Jahrgang 2012 Nummer 37

Waffen, Schmuck, Urnen und Handwerkskunst

Ausstellung zeig Exponate von Stämmen, die einst in Südosteuropa lebten

Die Rüstung eines keltischen Kriegers in einer Vitrine der Ausstellung im Kelten-Römer-Museum von Manching bei Ingolstadt. Bis Februar 2013 zeigt eine Ausstellung Exponate von Stämmen, die einst in Südosteuropa unweit des Limes lebten. Zu sehen sind Funde aus dem heutigen Ungarn und Rumänien.
Waffen, Schmuck, Urnen und Handwerkskunst in einer Vitrine der Ausstellung im Kelten-Römer-Museum von Manching.

In einer Vitrine liegt die fast 2000 Jahre alte Rüstung eines einsamen Kriegers mit einem großen, eisernen Vogel auf dem Helm. Vom Kettenpanzer sind nur noch Fragmente übrig. Dafür veranschaulichen die hellenistischen Beinschienen und die kunstvollen Verschlusshaken, welchen Kulturmix es in Südosteuropa zu Zeiten der römischen Besatzung gegeben haben muss. Bis zum 17. Februar 2013 können Besucher im Kelten-Römer-Museum von Manching bei Ingolstadt Waffen, Schmuck, Urnen oder Handwerkskunst der Stämme bestaunen, die in Südosteuropa unweit des Limes lebten.

 

Vom sperrigen Titel dürfen sich Interessierte dabei nicht abschrecken lassen: »Roms unbekannte Grenze - Kelten, Daker, Sarmaten und Vandalen im Norden des Karpatenbeckens 4. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.«. Die mehr als 600 Exponate sind größtenteils erstmals außerhalb Ungarns und Rumäniens zu sehen. Initiator der Sonderausstellung ist Museumsleiter Wolfgang David. Ihm ist nicht nur wichtig, die Funde dem Publikum in einem thematischen, geografischen und kulturellen Zusammenhang zu präsentieren. »Ich möchte mit der Ausstellung der Westlastigkeit der Keltenforschung entgegenwirken«, sagt er. Durch den Eisernen Vorhang sei der Fokus auf die Kelten und ihre Zeitgenossen in Südosteuropa vernachlässigt worden.

 

Rupert Gebhard, Leiter der archäologischen Staatssammlung in München, sagt: »Diese Ausstellung vereint aktuelle Forschung und großartige Funde (...). Die Schau gibt einen Überblick über das Zusammenwirken der verschiedenen Kulturen damals im Karpatenbecken.« Auch der Katalog ist für Gebhard etwas Besonderes, denn die meisten Stücke seien noch nie zuvor in hochwertiger Qualität fotografiert worden.

 

Die  informative Schau macht auch deutlich, wie sehr die Lebensweise der südosteuropäischen Kelten der in Süddeutschland ähnelte. »Funde in Rumänien sind zum Teil identisch mit Funden aus Manching«, erläutert David. »Da wird der Kommunikationsraum im zweiten Jahrhundert sehr verdeutlicht.« Außerdem seien bei einigen Stücken griechische Einflüsse zu sehen, die eine Verbindung mit der hellenistischen Welt bezeugten.

 

Die Ausstellung beginnt in der ungarischen Donau-Theiß-Tiefebene. Ein keltisches Doppelhenkelgefäß mit geformten Widderköpfen oder Urnen mit anthropomorphen Formen sollen die Besucher in Staunen versetzen. Einige Meter weiter geht es in das Innere von Siebenbürgen, das vom Fluss Mieresch geprägt ist. Hier ist der Unterschied zu den Manchinger Kelten zu entdecken. »Man erkennt eine vollkommen andere Töpfertechnologie. Der Ton in Siebenbürgern ist viel feiner geschliffen, so dass es fast an Porzellan erinnert. Da konnte die Manchinger Feinkeramik nicht mithalten«, sagt David.

In der Ausstellung geht es auch um die Sarmaten, ein Reitervolk aus der iranischen Gegend, das für seinen Silberschmuck bekannt ist. Die Schau endet mit den Waffen der Vandalen. David sagt: »Den Waffen sieht man an, dass sie an Gnadenlosigkeit nicht zu überbieten sind.«

 

 

Die Sonderausstellung »Roms unbekannte Grenze - Kelten, Daker, Sarmaten und Vandalen im Norden des Karpatenbeckens 4. Jh.v.Chr. bis 4. Jh.n.Chr.« ist bis 17. Februar 2013 im Kelten-Römer-Museum in  Manching zu sehen. - Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr.

 

 

Christine Engel