Jahrgang 2006 Nummer 29

Wertvolle Orgel erhält in Grabenstätt seinen alten Glanz

Peter Klauser restauriert das über 200 Jahre alte Instrument

Aus dem Jahr 1790 stammt diese inzwischen wieder vollständig restaurierte Orgel aus der Zillertaler Orgelbau-Manufaktur Maurache

Aus dem Jahr 1790 stammt diese inzwischen wieder vollständig restaurierte Orgel aus der Zillertaler Orgelbau-Manufaktur Mauracher. Schreiner Peter Klauser aus Zeiering bei Grabenstätt hat das Instrument, das aus der Gegend von Aschau am Inn stammt und in »erbärmlichem Zustand« war, zusammen mit seinem Vater Max in den letzten fünf Monaten von Grund auf überholt.
Was da derzeit in der Schreinerwerkstatt Klauser in Zeiering bei Grabenstätt steht, ist eine veritable Kostbarkeit: eine über 200 Jahre alte, vollständig restaurierte Orgel aus der Zillertaler Orgelbau-Manufaktur Mauracher. Peter Klauser hat das Instrument, das aus der Gegend von Aschau am Inn stammt und in »erbärmlichem Zustand« war, zusammen mit seinem Vater Max in den letzten fünf Monaten von Grund auf überholt. Jetzt fehlen »nur« noch die Pfeifen, die angekauft werden müssen und um die 7500 Euro kosten würden.

Die angejahrte Orgel hat schon einiges erlebt. In Fügen im Zillertal im Jahr des Herrn 1790 erbaut, kam sie über eine unbekannte erste Station im Jahr 1870 in das Gotteshaus von Fraham bei Aschau am Inn, das damals Pfarrkirche war. Dort tat das kleine Instrument mit der »einmaligen Stimmungslage«, wie Klauser schwärmt, fast hundert Jahre treu ihren Dienst, ehe sie dann gegen eine neue Orgel ausgetauscht wurde. Von da an war ihr ein trauriges Schicksal beschieden, sie wanderte in private Hände, wurde zuletzt sogar inmitten anderen Gerümpels für einen alten Kleiderschrank gehalten. Nur durch Zufall kam die Kunde von diesem alten Stück zu Peter Klauser, der seit Jahren Kontakte zu Orgelspielern, Orgelbauern und Pfarrern unterhält. Immerhin hat er schon drei große Orgeln renoviert.

Sobald Klauser von dieser so schmählich missachteten Orgel gehört hatte, holte er sie sich in seine Werkstatt nach Zeiering und begann - ohne zu wissen, was letztlich mit ihr geschehen sollte - mit der aufwändigen Reparatur. Das Orgelgehäuse, gut zwei Meter hoch, gut ein Meter tief und etwa 1,20 Meter breit, war trotz seines hohen Alters noch in recht gutem Zustand, hier musste kaum etwas ausgebessert werden. Die Orgel selber hat vier Register, war durch einen Blasebalg betrieben und hatte 200 metallene Pfeifen aus Zink und Zinn sowie 48 hölzerne. Diese waren allerdings, wie Klauser vermutet, schon frühzeitig verkauft worden, weil sich dadurch wohl etwas Geld erlösen ließ.

Nichts mehr vorhanden war von den Pedalen (eine Oktav mit 13 Tönen umfassend), die Vater und Sohn Klauser sorgfältig aus Mahagoniholz nachgebaut haben. Das Manual dagegen war noch im Originalzustand vorhanden, sogar in einem ordentlichen Zustand. Die Tasten sind aus Nussbaumholz, die Halbtontasten mit Elfenbein belegt. Der Tonumfang liegt bei etwas mehr als drei Oktaven

Die meiste Arbeit war in den »Innereien« zu tun. Die Drahtaufhängungen der Tasten und Pedale mussten erneuert werden, weil sie völlig verrostet waren. Dagegen sind die so genannten Stecher, die Verbindungsstücke zu den Tasten, die ebenfalls in Metall gearbeitet sind, noch komplett verwendbar. In der Windlade, dem Herzstück der Orgel, mussten nicht wenige Holzteile ersetzt werden, was aus altem, wurmstichigem Holz so sorgfältig von den Klausers gemacht wurde, dass praktisch kein Unterschied zu den Originalen zu entdecken ist. Der alte Blasebalg samt seiner Konstruktion hat allerdings ausgedient; ein neuer Elektromotor, der extern angeschlossen ist, erledigt in Zukunft dessen Dienste. Dass Peter Klauser zum Instrument auch noch die passende Orgelbank dazu gebaut hat, versteht sich fast von selbst. Jetzt ist die Orgel wieder in Bestzustand, es fehlen nur noch die Pfeifen. Gut zwei Jahre ist es her, dass sich Peter Klauser intensiv mit Orgelrenovierungen befasst. Zwischenzeitlich hat er zwei große Pfeifenorgeln aus Wackersberg bei Bad Tölz und aus Tirol renoviert, hat außerdem eine wertvolle Rokokoorgel hergerichtet, die aus Oberfranken stammte und jetzt im Orgelmuseum von Dr. Sixtus Lampe in Valley steht. Seine noch größere Leidenschaft gilt aber offenbar dem Harmonium, und das schon seit langem. Davon besitzt er einige wunderbare, wertvolle Stücke. Sein Wohnzimmer wird von dreien solcher Instrumente beherrscht, und er lässt sich nicht lange bitten, eines davon einzuschalten und ein Stück darauf zu spielen - hat er doch schon in frühester Jugend das Orgelspiel erlernt.

Wenn sich Intessierte bei ihm melden zeigt er ihnen nach telefonischer Voranmeldung (Telefon 08661-384) gern seine Schätze, die alle ihre eigene faszinierende Geschichte haben.

Hans Eder



29/2006