Jahrgang 2005 Nummer 26

Leben und Werk von Arpad von Laban

Der Traunsteiner Musikpädagoge, Komponist und Rezensent wurde vor 100 Jahren geboren

Dirigent in Nordenham/Orchester des Gymnasiums

Dirigent in Nordenham/Orchester des Gymnasiums
Sein Grab im Traunsteiner Waldfriedhof.

Sein Grab im Traunsteiner Waldfriedhof.
Arpad Rezsö Laban von Varalya verließ seine geliebte Stadt Traunstein im Jahre 1953 nach Nordenham (Landkreis Wesermarsch), um dort als Musiklehrer am Gymnasium tätig zu werden, weil er dort dringend gebraucht wurde. Seit 1947 gab es dort nur provisorischen Musikunterricht. Er war auch im Chiemgau nicht nur Musiklehrer, sondern zugleich Komponist, Orchester- und Chorleiter und Rezensent für das Feuilleton der damaligen Traunsteiner Zeitung »Südost-Kurier«. Er wurde 1905 im niedersächsischen Barsinghausen (südlich von Hannover) geboren und starb 1960 im Alter von 54 Jahren in Nordenham, und zwar im Musiksaal des Gymnasiums. In Nordenham wurde er beerdigt, später dann auf den Traunsteiner Waldfriedhof in ein Familiengrab überführt. Diese Ruhestätte besteht heute noch und wird gepflegt. Vor genau 100 Jahren wurde er geboren.

Die fünf wichtigsten Aufführungen, die er in Nordenham geleitet hat, waren:

Kinderoper »Die Werbung«. Diese Oper hatte von Laban 1951 mit großem Erfolg in Traunstein komponiert und in seiner privaten Singschule aufgeführt, auch in Nordenham hatte sie die gleiche gute Resonanz. Diese Oper war weitgehend kindgemäß und musikalisch originell. Sie trägt viele Züge aus der süddeutschen sprachlichen Herkunft des Komponisten und Texters. Begriffe wie »Lausbuam« mussten erst erklärt werden. Der Begriff »Werbung« beschränkte sich natürlich damals nicht nur auf die Werbung für Markenprodukte oder Unternehmen, sondern war viel weiter. Man kann aus heutiger Sicht diese Aufführung als die wichtigste in seinem Nordenhamer Leben als Musikpädagoge bewerten.

Von der Öffentlichkeitswirkung her gesehen, war Arpad von Labans Melodram »Stromland« im Jahre 1958 das größte und bedeutendste Ereignis. Den Anlass gab der Bau eines Kultursaales in der »Friedeburg«, einer Kulturhalle. Veranstaltet hat es die Volkshochschule Nordenham, die für den festlichen Ablauf der Feier des 50-jährigen Stadtjubiläums verantwortlich war. Die musikalische Hauptleitung dieser Zeremonie lag bei Arpad von Laban, er war die Hauptperson. Vergleicht man sein Werk »Stromland« mit dem im Jahre 1951 aufgeführten Werk »Gott segne dich, du alte Stadt« für Rothenburg ob der Tauber im mittelfränkischen Bezirk Bayerns ist auffallend die Ähnlichkeit des Textes beider Werke im Schluss-choral, denn in Nordenham lautete der: »Gott segne dich, du junge Stadt«. Die Serenade zu Ehren Wolfgang Amadeus Mozarts im Dezember 1956 war für ihn ein Anlass besonderer Freude. Es war Mozartjahr und Arpad von Laban konnte »alle musizierenden Kräfte Nordenhams, die Freude an guter Musik haben und schenken wollen, Streicher wie Bläser« in der geschmückten Aula des Gymnasiums versammeln und das Ganze leiten.

Um die Mitte des letzten Jahrhunderts war der Musikpädagoge Arpad Laban von Varalya eine wichtige Persönlichkeit im Kulturleben der Kreisstadt Traunstein im Chiemgau. Von 1949 bis 1953 betrieb er eine Private Singschule Laban, deren offizielle Bezeichnung »Staatlich genehmigte Private Singschule Laban (städtisch gefördert)« lautete. Neben dem Schulbetrieb erteilte Arpad von Laban privaten Musikunterricht für Einzelne und für Gruppen in Theorie und Praxis. Sein Ressort waren das Piano und die Stimme. Als er 1949 im Rückgebäude des Hauses an der Traunsteiner Ludwigstraße 23 hinter den Arkaden (heute Gasthaus »Geheimrat«) seine private Singschule eröffnete, hatte er schon lange Zeit vorher Musikstunden an Schulen in Traunstein gegeben. Vor Kriegsende gab Arpad von Laban in und um Traunstein sechzehn Jahre lang Musikunterricht, so dass sich seine Traunsteiner Tätigkeit auf 20 Jahre summiert. Nach eigenen Angaben hat er 41 von den 55 Jahren seines Lebens in Traunstein verbracht. Gudula Klafke zum Beispiel hatte 1944 bei von Laban Klavierunterricht, der allerdings nach kurzer Zeit beendet wurde: Die Schülerin und der Meister bekundeten sich gegenseitig, dass das jeweilige klaviertechnische Niveau zu weit auseinander liege. Dennoch hat sie das Klavier- und Orgelspiel so gut gelernt, dass sie nicht nur daheim, sondern auch beim Gottesdienst spielte. Der Redakteur Oswald Georg Wagner berichtete, dass der Künstler in geselliger Runde mit dem Rücken zum Klavier Mozart spielen konnte.

In seinem Antrag an die Stadt Traunstein, seine Singschule auch nach dem Krieg als private Schule weiterführen zu dürfen, knüpfte Arpad von Laban an die Tradition der seit 1936 bestehenden Städtischen Singschule Traunstein an. Die Aufgaben und Ziele beschrieb von Laban so: »Die Singschule hat die Aufgabe, in den Schülern die Liebe zum Gesang zu erwecken und die Grundlagen für eine musikalische Allgemeinbildung zu vermitteln. Die Ziele dieses Gesangsunterrichts sind: planmäßige Ausbildung von Gehör und Stimme; die Fertigkeit, einfache Melodien und besonders Unter- und Mittelstimmen eines mehrstimmigen Satzes selbstständig nach Noten zu singen, sowie verständnisvoller Vortrag guter Volkslieder und Gesangsstücke älterer und neuerer deutscher Meister«.

Er hat in Traunstein über 200 Werke komponiert und am 9. Juli 1951 zum Beispiel uraufgeführt: »Jedes Tierlein lebt so gern wie du«, »Die Heimat unsrer Jugendtage«, »Die Werbung« (Kinderoper). Professor Kurt Brüggemann rezensierte Labans Vorführung im Traunsteiner Wochenblatt: Frisch auf, singt all, ihr Musici: »Die private Singschule des bewährten Traunsteiner Musikerziehers und Komponisten Arpad von Laban warb am Montag im Rokokosaal in schöner Weise allein durch die Leistungen ihrer Schüler und bewies damit, dass sie die städtische Förderung und das Vertrauen der Eltern verdient«. Der Autor, Professor Kurt Brüggemann, lebte bis zu seinem Tod 2002 in Traunstein. Er würdigte Arpad von Laban in einem Gespräch mit mir als tüchtigen Mann in der Nachkriegszeit, der sich um die Traunsteiner Kultur verdient gemacht hat. Damals dachte man - so Brüggemann - weniger an Musik und Tanz, sondern an die persönlichen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Heizung und Kleidung. Brüggemann selbst hatte nicht das beste Verhältnis zu Arpad von Laban. Der Hintergrund sah so aus: Felicitas Schnitzer-Reich (gest. 2003) und Arpad von Laban waren die Tonangebenden in der Traunsteiner Musikschulszene, als der Berliner Kurt Brüggemann nach Traunstein kam. Laban befürchtete durch ihn eine Konkurrenz, die aber Brüggemann gar nicht wollte und nötig hatte, weil er schon beim Hörfunksender Radio Munich (dem späteren Bayerischen Rundfunk) tätig war. Brüggemann schrieb 1951 in seiner Rezension im Traunsteiner Wochenblatt als wohlwollende Kritik:

»Auch diesmal wieder bot das Programm eine Reihe von Werken aus der Feder Arpad von Labans: Ein Singschullied knüpfte mit frischem Wanderton geschickt an jugendliche Volksmelodik an. Eine dem Gedanken des Tierschutzes dienende Weise erhielt besonderen Reiz durch kecke Klavierbegleitung mit leichtem Song-Einschlag. Ein Traunstein gewidmetes Heimatlied zeichnete das Bild der Stadt nicht durch älplerische Wendungen, sondern mit gefühlvoll getragener Melodik alla ungherese. Die abschließende Kinderoper zeigte jugendgemäße, musikalische und szenisch gelungene Einfälle im Watschentanz und imaginären Lautenständchen der Buben...«

Neben seiner privaten Musikschule erteilte Arpad von Laban an allen drei höheren Lehranstalten in Traunstein Musikunterricht, so am jetzigen Annette-Kolb-Gymnasium, am Chiemgau-Gymnasium und an der Realschule der Englischen Fräulein Maria Ward im Stadtteil Sparz.

Nach dem Krieg gab es in Traunstein drei Lizenzzeitungen: das heute noch bestehende Traunsteiner Tagblatt (vorher seit 1855 Traunsteiner Wochenblatt, ursprünglich ein Organ des Bayerischen Waldbauernbunds), Traunsteiner Nachrichten vom Verleger Dr. Adlmaier ( dem Zentrum nahe, klerikal, Trachtenbewegung) und den Südost-Kurier (Josef Felder, Reichtagsabgeordneter der SPD, der gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat). Arpad von Laban hat für den Südost-Kurier Musikveranstaltungen rezensiert.

Was Arpad von Laban besonders gerne mochte

Eindeutig ist sein Bekenntnis zu seiner ungarischen Herkunft und die Liebe zu seinem Studium am Konservatorium Mozarteum (jetzt: Universität Mozarteum Salzburg) in allen seinen Veröffentlichungen zu erkennen. Sowohl in Traunstein als auch in Nordenham waren die Rezensionen in dieser Richtung für ihn ein »Heimspiel«, in Nordenham noch viel größer als in Oberbayern. Von seinem berühmten Professor Franz Ledwinka (Ehrenmitglied der Universität Mozarteum Salzburg, auch Lehrer von Herbert von Karajan) hat er gelernt, Mozart im Geist und in seinem musikalischen Handeln zu verstehen. Die Mozart-Serenaden, wo immer sie stattfanden, und die Fahrt zu einem Konzert in der Wallfahrtskirche Sankt Bartholomä am Königssee gehören zu seinen Lieblingserlebnissen.

Was er nicht mochte

Er hatte eine Abneigung gegen die Musik, die westlich von Greenwich entstanden ist oder gespielt wurde. Mit den Worten »Cowboy- oder Negermusik« ging er dem damaligen Zeitgeist entsprechend noch unbefangen um. Louis Armstrong als »musikalische Wuildsau« mache keine Musik, sondern nur organisierten Lärm.

Wie er zu anderen Aufträgen stand

Besonders um die Jahre 1952/53 stand es um seine Finanzen in Traunstein nicht so gut. Das war auch der Grund, sich eine neue Existenz zu suchen. Als Rezensent mit Zeilenhonorar von 11 Pfennig (6 Cent) schickte ihn seine Redaktion auch zum Ballett, zum Männergesangverein und zum Akkordeon-Orchester. Er hat seine Arbeit nach handwerklichen journalistischen Regeln fachmännisch gut gemacht.

Seine Sprache

Er liebte die deutsche Sprache, obwohl er selbst nie Deutscher war. Bei seinen Rezensionen in Traunstein wie in Nordenham sah seine Sprache gleich aus: meist lange, verschachtelte Sätze. Auffällig sind Fachbegriffe, die er beim Leser als bekannt voraussetzte, und schwülstige Worte wie »Born, echt, tiefgründig, harmonisch, ur-, Natur, ethisches Wollen, wahre Werte« und Reihen wie »besinnlich-erschütternd« und »frohgemut-quellend«. Wie jedem Feuilletonisten ging auch Arpad von Laban zuweilen der Gaul durch:

Über die Geigerin Edith von Voigtländer: »Musik ist ihr Plastik des Tones in der ganzen Fülle tiefschürfender Gestaltung von gleitender Ahnung, von herber Strenge oder voll bestimmender Kraft, aber immer gemessen, immer vornehm und bewusst, zu dienen in ernster Künstlerschaft, fraulicher Reife und geistiger Klarheit.[...] Diese Musik Pfitzners ist eine Philosophie in Tönen zwischen Gestern und Morgen, ein Letztwerk geigerischer Zwiesprache, begütigend und beschwörend das dräuende Chaos menschlicher Unvollkommenheit....«

Seine fundierte Bildung und seinen Wortwitz zeigte Laban bei einer Besprechung eines Schülerjubiläumskonzerts in Nordenham: »..Wohl ist die Jugend manchmal allzu schnell fertig nicht nur mit dem Wort, sondern auch mit den Tasten, so waren schon ein erstaunliches Durchhaltevermögen und reiche Ansätze von Geschmack und Sicherheit zu beobachten. ....«

Sein Umgang mit Konkurrenten

Mit Professor Kurt Brüggemann neben der Pianistin Felicitas Schnitzer-Reich kam von Laban in Traunstein gut aus, man achtete sich gegenseitig. Brüggemann war Rezensent am Traunsteiner Tagblatt und hatte eine Beschäftigung beim Bayerischen Rundfunk, während von Laban 1949 eine Private Singschule wiedereröffnete und beim Südost-Kurier tätig war.

Seine Freiheit, Kritik zu äußern

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war es für jede Stadt etwas Besonderes, wenn sie kulturelle Veranstaltungen aufzuweisen hatte. Arpad von Laban nutzte mit Fug und Recht seinen Sachverstand und seinen künstlerischen Ehrgeiz bei seiner journalistischen Arbeit aus. Seine Kritiken waren überwiegend wohlwollend, was ihm nicht gefiel, hat er eher mit Fingerspitzengefühl zwischen den Zeilen ausgedrückt. Doch in mindestens fünf Belegen kann man nachweisen, dass Arpad von Laban weder in Traunstein noch in Nordenham Hofberichterstattung betrieben hat. Je ein Beispiel dafür: Er übte deutliche Kritik an einem Quartett in Traunstein und an einer Schülerpräsentation einer Nordenhamer Klavierlehrerin.

Warum er von Traunstein nach Nordenham ging

Es war eindeutig die wirtschaftliche Not, die ihn zum Umzug von Traunstein nach Nordenham zwang. Obwohl er an beiden Traunsteiner Gymnasien und der klösterlichen Realschule Musikunterricht erteilte, zudem Chorleiter an der Volkshochschule und Kulturkritiker beim Südost-Kurier war, reichte es finanziell nicht. Seine 1949 wiedergegründete Private Singschule war ein Verlustgeschäft. So war es für den Künstler eine große Hoffnung, Musiklehrer in Nordenham zu werden. Dort hat er sich in all seinen Bereichen mit großem Erfolg betätigen können. Als angestellter Musiklehrer auf Dauer hatte er jetzt ein sicheres Fundament.

Von seinen 55 Lebensjahren verbrachte der Musiker die meisten Jahre in Traunstein. Er liebte diese Stadt. Geboren wurde Arpad von Laban am 29. Juni 1905 in Barsinghausen (Kreis Linden, jetzt Hannover, Niedersachsen). Er starb auch in Niedersachsen, nämlich am 21. März 1960 im Schuldienst des Gymnasiums Nordenham. Seine erste Anstellung war 1928 in Prien am Chiemsee am »Chiemsee-Pädagogikum«. Er heiratete Anna Babetta (genannt Etta), geborene Baumann, aus Rothenburg ob der Tauber. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

Zum Lebenslauf gehört unbedingt ein Hinweis auf seinen prominenten Vater:

Rudolf von Laban (1879 – 1958) war der bedeutendste Pionier in der Entwicklung des modernen Tanzes im mitteleuropäischen Expressionismus. Er entwickelte einen aufsehenerregenden Ansatz, um Tanz und Bewegung durch systematische Untersuchungen zu analysieren und grafisch darzustellen. Die Dynamik der körperlichen Bewegung im Einklang zum Raum war sein Thema. Er schuf die Kinetografie (auch heute noch Labannotation genannt), die die Bewegungen des Körpers skizziert und dokumentiert. Sein Einfluss auf die moderne Choreografie war erfolgreich und bahnbrechend.

Varatjai vereknyei esliget falyi Laban Rezsö Keresztelo Szent Janos Attila, besser als Rudolf von Laban bekannt, wurde 1879 in Pressburg (Bratislava/Slowakei) als Sohn eines k.u.k.-Offiziers (Feldmarschall-Leutnants) geboren. Zunächst sollte er die Militärkarriere seines Vaters fortsetzen. Doch schon mit 21 Jahren entdeckte Rudolf von Laban seine Liebe zur Natur und zur Kunst. Er studierte und arbeitete in vielen Städten. Aufzuzählen sind Paris, Naher Osten, Nordafrika, Ascona, Zürich, München, Mannheim, Hamburg, Basel, Stuttgart, Prag, Budapest, Zagreb, Rom, Wien, Würzburg, New York, Chicago, Los Angeles, Essen (Folkwangschule), Berlin. Schloss Banz bei Staffelstein/Bayern, Manchester, London waren weitere Stationen in seinem Leben. Er starb 1958 in Weybrigde bei London. Im Jahre 1905, also dem Geburtsjahr seines Sohnes Arpad, betrieb Rudolf von Laban seine Studien in Paris (1900 – 1907) an der Ecole des Beaux Arts. Sein Schwerpunkt waren Bühnendesign, dramatischer Tanz, Theaterarchitektur, Dekoration und Kostüme. Um seine Finanzen aufzubessern, trat er unter dem Künstlernamen »Attila de Varalya« im berühmten Moulin rouge auf dem Montmartre auf.

Vater Rudolf von Laban heiratete in München 1900 die Kunstmalerin Martha Fricke, ihr Vater war Zimmerermeister in Nienburg an der Weser. Der Geburtsort Barsinghausen bei Hannover lässt vermuten, dass er in jener Zeit ein Engagement in Hannover hatte, was aber nicht der Fall war. Arpad von Labans lutherische Konfession geht auf die seiner Mutter zurück. Auch seine Frau Etta war evangelisch, sie stammte aus Rothenburg ob der Tauber, also aus der bayerischen Hochburg des Luthertums in Mittelfranken. Bis 1945 hatte Arpad von Laban die ungarische Staatsangehörigkeit, war dann bis zu seinem Tod staatenlos. Er versuchte in Nordenham wie auch seine Frau Etta, die deutsche zu erwerben, jedoch ohne Erfolg. Dabei ist bemerkenswert, dass seine Frau Etta die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Heirat verlor und nach der Rechtslage nicht wieder erlangen konnte. Seine Mutter Martha starb im Alter von 29 Jahren an Leukämie. Seine Schwester Asraela lebte von 1902 bis 1982. Sein Vater ging als junger Witwer mit Maria Lederer (1883-1975) eine zweite Ehe ein. Aus dieser wurden geboren: Johanna, Renate, Georg, Etelka und Roland. Mit Etelka von Laban (also seiner Halbschwester, geboren 1915) konnte ich im August 2003 in ihrer Münchner Wohnung ein informatives Gespräch führen.

Die Arbeit des Vaters Rudolf in Deutschland fand 1936 ein jähes Ende. Er war zunächst verantwortlich für die künstlerische Gestaltung der choreografischen Einlagen im Rahmenprogramm für die olympischen Spiele in Berlin. Im Multiplikator-System war sein Programm vorgesehen für 20 000 Aktive. Labans Werk galt bei den Nazis als »staatsfeindlich«, zu wenig nationalistisch und zu multikulturell. Er musste in die Verbannung in das bayerische Schloss Banz bei Staffelstein in Oberfranken. 1937 konnte er nach Paris emigrieren und ging dann nach England.

Ausblick

Sowohl in Traunstein als auch in Nordenham ist Arpad von Laban immer noch unvergessen. Man kann immer noch ältere Menschen treffen, die sich an ihn mit Freude in seiner Rolle als Musiklehrer, Chor- und Orchesterleiter sowie als Kulturkritiker erinnern. Die Ruhezeit auf dem Traunsteiner Waldfriedhof war offiziell 2002 abgelaufen, doch der Traunsteiner Oberbürgermeister Fritz Stahl hat das Grab als »historisch bedeutsam« eingestuft, das heißt es bleibt auf unbestimmte Dauer bestehen und wird regelmäßig privat gepflegt. Sein 100. Geburtstag im Jahre 2005 trifft mit dem 100-jährigen Jubiläum des Gymnasiums Nordenham zusammen.

JB



26/2005