Jahrgang 2005 Nummer 28

Wenn die Augen getäuscht werden

Vexierbilder, Wendeköpfe und andere optische Tricks

Wendekopf: Esel/Mann

Wendekopf: Esel/Mann
Erst wenn man das Bild flach von der Unterkante aus betrachtet, erkennt man König Charles I. von England (um 1650).

Erst wenn man das Bild flach von der Unterkante aus betrachtet, erkennt man König Charles I. von England (um 1650).
Wendekopf: Alter Mann/Schwein, Italien, um 1700.

Wendekopf: Alter Mann/Schwein, Italien, um 1700.
Wohl jeder kennt von Kinderbüchern oder von Rätselseiten die lustigen Vexierbilder, die man verkehrt herum betrachten muss, um eine versteckte Person zu entdecken oder auf denen man je nach Blickwinkel entweder den Kopf einer jungen Frau oder den einer Hexe erblickt. Solche Darstellungen beweisen, wie unsere Augen anfällig für Sinnestäuschungen sind und keineswegs immer einen zuverlässigen Spiegel der Welt darstellen. Die Redewendung »Ich hab’s mit meinen eigenen Augen gesehen« muss deshalb nicht unbedingt als Tatsachenbeweis gelten.

Mit verschiedenen Arten der optischen Illusionen und wunderlichen Überlistungen unserer Augen befasst sich die Ausstellung »Lust und List im AugenBlick«, die bis 28. August im Barockmuseum in Salzburg gezeigt wird. Die Exponate stammen aus der Sammlung des Hamburger Medienprofessors Werner Nekes und umfassen die Zeit vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Zeit des Barock liegt, als die Künstler durch Anwendung der Zentralperspektive die Kuppelgewölbe der Kirchen zu wahren Himmelsarchitekturen gestalteten.

Beim Gang durch die Ausstellung kann man höchst vergnügliche und zugleich erstaunliche Entdeckungen machen. Da verwandelt sich eine Landschaft in das Porträt eines bärtigen Mannes, der Schatten einer Schachfigur zeigt die Physiognomie Napoleons und der Knauf eines Spazierstocks wird zum Kopf von Marie Antoinette. Die sogenannten Anamorphosen geben ihr Geheimnis erst preis, wenn sie in Zylindern oder Kegelformen gespiegelt werden. Auch die Techniken der Trickkünstler werden vorgeführt. So kann man durch eine Camera obscura aus einem Museumsfenster hinaus in den Mirabellgarten schauen und nachempfinden, wie früher die Künstler sich das Malen einer Vedute mit ihren oft komplizierten Proportionen erleichterten, und man wird über die Unterschiede zwischen Lochkamera und Laterna Magica aufgeklärt.

Die Ausstellung regt dazu an, die von unseren Augen als scheinbare Realität erblickten Bilder kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Im Zeitalter der Fotografie und des Fernsehens sind der optischen Manipulation kaum noch Grenzen gesetzt – auf die Augen ist tatsächlich oft kein Verlass mehr.

JB



28/2005