Jahrgang 2017 Nummer 48

Heilige Bibiana, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Bibiana war die Tochter des heiligen Ritters und Martyrers Flavian und der heiligen Martyrin Dafrosa zu Rom. Zuerst wurde sie mit ihrer Schwester Demetria nach dem Tode der Eltern wegen ihres Glaubens ihres großen Vermögens beraubt. Die Jungfrau Demetria wurde grausam geschlagen und gab bei einem zweiten Verhöre ihren Geist auf, indem sie Gott der Herr plötzlich zu sich nahm. Die heilige Jungfrau Bibiana wurde als Christin gefangen gesetzt. Alle möglichen Verführungskünste wurden angewendet, um sie zum Abfalle von Christus zu verleiten. Sogar einem gottlosen Weibe ward sie übergeben, um ihre Keuschheit wankend zu machen. Die standhafte Bibiana machte alle Anschläge zu Schanden und wurde nun vom Statthalter Apronian verurteilt, mit Geißeln, woran Bleikugeln waren, totgepeitscht zu werden. Die edle, unschuldige Jungfrau ließ sich ruhig entkleiden, die Hände fesseln, an eine Säule binden und hauchte dann unter den grausamen Schlägen ihre Seele aus den 2. Dezember 363 unter Kaiser Julian dem Abtrünnigen. Ihr heiliger Leib wurde den Hunden vorgeworfen, aber von Gott beschützt; nach zwei Tagen gelang es einem Priester, denselben ehrerbietig beisetzen zu können neben ihrer heiligen Mutter und Schwester. In Rom wurde zu Ehren der heiligen Bibiana eine Kirche erbaut.

Lehre. Ein entsetzlicher Frevel ist die Verführung zur Sünde, zumal zur Unlauterkeit. Darum sollen die Jungfrauen recht wachsam sein und die ihnen zu Gebote stehenden Mittel anwenden, um gerade die schönste Tugend, den herrlichsten Schmuck der Seele nicht zu verlieren. Die Verführer bleiben leider meistens frei von Strafe und Schande, während die törichten, verführten Mädchen alle Schande auf sich nehmen müssen. Man beherzige die Worte des heiligen Ambrosius: »Die Wollust ist die Angel des Teufels, die uns zum Untergange zieht. Die Wollust ist eine Mutter der Sünde; die Sünde aber ist ein Stachel des Todes. Die Wollust ist eine Nahrung für den ewigen Wurm; sie ergötzt zwar denjenigen für einige Zeit, der sie genießt, wird aber nachher bitterer als Galle«.

Kirchengebet. O Gott, du Spender alles Guten! der du in deiner Dienerin Bibiana mit der Lilie der Jungfräulichkeit die Palme des Martyriums vereinigen wolltest: verbinde durch deren Fürbitte unsere Herzen mit der Liebe zu dir, dass die Gefahren weichen, und wir die ewige Belohnung erlangen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

48/2017