb der Apotheke und von anderen »Kramern« die sonst bevorzugten Gewürze und anderes angeboten und verkauft werden konnten. Wenn man weiß, welche Bedeutung die zumeist ausländischen Gewürze in jener Zeit besaßen, lässt sich der Wert jenes Privilegs ganz ermessen.

Der »weise Kurfürst«, der freilich genau wusste, dass man einen Hofmaler nicht in einer Offizin festhalten konnte, ließ ausdrücklich im Privileg vermerken: »... derhalben dann ein apothecker in Raissen nit wol von der apothecken ziehen magk ... solle ein ‘Geselle’ an seiner statt dort wirkenn«.

Lucas, der Maler, konnte ruhig auf »Raissen« gehen. Und in der Tat, in Caspar Pfreundt wurde der rechte »Provisor« gefunden. Pfreundt war ein ordentlicher Apotheker, erwarb die Zufriedenheit des Meisters und wurde am 16. Oktober 1553 als Schwiegersohn, nach dem Tod des Malers, Besitzer der Apotheke. Über 150 Jahre lang blieb die Stadtapotheke zu Wittenberg im Besitz der Erben des Lucas Cranach.

GD



45/2005